Ein Erfahrungsbericht

12 Jahre Natural Bodybuilding (III)

Im dritten Teil dieser Artikelserie gehe ich auf die Themen Ernährung, Supplemente, Diät, Lifestyle und weitere Themen ein, die ich in Zusammenhang mit Bodybuilding für wichtig erachte. In den letzen 12 Jahren habe ich mich nicht auf eine feste Ernährungsweise festgelegt, sondern Erfahrung mit diversen Systemen und Theorien gesammelt. Hunderte, wenn nicht Tausende Euro habe ich für nutzlose Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben. Damit ihr nicht dieselben Fehler macht habe ich meine wichtigsten Erkenntnisse hier zusammengeführt.

Ernährung

Ich habe schon sehr viele Ernährungsformen getestet. Low Carb, No Carb, Low Fat, No Fat, High Carb, Metabole Diät, usw. Anfängern würde ich immer empfehlen einige Monate nach festem Plan zu essen und auch ihr Essen eine Zeit lang abzuwiegen. Schon alleine deshalb um ein Gefühl dafür zu bekommen wie viel etwas wiegt und wie viel Kalorien/Nährstoffe es hat. Nach einer gewissen Zeit automatisiert sich das ganze jedoch. Ich wiege schon lange nichts mehr ab (außer ich bin auf Diät). Jeder der diesen Sport ernst nimmt sollte auch eine Zeit lang den oldschool BB-Lifestyle fahren, sich Essen vorkochen, Tupperdosen mit sich herumtragen und sich hauptsächlich von Thunfisch, Chicken und Reis ernähren. Alleine schon aus Respekt an die Leute die diesen Sport groß gemacht haben.

Wenn mich jedoch jemand frägt ob diese Art der Ernährung einen signifikanten Vorteil in Bezug auf Muskelaufbau mit sich bringt, muss ich leider mit NEIN antworten. Ein Punkt wo sich vielen jetzt die Haare sträuben werden ist, dass meiner Auffassung nach dieser Ganze Bio-Qualitäts-Nahrungsmittel Hype nur sehr geringen Einfluss auf die Körperentwicklung hat. Am Ende der Woche entscheidet die Kalorienbilanz und die Aufteilung der Makronährstoffe was in deinem Körper passiert. Ob du die ganze Woche dann nur Reis, Hühnchen und Leinsamen gegessen hast oder auch ein paar Mal bei McDonalds und PizzaHut warst tut dann nichts zur Sache. Diese Unterschiede fallen erst bei unter 8% Körperfett ins Gewicht. Wenn du wie die meisten mit 15 % rumrennst oder wie ich, das ganze Jahr über mit 10-12% dann kann dir das getrost egal sein.


Ich esse 2 Mal pro Woche Pizza und fast jeden Mittag in der Kantine als Beilage Pommes. Solange ich auf meine 2-3g EW pro Kg Körpergewicht komme ist mir inzwischen die Herkunft der restlichen Kalorien recht egal und ich kann sagen: Ich merke keinen Unterschied zu Zeiten in denen ich krankhaft nur gesunde BB Lebensmittel gegessen habe und auf weiterverarbeitete Nahrungsmittel und Süßigkeiten komplett verzichtet habe. Die Aussage kann ich nur treffen weil ich beide Extreme gelebt habe. Spiele mit deinen Gewohnheiten und weich von eingefahrenen Pfaden ab, nur so kannst du dir eine eigene Meinung bilden.

