nachdem ich in diesem Forum schon so zahlreiche gute Anregungen erhalten habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen und mit meinem Log auch einen kleinen Teil zum immer größer werdenden Wissenspool unserer Gemeinde beitragen. Da ich bereits 26 Jahre am Eisen bin, möchte ich in meinem ersten Log etwas ausholen, und ein wenig etwas über mich und die Geschichte erzählen, die mich mit diesem schönen Sport verbindet...
Meine Anfänge waren alles andere als leicht, zumal ich mit 16 Jahren gerade einmal 67 kg bei 187 cm Körpergröße gewogen habe und offensichtlich über alles andere als gute Voraussetzungen für einen schnellen Muskelaufbau zu verfügen schien. Irgendwo habe ich noch ein paar Bilder aus dieser Zeit herumfliegen, wenn ich sie finde, werde ich sie einstellen, bis dahin sollten meine Maße Genüge tun, um dem interessiertem Leser meine ausladende Muskulatur zu visualisieren.

Brust: 92 cm
Taille: 86 cm
Bizeps: 29 cm
Beine: 56 cm
Waden: 31 cm
Und hier die versprochenen Bilder...


Ich war zwar nicht gerade unsportlich, aber auch alles andere als eine Sportskanone. Ein Jahr vorher hatte ich mit dem Boxen angefangen, für das ich technisch und konditionell durchaus talentiert war, mangels Kraft im Ring jedoch nicht wirklich überzeugen konnte. Nachdem ich im Training einen ehemaligen Vereinskameraden beobachten konnte, der vom Boxen zum Bodybuilding übergewechselt war und über eine - für meine damalige Sicht - beeindruckende Körperentwicklung verfügte, habe ich mich kurz darauf dazu entschlossen, mich selbst in dieser faszinierenden Sportart zu versuchen um mir mittels Gewichttraining eine Grundlage für einen besseren Punch zu verschaffen...
Fündig geworden bin ich dann in einem kleinen Fitnessstudio in Wiesbaden, das einige hervorragende Bodybuilder hervorgebracht hat (u.A. Roland Cziurlok und Frank Michel) und nebenbei auch 1987 die Geburtsstätte des KDK Vereins "Powergym Wiesbaden" gewesen ist. Das Studio war klein und heimelig, ein umgebauter Lagerraum im Untergeschoss einer Baufirma, mit vielen freien Gewichten und alten, teilweise selbst zusamengeschweißten Maschinen, einem alten Teppichboden, einer kleinen Bar, einem verschrobenem Besitzer, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, aus Hamplemännchen wie mir anständige Männer zu machen und einem Haufen Riesenkerle, die mich ungeachtet meiner körperlichen Verfassung ebenso schnell wie herzlich aufgenommen haben - einfach herrlich
Als ich mich nach einigen Wochen Maschinentraining das erste Mal an freie Gewichte getraut hatte, habe ich unter Aufsicht das erste Mal Bankdrücken gemacht - mit 40 kg, die mich regelrecht erschlagen haben und mit denen ich mit Mühe und Not und kräftiger Unterstützung gerade mal eine Handvoll Wdh hinbekommen habe. Ich weiss noch heute, wie grandios ich an meinem Höchstversuch mit 60 kg gescheitert bin, meine Kraftsubstanz war auf einem selbst für Anfänger niedrigem Level. Bis heute habe ich um jedes Kilo gekämpft, sowohl bei den Gewichten, als auch beim eigenen Körpergewicht. Doch zurück zu den Anfängen: Der Studioinhaber hatte damals ein sehr einfaches und zumindest für Unwissende recht einleuchtendes Rezept: Jeder Muskel wird 1x die Woche trainiert, an 6 Tagen, mit 6 Übungen à 6 Sätzen à 6 Wiederholungen - Volumentraining at its max und eigentlich nur für Schüler geeignet und Verrückte, die ihren Erstwohnsitz ins Studio verlegt haben
Ungeachtet dem Schwachsinn der selbst für Volumentraining übertriebenen Satzanzahl konnte ich mit dem Programm zumindestens im 1. Jahr gute Erfolge erzielen, wobei ich im 2ten jahr wohl permanent übertraniert gewesen bin. 1987 lag mein Körpergewicht bei gut 80 kg, ich konnte zwar ebensoviel auf der Bank drücken, hatte aber ein Plateau erreicht, von dem ich mich auf Teufel komm raus (man beachte die Ansammlung von 6ern des Prinzips ) nicht lösen konnte. Stoffen war für mich keine Lösung, ich wusste zum damaligen Zeitpunkt noch nicht einmal, dass es Anabolika gibt - was war ich damals noch unbedarft und naiv! Irgendwann haber ich dann selbst angefangen, das Trainingsvolumen herunterzufahren, erst durch regelmäßiges Schwänzen von Trainingseinheiten, dann durch Reduktion der Übungen und schlußendlich auch der Sätze. 1987 war aber auch das Jahr der Gründung von Powergym, dessen Initiator Wilfried Dörner mich und viele andere für KDK beigeistert hat und an den ich mich heute noch ebenso gerne erinnere wie an meinen Trainingspartner Ralf, Roland, Johann, Fünfer, Michael, Andy und die ganzen anderen Verrückten, mit denen ich eine tolle gemeinsame Zeit verbracht habe...
Nachfolgend 2 Snapshots aus 1987:

