Big Ramy ist Favorit

100 Tage bis zum Mr. Olympia 2022: ein Ausblick

Der Mr. Olympia 2022 wirft seine Schatten voraus. Nachdem die Veranstaltung bereits 2020 im Dezember durchgeführt wurde, entschied man sich auch in diesem Jahr dazu, den Superbowl des Bodybuildings zum Abschluss des Jahres auszutragen. In diesem Artikel soll ein erster Ausblick auf die wichtigste Bodybuildingveranstaltung des Jahres gegeben werden.


Big Ramy ist auch beim Mr. Olympia 2022 der große Favorit!


Beginnen wir mit dem Wichtigsten: Big Ramy, der sich erstmals 2020 den begehrten Titel des Mr. Olympia sichern konnte, ist nach seinem Sieg im letzten Jahr auch 2022 der große Favorit. Verschiedene Vertreter aus der Szene prognostizierten bereits den dritten Sieg des Ägypters. Während vorherige Titelträger oftmals ein Geheimnis um ihre aktuelle Form machten, präsentierte Big Ramy sich in den letzten Monaten bereits mehrfach und wusste die Szene zu beeindrucken.

Auch wenn der Sieg beim Mr. Olympia 2022 fast schon Formsache zu sein scheint, wird die Regentschaft von Big Ramy voraussichtlich dennoch nicht mehr allzu lange andauern. Der Champ kündigte bereits in der Vergangenheit an, dass er mit 38 Jahren den Wettkampfsport beenden wolle. Spätestens 2023 wäre demnach Schluss. Ob Big Ramy seine Karriere tatsächlich auf diese Weise fortführt, wird die Zeit zeigen. Die nächste Etappe ist zunächst einmal der Mr. Olympia im Dezember.


Doch der vermeintlich klare Sieg des Schwergewichtsbodybuilders sorgte keinesfalls für Langeweile. Vielmehr erwartet uns in vielerlei Hinsicht einer der spannendsten Mr. Olympia Wettkämpfe seit langem.

Wer könnte Big Ramy das Leben schwermachen?


Generell sind auch 2022 die bisherigen Kontrahenten erneut dabei. Der ehemaligen Mr. Olympia Brandon Curry wurde durch Big Ramy von Thron gestoßen und schaffte es in den beiden Folgejahren auf den zweiten Platz. Auch wenn Curry in den letzten Jahren eine Entwicklung genommen hatte, die man ihm wohl kaum zugetraut hätte, bleibt die offensichtliche Schwäche der Beine, die eigentlich keine Siegerqualität auf der ganz großen Bühne haben. Ob man den Amerikaner wieder bis auf den zweiten Platz schieben wird, ist alles andere als sicher.

Hinter Curry lauern bereits weitere Runner Up Aspiranten. William Bonac schlug Curry bis 2018 noch jedes Jahr und war bereits mehrfach auf dem Treppchen. Die letzten beiden Jahre musste der Niederländer jedoch Hadi Choopan vorbeiziehen lassen, der ebenfalls durch eine besondere Kompaktheit auf geringer Körpergröße zu beeindrucken weiß. Das Gesamtbild wirkt insgesamt ausgeglichener. Wenn dem Iraner die Einreise in die USA ermöglicht wird, ist er 2022 die vielleicht größte Gefahr der drei genannten Herausforderer.

Ob Talente wie Hunter Labrada oder Nick Walker sich weiter nach vorne schieben können, wenn die die alten Hasen ihre Hausaufgaben machen, ist schwer zu prognostizieren. Der Grund hierfür ist auch, dass es einige Newcomer gibt, die erstmals auf dem Mr. Olympia mitmischen wollen. Die meisten Vorschusslorbeeren erhielt dabei in den letzten Wochen ohne Frage Andrew Jacked.

Sprengt Andrew Jacked die Top 3?


Die US-Medien feiern Andrew Jacked bereits als zukünftigen Mr. Olympia. Ob er diesen Erwartungen gerecht werden kann, muss der junge Nigerianer erst noch unter Beweis stellen. Bei seinem Sieg auf der Texas Pro war Andrew Jacked keinesfalls eine Liga für sich. Der Zweitplatzierte Martin Fitzwater war dem Rookie auf den Fersen und beide Athleten werden im September 2022 voraussichtlich auf der Arnold Classic UK aufeinandertreffen. Dies wird die erste Bewährungsprobe für den Jung-Profi sein, der in den letzten Wochen einen großen Hype erfuhr.


Wie Andrew Jacked sich allerdings gegen Top IFBB Pros schlagen wird, werden wir voraussichtlich erst im Dezember erfahren. Tatsache ist, dass in Texas eher die zweite Riege auf der Bühne stand und auch in UK keiner der letztjährigen Top-6-Teilnehmer des Olympias antreten wird. Andrew Jacked, der in diesem Jahr die Pro Card ganz frisch gewann, ist ohne Frage ein großes Talent, doch im Bodybuilding kommt es immer noch auf Tag X an.

Michal Krizo könnte alles durcheinanderbringen


Ein Athlet, der ähnlich wie Andrew Jacked auf die vorderen Plätze stürmen will, ist Michal Krizo. Anders als der Gewinner der Texas Pro hat Krizo bisher noch nicht einmal die Pro Card für den Olympia-Verband und zieht dennoch in den letzten Wochen vermehrt die Aufmerksamkeit auf sich. Der Osteuropäer dominierte in den letzten Jahren die IFBB Elite Pro League und kündigte in diesem Jahr den Wechsel in die NPC an.

