Mußte mal gesagt werden

12 Wahrheiten über das Bodybuilding Training

Ein Artikel von T-Nation.com
von Dr. Clay Hyght

Vor meinem sechzehnten Geburtstag fragte mich meine Mutter, was ich mir zum Geburtstag wünschen würde. Ohne zu zögern antwortete ich Eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio.

Bis zu diesem Zeitpunkt musste ich mich mit meinen 50 Kilo mit Zement gefüllten Plastikgewichten zufrieden geben oder warten, bis mein Stiefvater mich mit ins örtliche Nautilus Trainingszentrum nahm. Mein 16. Geburtstag gab mir jedoch die Freiheit an sechs Tagen pro Woche selbst ins Fitnessstudio fahren zu können... Immer vorausgesetzt, dass mein 1973er Chevy Vega das mitmachte.

Am 19. Februar 1989 bekam ich also das schönste Geschenk, das ich je bekommen hatte: eine Mitgliedschaft im heute nicht mehr existierenden Living Well Fitness Center. Gut, ich konnte das Fitnessstudio um die Ecke nur montags, mittwochs und freitags besuchen, da dies die Tage für die Männer waren, doch das hielt mich nicht von meinem Training ab.

Dienstags, donnerstags und samstags fuhr ich bereitwillig die 30 Minuten zur anderen Filiale des Studios, so dass ich dort an den nur Testosteron Tagen trainieren konnte. Ich mochte diese 30 Minuten Fahrt sogar, da diese mir die Zeit gab meinen Shake aus zerkleinerten Bullenhoden herunterzuwürgen und die Placebowirkung voll zur Geltung kommen zu lassen.

An diesem glorreichen Tag begann ich damit einen Körper aufzubauen, der mir den Respekt und die Bewunderung meiner männlichen Gleichaltrigen sichern sollte und, was noch wichtiger war, die Aufmerksamkeit der Mädels auf sich ziehen sollte. Meine introvertierte Persönlichkeit hatte mir in dieser Beziehung bisher nicht so sehr weitergeholfen, wenn man versteht, was ich meine.

Man kann mich jetzt als verrückt bezeichnen, aber mir war (und ist es auch heute noch) egal, wie viel Gewicht ich beim Bankdrücken, bei Kniebeugen oder beim Kreuzheben bewegen konnte. Genauso egal ist mir die Funktionalität meines Körpers (so lange mir eine Dysfunktion nicht gerade Schmerzen bereitet), wie schnell ich einen LKW Reifen umdrehen kann oder wie weit ich eine Kugelhantel werfen kann. Ich möchte ganz einfach nur stark aussehen. Ganz davon abgesehen ist es den Mädels ziemlich egal, was man auf der Bank drückt.

Im Laufe von 17 Jahren habe ich seit diesem Tag etwa 35 Kilo fettfreie Muskelmasse aufgebaut. Ich habe außerdem an 25 Bodybuilding Wettkämpfen teilgenommen und einmal den Landestitel in meiner Gewichtsklasse gewonnen.

Ich habe es weiterhin geschafft, dass mein lächelndes Gesicht in einigen Fitness Magazinen aufgetaucht ist. Natürlich sind diese Magazine (zumindest die meisten) ziemlich albern, doch ich muss zugeben, dass es cool war, mich auf dem Cover dieser Art von Magazinen zu sehen, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich erzähle das nicht um anzugeben, sondern dem Leser zu zeigen, wo meine Leidenschaft und mein Wissen liegen - im Aufbau eines schlankeren und muskulöseren Körpers.

Mit denjenigen, die wie ich nackt (oder im Posingslip auf der Wettkampfbühne) gut aussehen wollen, werde ich ein Dutzend Dinge teilen, die ich im Laufe von 17 Jahren Bodybuilding gelernt habe. Das ist richtig, verdammt, ich bin ein Bodybuilder und ich bin stolz darauf! (Auch wenn das Rasieren des gesamten Körpers, das Auftragen einer künstlichen Bräune und Öl auf den dehydrierten Körper und das Posen vor hunderten von Menschen etwas seltsam erscheinen mag, wenn man genauer darüber nachdenkt. Doch ich schweife ab...)

Hier sind zwölf Dinge, die ich über den Aufbau eines tollen Körpers gelernt habe:

1) Schwere Gewichte bedeuten nicht notwendigerweise große Muskeln

Eines der fundamentalen Prinzipien des Widerstandstrainings ist die graduelle progressive Überlastung, was bedeutet, dass ein Muskel schrittweise höheren Gewichten ausgesetzt werden muss, um größer und stärker zu werden - dies ist zumindest die übliche Übersetzung für das Prinzip der progressiven Überlastung. Es gibt jedoch zahlreiche andere Wege, um eine zusätzliche Stimulation (oder Überlastung) des Muskels zu erreichen und den Muskel dazu zu zwingen, sich an diese Belastung anzupassen.

Man könnte eine zusätzliche Wiederholung absolvieren, man könnte kürzer zwischen den Sätzen pausieren, man könnte direkt vor einer Grundübung eine Isolationsübung für den eigentlichen Zielmuskel ausführen, man könnte den negativen (exzentrischen) Teil der Bewegung langsamer ausführen, oder man könnte sich auch ganz einfach darauf konzentrieren, den Muskel während der Bewegung bewusster anzuspannen, anstatt lediglich das Gewicht von Punkt A nach B zu bewegen (Arnold bezeichnete dies als Geist-Muskel Verbindung und für eine Isolation und die Stimulation eines Muskels ist diese Vorgehensweise sehr effektiv).

