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Studienzusammenfassung

Alkohol – Auch für Sportler eine soziale Droge

Dr. Andro, 27.12.2010

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"Sprechstunde bei Dr. Andro" - in dieser Rubrik hier bei Team-Andro nimmt Dr. Andro es für euch mit den sport- und medizinwissenschaftlichen Datenbanken dieser Welt auf. In Ausgabe 6 setzt er sich mit dem Thema Alkohol im Zusammenhang mit der sportlichen Aktivität auseinander.

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Disclaimer: Die hier zur Verfügung gestellten Informationen dienen ausschließlich Informationszwecken.

Für die Richtigkeit der Informationen aus den hier zitierten Artikel ist der Autor dieser Kolumne nicht verantwortlich. Die Rechte an den hier in Auszügen zitierten Studienergebnissen liegen bei den jeweiligen Autoren.

Die Rückschlüsse, die aus den Studienergebnissen im Hinblick auf bestimmte, teilweise dem Forschungsinteresse der Autoren nicht entsprechende Fragestellungen gezogen werden, sind nicht Teil der entsprechenden wissenschaftlichen Arbeiten.
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"Auf den Alkohol - die Ursache und die Lösung aller Probleme!" - Diese tiefgehenden, überaus intellektuellen Worte, die den Zeitgeist vielleicht besser festhalten, als ich es jemals hätte schaffen können, stammen von einem der größten Philosophen unserer Zeit: Homer J. Simpson. Und Homer hat Recht: Menschen, die trinken, verdienen nachweisbar mehr Geld und haben bessere Jobs. Menschen, die zu viel trinken, haben dagegen bekannterweise mindestens ein Problem. Alkohol enthemmt, macht kontaktfreudig und ist in unserem Kulturkreis eine akzeptierte Droge.

Um so interessanter ist die Tatsache, dass in wohl kaum einer Sportart der Alkoholkonsum so verteufelt wird, wie im (Hobby-)Bodybuilding. Powerlifter stehen zu ihrem Post-Workout-Bier, Biermannschaften haben ein Fußballproblem, und ich bin überzeugt, selbst Polo-Spieler gönnen sich auch mal ein Glas Rotwein mehr.

Im Folgenden soll einen kleinen Einblick in den Zusammenhang von Alkoholkonsum und sportlicher Aktivität liefern.

Sportliche Aktivität und Alkohol – Zwei Beispiele

Lange Zeit galten Sportvereine als Lösung für das Problem eines zu frühen Alkoholkonsums unter Jugendlichen. Wer Sport treibt, so der Gedanke, käme nicht auf die Idee sich an Drogen auszuprobieren. Dass dies in Realität nicht zwangsläufig so geschieht, wird der ein oder andere sicherlich aufgrund eigener Erfahrungen selbst wissen.

Dabei ist es keinesfalls so, dass das stereotypische Bild des jugendlichen Couchpotatoes korrekt wäre. Schmid stellte in einer Schweizer Untersuchung fest, dass 90% der Schüler und über 80% der Schülerinnen im Alter von 12 bis 15 Jahren mindestens einmal in der Woche Sport treiben, wobei Schulsport nicht mitgerechnet worden ist, und untersuchte in diesem Zusammenhang die Fragen, wie sich sportliche Aktivität und der Konsum von Drogen zueinander verhalten und welcher Einfluss möglicherweise stärker ist.

Dazu wurden 587 16/17-jährige in einer Langzeitstudie zum ersten Messpunkt befragt, von denen drei Jahre später 465 Probanden erneut erreicht werden konnten. Dabei konnte Schmid
  1. einen direkten, wenn auch schwachen Zusammenhang zwischen Sport und Drogenkonsum feststellen.
  2. Die Frage, ob sporttreibende Jugendliche als junge Erwachsene weniger zu Drogen greifen, konnte Schmid aufgrund seiner Ergebnisse verneinen.
  3. Ein Drogenkonsum bereits im jugendlichen Alter hingegen führt laut Schmid zu einer geringeren Ausübung von Sport im erwachsenen Alter.
Sport und Drogen schlossen sich also zumindest bei unsern Schweizer Nachbarn keinesfalls gegenseitig aus. Werfen wir einen Blick über den großen Teich.