Siehe zu, dass du stärker wirst, iss genug Kalorien und Eiweiß und du wirst Muskeln aufbauen. Mehr brauchst du dir nicht zu merken. Leider hören viele junge Leute auf zu trainieren weil sie die strengen Ernährungspläne nicht durchhalten und man ihnen einredet nur so Erfolge haben zu können. Sehr schade und absoluter Unsinn. Es wären sicher sehr viel mehr Anfänger dem Training treu geblieben hätte man ihnen nicht weiß gemacht sie müssten ihr Leben lang auf Eis und Fast Food verzichten wenn sie einen guten Körper aufbauen wollen. Gerade wenn du kein Wettkampfathlet bist und nicht mit 5% Körperfett auf der Bühne stehen musst, solltest du dir ruhig öfter einmal etwas gönnen. Für mich ist der große Vorteile dieses Sports, dass ich durch die antrainierte Muskelmasse und den hohen Kalorienverbrauch den das Training mit sich bringt viel mehr von den Dingen essen kann auf die ich sonst verzichten müsste.

Wer heute im Hobbybereich noch 6-8 Mahlzeiten zu sich nimmt und ernsthaft denkt er bekomme so einen Vorteil im Vergleich zu 3 Mahlzeiten hat ernsthafte Probleme. Die ganzen Athleten die mit Intermittent Fasting und Warrior-Diät gute Ergebnisse erzielen und davon gibt es inzwischen viele, sollten auch den letzen Skeptiker überzeugt haben, dass es nicht nötig ist alle 3 Stunden etwas zu essen. Ich selbst esse 3 Mahlzeiten am Tag und fahre gut damit. Weiter unten habe ich exemplarisch aufgelistet was ich an einen typischen Tag esse.

Am Ende möchte ich noch kurz das Thema Milchprodukte erwähnen. Ich habe seit 2 Jahren Milch und Magerquark fast komplett aus meinem Speisplan gestrichen. Kuhmilch lässt sich leicht durch Reis/Soja Milch ersetzen. Seitdem ist meine Haut viel besser geworden und ich habe deutlich weniger Wassereinlagerung. Auf Laktose reagiert aber bekanntlich ja auch jeder Mensch anders. Wenn du kein Problem damit hast spricht nichts gegen Milchprodukte.

So sieht meine derzeitige Ernährung aus:

Frühstück (06:30):
50g Eiweißpulver mit Wasser, 20g Fischöl, 2 Stück Obst
=Ca. 500kcal, EW 47g, Fett 21g, KH 29g

Mittagessen (12:00):
Ca. 150g Fleisch + ca. 200g Beilage (idR. Pommes), Nachtisch (Pudding, usw.)
= Ca. 1300kcal, EW 42g, Fett 49g, KH 132g

Abendessen (19:00):
Ca. 400g Fleisch + ½ Kg Gemüse (Brokkoli, Spinat oder Karotten)
= Ca. 467kcal, EW 85g, Fett 3g, KH 25g

Im Laufe des Abends:
100g Erdnüsse
= Ca. 604kcal, EW 26g, Fett 50g, KH 14g

Während/Nach dem Training:
500ml Kirschsaft, 50g Whey
= Ca. 428kcal , 47g EW 47g, Fett 0g, KH 60g

Gesamt an Trainingstagen: 3300kcal, EW 246g, Fett123g, KH 261g

Anstatt den 100g Erdnüssen esse ich auch oft Schokolade oder Eis. Kein Tag ist exakt gleich. Mein Gewicht von 92Kg kann ich so halten. Wenn ich zunehmen wollen würde was ich derzeit nicht will, würde ich einfach über den Tag verteilt noch mehr Erdnüsse essen damit ich einen Kalorienüberschuss erreiche.

Den so dargestellten "Ernährungsplan"“ verfolge ich, mal mehr mal weniger, an 5 Tagen pro Woche. Auch wenn ich fast jeden Tag "unsaubere" Lebensmittel konsumiere, achte ich dennoch auf Ausgewogenheit und Abwechslung. Gibt es zum Beispiel mittags paniertes Schnitzel mit Pommes und Pudding gibt es abends nur noch Fleisch und Gemüse. Sollte es abends auch nochmal "unsauberes" Essen geben wird der nächste Tag komplett sauber gegessen. Somit habe ich im Durchschnitt ein Cheat Meal jeden Tag. Zusätzlich noch einen Tag pro Woche der komplett als Refeed läuft an dem ich von morgens bis Abend sündige.
Wenn du vor hast auch in 10 Jahren noch einen top Körper zu haben, solltest du für dich einen Weg finden mit dem du jahrelang gut leben kannst und der dich möglichst wenig einschränkt.