Unter der Anleitung von Wilfried habe ich gelernt, vernünftige Kniebeugen zu machen (mit dem A... bis zum Boden!), meine Liebe zu Kreuzheben entdeckt und vor allem verstanden, dass man um Mehr zu erreichen, weniger machen muss - aber dies dafür umso intensiver. Fortan habe ich meine Übungen und meine Sätze halbiert und schweres KDK-Training eingebaut, ich habe gelernt, über meinen Hunger hinaus zu essen - mit 8-10 tausend Kalorien am Tag habe ich gefressen wie ein Scheunendrescher und so innerhalb der folgenden 2 Jahr mein Gewicht auf 107 kg hochgetrieben, clean! wohlgemerkt. Meine Höchstleistungen lagen - soweit ich mich erinnern kann - bei 235 kg Kniebeuge, 270 kg Kreuzheben und 142 kg Bankdrücken (das war immer meine Schwäche). Summa sumarum > 600 kg, aber viel zu wenig, um ernsthaft an eine aktive Wettkampfteinahme zu denken, zumal es im Powergym in meiner Gewichtsklasse ein paar Jungs gab, die 100 kg und mehr über meinen Leistungen lagen, darunter auch einen Fünfer, der ungestofft - und für ihn würde ich auch heute noch meine Hand ins Feuer legen - bereits damals im Wettkampf 300 kg perfekt gebeugt hatte! Zumindest im Kreuzheben war ich aber an den großen Jungs dran, und neben Roland (Cziurlok), Michael und Fünfer der einzige Bekloppte, der sein Auto regelmässig in oder aus eine(r) Parklücke gehoben hat (ich habe damals einen Golf II gefahren).
Die Wende kam dann Ende der 80er, mit dem plötzlichen Tod eines dern sympatischsten Mitglieder unseres Studios, von dem wir alle wussten, dass er gestofft hatte und bei dem die Todesursache klar auf Anabolikamißbrauch zurückgeführt werden konnte. Wir waren alle geschockt von der Nachricht, wobei zumindest ein Teil derjenigen, die zu dem Zeitpunkt unter Strom gestanden haben (und das war zu diesem Zeitpunkt fast jeder Zweite im Studio) eine Lehre aus der Erfahrung gezogen und das Stoffen aufgegeben haben... Viel ist in dieser Zeit passiert: Wilfried, der Zeit seines Lebens immer für einen sauberen Sport eingetreten ist, hat sich kurz danach mit dem Studiobesitzer überworfen und das Powergym verlegt, Roland hat das Studio gewechselt und Ralf und ich haben beschlossen, unser in den letzten 2 Jahren nicht unerheblich auch durch Fett erhöhtes Körpergewicht deutlich zu reduzieren. Nachdem Ralf mit einer völlig bekloppten Diät mit 14 kg innerhalb 2 Wochen in Vorlage getreten ist, habe ich nachgezogen und mein Körpergewicht ebenfalls innerhalb von 2 Wochen von 107 kg auf 87 kg reduziert! Einen derartigen Blödsinn würde ich heute nicht mehr machen, zu offensichtlich ist der erhebliche Verlust an hart erarbeiteter Muskelmasse, den ich in dieser kurze Zeit erlitten habe. Aber zu diesem Zeitpunkt waren Ralf und ich einerseits unserer Meinung nach an die Grenze dessen gelangt, was ohne Stoff erreichbar war und andererseits derart "zugefressen", dass wir uns in unserer Haut nicht mehr wirklich wohl gefühlt haben. Zudem waren wir beide Singles und wollten unsere Chancen bei den Mädels aufbessern, die mit unserer kurzfristig durchgeführten Körperstraffung in der Tat erheblich angesteigen waren.
1989 - 2 Jahre Powergym-based Traing: VOR und NACH der Diät. leider habe ich von der Zeit vor der Diät nur ein Kopfbild, aber ich denke, dieses zeigt genügend, dass man sich den Rest auch so gut vorstellen kann

Die Bilder rechts neben dran sind ca. 2 Monate nach meiner Hardcorediät enstanden, mit ca. 93 kg bei einem Körperfettanteil von unter 12 Prozent. Die Form habe ich dann gute 10 Jahre gehalten - bis ich meine Frau und Ihre gute Küche kennengelernt habe


