Problem:
Ich habe im Laufe der Zeit einfach immer schlechter Luft durch die Nase bekommen. Tagsüber, bei Bürotätigkeiten u.A., ging es noch aber beim Sport war das einfach zu eng da oben. Bei Erkältungen hat es natürlich den Verlauf erschwert weil sich oft gleich die Nebenhölen und die Stirnhölen gefüllt haben und aufgrund der engen Nase das zeug da nicht richtig raus kommen konnte.
Schlafen war auch blöd weil mir im Liegen die Nase immer zugegangen ist. Dann hab ich durch den Mund antmen müssen und hab entsetzlich geschnarcht, Halsschmerzen bekommen und in der letzten Zeit hatte ich auch Atemaussetzer in der Nacht. (Apnoe)
Die Diagnose:
Nach einer ausführliche Untersuchung der Nase kam heraus das ich - wie sehr viele andere auch -eine verkrümmte Nasenscheidewand(Septum) habe. Durch die Verkrümmung ging durch das linke Nasenloch kaum noch was durch. Durch die ungünstige Luftverteilung haben sich rechts die Nasenmuscheln vergrößert und auch auf dieser Seite den Durchgang sehr eingeengt. Die Nasenmuscheln liegen paarweise innerhalb der Nasenhöle und sind mit Schleimhaut überzogen. Die Form ist eine Art Lappen der Aussieht wie der Fuß einer Muschel und die Luft wird hier normalerweise angefeuchtet, gewärmt und gereinigt bevor sie in den Rachen strömen kann.
!-> Nicht jede krumme Nasenscheidewand macht dem Besitzer auch Probleme! Eine OP wird von der Kasse auch nur bezahlt wenn es keine optischen Veränderungen geben soll! Meine Nase war äußerlich noch nicht mal krum! Es kann auch sein das die Nasenscheidewand ok ist und nur die Nasenmuscheln zu groß sind.
Die Lösung:
Der Arzt hat mir dann dazu geraten in einer OP die Nasenscheidewand richten zu lassen (Septumplastik) und die Nasenmuscheln verkleinern zu lassen. Dazu gibt es keine Alternative außer eben mit der zuen Nase weiter rumzulaufen.
Der Ablauf:
Eine Woche vorher
Nach der Diagnose durch den HNO bin ich dann in die Ambulanz in's Klinikum Mannheim gegangen. Dort hat nochmals ein Arzt die Nase untersucht und die Diagnose bestätigt. Da ich ein relativ aktuelles Kopf-MRT hatte konnten Polypen der Kiefer und Stirnhöhlen ausgeschlossen werden. Ich wurde dann über die OP und die möglichen Folgen aufgeklärt und es wurde ein OP-Termin festgelegt.
1. Tag
Am Tag vor der OP bin ich morgens in's KH gegangen. Der Tag war mit einzelnen Terminen angereichert. Zunächst ein Besuch in der Anästhesie um die Narkose zu besprechen... dann noch Blutabnahme und einige Tests zur Nasenatmung und ein Riechtest. Es wurden auch Fotos von der Nase angefertigt um der krankenkasse beweisen zu können das es sich nicht um einen kosmetischen Eingriff handelt und um dem Operateur die Möglichkeit zu geben die Nase anhand der Fotos wieder orginalgetreu gestalten zu können. Nachts durfte ich noch ein Bündel Kabel aus dem Schlaflabor an mich anschließen ... Ein Sensor am Finger für den Puls und die Sauerstoffsättigung, zwei Gurte um Brust und Bauch um die Atembewegungen zu messen und ein Sensor an der Nase um zu sehen ob ich durch die Nase Atme. In dieser Nacht hatte ich aber keine Atemaussetzer.
2. Tag
Kein Frühstück , nichts trinken... warten auf den OP. Weil es nicht so praktisch ist wenn man sich unter der Vollnarkose übergibt muss der Magen leer bleiben! Es hat sich bei mir bis zum Mittag hingezogen bis ich an der Reihe war. ein sehr erotisches Nachtehemd (hinten offen) und mindestens genauso erotische Stützstrümpfe um Trombosen zu verhindern musste ich anziehen... dann wurde ich mit meinem Bett in den OP-Bereich gebracht. Das war dann der Moment an dem ich schon ein wenig den Wunsch hatte aufzustehen und doch lieber nach Hause zu gehen, aber das hab ich dann doch gelassen.
