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Muskeln in der Gesellschaft

"THE TRUTH IS - YOU Are THE WEAK!" (II)

Karsten Pfützenreuter, 09.05.2012

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"This is your last chance. After this, there is no turning back. You take the blue pill - the story ends, you wake up in your bed and believe whatever you want to believe. You take the red pill - you stay in Wonderland and I show you how deep the rabbit-hole goes."
(aus dem Film "Matrix", von Laurence Fishburne)

Wenn Sie, lieber Leser, den ersten Teil dieser Artikelreihe gelesen haben und Ihnen dieser Gefallen hat, Sie darin eine Option für die eigene Entwicklung und vor allem Ihre Ziele im Training sehen und Sie sich vor allem mit der angesprochenen Zielgruppe identifizieren können, dann heiße ich Sie herzlich willkommen zum zweiten Teil. Ich freue mich, dass ich Ihnen weiter dabei behilflich sein darf, dass Sie nicht mehr länger "normal" im Sinne einer Gesellschaft sein wollen, welche sich allzu gerne und ständig mit Attributen wie "modern", "zivilisiert", und "kulturell hoch entwickelt" schmückt, aber im Kontext dieses Artikels was wirklich "normales" irgendwie und irgendwo vergessen hat bzw. Ihnen tatsächlich als etwas "unnormales" einreden will.

Wenn Ihnen der erste Teil jedoch nicht gefallen hat, möchte ich Sie bitten lieber nicht weiterzulesen, denn es kann dann sehr gut sein, dass Sie keinen Sinn für meine Sicht der Dinge und meine Art von Humor haben und ich zudem ungewollt gegen Ihre Wertvorstellungen verstoße. Menschen unterscheiden sich unter anderem in ihren Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten. Wenn es für jemanden nicht selbstverständlich ist, die Muskulatur als etwas sehr wertvolles und überaus wichtiges einzustufen und es zudem als ungewöhnlich empfunden wird, seinen Tagesablauf auf die Entwicklung der eigenen Physis auszurichten, dann wird dieser jemand mit den Informationen dieser Artikelreihe nicht nur wenig bis gar nichts anfangen können, sondern es wird zudem ganz automatisch zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen kommen, die auf keinerlei Weise meine Absicht waren oder sind. Oder kurz: Es wird aus Ihrer Sichtweise heraus jetzt noch schlimmer.

Dass ich Muskeln und Training einem hohen Wert beimesse, heißt nicht im scheinlogischen Umkehrschluss, dass andere Dinge deshalb weniger wert, wertlos oder was gar partout negatives sind. Die Sache mit der Wertschätzung ist unheimlich wichtig, da sie mit einem weiteren Verhaltensmuster der menschlichen Natur kollidiert. Dem Vergleichen mit anderen Dingen oder gar Personen. Hier geht es aber nicht um den Vergleich mit anderen, sondern nur um Sie selber. Wo wir automatisch bei einem weit verbreiteten Denkfehler sind, welcher viele Diskussionen aber auch Missverständnisse erklärt und an dieser Stelle hoffentlich beseitigt wird. Und zwar dem Irrtum, dass es eine viel zu allgemeine Meinung davon gibt, dass jeder meint, man könne alleine durch ein paar Jahre Training das Aussehen eines Profi Sportlers erlangen oder das Artikel, welche generell die Themen Muskeln und Training beinhalten, dem Leser automatisch implizieren sollen, dass dieser der nächste "He-man" werden muss.