Nelson und Wechseler untersuchten den Zusammenhang von Trinkgelagen und sportlicher Aktivität bei College Studenten und fanden heraus, dass Sportler häufiger zu binge drinking (Trinkgelagen) neigen, als Nicht-Sportler. Gleichzeitig ist der Sport jedoch für sportlich aktive Jugendliche oftmals ein Grund den Alkoholkonsum bei entsprechenden Gelegenheiten einzuschränken.

Was wie ein Widerspruch wirkt, könnte eher als Hinweis verstanden werden, dass die gleichen Menschen, die an Trinkgelagen mit anderen Gleichaltrigen teilnehmen, aus ähnlichen kontaktfreudigen Gründen sportlich aktiv sind und deshalb sonst entsprechend beim Alkoholkonsum zurückhaltend sind. - Weiteres dazu weiter unten.

Lisha und Sussman untersuchten in ihrer Meta-Studie 34 Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Drogen und Sport beschäftigten, wobei 29 dieser Studien auch explizit auf Alkohol eingingen. Zwei Drittel der Studien konnten, wie auch bereits die angeführten Ergebnisse aus der Schweiz und den USA, einen positiven Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und Alkoholkonsum feststellen: Wer sportlich aktiv ist, trinkt auch mehr Alkohol.

Alkohol – Die soziale Droge

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Argumentation Schmids, dass Alkohol, aber auch andere Drogen, als soziale Drogen zu verstehen sind, die nicht in Einsamkeit genommen werden, sondern in der Gruppe.

Ähnliches wiesen Ford und Kollegen sowie Nelson und Wechseler nach: Jugendliche Sportler neigten nach Nelson und Wechseler vor allem aufgrund der sozialen Anlässe, bei denen es zu "binge drinking" käme, zu erhöhtem Alkoholkonsum. Peretti-Watel und Kollegen konnten den Effekt, dass Sportler aus Teamsportarten zu erhöhtem Alkoholkonsum neigen, im Vergleich zu Sportler aus Einzelsportarten, sogar bei jugendlichen Elitesportlern nachweisen. Kunz dagegen sieht den Zusammenhang in noch größerem Maße, indem er darauf hinweist, dass Trinker mehr aktiv sind als Nicht-Trinker, da diese ganz einfach zu großen Teilen jung, männlich und Single sind.

Trinken kann also durchaus Menschen gesellig verbinden und zum Zusammensein mit Mitmenschen anregen. Dieser Punkt ist besonders interessant, da ehrgeizige Bodybuilder oder leistungsorientierte Fitnesssportler sich tendenziell als Einzelkämpfer auszeichnen. Wer alleine trainiert und Gleichgesinnte lediglich über das Internet in größerer Anzahl um sich reiht, könnte sich im realen Leben einer Menge an Erfahrungen berauben.

Quellen:

  • Ford, J. A. (2007): Substance use among college athletes: A comparison based on sport / team affiliation. Journal of American College Health, 55, 367−373.
  • Kunz, Jean Lock (1997): Drink and be Active? The Associations Between Drinking and Participation in Sports. In: Addiction Research & Theory, Volume 5, Issue 6, S. 439 – 450.
  • Lisha, Nadra E./Sussman, Steve (2010): Relationship of high school and college sports participation with alcohol, tobacco, and illicit drug use: A review. In: Addictive Behaviors.
  • Nelson, Toben F./Wechseler, Henry (2001): Alcohol and college athletes. In: Med. Sci. Sports Exerc., Vol. 33, No. 1, S. 43–47.
  • Peretti-Watel, Patrick /Guagliardo, Valérie/Verger, Pierre/Pruvost, Jacques/Mignon, Patrick/Obadia, Yolande (2003): Sporting activity and drug use: alcohol, cigarette and cannabis use among elite student athletes. In: Society for the Study of Addiction to Alcohol and Other Drugs: Addicition, 98, S. 1249–1256.
  • Schmid, Holger (2002): Sport, Alkohol, Tabak und illegale Drogen in der Entwicklung von Jugendlichen zu jungen Erwachsenen. In: Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, 10 (1), S. 36–48.

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