Zunächst musste ich von meinem Bett dann auf eine sehr schmale Liege umsteigen, ich wurde mit einer vorgewärmten dünnen Decke zugedeckt (angenehm weil es recht kühl im OP ist) und es wurde ein Venöser Zugang gelegt. Darüber kann während der OP das Narkosemittel verabreicht werden. Der Zugang bleibt dann auch nach der OP erst mal bis es sicher ist das keine Medikamente über diesen Weg mehr gebraucht werden.
Ich bekam dann zunächst ein sehr starkes Schmerzmittel verabreicht (morphinderivat). Obwohl man während einer Vollnarkose kein Bewußtsein hat würde der Körper doch ohne dieses Medikament auf die starken Schmerzimpulse reagieren und der Kreislauf würde extrem belastet. Das Zeug sorgte erst mal für ein sehr schwammiges Gefühl und mir wurde es im liegen etwas schwindelig... Dann kam das Narkosemittel und das Licht war aus
Ich habe während oder direkt nach der OP auch ein ordentliches Antibiotikum verabreicht bekommen (intravenös) um eine Infektion der Nase zu verhindern.Während der OP wurde durch das rechte Nasenloch ein Schnitt gemacht. Das Septum wurde vom Knochen abgebrochen an dem es oben normal festgewachsen ist. mit einem besonders geformten Scalpell wurde dann die Haut an den Seiten vom Septum gelöst und das Septum aus der Nase gezogen! Ausserhalb des Körpers kann man dann die Form besser korrigieren. Je nach Notwendigkeit wird das Teil geschnitten, gepresst oder wie auch immer mechanisch angepasst. (hab ich erwähnt das so ein Chirurg ganz schön brutal mit einem Menschen umgeht
. Die Nasenmuscheln werden dann durch die Nasenlöcher gekürzt. Dann wird das Septum wieder eingesetzt und der Schnitt mit zwei Knoten vernäht. Damit nacher alles richtig verwächst muss dann die Schleimhaut an das Spetum angepresst werden. Dafür gibt es unterschiedliche Methoden. In diesem Krankenhaus bevorzugt man Schaumstofftamponaden. Das sind Teile mit den Abmessungen von ca. 10cm Länge, 1cm Breite und 3-4 cm Höhe die dann den Raum zwischen Rachen und Nasenloch vollständig ausfüllen! Durch die Ausdehnung wird die Schleimhaut auf der ganzen Fläche gleichmäßig an das Septum angedrückt... fertig!Im Aufwachraum bin ich dann zu mir gekommen ... Die Narkose habe ich ohne Probleme vertragen; keine Übelkeit oder Verwirrung. Nur war ich halt sehr müde. ich hab dann noch etwas im Zimmer gedöst (keine Ahnung wie ich aus dem Aufwachraum in mein Zimmer gekommen bin
). Erst vier Stunden nach der OP durfte ich was essen ... Das größte Problem nach der OP ist die Atmung; Es gibt nicht mal den Ansatz einer Chance etwas Luft durch den Schaumstoff zu bekommen! Beim Schlucken drückt man normalerweise die überflüssige Luft durch den Rachen und die Nase raus ... ebenfalls unmöglich. Also durch den Mund Atmen und nur recht kleine Schlucke Trinken oder essen. Unter der Nase hat man so eine Art Tampon quer befestigt der Wundflüssigkeit aufsaugen soll ... der stört ebenfalls beim Essen...
Ab diesem Tag gabs täglich drei mal Voltaren-Dispers und einen passenden Magenschutz.
3. Tag
Die Nacht war blöd. Schmerzen hatte ich da zwar nicht so sehr, aber der Mund ist extrem ausgetrocknet! Ich habe mir ein Spray mit künstlicher Spucke bekommen
Das wird aus Pilzeiweis gemacht und schmeckt leicht süßlich. Damit kann man den Mund etwas länger vor dem Austrocknen schützen. Der Tag verlief dann relativ unspektakulär ...4. Tag
Nach einer weiteren Nacht mit wenig Schlaf und trockenem Mund soll nun die Tamponade raus! Eine Dosis TRAMAL (starkes Schmerzmittel) soll das Ganze weniger schmerzhaft sein lassen. Die Schwester bringt mir einen langen Kühlakku und bindet den um meine Nacken! Das soll die Durchblutung des Kopfes etwas hindern und so Blutungen die beim Entfernen der Tamponade ausgelöst werden können mindern. Nach einer halben Stunde kam dann der Arzt ... eine Nierenschale unters Kinn, eine Lange Pinzette und *schluuurp* den ersten Tampon raus. Ich hatte kurz etwas Sorgen ob der gleich das Gehirn mit raus zieht, aber das ganze war nach zwei oder drei Sekunden schon rum und hat weniger weh getan als vorher gedacht. Der Zweite ging noch schneller raus. Sofort danach wurde meine Nase mit Nasenspray (Otriven) geflutet. Das ebenfalls um Blutungen zu verhindern weil die Durchblutung durch das Spray auf ein Minimum reduziert wird.