Sorry, dass ich derjenige bin, der Ihnen das sagen muss, aber wie weit man im Training kommt ist neben intensiver Anstrengung unter anderem eine Frage der Gene. Und Gene bzw. in diesem Falle die Anzahl, Art und Länge der Muskelfasern eines Muskels kann man sich nicht kaufen. Zudem möchte auch nochmal betonen, dass dieser Artikel für jene gedacht ist, die nicht unbedingt bei einem Bodybuilding Wettkampf teilnehmen wollen, sondern die einfach nur ein optisch sichtbares, positives und athletischeres Erscheinungsbild anstreben. Etwas für das man nun mal genauso beständig trainieren muss, wie für einen bühnenreifen Body im Wettkampfsport, aber was man bei optimaler Umsetzung einfach wesentlich eher erreicht. Also ein Ziel, was vom rein biologischen Standpunkt heraus gesehen, jedem Menschen möglich ist. Es ist deswegen u.a. für das Verständnis dieses Artikels äußerst wichtig, dass der erste Teil gelesen und vor allem verstanden wurde. Wer der ernsthaften Ansicht ist, dass es für diese Zielsetzung nur ein paar Liegestützen täglich oder ein zehnminütiges unregelmäßiges Training am Eisen bedarf, den möchte ich an dieser Stelle abermals bitten nicht weiterzulesen, denn er hat einfach leider absolut keine Ahnung und die Praxis zeigt, dass bei diesem beratungsresistenten Personenkreis einfach kaum bis gar nicht möglich ist, diese Lücke erfolgreich zu beheben.

Zudem ist es mir egal, ob jemand intensiv und leidenschaftliche turnt, tanzt, läuft, Gymnastik treibt, schwimmt oder ähnliche Aktivitäten betreibt, um etwas für seinen Körper zu tun. Was man mit seinen Muskeln machen kann, ist das eine, wie man eine gewisse Muskelmasse erlangt, oftmals etwas anderes. Ich habe mich für Widerstandstraining entschieden, weil das erwiesenermaßen der schnellste und nach dem Aufwand/Ertrag Prinzip der effektivste Weg ist und weil es mir einfach am meisten Spaß macht. Wenn Sie zusätzlich andere Aktivitäten betreiben oder toll finden oder gar bevorzugen, dann freut mich das für Sie, aber hier dreht es sich vorrangig um eine Romanze mit dem Eisen.

"Es ist egal, was Du im Leben tust. Die Hauptsache ist, dass Du es von ganzem Herzen tust."
(aus dem Film "Stay hungry", mit Arnold Schwarzenegger und Jeff Bridges)

Es geht hier einfach darum überhaupt Muskeln zu haben, also etwas das heutzutage in einem bedrohlich ansteigendem Maße immer seltener wird. Wer diesen Fakt bzw. diese grausige Entwicklung nicht wahrhaben will, sollte schnell mal seine Brillengläser putzen und sich beim nächsten Freibadbesuch statt junger Mädels, lieber Mal sein komplettes und sonnenbadendes Umfeld näher betrachten. Keiner redet hier also von 120 Kg maximaler Muskelmagermasse verteilt auf einen 1,79 m großen Athleten bei einem KFA von weit unter 10%. Wer mehr Muskeln oder gar sehr viele Muskeln hat ist dadurch nicht automatisch ein besserer Mensch. Die Thematik ist eher, ob es für Sie, lieber Leser, letztendlich besser ist, wenn Sie mehr Muskeln haben und in welcher Weise sich das auf Ihr eigenes Leben positiv auswirken kann. Hier geht es um Ihren Körper und wie dieser mit 5 oder gar 10 Kg mehr Protoplasma aussehen würde und wie Sie es schaffen, dass dafür nötige zu tun: Nämlich die nächsten Jahre oder gar am besten ein Leben lang regelmäßig beherzt zu trainieren.

Oder um den Link zum ersten Teil zu werfen: Hier geht es darum, dass man sportlich, trainiert, athletisch, fit usw. bzw. nicht "normal" aussieht. Ich weiß, dass sich das etwas lustig oder seltsam anhört aber ich persönlich finde das einfach nur bedauerlich, dass man schon und noch darin unterteilen muss, ob jemand ein Sportler, Trainierender oder halt Pumper oder halt ein "Normaler", "Laie" oder "Durchschnittsbürger" ist. Schon alleine diese Abgrenzung bzw. Einteilung zeigt zweierlei ganz deutlich. Dass zum einen in dieser Welt bei der ganzen Thematik bisher eine Menge schiefgelaufen ist und zum anderen das der aus diversen Mündern so oft und gerne um sich geworfene und vieler Orts gehörte Begriff "Toleranz" immer noch eine der größten Lachnummern unserer Zeit ist. Wer bereits längere Zeit trainiert, hat ganz genau erfahren, was damit gemeint ist. Denn man ist ob man es will oder nicht, heutzutage aus einer gewissen Sichtweise ein Außenseiter, Mitglied einer Randgruppe, ein Art von "Freak", wenn man selbst nur ein paar Kilo mehr Muskelmasse, als der heutige Durchschnittsbürger hat.

