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Anabole Steroide, Wachstumshormone und Hypertrophie des Herzmuskels

Von bulkolly, 08.07.2006

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im Original unter Anabolic Steroids, Growth Hormone and Hypertrophy of the Heart
Autor ist Willem Koert, M.Sc.

Die Debatte über die Wirkung von anabolen Substanzen auf die Struktur des Herzmuskels hat eine neue Stufe erreicht, seit finnische Forscher eine Studie mit 20 Bodybuildern durchgeführt haben, die gerade eine Anabolika-Kur beendet hatten. Wie die Forscher herausfanden, schädigen anabole Steroide alleine das Herz nicht, ganz im Gegensatz zur Kombination von Steroiden und Wachstumshormonen.

Kontext

Seit den achtziger Jahren streiten sich Wissenschaftler darüber, ob anabole Steroide wirklich zu einer Vergrößerung des Herzmuskels führen. Steroidkonsum wurde mit einer Vergrößerung der linken Herzkammer in Verbindung gebracht. Dieser Teil des Herzens pumpt das mit Sauerstoff angereicherte Blut durch den Körper. Eine überentwickelte linke Herzkammer verursacht Herzrhythmusstörungen und kann in schweren Fällen zum Tode führen. Im Jahre 2001 fanden australische Ärzte Herzvergrößerungen bei dopingfreien Kraftsportlern und schlossen hieraus, dass die Hypertrophie des Herzmuskels durch das Training mit Gewichten und nicht durch Steroide verursacht wird. Sie fanden auch heraus, dass diese Hypertrophie die Gesundheit der Versuchspersonen nicht beeinträchtigte.

Die neue finnische Studie, die im Sommer 2003 im International Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde, widerspricht in ihren Ergebnissen der australischen Studie nicht, sondern ermöglicht tiefere Einblicke in den Zusammenhang zwischen dem Gebrauch anaboler Substanzen und Herzmuskelhypertrophie.

Die Studie

Die finnischen Forscher schalteten für ihr Experiment eine Anzeige in einem Bodybuildingmagazin. Zwanzig Bodybuilder antworteten - alle waren im Begriff eine Kur mit anabolen Steroiden zu beginnen und hatten sich ihre Medikamente bereits über den Schwarzmarkt besorgt. Vor dem Start der Anabolike-Einnahme wurde die geplante Medikation der 20 Bodybuilder von der pharmakologischen Abteilung der Universität überprüft, und die Medikamente wurden analysiert. Dies war notwendig, da nach jüngsten Schätzungen bis zu 50 % der anabolen Steroide auf dem europäischen Schwarzmarkt gefälscht sind. Sechzehn der Probanden verwendeten nur Steroide, wobei die wöchentlichen Dosierungen im Bereich von einigen hundert Milligramm bis zu über tausend Milligramm lagen.

Vier der Probanden kombinierten Steroide mit Wachstumshormonen in einer Dosierung von zwei, drei oder vier IU für vier der sechs Wochen. Die Wachstumshormone wurden einmal täglich injiziert, wobei dies meist abends geschah. In dieser Gruppe war die Steroiddosierung um den Faktor 1,3 höher als in der Gruppe, die nur Steroide verwendete. Nach Beendigung ihrer Kur wurden die Probanden kardiologisch untersucht. Die Tabelle unten fasst die Ergebnisse dieser Untersuchungen zusammen. Die Kontrollgruppe bestand aus fünfzehn aktiven jungen Männern, die kein Gewichtstraining betrieben.

Ergebnisse

 Kontrollgruppe (15)Steroide (16)Steroide + GH (4)
Puls66 Schläge/min65 Schläge/min65 Schläge/min
Systolischer Blutdruck131 mmHg131 mmHg130 mmHg
Diastolischer Blutdruck77 mmHg76 mmHg89 mmHg
Gewicht linke Herzkammer167 g257 g342 g
Verhältnis Gewicht/Länge linke Herzkammer93 g/m141 g/m191 g/m
Relative Herzwanddicke0,370,420,53
Pumpvolumen1,661,721,29

Steroide und die Kombination von Steroiden und Wachstumshormonen verändern die Struktur des Herzmuskels, wie die Tabelle zeigt. Doch dies hat zumindest für die Benutzer von anabolen Steroide ohne Wachstumshormone keine Konsequenzen bzgl. der kardiovaskulären Gesundheit. Ihr diastolischer Blutdruck war – im Gegensatz zu den immer wieder beschworenen Horrorszenarien mit extrem steigendem Blutdruck unter dem Einfluss von Steroiden – im normalen Bereich und das Pumpvolumen des Herzens verbesserte sich sogar. Kardiologen beurteilen danach die Leistungsfähigkeit des Herzens. Nach den Ergebnissen der Tabelle zu urteilen, traten bei den Probanden, die nur anabole Steroide verwendeten, keine Schädigungen am Herzen auf.