Das war dann erst mal eine riesen Erleichterung! Das Gefühl war so dermaßen FREI in der Nase als wäre da gar keine Nase mehr sondern ein fettes Rohr zum Atmen! Es ging mir auch insgesamt gleich viel besser und ich bin dann mal - natürlich mit Genehmigung - auf dem Gelände etwas spaziert um die Nase mit richtig frischer Luft zu fluten... WUNDERBAR!
Normalerweise wäre damit jetzt alles wesendliche abgeschlossen gewesen ... ich bin aber nicht normal und deswegen ging es leider weiter. Von den Patienten auf der Station war ich der Einzige dem so was passieren "musste" ...
Nachmittags hab ich dann mal vor dem Spiegel in meine Nase gesehen ... während man rechts in unglaubliche Tiefen blicken konnte war links der Weg durch eine Art Beule an der Nasenscheidewand doch sehr eingeschränkt... Ich bin dann zum Arzt und der hat gleich betrübt aus der Wäsche gesehen ... ein Septumhämatom! Das Problem ist dabei folgendes: Wenn DORT ein Hämatom auftaucht wird der Knorpel an der Stelle nicht mehr richtig mit Sauerstof und Nahrung versorgt. In der Folge dazu kommt es dann zu einer Nekrose ... die grade erst gerichtete Nasenscheidewand würde an dieser Stelle also verfaulen und ein LOCH bekommen und das würde zu weiteren Problemen führen! Also muss man das Blut aus dem Hämatom herauslassen und wieder eine Tamponade einführen. Zuerst wurde also ein kleiner Schnitt an der Stelle gemacht und dann das Blut ausgesaugt. Die Tamponade war ruck zuck wieder drin *autsch* und die gute Laune war dahin!
5. Tag
so wie Tag 3 ... nur das es jetzt auch richtig weh tut. Nachts hab ich eine Infusion gegen die Schmerzen bekommen.
6. Tag
Die Nacht war eine Katastrophe ... Schmerzen und kein Schlaf. Die Infusion vom Vorabend hab ich wieder bekommen, aber die hat kaum geholfen. Die Tamponade kommt wieder raus ... die bekannte Prozedur ... Super Gefühl und erst mal ein kleiner Kreislaufzusammenbruch auf dem Gang ... die Schmerzen haben eben ihre Nachwirkungen! Eine erste Nacht ohne Tampons in der Nase bahnt sich an ... alles wird gut... oder?
Gegen die Schmerzen hab ich eine Targin 20/10 bekommen... geiles Zeug ... ich glaub man kann sich unter dem Einfluß von dem Zeug auch was amputieren ohne es zu merken!
7. Tag
Die Nacht war schon viiiel besser. Die Schmerzen waren einfach weg... ob's am Targin alleine lag... keine Ahnung. nach dem Frühstück wurde die Nase dann beim Arzt ausgesaugt. Es ist nämlich absolut verboten zu schneutzen! Der Arzt machte danach wieder dieses seltsame Gesicht und mir wurde es gleich ganz anders: Das Hämatom war wieder aufgetaucht!!! Diesesmal wurde ich wieder in den OP gebracht und mit einer Teilnarkose beglückt. Im Unterschied zu einer Vollnarkose wird man dabei zwar schmerzfrei aber nicht bewußtlos und muss auch nicht beatmet werden. Eine sogenannte "Scheißegalspritze" hilft auf Wunsch noch weniger davon mitzubekommen... Und wie sehr ich die gewünscht habe! Ich habe von dieser "Revision" der OP nichts mitbekommen. Es wurde dabei das Blutgefäß gesucht und verödet welches das Hämatom immer wieder ausgelöst hatte! Diesesmal wurde mir eine sogenannte Ballontamponade eingesetzt. Das sind kleine Silikonschläuche die dann aufgeblasen werden. Vorteil ist das die Dinger nicht bis ganz Hinten gehen und man so leichter schlucken kann... durch die Nase atmen geht aber trotzdem nicht!