"Menschen haben schon immer jene verurteilt, die anders sind als sie. Das ist ihr besonderes Merkmal."
(aus dem Film "Herkules in New York" mit Arnold Schwarzenegger)

Die Frage nach dem "Warum Muskeln?!"

Ich persönlich bin der Ansicht, dass es keine überflüssigere Frage gibt, die man stellen kann. Das man Menschen die Vorteile von Muskeln erst noch aufzählen muss, ist mit die größte Bildungslücke dieser Gesellschaft. Aus einer gewissen Sichtweise heraus, gibt es keine bessere Comedy Vorstellung, als die üblichen Argumente und Parolen, welche man von Gesundheitsorganisationen und vielerlei anderen Einrichtungen zu den Themen Bewegung, Lebensqualität, Gesundheit und Training regelmäßig lesen kann. Nicht etwa, dass diese Argumente und aufgezählten Vorteile falsch sind. Ganz im Gegenteil, aber was in Gottes Namen ist eigentlich passiert, dass man Menschen so weit von sich selber bzw. ihrem Körper entfernen konnte, dass man nun so was tun bzw. auf so dermaßen verrutschte Weise etwas völlig selbstverständliches nachholen muss? Wie sehr musste man eine moderne Gesellschaft zuerst tausende von Jahren vorsätzlich verblöden, dass dadurch heutzutage ein so gewaltiger Nachholbedarf entstanden ist? Auf die vielfältigen Gründe möchte ich erst gar nicht näher eingehen, weil das echt zu bedauerlich und schon stellenweise nicht mehr komisch ist. Aber vielleicht sollte man, analog zur Ausgangsfrage, einfach mal kurz klar stellen, wie das Leben zu einer Epoche der Menschheit ausgesehen hat, als man noch nicht in der glücklichen Situation war, dass man jederzeit einen gefüllten Kühlschrank in den eigenen vier Wänden vorfindet.

"Learn fast or die."
(aus dem Film "Avatar" von James Cameron)

Das Leben für die Spezies Mensch war einmal das, was es für alle anderen Lebewesen noch heute ist, nämlich beinharte Action am laufenden Band, körperliche extreme Anstrengung, Lernen und Üben auf die harte Tour, mühselige Nahrungssuche, Sammeln, Jagen, Rennen, Wandern, Klettern, heftiges Werben, nicht selten gewaltvolles sich vermehren, und vor allem, reiner, ständiger und gnadenloser Überlebenskampf. Also etwas technischer betrachtet eine Form des Trainings zu jeder möglichen und oftmals unberechenbaren Zeit des Tages. Die wenigen Momente oder gar Stunden der Ruhe waren nicht nur so selten, sondern genauso kostbar wie heutzutage pures Gold. Diese Augenblicke der Stille waren eine, wenn nicht gar DIE, totale Dimension der Entspannung. Dazu bzw. wie man diese gigantische Momente wieder aufleben lassen kann, einige Zeilen später aber erst mehr. Ohne ein gewisses und lebensnotwendiges Maß an Muskeln wäre man in diesem Jahrtausende währenden Zeitabschnitt nicht nur so funktional und nützlich gewesen wie ein geplatztes Kondom, sondern man hätte ohne auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein nicht einen einzigen Tag überleben können. Muskeln waren einfach mal auf dieser Welt für uns Menschen ein Fakt und eine Grundvoraussetzung wie es heutzutage Strom, festes Schuhwerk und fließend Wasser sind. Etwas extrem kostbares und essentiell notwendiges ist irgendwo auf dem Weg in die moderne Welt von heute verloren gegangen und dieser Verlust macht sich nun auf sehr drastische und negative Weise immer gravierender bemerkbar. Es muss einem einfach einleuchten, dass der breiten Masse etwas fehlt, was man selbst mit der Umschreibung "sinnvoll", noch auf gewisse Weise in seinem wahren Wert ungewollt beleidigen würde.

