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Doping mit basischen Salzen

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Moderator: Team Ernährung & Supplemente

maschio
 

Doping mit basischen Salzen

Beitragvon maschio » 26 Dez 2006 15:40

An die Kollegen von diesem Unterforum: wenn Ihr den Eindruck habt, dieser Beitrag passe irgendwoanders besser, dann versetzt ihn ruhig. Ich habe bisher keinen besseren Platz dafür gefunden.

P. Bützer*, Doping mit basischen Salzen
c+b (Chemie und Biologie, Zeitschrift der Schweiz. Naturwissenschaftslehrer/innen, 2004; 4; 39-53)

(...)
Längerfristige Korrekturen (des Blut-pH-Wertes) können durch die Lungen durch Abatmen von CO2, die Nieren durch Ausscheiden von Säure oder Basen oder durch die Leber durch Binden oder Freisetzen von Säuren erfolgen (...)
Scheiden die Nieren Säuren aus, wird der Urin sauer. Der Normalbereich von Urin liegt zwischen 4,6 und 8,0, bei Doping-Tests sollte er zwischen 5 und 7 liegen [3]. Somit können über den pH-Wert des Urins einige Rückschlüsse auf den Säure-Base-Haushalt des Körpers gemacht werden. (...)
Eine Ernährung reich an Früchten und Gemüse, also eigentlich sauren Nahrungsmitteln kann fast paradoxerweise den pH-Wert erhöhen, also Basen bilden. Selbstverständlich sind die basischen Stoffe Kalium-, Natrium- oder Magnesiumcitrat oder Natriumhydrogencarbonat in der Lage, Blut- und Urin basischer zu machen. Fleisch, Fische, Eier und Käse bilden im Stoffwechsel vor allem Säuren, senken also den pH-Wert, ebenso wie Ammoniumchlorid (wird als Testsubstanz verwendet).

Weshalb kann eine Substanz wie Essig für Blut oder Urin neutral sein? Essigsäure im Essig wird im Körper zu Wasser und Kohlendioxid oxidiert. Das Kohlendioxid wird jedoch über die Lungen abgeatmet. Eine Substanz, die mit Wasser eine Säure bilden kann, Kohlensäure H2CO3, verschwindet aus dem Kreislauf, das neutrale Wasser bleibt zurück. Diese Reaktionsfolge gilt für alle Kohlenhydrate, Fette und Carbonsäuren (Citronensäure, Milchsäure etc.).
Weshalb können saure Früchte und neutrales Gemüse Säuren neutralisieren?
Früchte und Gemüse enthalten nebst den schwachen Carbonsäuren ziemlich viele Salze dieser Carbonsäuren. Diese Salze sind selbst basisch, wie z.B. Magnesiumscitrat. Stärkere Säuren reagieren mit diesen Salzen indem sie selbst ein Salz bilden und dabei eine schwächere Säure freisetzen. Wenn eine starke Säure neutralisiert wird und eine schwache Säure freisetzt, so nennt man das chemisch Pufferung.
(...)
Basischer Urin unterdrückt die Freisetzung von gewissen basischen Dopingmitteln oder erschwert deren Nachweis - daher werden basische Salze auch mißbräuchlich verwendet. Der pH-Wert von Urin bei Doping-Kontrollen sollte daher zwischen 5 und 7 liegen. Einige Dopingmittel werden, wie z. T. auch Medikamente, durch den pH-Wert des Urins beeinflußt. So wird Aspirin bei pH=8 doppelt so schnell ausgeschieden wie bei pH=5,5.
Um die bei einer körperlichen Leistung gebildeten Säuren abzufangen, werden im Sport oft basische Salze verwendet [10, 11].
Das ist vor allem dann der Fall, wenn im anaeroben Bereich Milchsäure gebildet wird. Diese kann fast nur als Salz abtransportiert werden. Somit ist es möglich, sich einen gewissen Vorrat an Basen vor der Leistung zuzulegen. Das kann einerseits mit Natriumhydrogencarbonat (Natriumbicarbonat) oder mit Gemischen von Alkai- (Na, K) und Erdalkali- (Ca, Mg)Salzen als Carbonate, Hydrogencarbonate, Aspartate, Glutamate oder Citrate [12] erfolgen. Alle diese Salze haben den Säurerest einer schwachen Säure und reagieren folgedessen basisch.