Wie oft wurde mir schon vorgejammert: "Ich nehme einfach nicht zu, mein Training stagniert, ich baue keine Muskeln auf. Ich esse und esse und nehme nicht zu." Auf die Frage was denn so gegessen wird kamen dann Antworten wie: Magerquark, Hühnchenbrust, Reis, Vollkornbrot. Leute, wie soll ein 17 jähriger der 4 Mal pro Woche trainiert mit Magerquark, Reis, und Vollkornbrot seinen Energiebedarf decken? Von Lebensqualität ganz zu schweigen.

Am Wochenende esse ich mehr Kohlenhydrate und habe idR. nur 2 Mahlzeiten da ich länger schlafe. Sonntags ist Cheat-Tag und ich esse was immer ich möchte. Zum Abendessen ist das meistens ein ganzes Blech selbst gemachte Pizza und ½ Kg Eiscreme mit Sahne als Nachtisch. Ich versuche hier mit voller Absicht deutlich ins Plus zu kommen um meinen Stoffwechsel oben zu halten.

Kalorien-Cycling

Ich empfehle jedem seinen täglichen Kalorienbedarf zu nehmen und diesen auf eine Woche hochzurechnen. Daran solltest du dich orientieren und nicht an der Kalorienaufnahme an nur einem einzigen Tag. Unser Körper weiß nicht, dass ein Tag 24 Stunden hat, Verdauung, Nährstoffaufnahme und auch Muskelaufbau ist ein ständig ablaufender Prozess der über einen längeren Zeitraum als 24 Stunden betrachtet werden sollte. Anstatt beispielswese jeden Tag genau 3000Kcal zu essen solltest du besser Versuchen die 21000Kcal pro Woche ungleichmäßig auf die einzelnen Wochentage zu verteilen.

Das Ganze noch gemixt mit High Carb Tagen, Zero CarbTagen und möglichst unterschiedliche Lebensmittel von Gemüse bis Burger King garantiert das sich bei deinem Körper keine Gewöhnungsprozesse einstellen und du alle Macro- und Micronährstoffe in ausreichender Form zu dir nimmst.

Es schadet auch nicht zirka alle 2 Woche einen Fastentag einzulegen. Und, nein ihr verliert hier keine Muskelmasse, wenn Ihr psychisch nicht damit klar kommt dann nehmt BCAAs oder Aminotabletten um euer Gewissen zu beruhigen. Auch Starcoach John Romaniello empfiehlt zum Beispiel nach einem Refeed/Cheat Day oder einer durchzechten Nacht einen Fastentag einzulegen, also Null Kalorien zu sich zu nehmen. Das hilft zum einen das Übermaß an Kalorien des Vortages wieder auszugleichen und hat zusätzlich noch weitere gesundheitliche Vorteile, die in diversen Beiträgen zum Thema Intermittierendes Fasten nachgelesen werden können.