Wir sind einfach alles in und durch unsere Muskeln. Wir drücken uns durch sie aus, wir reden, schlafen, sprechen, lieben, küssen, hören durch und mit der Hilfe unserer Muskulatur. Nur alleine 500 Muskeln kontrahieren wenn ein Mensch einen sexuellen Höhepunkt erlebt. Unser Lachen, unsere ganze Gestik und Mimik, die Art sich mitzuteilen, unser Fühlen, Betören, Tanzen, Malen, Schreiben, Essen und tägliches Gehen und Stehen, einfach alles hat mit unseren Muskeln zu tun. Wenn Sie andere Muskeln haben sind Sie einfach ein anderer Mensch. Sie leben einfach mehr und intensiver, wenn sie eine trainierte Muskulatur haben. Der drastische Verlust der Muskelmasse in der Gesellschaft, vorrangig in den letzten Jahrhunderten, ist durch ein dermaßen subtiles und gerissenes Tauschgeschäft möglich geworden, welches den sprichwörtlichen Pakt mit dem Teufel auf die Stufe eines Kavaliersdeliktes hebt. Die systematische Entkörperlichung unter dem Banner von Fortschritt, Wohlstand und technischer Revolution, ist der größte Kollateralschaden der Menschheit gegen sich selbst.

Zur Verdeutlichung gehen wir mal ins Reich der Tiere. Es gibt die Aussage und auch Belege, dass bestimmte Tierarten in Gefangenschaft wesentlich älter werden, als wenn sie in ihrem ursprünglichen Lebensraum in Freiheit leben würden. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass sie regelmäßig Futter und Pflege erhalten und einfach weniger Stress und Risikofaktoren ausgesetzt sind. Ein australischer Korallenfinger Laubfrosch z.B., wurde in einem Zoo nachweislich weit über 50 Jahre alt und dieser Fall ist bei dieser Tierart keine Ausnahme. In seinem ursprünglichen Lebensraum wäre er in der Regel gerade mehr als die Hälfte so alt geworden. Es gibt aber auch den Fakt, dass wenn man, und dies gilt vor allem für Säugetiere, die jeweilige Spezies nicht nur nicht ausreichend artgerecht, sondern vor allem stark in ihrem Lebensraum eingeschränkt hält, sich nicht nur die Lebenserwartung drastisch reduziert, sondern zudem Krankheiten und schwere Störungen im Verhalten auftreten. Oder lapidar ausgedrückt: die Tiere werden krank, verfetten und sind teilweise schwer geistes- und verhaltensgestört. Der Fall des Eisbären vor einiger Zeit, welcher sich selber in seiner Anlage ertränkte, hat diesen Umstand auf schockierende Weise und als erschütterndes Nachrichtenspektakel einer breiten Zuschauerzahl in der Bevölkerung verdeutlicht.

Sie wissen nicht ganz worauf ich mit obigen Beispielen hinaus will? Soll ich das wirklich etwas deutlicher formulieren? O.K., kein Schimpanse auf dieser Welt wäre so verrückt, als dass er beinahe den ganzen Tag freiwillig und über viele Stunden am Stück, in einem engen und künstlich erhellten Raum still und beinahe regungslos auf einem Bürostuhl hockt, angeschnallt auf einem Autositz verharrt oder vor sich hingammelnd auf einem Wohnzimmersessel sitzt und sich teilweise dabei gleichzeitig von medialen Einflüssen berieseln lässt bzw. diese gar interessiert verfolgt. Kein Hund, kein Pferd, keinen Elefanten und auch keinen Löwen könnte man auf eine Weise dressieren, schlagen,quälen oder abrichten, dass er so etwas erniedrigendes auch nur einen Tag ohne jeglichen Widerstand mit sich machen lassen würde.

Mit Menschen jedoch hat man dies nicht nur erfolgreich geschafft, sondern es wird zudem als "normal" eingestuft und gehört zum modernen Alltagsleben schon mehr oder weniger als selbstverständlich dazu. Alles Gerede und Debattieren, und vor allem, alles Suchen und Forschen nach einem wundersamen Mittel gegen sogenannte Zivilisationskrankheiten, pervertiert doch in Verbindung mit dem üblichen Gesülze über Bewusstsein, Intelligenz, Krone der Schöpfung, Körper, Geist und Seele usw. zu einem gigantischen schlechten Scherz, wenn man weiterhin in diese Gleichung die Aussage mit einbezieht, dass jemand, der sich intensiv für Training, seine Muskeln, eine bewusstere Ernährung und einen aktiven Lebensstil entscheidet, als "unnormal" eingestuft wird bzw. sich dafür sogar noch rechtfertigen muss.