Bei der Verwendung von Steroiden in Verbindung mit Wachstumshormonen sieht das jedoch anders aus. Die Tabelle spricht hier für sich selbst, wobei die höhere Menge der verwendeten Steroide in dieser Gruppe dies nur zu einem kleinen Teil erklären kann, wie die Forscher betonten. Sie vermuten, dass der senkende Einfluss der Androgene auf den Spiegel des IFG-1 bindenden Proteins 3 das Herzwachstum verursacht.

Diskussion

So weit nicht gut, aber da ist noch mehr. Die Finnen entdeckten etwas sehr Interessantes über die Beziehung zwischen anabol wirkenden Substanzen und der Hypertrophie des Herzens: es besteht ein direkter Zusammenhang. So fragten die Forscher die Probanden z.B. seit wie vielen Jahren sie Steroide verwendeten. Die Antworten variierten - insgesamt ergab sich eine Spanne von ein bis zwölf Jahren. Statistisch gesehen gab es nur einen schwachen Zusammenhang zwischen dem Zeitraum der Verwendung von Steroiden und dem Pumpvolumen des Herzens, aber es bestand ein starker Zusammenhang zwischen durchschnittlicher Steroiddosis der aktuellen Kur und Werten wie Pumpvolumen, Gewicht der linken Herzkammer und relativer Herzwanddicke.

Dies bedeutet, dass Steroidkuren keinen kummulativen Effekt auf die Herzhypertrophie haben. Wie die Forscher herausfanden, waren selbst deutlichere Herzveränderungen reversibel, die in in der Gruppe mit Steroide und Wachstumshormonen aufgetreten waren. Dies wurde augenscheinlich, nachdem einer der Athleten dreimal untersucht worden war: direkt nach der fünfwöchigen Kur mit Steroiden und Wachstumshormonen, 237 Tagen nach der Kur und nach einer weiteren Kur, bei der anabole Steroide ohne Wachstumshormone zur Anwendung kamen. Die Ergebnisse sind aus der Grafik unten ersichtlich (LVM = Gewicht der linken Herzkammer, E/A = Pumpvolumen, RWT = Relative Herzwanddicke).

Zusammenhang Steroidkonsum und Herz

Natürlich ist eine solche Studie mit nur zwanzig Probanden nicht beweiskräftig. Sie legt jedoch nahe, dass
  1. wie die Australier zuvor gezeigt hatten, anabole Steroide keinen so gravierend schädlichen Einfluss auf die Struktur des Herzens haben, wie immer behauptet wird.

  2. die Kombination mit Wachstumshormonen das kardiovaskuläre Risiko beträchtlich erhöht.

  3. die negativen kardiovaskulären Veränderungen reversibel sind.


Besonders Sportler in den späten Dreißigern oder älter sollten darauf achten, dass die Off-Phase nach einer Kur lange genug ausfällt. Das Alter der Probanden in der finnischen Studie lag im Bereich von 25 bis 43 Jahren. Je älter die Probanden waren, desto niedriger war ihr E/A Verhältnis (der Pearsonsche Korrelationskoeffizient lag hier bei –0,7. Im Durchschnitt (also bei durchschnittlicher Steroiddosierung und durchschnittlichem Pumpvolumen) lag er dagegen bei –0,42).

Quellen

1 Karila TAM, Karjalainen JE, Mantysaari MJ, Viitasalo MT, Seppala TA. Anabolic Androgenic Steroids Produce Sose-Dependent Increase in Left Ventricular Mass in Power Athletes, and this Effect is Potentiated by Concomitant Use of Growth Hormone. Int J Sports Med 2003; 24: 337-343.
2 Sader MA, Griffiths KA, McCredie RJ, Handelsman DJ, Celermajer DS. Androgenic anabolic steroids and arterial structure and function in male bodybuilders. J Am Coll Cardiol. 2001 Jan;37(1):224-30.

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