Studien zum Thema Ernährung

Diejenigen von euch die sich seit Jahren mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen wird aufgefallen sein, wie viele verschiedene Diäten und Ernährungskonzepte es gibt. Von High Carb über Low Fat bis Atkins. Von 8 Mahlzeiten pro Tag bis zu Intermittent Fasting, es gibt dutzende Ernährungskonzepte, die unterschiedlicher nicht sein könnten und dennoch scheinen sie alle zu funktionieren, wenn sie richtig angewendet werden. Ich habe im Laufe der letzen 12 Jahre viele dieser Konzepte über einen längeren Zeitraum getestet und die Auswirkungen auf Training oder das körperliche Erscheinungsbild waren nur minimal vorhanden. Es gibt tausende Studien welche die unterschiedlichen Ernährungsformen wissenschaftlich untersucht haben und je nachdem welches Buch man liest, wird immer die passende Studie hervor gezaubert. Wie kann das sein? Wie können sich komplett widersprechende Konzepte nahezu dieselben Resultate hervorbringen? Neulinge bringt das oft um den Verstand, weil es nicht möglich ist, eine einstimmige Meinung zu einem Thema zu finden. Warum jedoch frage ich mich wird dies immer als negativ gesehen, betrachtet das ganze doch mal objektiv, es gibt kein richtiges und falsches Ernährungssystem und auch keine guten und schlechten Nahrungsmittel. Nenne ein "schlechtes Lebensmittel" und es gibt mit Sicherheit eine Studie die positive gesundheitliche Effekte aufzeigt. Gesättigte Fettsäuren: Super, pusht deinen Testosteronspiegel nach oben! Ich stelle das Ganze mit Absicht ein wenig überspitzt dar, ich hoffe ihr merkt auf was ich hinaus will.

Wichtig! Das es gesundheitlich bedenklich ist, sich nur von Kartoffelchips und Eiweißshakes zu ernähren sollte jedem einleuchten. Gleichermaßen erhöhst du mit Sicherheit dein Diabetes Risiko wenn du jeden Tag 2 Packungen Gummibärchen isst und dazu 2 Liter Cola trinkst. Um eine ausgewogenen Nährstoffverteilung und um ausreichend Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe aufzunehmen, sollten Gemüse und Obst in keiner Ernährung fehlen sonst kommt es früher oder später zu Mangelerscheinungen und dein Körper kann nicht optimal funktionieren.

Versuche also möglichst Abwechslungsreich zu essen, iss Gemüse und achte auf hohe Eiweißzufuhr. That’s all!

Nahrungsergänzungen

Ich habe schon viele, viele Nahrungsergänzungen getestet. Ich kann mich nicht einmal mehr an die ganzen Namen erinnern aber es war eine Menge Zeug wie z.B. Pre-Workout Booster, Riegel, Casein, Whey, Testobooster, Creatin, BCAAs, Glutamin, Mineralien und Vitamine. Das meiste hat wie man vielleicht schon vermuten konnte, nichts gebracht. Einige meiner Freunde und Klienten haben mittlerweile eine regelrechte Sucht entwickelt alle neuen Supplemente ausprobieren zu müssen. Wenn ihr genug Geld übrig habt und es euch Spaß macht, tut es, aber versprecht euch keine Wunder davon.

Für Kraft/Muskelaufbau haben sich über die ganzen Jahre hinweg bei mir nur folgende Supps als wirksam herausgestellt:
  • Creatin
  • Glutamin
  • Beta-Alanin
Ich habe lange Zeit Creatin durchgehend genommen und lange Zeit nur in Kuren.

Inzwischen nehme ich es, wenn überhaupt, nur noch ca. 1Mal pro Jahr, da ich sehr viel Wasser im Unterhautgewebe ziehe und dadurch sehr weich aussehe. Das bisschen Kraftsteigerung ist es mir nicht mehr wert dafür ein deutlich schlechteres Erscheinungsbild in Kauf zu nehmen.

Glutamin dosiere ich sehr hoch mit mindestens 20g. Bei dieser Dosierung wirkt es bei mir im gleichen Maße Kraftsteigernd wie Creatin und zusätzlich noch regenerationsverkürzend. Unter dieser Dosierung merke ich gar nichts. Auch Glutamin nehme ich nur ca. 1-2 Mal pro Jahr über einen Zeitraum von ca. 2 Monaten.