Das ganze Szenario erinnert an ein Bild, bei welchem sich alle Menschen in Ihrem Umfeld, ständig und mit wachsender Begeisterung mit dem Hammer auf den Kopf hauen und Sie, lieber Leser, dann aber allen Ernstes gefragt werden: "Hey wieso machst Du das nicht auch, wieso willst Du, dass es Dir gut geht bzw. besser geht als uns?! ". Oder an die Geschichte von der Mutter, die mit ihrem Sohn zum Arzt ging, weil dieser sich nicht für Schlägereien, Saufeskapaden, Partys, Schlampen, Drogen, schnelle Autos, teure Anziehsachen, Hehlerei, Dealen, Stehlen, usw. sondern für die Natur im nahegelegenen Wald, Bildung, Tiere, Musik, Dichtung, Kunst, Theater, Museen usw. interessiert. Das man sich für Muskeln rechtfertigen soll oder die Motive dahinter erst begründen muss, ist in etwa das Gleiche, als müsste man sich für Lachen, Atmen und Körperflüssigkeiten ausscheiden oder austauschen rechtfertigen bzw. dies einem tatsächlich fragenden Gegenüber ernsthaft begründen müssen.

Man kann echt unzählige Gründe für Training aufzählen und man wird unendliche viele positive Argumente für ein Training der Muskulatur finden, aber das wirklich bedeutsamste Argument für Muskeln ist einfach jenes, dass es keinen einzigen Grund dagegen gibt. Es gibt einfach kein Argument gegen Muskeln, genauso wie es kein einziges Argument gegen viele andere wesentliche und wirklich wichtige und schöne Dinge, die ebenfalls mit den Sinneserfahrungen im Leben zu tun haben, gibt. Muskeln sind ein Teil der allseits bekannten Sinne eines Menschen. Jeder kennt die üblichen Sinne also Sehen, Hören, Schmecken usw. aber nur Wenigen ist bewusst, dass Muskeln auch über einen eigenen Sinn, den sog. "kinästhetischen Sinn" verfügen.

Leistungsfähigere Muskeln haben zu wollen ist ein biologisches Programm, es ist verankert und hatte und hat immer noch eine evolutionäre Funktion. Sich davon bzw. dem Drang nach Bewegung, mehr Energie und Kraft, völlig frei machen zu wollen, kann einfach nur schief gehen. Ein Mensch strebt auf vielfältige Weise nach Entwicklung. Das ist mehr als Natürlich und so vorgesehen. Irgendwas in seinem Sinnesprogramm und inneren Erleben will aktiviert, genutzt und gefüllt werden und wenn es nicht auf eine andere positive Weise erreicht wird, dann wird es sich auf negative und unnatürliche Weise und damit verbunden schweren körperlichen oder gar geistigen Folgen äußern. Ich behaupte einfach schon leicht vorgreifend an dieser Stelle und in völliger Überzeugung, dass beinahe alle gewöhnlichen Probleme der sogenannten Normalen bzw. nicht trainierenden Menschen durch Training und eine damit verbundene Entwicklung in der Einstellung,auf positive Weise beeinflusst, wenn nicht sogar völlig behoben werden können. Im späteren bzw. vierten Teil dieses Artikels werden Sie dann nicht nur sehen, wie einfach es sein kann den inneren Antrieb zu entwickeln, regelmäßig zum Training zu gehen, sondern Sie werden dann hoffentlich gleichzeitig erkennen, welche positive Auswirkungen eine gesunde "Verrücktheit" auf Ihr gesamtes Leben, also auch auf das außerhalb der vier Studiowände, haben wird.

