Untersuchungen mit Ratten
Eine Studie aus dem Jahr 2008 wollte die Ergebnisse, die zeigen, dass ein Ginkgoextrakt (EGb 761) im Reagenzglas Leydig Zellen aus den Hoden von Ratten zu einer signifikanten Testosteronproduktion anregt, an lebendigen Ratten überprüfen (1). Zu diesem Zweck wurde männlichen Ratten über eine Dauer von 4 Wochen täglich entweder ein Placebo oder das besagte Ginkgo-Extrakt in einer Dosierung von 10, 50 oder 100mg pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht. Diese Ratten wurden mit weiblichen Ratten zusammengesetzt und im Verlauf der Studie wurden die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs sowie die Spiegel unterschiedlicher Hormone gemessen.Nach 4 Wochen der Supplementation zeigten sich einige interessante Ergebnisse. Ein Vergleich der Testosteronspiegel zeigte, dass alle 3 Ginkgoextrakt-Gruppen höhere Testosteronspiegel als die Placebogruppe aufwiesen und dass sich die Ratten, die das Ginkgoextrakt verabreicht bekamen, deutlich häufiger als die Ratten, die lediglich ein Placebo erhielten, paarten. Am wirkungsvollsten schien bezüglich der Erhöhung der Testosteronspiegel eine Dosierung von 50 mg Ginkgoextrakt pro Kilogramm Körpergewicht zu sein. Ginkgoextrakt scheint also zumindest bei Ratten abhängig von der Dosierung die Testosteronspiegel und den Sexualtrieb deutlich zu steigern.

Abbildung 1: Testosteronspiegel nach 4 Wochen der Supplementation mit unterschiedlichen Dosierungen eines Ginkgoextrakts im Vergleich zu einem Placebo (vehicle).

Abbildung 2: Häufigkeit der Sexualkontakte am letzten Tag der Studie nach 4 Wochen der Supplementation mit unterschiedlichen Dosierungen eines Ginkgoextrakts im Vergleich zu einem Placebo (vehicle).
Die Erhöhung der Testosteronspiegel wurde von den Autoren der Studie unter anderem auf eine gleichzeitig beobachtete Reduzierung der Prolaktinspiegel zurückgeführt. Prolaktin kann in höheren Dosierungen die Testosteronproduktion und den Sexualtrieb hemmen.
Eine zweite Studie (2) konnte zeigen, dass eine Supplementation mit Ginkgoextrakt über einen Zeitraum von 12 Wochen bei Ratten, die unter Diabetes vom Typ 2 litten, die durch die Diabetes Erkrankung induzierte Reduzierung der Anzahl und des Volumens der Leydig Zellen der Hoden und die hieraus resultierende Reduzierung der Testosteronspiegel im Blut zumindest reduzieren konnte.
Sind diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar?
Bei mit Ratten durchgeführten Studien stellt sich natürlich immer die Frage, inwiefern die Resultate auf den Menschen übertragbar sind. Leider ist die Studienlage in diesem Bereich etwas dünn. Es gibt jedoch eine Studie, die, auch wenn sie lediglich 11 Probanden umfasste, zumindest einen Hinweis auf die Antwort auf diese Frage geben könnte (3). Im Rahmen dieser Studie wurde den Probanden über einen Zeitraum von 14 Tagen pro Tag 240 mg eines handelsüblichen Ginkgo-Extrakts verabreicht und die Konzentrationen der körpereigenen androgenen Steroidhormone gemessen. Nach 14 Tagen der Supplementation konnten keine Veränderungen der Spiegel von Testosteron und anderen androgenen Hormonen beobachtet werden.Warum unterscheiden sich die Resultate dieser Studie von denen der zitierten Rattenstudie? Die Gründe könnten unter anderem mit der unterschiedlichen Höhe der Ginkgo-Dosierung sowie der kürzeren Studiendauer im Zusammenhang stehen. Die Dosierung, die bei Ratten die besten Resultate lieferte, entspricht auf einen 80 Kilo schweren Menschen umgerechnet etwa 4.000 mg Ginko Extrakt pro Tag, wogegen die bei der Humanstudie verwendete Dosierung von 240 mg pro Tag lächerlich gering erscheint.
Fazit
Auch wenn es Hinweise darauf gibt, dass Ginkgo die Testosteronspiegel bei Ratten erhöhen könnte, gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob auch beim Menschen eine entsprechende Wirkung vorhanden ist. Die Dosierung, die bei Ratten die besten Resultate hervorrief, würde auf den Menschen umgerechnet die gebräuchlichen Ginkgo-Dosierungen um ein Vielfaches übersteigen. Selbst wenn man erhältliche Ginkgo-Präparate entsprechend hoch dosieren würde, stellt sich die Frage, ob man hierdurch die gewünschte Wirkung erreichen würde. Darüber hinaus ist unklar, welche Nebenwirkungen solche hoch dosierten Ginkgo-Dosierungen langfristig beim Menschen besitzen könnten.Zum augenblicklichen Zeitpunkt macht eine Ginkgo-Supplementation zum Zweck der Erhöhung der Testosteronspiegel höchstwahrscheinlich wenig Sinn. Vielleicht kann jedoch mit Hilfe weiterer Untersuchungen festgestellt werden, welche Bestandteile von Ginkgo für die bei Ratten beobachtete Erhöhung der Testosteronspiegel verantwortlich sind. Die nächste Frage, die sich anschließend stellen würde, wäre, ob diese aktiven Bestandteile auch beim Menschen eine entsprechende Wirkung zeigen, oder ob sich die Physiologie von Ratten und Menschen in diesem Bereich zu stark voneinander unterscheidet.
Wenn diese aktiven Ginkgo Bestandteile bekannt sind und ihre Wirkung auf die Testosteronspiegel beim Menschen nachgewiesen werden konnte, könnte es unter Umständen möglich sein, diese Bestandteile durch ein spezifisches Extraktionsverfahren aus Ginkgo zu isolieren und in konzentrierter Form als Supplement zur Verfügung zu stellen.