Beta-Alanin zögert die Muskelermüdung hinaus und ich konnte dadurch in einigen Übungen ca. 1-2 Wiederholungen mehr rausholen mit einer Dosierung von 10g pro Tag. Da ich als Nebenwirkung jedoch immer ein sehr starkes Kribbeln/Jucken im Gesicht hatte, habe ich es nicht lange verwendet und habe auch nicht vor es wieder einzusetzen. Eiweißpulver kommt bei mir natürlich auch zum Einsatz, allerdings sollte jedem klar sein, dass dies auch nicht mehr bringt als Magerquark oder ein Steak.

Das einzige was ich durchgehend regelmäßig nehme ist Fischöl (min. 20g pro Tag). Phasenweise auch noch Alpha Liponsäure (1g pro Tag). Fischöl und ALA nehme ich, weil es wissenschaftlich belegt ist, dass es wirkt und viele gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Ich nehme es also nicht aus BB Gründen, sondern eher zur allgemeinen Unterstützung der Gesundheit. Evtl. starte ich bald zusätzlich noch mit Resveratrol.

Auf was ich auch nicht mehr verzichten möchte, ist Sauerkirschsaft. Wenn ich mindestens 500ml Sauerkirschsaft am Tag trinke, habe ich deutlich geringeren Muskelkater an den folgenden Tagen. Der Unterschied ist bei mir so stark, dass ich es zu Beginn selbst nicht glauben konnte. Es gibt diverse Studien dazu und die Wirkung basiert auf Entzündungshemmenden Stoffen im Kirschsaft. Wenn man in Foren zu diesem Thema recherchiert, findet man jedoch schnell heraus, dass die Wirkung von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Es gibt es auch viele die nichts merken, aber wenn dich andauernder starker Muskelkater stört, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert.

Körperfettanteil unten halten

Als Natural solltest du dir ehrlich eingestehen, dass du nie die Muskelmasse erreichen wirst, die andere auf Stoff aufbauen können. Du bist an dein genetisches Limit gebunden, wie hoch das ist, sei mal dahingestellt. Es ist auf alle Fälle hoch genug, dass du mit einem Körperfettanteil unter 10% aus der Studiomasse herausstichst und du besser aussiehst als 90% aller Studiogeher. Dieses Limit wirst du, auch wenn alles perfekt läuft, nach 10 Jahren noch lange nicht erreicht haben, die Fortschritte werden immer geringer, aber wenn du dabei bleibst, wirst du dich immer wieder leicht verbessern können. Mach keine unnötigen Massephasen und friss dich fett nur damit der Zeiger an der Waage steigt und du dir einreden kannst, du hättest wieder 2kg Muskeln aufgebaut. Ich weiß wovon ich spreche, ich habe während einer Massephase mein Körpergewicht auf 105kg gesteigert. Der Körperfettanteil war damals aber entsprechend hoch und das gesamte Erscheinungsbild deutlich schlechter als mit 90Kg. Wir Naturals können in Punkto Masse nicht mit Stoffern mithalten, sehr wohl aber in der Definition. Deine 80kg Körpergewicht auf 1,85m sehen mit 8% Körperfett viel besser aus als 105kg mit >15%. In der Definition liegt unsere Möglichkeit zu beeindrucken und hervorzustechen, also bau lieber langsam und sauber auf und achte auf eine gute Definition.

Diät

Ich habe einige Diäten hinter mir. Die ersten waren Low-Fat aufgebaut und wurden im Laufe der Jahre dann immer mehr Richtung Low-Carb umgestellt. Vorab kann ich schon sagen: Funktioniert haben sie alle. Wenn ich ein Kaloriendefizit gefahren habe, habe ich wie zu erwarten ist immer abgenommen. Kam es zum Stillstand, habe ich das Defizit weiter erhöht. Klingt simpel und das ist es auch. Die längste Diätphase die ich hatte, war im Jahr 2009 als ich von 104Kg auf 86Kg gecuttet habe. Das ganze über einen Zeitraum von 7 Monaten und Low-Carb. Zu Beginn der Diät habe ich mit etwas über 3000 Kalorien und 150g Carbs noch abgenommen und am Ende musste ich auf 1500kcal und unter 10g Carbs um noch Fortschritte zu machen.