Gehen wir zur weiteren Verdeutlichung und analog dazu, dass wir in einer reizverarmten Umwelt leben, noch mal zurück zu den Tieren im Zoo, dem Urzustand der Menschen vor tausenden von Jahren und dem absoluten Glücksmoment totaler Ruhe usw. Auf der einen Seite fehlen die körperlichen Anforderungen aber auf der anderen Seite herrscht eine extreme Reizüberflutung von negativen Einflüssen, welche wir an dieser Stelle mal, wenn auch nicht ganz exakt dargestellt, Stress nennen wollen. Stress ist nicht irgendein Modewort, es ist einfach ein kaum zu ertragener Fakt für unheimlich viele Menschen. Der Kopf mancher Menschen ist, ohne dass sie es merken, so dermaßen überflutet, dass sie es tatsächlich gar nicht merken, dass ihr Körper dadurch immer mehr unweigerlich den Bach runter geht. Sie bekommen diese ganze Diskussion weder mit, noch wüssten sie was sie dagegen tun könnten und schon gar nicht würden sie erahnen, welche Vorteile ihnen dabei ihre Muskeln bieten würden.

Denn hier sind wir bei einem weiteren Mangel unserer Zeit, nämlich einer Trennung die es gar nicht gibt, nie gab und in Zukunft einfach auch nie mehr geben sollte. Kopf, Körper, Muskeln, Seele, Geist usw. das hört sich alles an, als könnte man in verschiedene Zimmer gehen und mal eben nachsehen, was die kleinen Kinder gerade so treiben, um im nächsten Moment sich wieder seinen eigenen Sorgen und Alltagsproblemen zuzuwenden. Aber das stimmt so wie es dargestellt und vor allem getrennt wird, einfach nicht. Diese Sichtweise ist nicht nur als verrutscht einzustufen, sondern sie gleicht einer latenten und holistisch verpackten Massenkastration des eigenen Selbst.

Machen wir hierzu ein kleines gedankliches Spiel. Wo denken Sie, lieber Leser, gerade in diesem Augenblick? Denken Sie wirklich in Ihrem Kopf, hinter Ihrer Stirn, Ihren Augen bzw. wo genau meinen Sie genau das Sie denken?! Bitte setzen Sie sich dafür einen Moment ruhig hin und dann stellen Sie sich die nächste Frage, wie es sich anfühlen würde, wenn Sie in z.B. Ihren Unterschenkeln denken würden. Oder in Ihren Armen. Den Brustmuskeln, den Oberschenkeln (bitte denken Sie jetzt nicht zwischen den Oberschenkeln, womöglich lesen Sie den Artikel dann nicht zu Ende…) usw. Merken Sie worum es geht? Das kann man bezeichnen wie man will, ob nun Meditation, Beobachten, Entspannen und was es noch an vielfältigen Bezeichnungen dafür gibt. Aber es ist was extrem Gutes und durch die Verbindung zu trainierten Muskeln wird es nicht nur mit steigender Leistung und Masse und von Workout zu Workout intensiver und bereichernder, sondern es ist u.a. mit genau das, was tausende von passionierten Trainierenden immer wieder an das Eisen treibt. Wenn Ihnen dieses Gefühl schon jetzt gefällt, Sie womöglich sogar teilweise den ein oder anderen Muskel bei diesem Spiel bereits reflexartig kurz angespannt oder befühlt haben und sich dabei evtl. sogar ein zufriedenes Lächeln auf Ihrem Gesicht breit gemacht hat, dann können Sie mir glauben, dass Sie es irgendwann als unentbehrlich ansehen werden und von da an nur noch schwer verstehen werden, warum andere Menschen so eine Sinneserfahrung nicht auch anstreben.Wenn sie Ihre Muskeln trainieren, werden Sie in Zukunft intensiv eben genau in diesen Muskeln denken und dies wird Ihnen nicht nur verdammt gut tun und sich "echt geil" anfühlen, sondern dann haben Sie schon bald die Entwicklung zum "Unnormalen" vollzogen. Gratulation.

