Der Mythos vom Rotwein -
oder
french paradox passé?
Als man vor gut 20 Jahren herausfand, daß in der Gegend um Bordeaux im Vergleich zum Nord-Osten Frankreichs weniger Menschen an den Folgen eines Herzinfarktes versterben - trotz „ungesunder Lebensweise“ einschließlich fettem Essen - wurde dafür der Ausdruck „french paradox“ geprägt. Man führte diese anscheinend widersinnige Beobachtung ursächlich auf den Konsum von Rotwein zurück, und zwar auf dessen Gehalt an Phenolen (als Antioxidantien). Jahrelang war dieses „french paradox“ nicht nur für die französische Rotweinindustrie ein schlagendes Werbeargument, sondern wurde auch von Herstellern anderer Alkoholika genutzt.
Dann zeigten Untersuchungen in den USA, daß Wein- und Biertrinker ein geringeres Risiko haben, an Verengungen der Herzkranzgefäße mit Herzinfarkt zu erkranken als Konsumenten „schärferer Sachen“. Später fand die gleiche Arbeitsgruppe in Kalifornien heraus, daß Weintrinker besser abschneiden als Biertrinker bei gleicher täglicher Alkoholmenge. Ein Unterschied zwischen Rot- und Weißwein ergab sich dabei allerdings nicht. Weintrinker in Dänemark verstarben laut einer über 10 Jahre andauernden Beobachtung seltener an einem Herzinfarkt als Menschen, die Alkohol in anderer Form tranken. Während man neuerdings das „french paradox“ in Frankreich auf einen höheren Konsum von Gemüse und Früchten zurückführt, unterscheiden sich die Weintrinker in Dänemark und Kalifornien erheblich von den Bier- und Spirituosen-Konsumenten, was Lebensstil einschließlich Ernährung betrifft sowie sozioökonomischen Status und Intelligenzquotienten. Zwar deuten kleinere experimentelle Studien auf mögliche Vorteile des Rotweines und Nachteile von Spirituosen hin, letzten Endes bleibt allerdings ungeklärt, inwieweit der Wein tatsächlich gesünder ist als andere Alkoholika.
Bei Wertung aller bisherigen Untersuchungen ergibt sich statistisch gesehen ein geringeres Herzinfarktrisiko bei mäßigem täglichen Genuß von Alkohol (bis 30 g Alkohol entsprechend 0,3 l Wein oder 0,5 l Bier) - ganz gleich ob in Form von Wein, Bier oder Spirituosen. Dies gilt jedoch nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen, sondern vor allem für Menschen über 50 Jahre mit erhöhtem kardiovaskulären Risiko wie: Rauchen, hohe Cholesterin- und Blutdruck-Werte, Diabetes mellitus und familiäre Belastung. Die mögliche Ursache für diese positive Wirkung sieht man überwiegend im Alkohol selbst durch Erhöhung des „guten“ HDL-Cholesterins, verringerte Gerinnungsfähigkeit des Blutes, verringerte Chance, eine Zuckererkrankung zu entwickeln.
Wird jedoch das tägliche Maß von 20 g Alkohol für Frauen und 30 g für Männer überschritten, kann sich der mögliche medizinische Nutzen in eine Gesundheitsgefahr umkehren (Mißbrauch, hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall, Herzmuskelschwäche, Leberzirrhose, verschiedene Krebsarten). Keinesfalls sollten die Ergebnisse der erwähnten Untersuchungen als ärztliche Verordnung von Alkohol- bzw. Rotwein gedeutet werden oder als Freibrief bzw. Entschuldigung für übermäßiges Trinken. Zudem ist Abstinenz angesagt bei der Arbeit, beim Autofahren, für Jugendliche, Schwangere, Alkoholkranke, Personen, in deren Familie Alkoholmißbrauch vorkommt, und Frauen mit genetischem Brustkrebsrisiko.
Werden diese Warnhinweise beachtet, kann man getrost weiterhin täglich sein Glas Wein trinken. Tut man dies mit Genuß und pflegt dazu noch einen gesunden Lebensstil, hat man die Gewißheit, etwas für seine Herzgesundheit getan zu haben. Ungewiß bleibt bis heute allerdings, ob die wirkliche Ursache für den medizinischen Nutzen im Rotwein oder Alkohol selbst liegt oder ob andere Faktoren die entscheidende Rolle spielen.
http://www.kvb.bund.de/kvb/kvb_klinik/aktuelles/files/mythos_vom_rotwein.pdf

Nur das ich Sonntag nicht trainiere und auch ab und zu auf 3-4 Liter Bier komme. (Ist aber keinesfalls die Regel)