Einmal pro Woche kann ich einen Refeed empfehlen um den Stoffwechsel am Laufen zu halten. Ich würde grundsätzlich nicht sagen, dass Low-Carb anderen Diätformen überlegen ist, aber ich würde dennoch bei meiner nächsten Diät Low-Carb wieder den Vorzug geben, da ich aufgrund des gleichbleibenden Blutzuckerspiegels keinerlei Hungergefühl mehr hatte.

Welche Diätform du einsetzt, bleibt dir überlassen. Alle bestehenden Diäten funktionieren, weil die Kalorienaufnahme kleiner ist als der Kalorienverbrauch. Das Thema Diät ist so umfassend, dass man hierzu ein ganzes Buch schreiben könnte, daher möchte ich es erst mal hierbei belassen.

Alkohol

Ich erwähne das hier kurz am Rande, weil es immer wieder Thema im Forum ist und das Interesse daran nicht nachlässt. Immer wieder muss Alkoholkonsum für mangelnden Trainingserfolg herhalten. Meistens liegen die Fehler zu 90% aber an anderer Stelle. Ich selbst konnte leider keine Verbesserung von Regeneration und Muskelwachstum feststellen in Zeiten, in denen ich keinerlei Alkohol getrunken habe, daher verzichte ich nicht darauf. Übertreib es nicht andauernd und lass niemals zu, dass du Trainingstage ausfallen lässt, weil du dich am Tag davor nicht im Griff hattest. Am besten ist auch in diesem Fall, du testest das Ganze selbst und trinkst einfach mal 6 Monate gar nichts. Danach kannst du selbst entscheiden.

Stay natural

Ich habe mich im Laufe der Jahre einiges an theoretischem Wissen über Steroide angelesen und viele Leute kennengelernt die sie nehmen. Ganz ehrlich, die Muskeln die du in deiner ersten Kur aufbaust, werden dir bald nicht mehr ausreichen. Auch hier kommst du irgendwann, genau wie ohne Stoff, an ein Plateau und musst deine Dosierungen erhöhen oder auf andere Roids mit wieder anderen Nebenwirkungen wechseln. Zu dieser Zeit wirst du dich schon so an deine gewonnene Muskelmasse gewöhnt und nicht mehr zurück wollen. Es gibt dutzende Gründe dagegen und ich will hier nicht den Moralapostel spielen, jeder ist für sich selbst verantwortlich und jeder entscheidet sich für seinen eigenen Weg.

Ich habe ebenfalls oft darüber nachgedacht selbst mit Juice anzufangen, die Risiken und Gefahren haben mich aber immer davon abgehalten. Der wichtigste Grund, der mich dazu bewogen hat Natural weiter zu machen war, dass ich sonst niemals wissen würde wie viel ich ohne Stoff hätte erreichen können und niemals wissen würde, wozu mein Körper ohne Steroide im Stande ist. Selbst nach 10 Jahren kann sich niemand sicher sein an seinem genetischen Limit zu sein.

Lifestyle und innere Einstellung

Wenn du erst kurze Zeit am Eisen bist, erscheint dir dieser Punkt vielleicht fehl am Platz in einem Artikel über Natural Bodybuilding. Vielleicht studierst du gerade oder bist noch in der Schule und denkst nicht groß über die nächsten Jahre nach, aber sei dir sicher, dein Leben wird sich ändern. Irgendwann wirst du arbeiten, evtl. in einem anderen Land leben, eine Frau haben (oder auch viele, wenn du immer fleißig pumpen gehst) und deine Lebensumstände werden sich geändert haben.