8. Tag
HORROR! Ich hab keine Minute geschlafen. Die Schmerzen waren auch mit dem Targin nur knappe drei Stunden weg ... Im Gegensatz zu den Tagen vorher hab ich fast nur im Bett gelegen. Auch Tagsüber hab ich nun Targin bekommen, aber die Schmerzen sind trotzdem extrem schlimm! ... einmal werden wir (vielleicht) noch wach und dann kommt die Tamponade wieder mal raus!!!
9. Tag
Die gleiche Prozedur wie schon zwei mal... diesesmal ist es aber weniger unangenehm die Tampons zu entfernen; Die Luft wird abgelassen und dadurch schrumpeln die Dinger zusammen... das rausziehen merkt man fast nicht. Nach einer ausführlichen Untersuchung macht sich vorsichtiger Optimismus bemerkbar ... sieht alles ganz gut aus. Als ich Abends ziemlich nervös auf der Station rumlaufe untersucht mich nochmal der Oberarzt ... eigentlich nicht seine Aufgabe, aber er will auch wissen ob das nun endlich ok ist! (sehr großer Pluspunkt aus meiner Sicht für den Mann!!!) Alles sieht gut aus und ich geh etwas beruhigt schlafen.
10. Tag
Die Nase wird gereinigt und untersucht ... alles ok! *uff* Ab dem Zeitpunkt mache ich alle paar Stunden eine Nasenspülung mit Salzwasser. Das muss sein weil die Selbstreinigung der Nasenschleimhaut nach der ganzen Misshandlung nicht tut und man ja auch nicht Schneutzen darf.
11. Tag
Jetzt ist es sicher: Alles ist jetzt ok und es ist der Tag ist der erste an dem sich sowas wie Langeweile bemerkbar macht.
12.Tag
Ich darf nach Hause!!!
Vom HNO hole ich mir zwei Tage später noch eine Krankmeldung für eine Woche und einen weiteren Termin für eine Nachuntersuchung.
24. Tag
jetzt sind seit meiner Entlassung zwei Wochen rum. Seit einer Woche arbeite ich wieder. Das Fahren zur Arbeit mit dem Rad ist extrem geil! Die Nase wird von der kalten Luft ausgeputzt das es eine Freude ist! Ich kann jetzt auch seit einer Woche perfekt in der Nacht schlafen und Tagsüber ist die Nasenatmung um WELTEN besser. Auch beim Radfahren kann ich perfekt durch die Nase Atmen!
Es ist noch etwas ungewohnt ganz bewußt durch die Nase zu atmen. Manchmal ertappe ich mich dabei durch den Mund zu atmen obwohl die Nase frei ist ... ein wenig muss sich auch der Rachen noch daran gewöhnen. Da dort nun die meiste Luft her geht ist der Rachen manchmal noch etwas gereizt... Heute hat mir mein HNO gesagt das ich jetzt keine Nachuntersuchung mehr brauche und das alles perfekt grade und offen ist - so wie es sein sollte.
Ab jetzt darf ich auch wieder in's Studio! Nur soll ich noch vier Wochen kein Chlorwasser an meine Nase lassen und auch keinen Ballsport oder Kontaktsportarten machen weil das einfach noch so lange braucht bis das Septum wieder richtig gut am Knochen angewachsen ist. Die Nase ist noch recht empfindlich wenn ich die anfasse! Was ich mich auf Montag freue!!! Da ist der Monat rum den ich den Vertrag im Studio hab ruhen lassen!!!
FAZIT:
Die OP ist nicht so schlimm! Auch die erste Tamponade - die in 99% aller Fälle ja auch ausreicht - ist weniger dramatisch als vermutet. Ohne die sehr unangenehmen Komplikationen - die ich hatte - ist das ganze eine überschaubare Sache und das Ergebnis ist auch sehr gut! Jedenfalls bin ich froh das ich es hab machen lassen! Es ist so normal Luft zu bekommen, aber welcher Luxus das ist weis man erst wenn man so lange Schwierigkeiten damit hatte wie ich (fast 10 Jahre!)
gruß

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