"Das ist gut. Du hast den ersten Schritt in eine größere Welt getan."
(aus dem Film "Star Wars" von Alec Guinness)

Dass man sich für totale Ruhe und Entspannung usw. gar nicht bewegen soll, das mag es sicherlich auch als gute Option geben und ist sicherlich auch ein Teil der Komponente Erholung, in einem durchdachten Trainingsprogramm bzw. aktivem Life Style. Logo. Aber der Fakt, dass man eine Form der Entspannung auch auf aktivem Wege bzw. nach dem Motto "Raus aus dem Kopf, rein in den Körper" erreichen kann, das ist einfach eine weitere Bildungslücke einer Gesellschaft, der man aus vielerlei Gründen solche Dinge einfach nicht auf das rostige Bildungstablett serviert. Oder mal deutlicher: Es gibt in echt gar keinen Spruch von wegen, dass Menschen Gefangene ihres eigenen Körpers sind. Wie soll das denn bitte gehen? Der Geist ist willig aber das Fleisch ist schwach, ist einfach eine völlig verdrehte und verlogene Floskel. Es ist genau anders rum. Menschen sind Gefangene ihres Kopfes! So sieht es doch aus.

Erst entkörperlicht man mit aller Gewalt ganze Dekaden und Generationen, dann setzt man sie unter permanenten Stress, sorgt dafür dass ihr allseits und ständig gelobter Geist bzw. Kopf so dermaßen mit Sorgen, Alltagsproblemen, Zukunftsängsten, Selbstgesprächen, Aufgaben und Konflikten vollgestopft ist, dass diese Gedankenflut die Dichte eines schwarzen Lochs erhält und dann wundert sich aber alle Welt, dass eine entstandene Leere sich millionenfach mit Fress- oder anderen Suchtstörungen, Wohlstandskrankheiten, einer endlosen Artenvielfalt von selbstzerstörerischen Zwängen usw. äußert und am Ende forscht alles und jeder aus dem Reich der schlauen Köpfe, nach einer Lösung und bietet u.a. im Sinne eines modernen Gesundheitssystems den beitragszahlenden Versicherten einen kleinen Stapel dünner Infohefte über das neue Kursprogramm "Trainiere Deine Gesundheit" in ihrem Eingangsbereich an?! Aber wenn man regelmäßig und beherzt trainiert, dann gilt man als "muskelsüchtig" oder es wird als dumm bzw. "primitiv" abgetan?! Sorry, aber wenn es als primitiv gilt, dass man sich intensiv mit seinen Muskeln auseinander setzt, dann möchte ich niemals "zivilisiert" sein! Nein, es gibt wirklich keine sinnlosere Frage als die, warum man seine Muskeln trainieren solle.

Die Frage ist doch eher, warum es so vieleVorurteile gibt, welche sich hemmend und abschreckend auf die vielen potentiell Interessierten auswirken. Kommen wir somit mal nur ganz kurz zu den Vorurteilen:

Muskeln machen langsam, dumm, unbeweglich und hässlich. Klar, so was kann man schon mal in gewissen, mehr oder weniger schwer gebildeten Schichten, sei es nun in der Kneipe an der Ecke, in einer hochkulturellen Nachmittagstalkshow oder auf einem städtischen Bier- und Grillfest, hören. Aber ich denke nicht, dass man auf so einen hochgradigen und verbal abstrahierten Unsinn überhaupt eingehen muss. Das käme vom Armutszeugnis in etwa auf das Gleiche raus, wie wenn Albert Einstein zu Lebzeiten einem Fünfjährigen den Hintern versohlt hätte, weil dieser behauptet hat, dass der gute Professor von Physik keinerlei blassen Schimmer gehabt hätte.

Die Frage ist somit viel eher, warum kommt es überhaupt zu diesen Vorurteilen, wenn das Thema Muskeln über die Aschebahn rennt oder dynamisch im Raum steht? Obwohl die Frage wirklich leicht zu beantworten ist, sorgt nur das bloße Aufzählen von nur einigen der vielen Gründe, nicht selten schlagartig dazu, dass man es sich nur durch bloßes Aussprechen in einem untrainierten Umfeld, mit allen Zuhörern für den Rest seines Lebens ungewollt und bitter vergeigt. Denn die Gründe sind die Urknalltheorie für Neid, Missgunst, Nichtakzeptanz und Intoleranz. Muskeln und ein athletischer Körper stehen einfach synonym für all das was unglückliche und unzufriedene Menschen nicht haben. Sie sind der Schlag ins Gesicht für den Gehemmten, der Tritt in den Hintern für den Trägen, sie sind das rote Tuch für den Unsicheren, das zynische Gelächter der Nichtbewunderer im Kopf des finanziell erfolgreich Übergewichtigen.