Insbesondere die Arme wirken auf aus einer anderen Welt. Vergleiche zu Paul Dillett liegen nahe und Szenekenner wie der ehemalige Mr. Olympia Samir Bannout sehen Michal Krizo bereits vor Andrew Jacked.

Damit Krizo dies auf dem Mr. Olympia 2022 unter Beweis stellen kann, benötigt er jedoch zunächst noch Pro Card und Qualifikation. Beides soll es noch in diesem Herbst geben. Auf der Amateur Olympia in Italien will der Slowake sich die entsprechende Lizenz sichern, um sich im Oktober in Prag die Startberechtigung für den Mr. Olympia 2022 zu holen. Wenn nichts Unerwartetes geschieht, sollte ihm dies gelingen. Schließlich wird Michale Krizo bereits als Top-3-Kandidat gehandelt und könnte den etablierten Pros sehr gefährlich werden.


Wechseln Shaun Clarida und Derek Lunsford in die offene Klasse?


Neben Andrew Jacked und Michal Krizo, die beide bis ganz weit vorne im Ranking stoßen könnten, gibt es einige weitere Teilnehmer, die für eine Überraschung sorgen könnten. Der Ire Blessing Awodibu gewann mehrere Amateur-Wettkämpfe, wird auf dem Mr. Olympia 2022 aber nicht die Favoriten ärgern können. Spannend könnte dagegen die Entwicklung bei zwei 212er-Athleten werden.

Sowohl Shaun Clarida als auch Derek Lunsford gewannen bereits die kleine Klasse beim Mr. Olympia. Shaun Clarida qualifizierte sich mit einem Sieg in Nevada für die offene Klasse, nachdem seine Platzierung beim Mr. Olympia 2021 bereits die Startberechtigung für die 212er-Klasse bedeutete. Clarida kann es sich somit aussuchen, in welcher Klasse er starten würde und strebt derzeit sogar noch eine Teilnahme sowohl in der Offenen als auch der 212er-Klasse an. Eine endgültige Entscheidung ist hierzu noch nicht gefallen.

Eine andere Situation stellt sich für Derek Lunsford dar. Der amtierende 212er-Champ präsentierte sich bei einem Gastauftritt auf der Pittsburgh Pro mit 118 Kilogramm, was etwa 22 Kilogramm über dem Gewichtslimit der 212er liegt. Die Form war ansprechend und Lunsford musste den direkten Vergleich mit Nick Walker und Hunter Labrada, die im letzten Jahr noch in der Top 6 landeten, nicht fürchten. Während Clarida aufgrund seiner Körpergröße ohne Probleme die 212 Pfund nicht überschreiten wird, ist das Gewichtslimit für Lunsford eine echte Herausforderung.

In einem offiziellen Interview erklärte Dan Solomon, der Präsident der Mr. Olympia, bereits, dass es eine schwierige Entscheidung werden würde, wenn Lunsford das Gewichtslimit der 212er-Klasse nicht schaffen würde. Würde man dem Amerikaner keinen Special Invite für die offene Klasse geben, würde dies einen Mr. Olympia 2022 ohne Lunsford bedeuten, was die Fans sich ebenso nicht wünschen könnten. Man darf gespannt abwarten, wie die Entwicklung im Falle von Clardia und Lunsford weitergehen wird.

Wer will noch die Qualifikation für den Mr. Olympia 2022?


Neben Michal Krizo, der die Startberechtigung für den wichtigsten Bodybuildingwettkampf des Jahres noch erhalten wird, gibt es einige weitere Athleten, die bisher noch keine Qualifikation besitzen, aber dennoch im Dezember auf der Bühne stehen könnten. Im offiziellen Punkte-Ranking sind Steve Kuclo, Quinton Eriya und Maxx Charles aktuell in der Position der Herausforderer. Ebenso wurden Fitzwater, der bei der Arnold Classic UK erneut Andrew Jacked herausfordern wird, und Krizo genannt.

Ein weiterer Athlet, der ähnlich wie Krizo zuvor noch die Pro-Lizenz bei der NPC gewinnen muss, ist der Russe Vitaliy Ugolnikov, der ebenfalls mit einer Teilnahme am Mr. Olympia 2022 liebäugelt. Ob ihm dies gelingt, werden die nächsten Wochen zeigen. Anders als Krizo ist der Russe aber keine Gefahr für die Top Elite der IFBB.

Ähnliches gilt für den Deutschen Enrico Hoffmann, der aus der 212er in die offene Klasse wechseln will und die Olympia-Qualifikation anstrebt. Die Teilnehmer am wichtigsten Bodybuildingwettkampf des Jahres wäre bereits ein großer Erfolg für den Norddeutschen, auch wenn er auf dem Mr. Olympia nicht um die vorderen Plätze kämpfen würde. Dennoch eine Teilnahme des ästhetischen Athleten für deutsche Fans ohne Frage eine Bereicherung.


Hinweis: Der Autor dieses Artikels schrieb verschiedene Bücher zu den Themen Training und Ernährung, bietet individuelle Einzelbetreuungen an und führt auf Patreon ein Podcast-Magazin.

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