Irgendwann im Laufe 1990 habe ich dann auch das Studio gewechselt, Ralf hat nur noch Klimmzüge und Dips gemacht (er sieht damit auch heute noch fantastisch aus!) und ich habe mein 3-Satz-Training mit dem Ziel des Muskelerhaltes (ich hatte mich in den Folgejahren von 87 kg sukzessiv wieder auf 97 kg hochgearbeitet, bei durchaus guter Form) die nächsten 15 Jahre weiterbetrieben. In dieser Zeit ging es auch beruflich steil aufwärts, ich war lange Zeit selbständig und hatte verdammt viel um die Ohren, sodass ein 3-Tage-Training die logische Konsequenz meines engen Zeitkontingents gewesen ist.
2005 bin ich schwer erkrankt, aufgrund eines angeborenen, mir nicht bekannten Herzklappenfehlers (bikuspide Aortenklappe) habe ich nach einer Zahnsanierung eine Herzklappenentzündung erlitten, die ich 3 Monate lang mit hochdosierten Antibiotikakombinationen bekämpfen musste. Bereits während der Behandlung - und die Vermutung liegt nahe, dass dies DURCH die Behandlung entstanden ist - habe ich schwere Stoffwechselprobleme bekommen, die sich u.a. in massiven Herz- und Kreislaufbeschwerden, erheblichen Gelenkbeschwerden und Muskelschmerzen, Migräneanfällen und Konzentrationsstörungen sowie permanenter Müdigkeit geäußert haben. Nachdem mich verschiedene Ärzte auf den Kopf gestellt haben, wurde bei mir Ende 2005 - zu diesem Zeitpunkt war ich 9 Monate praktisch bettlägerig gewesen - ein Chronique Fatigue Syndrom (CFS) -> Wikipedia diagnostiziert, mein Leistungsindex auf der Bell-Skala lag zu diesem Zeitpunkt bei 20 Prozent, ich hatte einen Ruhepuls von >90 (heute: <60) und war sicher, dass ich das nächste Jahr nicht mehr überleben würde...
Glücklicherweise habe ich ein recht gutes medizinisches Verständnis, zudem bin ich seit Mitte der 90er beruflich darin geübt, Informationen aus dem Internet zu ziehen. Mit der Diagnose im Hinterkopf habe also alles gelesen, was ich zu dem Thema auf den Schirm bekommen konnte und konnte mir so innerhalb weniger Wochen eine Therapie zusammenstellen, die mich nicht nur wieder aus dem Bett, sondern zudem zurück an meinen Arbeitsplatz und schlußendlich auch wieder ins Studio gebracht hat. Dennoch hat es über 2 weitere Jahre gedauert, bis ich durch zahlreiche Experimente bestätigt endlich die richtige Kombination an Supplementen zusammengestellt habe, mit denen ich auch heute noch - 5 Jahre nach Ausbruch der Krankheit - nahezu vollkommen beschwerdefrei bin. Sollte jemand in Eurem Bekanntenkreis unter dieser schrecklichen Krankheit leiden, bin ich gerne bereit, meine Erkenntnisse zu teilen, zumal der normale Mediziner schon mit der Diagnose idR vollkommen überfordert ist und viele der selbsternannten CFS-Experten nichts anderes als Geldmacher und Scharlatane sind...
Doch zurück zum Thema: Seit dem Ausbruch meiner Krankheit habe ich Probleme mit der Kondition, die mich insbesondere in den ersten 2 Jahren in meinem Training behindert haben. Nach 15 Jahren klassischem 3er-Satztraining war ich also gezwungen, mich nach einer Alternative umzuschauen, die mich konditionell weniger forden bzw. ein deutlich kürzeres und weniger häufiges Training ermöglichen würde. So kam ich also notgedrungen auf HIT, zumal ich im Gegensatz zum Volumen durch eine Erhöhung der Intensität keine negativen Auswirkungen auf mein Wohlbefinden verspürt habe. Allerdings würde ich lügen wenn ich an dieser Stelle behaupte, dass meine Trainingsintensität der letzten Jahre den Massstäben von Arthur Jones oder gar Mike Mentzer standgehalten hätte. Zumindest mit dem Übertraining hatte ich also keine Probleme, dafür allerdings mit meinem Körperfettanteil, der heute schon fast wieder an den Punkt angelangt ist, von dem ich mich gut 20 Jahre zuvor ein für allemal verabschiedet hatte - so dachte ich damals zumindest.
Für einen Eindruck habe ich ein Bild aus dem letzten Urlaub angehängt:

Ein Blick auf die Maße per 01. August verdeutlicht das Desaster in Zahlen
Gewicht 103 kg
Brust 121
Schulter 142
Bizeps 45
Trizeps 43
Unterarme 34
Taile 99
Hüfte 102
Oberschenkel 65
Waden 39
Es ist also offensichtlich, dass ich wieder etwas mehr tun muss. Da ich nunmehr wieder nicht nur fähig, sondern vor allem auch willens bin, etwas zu verändern habe ich die letzten 2 Monate sehr viel Zeit damit verbracht, mein angestaubtes Wissen hinsichtlich Training und Ernährung aufzupolieren und auf den neuesten Stand zu bringen. Darüber hinaus habe ich diverse Experimente durchgeführt, die mich mehrfach nicht nur an den Rande des Übertrainings gebracht haben
Wie es künftig weitergeht, erzähle ich Euch in meinem nächsten Logbucheintrag - ich muss jetzt erst einmal etwas essen, zumal ich zwar gewillt bin abzuspecken, keinstenfalls aber einen Sinn darin sehe, mehr als unbedingt notwendig zu leiden

Bis demnächst also in diesem Forum

GG

