Ein Artikel von
Johnberardi.com
Von
Dr. Clay Hyght
Es gibt einige Verletzungen, die im Studio leider recht üblich sind. Bei den Leuten, die den Gang ins Studio als soziales Happening interpretieren, sind zwei typische Verletzungen die Überlastung der Augenmuskulatur durch exzessives Schielen zu den heißen Mädels in engen Yogahosen und Kiefergelenkserkrankungen, weil sie verdammt noch mal zu viel labern. Diejenigen, die ernsthaft trainieren, haben allerdings ganz andere Probleme. Ganz vorne stehen Schulterverletzungen und eines der üblichsten Schulterprobleme, wenn nicht sogar das üblichste, ist das Schulter Impingement Syndrom (SIS).
Falls Ihr, ein Klient oder Freund unter Schulterschmerzen leidet und herausfinden wollt ,ob diese von SIS kommen, solltet Ihr auf einige Dinge achten. Übungen, welche die Symptome von SIS intensivieren, sind vor allem das Drücken über den Kopf, Bankdrücken auf der Flachbank und Seitheben. Bei schwerem SIS können diese Übungen, aber auch jede andere Übung, die eine Bewegung im Schultergelenk beinhaltet, zu Schmerzen führen. Ihr seht also, als Kraftsportler ist SIS eines der größten Probleme, das man haben kann. Falls Ihr unter SIS leidet, gibt es offensichtlich nur sehr wenige Übungen, die Ihr ausführen könnt.
Falls Ihr einen weiteren diagnostischen Test benötigt, versucht folgendes orthopädisches Assessment: Streckt den betroffenen Arm nach vorne aus und hebt ihn dann über den Kopf. Hierbei sollte der kleine Finger die ganze Zeit oben und der Daumen unten sein. Wenn Ihr bei dieser Bewegung Schmerzen habt oder sie sogar vor Schmerz gar nicht ausführen könnt, liegt bei Euch wahrscheinlich ein Schulterimpingement vor.
Jetzt denken einige Kerle vielleicht, dass es hardcore wäre, unter Schmerzen zu trainieren. Während es sicherlich cool ist, beim Nippelpiercing nicht mal mit der Wimper zu zucken, ist es tatsächlich gar nicht cool, trotz SIS weiter zu trainieren. Das ist einfach nur dumm. Es handelt sich hier um eines dieser Probleme, die bei Benutzung immer schlimmer werden. Eine vollständige Auszeit vom Training könnte nötig sein, um positive Fortschritte zu erzielen. Aber sorgt Euch nicht, meine Freunde, ich lasse Euch nicht hängen. Ich werde Euch zeigen, wie man SIS korrigieren und ihm vorbeugen kann.
Biomechanik der Schulter
Das Impingement Syndrom ist definiert als Beeinträchtigung des Platzes zwischen dem Kopf des Humerus (Oberarmknochen) und dem Acromion (Schulterdach). Einfach gesagt: Der Kopf Eures Oberarmknochens steht zu weit oben und zu nah am Schulterdach (ein Teil des Schulterblatts), sowie dem Schlüsselbein. Diese Verengung kann von einem strukturellen Problem (meist Knochen) oder einem funktionellen Problem (meist Muskeln) kommen. Da sich ein strukturelles Problem gleich am Anfang einer Trainingskarriere schon zeigen würde, konzentrieren wir uns auf funktionelle Ursachen des Impingements, welche an den meisten Problemen im Studio schuld sind.
Wenn Ihr Euren Arm hebt, läuft eine komplexe Kette von Ereignissen ab. Eine Muskelgruppe, die als "Scapulastabilisatoren" bezeichnet wird (Serratus, Trapezius, Levator scapulae, Rhomboiden und Teres major), arbeitet sehr präzise, damit die Scapula zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Gleichzeitig koordinieren die Muskeln der Rotatorenmanschette (Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor und Subscapularis) die Bewegungen des Humerus, um die richtige Ausrichtung im Verhältnis zur Scapula zu sichern.
Wenn diese Muskeln die Bewegungen nicht perfekt koordinieren, kann der Humeruskopf sich zu weit nach oben und vorne bewegen, wodurch er gegen den Boden des Acromions stößt. Falls Ihr wissen wollt was das Acromion überhaupt ist, legt einfach Eure Finger auf ein Schlüsselbein und gleitet daran entlang in Richtung der Schulter. Kurz bevor Ihr auf dem Schultermuskel seid, werdet Ihr die Spitze Eures Acromions spüren, die an dieser Stelle etwas herausragt. Beim Impingement werden Muskelbauch und Sehne des Supraspinatus, sowie der subacromiale Schleimbeutel (Bursa subacromialis) zwischen dem Humerus und dem Acromion eingeklemmt. Wenn zwei weiche Strukturen zwischen zwei harten, knöchernen Strukturen eingeklemmt sind, ist wohl klar, wer den Kürzeren zieht. Das Resultat sind Schwellung und Druckempfindlichkeit der Bursa (eine so genannte Bursitis), sowie von Muskelbauch und Sehne des Supraspinatus (Tendonitis).