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Hilft das edle Gemüse wirklich beim Abnehmen?

Diätwunderwaffe Spargel?

Thomas Koch, 26.04.2012

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Es ist Spargelzeit. Von Mitte April bis Ende Juni ist die traditionelle Zeit zur Spargelernte, wobei der Beginn primär von der Witterung abhängig ist, das Ende der Ernte fällt meist entsprechend einer alten Bauernregel auf den 24. Juni. Während dieser Zeit findet man in beinahe jeder Zeitschrift irgendwo Diätpläne, die den Spargel in den Mittelpunkt rücken. Doch ist das Gemüse, das schon den alten Griechen ein Begriff war und erstmals von dem antiken Mediziner Hippokrates erwähnt wurde, wirklich eine Wunderwaffe im Kampf gegen überschüssige Pfunde?

Aber fangen wir bei den Basics an. Der Spargel wurde früher zu den Liliengewächsen gezählt, die moderne Botanik ordnet ihn den Spargelgewächsen zu. Es gibt etwa 300 verschiedene Sorten des Speisespargels (Asparagus officinalis). Ursprünglich kam der Spargel vor allem in Mittel- und Südeuropa vor, weiter in Vorderasien und Nordafrika. Auch wenn es Anhaltspunkte gibt, dass der Spargel schon im alten China vor über 5000 Jahren bekannt war und er oft mit den Ägyptern in Verbindung gebracht wird, findet er erstmals Erwähnung bei den antiken Griechen. Durch die Römer verbreitete sich das Gemüse weit in Europa, ein gezielter Anbau fand jedoch erst seit dem Mittelalter statt. Anzumerken ist hier, dass alle genannten Völker den Spargel als Heilpflanze betrachteten, was vor allem an dessen harntreibender Wirkung liegt. Neben dieser tatsächlich medizinisch belegbaren Wirkung wurde er aber auch gegen jede erdenkliche Art von Krankheit empfohlen: Steinleiden, Herzklopfen, Husten mit blutigem Auswurf, Rheumatismus, Gicht, Milz- und Leberleiden, Gelbsucht, Hämorrhoiden, Ruhr, Magenschwäche, Milchschorf, Lungenleiden. Zudem wurde der Spargel gleichsam als Aphrodisiakum wie auch als Mittel zur Empfängnisverhütung empfohlen.

Viele dieser zugeschriebenen medizinischen Wirkungen sind natürlich aus heutiger Sicht nicht haltbar. Was sicher ist, ist die Tatsache, dass Spargel harntreibend wirkt, was auf die enthaltene Asparaginsäure und den hohen Kaliumgehalt zurückzuführen ist. Charakteristisch ist auch der strenge Geruch des Urins im Anschluss an den Verzehr von Spargel, welcher bei der enzymatischen Spaltung der Asparagusinsäure, einer schwefelhaltigen Carbonsäure, entsteht. Spargel wird daher häufig zum Entschlacken verwendet, ein Punkt, der bei den Diätempfehlungen eine wichtige Rolle spielt, denn durch die entwässernde Wirkung ist ein kurzfristiger und rascher Gewichtsverlust möglich. Diese Eigenschaft ist in vielen Fällen gesundheitlich durchaus ratsam, da die Nierentätigkeit gefördert wird und Schlack- und Giftstoffe abtransportiert werden. Menschen, die unter erhöhten Harnsäurewerten leiden, sollten jedoch sehr vorsichtig im Umgang mit dem edlen Gemüse sein, da es sonst zu Gichtschüben kommen kann. Allgemein empfiehlt es sich in solchen Fällen mit dem behandelnden Arzt Rücksprache zu halten.

Ein weiterer Grund, warum Spargel häufig in Diäten auftaucht, ist der extrem geringe Kaloriengehalt, der nicht weiter verwundert, wenn man weiß, dass Spargel zu über 92% aus Wasser besteht. 100g gekochter Spargel haben gerade einmal 22 Kalorien, die sich aus 2,4 Gramm Protein, 1,2 Gramm Kohlenhydraten und 0,2 Gramm Fett zusammensetzen. Trotz des hohen Wassergehalts enthält Spargel hohe Mengen an Vitaminen und Mineralien. 100g Frischsubstanz enthalten:
  • 4 mg Natrium
  • 210 mg Kalium
  • 20 mg Calcium
  • 20 mg Magnesium
  • 45 mg Phosphor
  • 1 mg Eisen
  • 500 I.E. Vitamin A
  • 0,11 mg Vitamin B1
  • 0,12 mg Vitamin B2
  • 0,60 mg Vitamin B6
  • 1 mg Niacin
  • 20 mg Vitamin C
  • 2,5 mg Vitamin E
Ob man lieber auf grünen oder weißen Spargel zurückgreift, ist primär Geschmackssache, auch wenn der grüne Spargel in der Regel noch mehr Mikronährstoffe enthält und leichter zuzubereiten ist, da er zumeist gar nicht geschält werden muss und wenn oft nur im unteren Drittel, wohingegen man bei weißem Spargel um das lästige Schälen nicht umherkommt. Bei beiden Sorten sollte man das unterste Stück entfernen, da dieses meist sehr holzig schmeckt.

Was viele vor dem Verzehr von Spargel abschreckt, ist der hohe Preis. Bedenkt man, wie aufwändig der Anbau und die Ernte des Gemüses sind, wird aber schnell deutlich, dass dieser keineswegs überzogen ist. Und auch für kleinere Geldbeutel gibt es Möglichkeiten das aromatische Gemüse zu günstigen Preisen zu ergattern. Wer auf die höchsten Güteklassen verzichtet, wird zwar mit den dünneren Spargeln mehr Arbeit haben, spart aber erheblich. Noch günstiger ist Aussschussware, die an den meisten Spargelständen angeboten wird und Bruchspargel.

Geschmacklich ist frischer Spargel ein Genuss. Gedünstet oder gekocht mit magerem Fleisch oder Fisch und für all die, die noch ein paar Kohlenhydrate hinzufügen wollen, ein paar Pellkartoffeln gehört Spargel sicherlich zu den aromatischsten Gemüsesorten.

Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen, muss man festhalten, dass Spargel keinen direkten Einfluss auf die Fettverbrennung hat. Seine entwässernde Wirkung beschleunigt jedoch die optischen Diäterfolge maßgeblich und kann im Rahmen einer Entschlackungskur wertvolle Dienste leisten. Weiterhin bietet er aufgrund der geringen Kaloriendichte eine tolle Möglichkeit dem diätbedingten Hunger entgegenzuwirken und dabei den Körper noch mit wertvollen Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen.

Ein letzter Punkt, der nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Tatsache, dass man durch den Kauf von Spargel von lokalen Anbietern auch im ökologischen Sinne vorbildlich agiert, da lange und energieintensive Transportwege inklusive teurer Kühlung ausbleiben.

Und nun ab zum Spargelstand und dann: Guten Appetit!

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