In eienr Studie wurde gezeigt, daß die Leistungsdauer durch eine Basenzufuhr erheblich gesteigert werden kann [13, 14]. Durchshcnittlich sportlichen Männern wurden 2 Stunden vor dem Test 20 g [igitt... maschio] Natriumhydrogencarbonat gegeben. Die Zeit, während der sie die volle Leistung beim Laufen bringen konnten, stieg dabei von 270 auf 440 Sekunden. Die Begründung für den Effekt war, daß die gebildete Milchsäure besser abgeführt werde konnte, die einen hemmenden Effekt auf den Muskel hat (spürbar als Muskelbrennen?).
Die normale Hydrogencarbonatkonzentration im Blut beträgt 24-31 mmol/l. Ein chemischer Aspekt: Natriumhydrogencarbonat ist ein Antacidum, das im Magen sofort mit der Magensäure reagiert. Das ergibt immerhin etwa 6 Liter Kohlendioxidgas! Die Neutralisation der Salzsäure (im Magen) muß dann im Dünndarm nicht mehr erfolgen, was zur Folge hat, daß das Blut basischer wird.
Bei Natriumcitrat ist im Magen mit HCl (Salzsäure) keine Gasbildung zu erwarten, es ist daher als basisches Salz besser geeignet als Natriumhydrogencarbonat [15].
6 g Natriumcitrat während 4 Tagen ergab bei 10 Männern einen pH-Anstieg im urin, eine vermehrte Natrium- und eine reduzierte Kalium- und Magnesium-Ausscheidung [16].
17 Collegestudenten wurde vor einem 5 km-Lauf 0,5 g pro kg Körpergewicht Natriumcitrat gegeben. Gegenüber der Placebogruppe verringerte sich die Endzeit um ca. 2,6% [17]. Weil die Laktatkonzentration gegenüber der Placebogruppe höher war, wurde auf eine vermehrte Beteiligung der anaeroben Leistung geschlossen. Die hohen Dosen sind nicht unumstritten, denn höhere Dosen als 0,3 g pro kg Körpergewicht scheinen keine Steigerung mehr zu bringen [18].

Literaturquellen:

[3] http://www.adeoi.org/procedure.htm, 2004-10-10
[10] G. R. Tiryaki & H. A. Atterborn, The effects of sodium bicarbonate and sodium citrate on 600 m running time of trained females, J Sports Med Physical Fitness 1995; 35: 194-198
[11] L. R. McNaughton (2000), Bicarbonate and citrate in nutrition, in sport, ed. by R. J. Maughan, Malden MA, Blackwell Science Inc.
[12] A. F. Walker, G. Marakis, S. Christie & M. Byng, Mg citrate found more bioavailable than other Mg prpearations in an randomized, double-blind study, Magnesium Research 2003; 16: 183-191
[13] D. Fox, Hard Cheese, New Scientist 2001; 15 Dec: 45
[14] L. McNaughton & D. Thompson, Acute versus chronic sodium bicarbonate ingestion and anaerobic work and power output, J Sports Med Phys Fitness 2001, 41. 456-462
[15] R. Rafoth, Cycling Performance Tips, http://www.eptips.com/nutmyt.htm, 2004-10-10
[16] G. Karlaganis, Citric acid, http://www.chem.unepp.ch/irpte/sids/OECDSIDS/77929.pdf, 2004-10-10
[17] V. Oöpik et al., Effect of sodium citrate ingestion before exercise on endurance performance in well trained college runner, Br J Sports Med 2003; 37: 485-489
[18] M.H. Williams, Sodium bicarbonate, http://www.humankinetics/sdu/content/vi ... cfm?sid=30, 2004-10-10

*Peter Bützer, Prof. Dr. Gymnasiallehrer Kantonsschule Heerbrugg SG, Schweiz

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Beitragvon K3K » 26 Dez 2006 15:50

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gruss

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Beitragvon Pottproll » 26 Dez 2006 16:33

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann bringt es hauptsächlich nur Vorteile bei einer Belastung zwischen 1 bis ca. 7 Minuten, sprich ca. an der aneroben Schwelle.
Da müsste auch das Training zu passen, denn wenn man bspw. 5-10 Wiederholung ohne spezielle TUT ausführt (ca. 3 Sekunden oder weniger pro wdh), dann bleibt man deutlich darunter -> Energiegewinnung aus ATP, Kreatinphosphat bla und nicht aus Laktat.

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Beitragvon promifucka » 26 Dez 2006 16:58

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Beitragvon K3K » 26 Dez 2006 19:30

wie pottproll schon absolut richtig sagte, für belastungen unter 30-60sekunden idr keine relevanz.

gruss

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