Muskeln sind das ausgegrabene Kriegsbeil für den Generationskonflikt, denn Muskeln haben heißt jung sein.Sie erinnern manch älteren Zuschauer an die Zeit, in der er noch dynamisch, attraktiv, gesund, alle paar Tage frisch verliebt und frei von Stress, Sorgen und Zukunftsängsten, sprich: in einem längst aufgegebenen, verdrängten und vor allem paradiesischen Zustand war. Jemand kann zehn Autos und ein Dutzend Häuser haben, er wird niemals so viel Hasssalven ernten, wie jemand der einen Body wie Brad Pitt (in Fight Club) voller Stolz den Strand entlang spazieren trägt.Muskeln sind einfach tierisch und Menschen hat man seit jeher erfolgreich eingetrichtert, dass man alles was mit etwas tierischem verhaftet ist, frei nach Schnauze und ohne große Rücksicht verurteilen darf. Muskeln treffen aufgrund ihrer erotischen Grundnatur eine weltweite Achillesferse und es ist einfach ein gewaltiger Unterschied, ob Sie, lieber Leser, beim nächsten Kaffee und Kuchentreff Ihrer Verwandten und Bekannten, unangekündigt am Tisch aufstehen und lauthals sagen, dass Sie einen Hund, einen neuen Fernseher, ein Problem, ein Wunsch, einen Garten oder eben Muskeln haben. Nur alleine in Verbindung mit diesem Wort, wäre es in etwa das Gleiche, als hätten sie stattdessen gesagt, dass Sie täglich Sex oder einen Dauerständer haben.

Obwohl Muskeln wie alles Natürliche und wirklich Schöne völlig kritikfrei sind, unterliegen sie somit einfach einem beinahe reflexartigen Programm, gegen das sich nur wenige Menschen gänzlich völlig wehren können. Das, lieber Leser, ist allerdings wirklich "normal", denn die Sache mit dem Neid, die ist einfach fest verankert und auch wenn nur wenige zugeben können, dass es ihn gibt, so ist er einfach ein fester und bis zu einem gewissen Grad ein notwendiger Bestandteil der menschlichen Natur. Es ist eher die Frage in wie weit man sich diesem Programm hingibt oder sich seines individuellen Rahmens bewusst ist.

So mancher Leser wird sich hier evtl. gerade im Stillen sagen, dass dies ja alles schön, stimmig und gut sei, auch sicherlich wunderbar rosa verpackt und mit viel Sonnenschein erzählt wurde, aber es ja nun doch auch ein unwiderruflicher Fakt sei, dass es tatsächlich eine Schattenseite bei der Thematik Muskeln gibt. Womit wir auf den dritten Teil dieser Reihe verweisen und damit verbunden einem Thema, welches genau wie Muskeln, Neid, biologischen Programmen, Einstellungen, Vor und Nachteilen an sich, sich immer und ewig in einer gewissen Spanne bewegt. Im folgenden Teil werde ich somit, zumindest aus meiner persönlichen Sichtweise, versuchen die Abgrenzung von einem positiven zu einem negativen Drang nach mehr Muskeln zu verdeutlichen. Ab wann das Maß und vor allem die damit verbundene Einstellung schwer gekippt sind und wie man selber diesbezüglich einen Maßstab zur Unterscheidung bekommt. Anschließend werde ich dann das erläutern, was ich unter dem „Idealzustand“ verstehe und möchte aber schon hier und nochmal darauf hinweisen, dass dies kein Ideal im üblichen Sinne darstellen soll, sondern nur eine weitere Hilfe der Orientierung für jene ist, denen es endlich mal mehr als guttun würde, wenn sie sich auf förderliche Weise einer positiven Form der Sucht nach beständigem Training hingeben.


Karsten Pfützenreuter ist renommierter Trainings- und Ernährungsexperte und professioneller Trainer und Betreuer von national und international erfolgreichen Amateur- und Profi-Athleten. Seine jahrzehntelangen Erfahrungen im Kraftsport resultierten im PITT-Force® Training, das Karsten in seinem Buch "PITT-Force Professional Intensity Training Techniques" beschreibt. Mehr Infos zu PITT findet Ihr auf pitt-force.com.

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