Du wirst im Laufe der Jahre immer wieder auf die Probe gestellt werden. Prüfungsphasen, Familienkrisen, Beziehungsprobleme, Verletzungen und vieles mehr. Es bieten sich dir unzählige Gründe das Training an den Nagel zu hängen oder auszusetzen. Genau an diesen Punkten wird es sich entscheiden, ob du in 5 Jahren einen geilen Körper hast und dir Mädels im Club unters T-Shirt gehen und am Stand hinterher pfeifen oder ob du immer noch eine dünne Null bist die keine Zeit fürs Training hat weil sie so viel lernen muss, es schneit, oder irgendwelche anderen Ausreden parat hat. Ich lasse mein Training weder für Prüfungen, Frauen oder Abschlussarbeiten sausen. Organisiere dein Leben besser, dann hast du auch Zeit fürs Training. Wenn nicht, ist es dir scheinbar nicht wichtig genug und du hast es auch nicht verdient Erfolg zu haben.

Du wirst in Internetforen und auch im Studio dauernd Leute kennenlernen, die dir erzählen wie schnell sie aufgebaut haben und wie schnell sie 200kg heben konnten. Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen. Du weißt von niemand ob er Stoff nimmt oder nicht. Auch nicht von Leuten, die du gut zu kennen glaubst. Der einzige Mensch von dem du hundert Prozentig weißt, dass er clean ist und dass er exakt die gleiche Genetik hat wie du, bist DU! Vergleiche dich daher nur mit dir! Vergleiche die Leistung aus deinem letzten Training und dein Körper von letztem Sommer mit deinem heutigen Stand. Alles andere ist irrelevant und bringt dich nicht weiter.

Du musst für dich einen Weg finden Bodybuilding in dein Leben zu integrieren. Als Natural musst du dir darüber klar sein, dass du viele Jahre trainieren musst um wirklich groß und stark zu werden und wenn du damit aufhörst wirst du deine Muskelmasse auch wieder verlieren. Du brauchst einen Langzeitplan. Seit 4 Jahren mache ich nur noch schleppende und kleine Fortschritte und es geht meistens immer erst einen Schritt zurück um dann 1 ¼ Schritte vorwärts zu gehen. Das ist ok so, das ist normal. Ich habe dir hier aufgezeigt, wie ich für mich den passenden Weg gefunden habe. Dazu gehört meine Art der recht freizügigen Ernährung genauso wie meine Art des Trainings. Ich bin der lebende Beweis dafür, dass es sich auch für diejenigen lohnt weiter zu machen, die nicht dazu bereit sind ihr Leben komplett diesem Sport zu opfern. Wie viel Kilo Muskelmasse ich dadurch "verschenkt" habe kann ich nicht sagen. Vielleicht gar nichts, vielleicht 5kg , vielleicht 10kg. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass ich bereits vor langer Zeit das Handtuch geworfen hätte und komplett aufgehört hätte zu trainieren, weil ich nicht die Disziplin aufbringen hätte können über 10 Jahre auf ein "normales" Leben zu verzichten. Ich habe studiert, einen gutbezahlten Job, bin 8 Wochen pro Jahr auf Abenteuerurlaub und habe auf meinen Partytouren durchs Nachtleben unzählige unvergessliche Geschichten erlebt. Ob ich das alles gegen 5kg mehr Muskeln eintauschen möchte? Nein, Danke!

Welchen Weg du gehst bleibt dir überlassen. Ich hoffe ich konnte Aufzeigen wie wichtig es ist nicht aufzugeben und das hartes Training auch unter suboptimalen Bedingungen gute Erfolge bringt. Verliere nie das wichtigste aus den Augen: Trainiere in jedem Training als wäre es dein letztes!

Über den Autor: Mein Name ist Tobias, ich bin Personal Trainer und habe einen Fitness & Bodybuilding Blog: www.online-fitness-coaching.com. Regelmäßig erscheinen auf meinem Blog Artikel über Training, Muskelaufbau, Ernährung und vieles mehr rund ums Thema Fitness & Bodybuilding.

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