Tatsache ist, dass die meisten Bodybuilder nicht das sind, was man als superstark bezeichnen würde, obwohl sie eine ernsthafte Menge an Muskelmasse mit sich herum tragen.

2) Das "Eingravieren" von Streifen in die Muskulatur durch spezielles Training ist nicht möglich!

Weder hohe Wiederholungszahlen noch Isolationsübungen (oder die Kombination von beidem) werden Streifen in die Muskulatur "eingravieren". Wenn man also unzählige Sätze Kabelzüge über Kreuz oder Beinstrecken ausführt, um Streifen in der Muskulatur zu entwickeln, dann verschwendet man lediglich seine Zeit.

Selbiges gilt für Teilungen und Einschnitte zwischen den einzelnen Muskeln. Man sollte sich einmal überlegen, was für ein tiefes Tal notwendig ist. Richtig, zwei hohe Berge auf beiden Seiten. Wenn man tiefe Einschnitte möchte, dann muss man ganz einfach größere Muskeln aufbauen und wenn man Streifen möchte, dann sollte man etwas Fett verlieren.

Diejenigen, die auf der Suche nach etwas mehr High-Tech sind, die auch funktioniert, können eine Tiefengewebsmassage oder ART (Active Release Techniques) ausprobieren, um die Teilung zwischen einzelnen Muskeln besser zur Geltung zu bringen und den optischen Abstand zwischen zwei Muskeln zu vergrößern. Ich habe meine eigene Variante der Weichgewebemassage verwendet, um Bodybuildern dabei zu helfen, ihre Muskelteilungen zu verbessern und die Resultate waren insbesondere im Bereich der drei sichtbaren Muskelköpfe der Quadrizeps erstaunlich.

Im Grunde genommen sollte man sich jedoch auf Diät und Cardio und nicht auf irgendwelche Isolationsübungen konzentrieren, wenn man nach ernsthaften Muskelteilungen und Streifen strebt.

3) Kraft ist sehr übungsspezifisch

Wenn man sich bei Kniebeugen auf 200 Kilo für 10 Wiederholungen hochgearbeitet hat und Kniebeugen anschließend für 10 Wochen durch Beinpressen ersetzt, dann wird man nach diesen 10 Wochen beim Versuch 10 Wiederholungen Kniebeugen mit 200 Kilo auszuführen kläglich scheitern.

Aus offensichtlichen Gründen passt sich der Körper an genau die Übungen an, die man Woche für Woche ausführt. Es ist deshalb extrem wichtig, einen Satz an Grundübungen zu finden, die für einen selbst bezüglich der Körperentwicklung gut funktionieren, bei diesen Übungen zu bleiben und mit ihnen stark zu werden.

Dorian Yates änderte seine Übungen nur sehr selten. Er hatte die Übungen gefunden, die bei ihm am besten funktionierten und konzentrierte sich darauf, seine Leistungen bei diesen Übungen zu erhöhen. Auch wenn ich persönlich etwas mehr Abwechslung als Dorian propagiere, hat er es mit dieser Strategie geschafft, einen äußerst eindrucksvollen Körper zu entwickeln.

Ich möchte außerdem hervorheben, dass beim obigen Beispiel, bei dem Kniebeugen für 10 Wochen durch Beinpressen ersetzt wurden, die Beinmuskeln trotz reduzierter Kraft bei den Kniebeugen zumindest genauso massig, wenn nicht sogar massiger als zu Beginn der 10 Wochen Beinpressen sein werden. Dies ist eine weitere Bestätigung von Punkt #1.

4) Bankdrücken baut keine großen Brustmuskeln auf!

Das Bankdrücken ist die am meisten überbewertete Übung aller Zeiten. Wenn man Bankdrücken auf die Art und Weise ausführt, wie es die meisten Trainierenden tun, dann wird diese Übung die Brustmuskeln nicht besonders effektiv stimulieren.

Um da Ganze noch schlimmer zu machen, wird Flachbankdrücken von vielen Ärzten, mit denen ich gesprochen habe, mit einer Reihe von Schulterverletzungen wie Probleme mit dem Schultergelenk, biciptale Tendonitis und gerissenen Brustmuskeln in Verbindung gebracht. (Ich spreche hierbei von der Tendonitis des langen Kopfes der Bizepssehne, die durch den Biciptalbogen am Oberarmknochen gleitet und im Grunde genommen ein Schulterproblem darstellt.)

Ich sage nicht, dass man nie mit Bankdrücken trainieren sollte, ich möchte vielmehr zum Ausdruck bringen, dass man diese Übung nicht häufiger als andere Brustübungen ausführen sollte. Ich würde Bankdrücken sogar weniger oft als andere Brustübungen einsetzen.

5) Kreuzheben baut einen massigen Rücken auf

In einer Minute verreiße ich das von vielen als heilig angesehene Bankdrücken und spreche davon, dass es nicht notwendig ist, sich ausschließlich auf das Bewegen schwerer Gewichte zu konzentrieren und jetzt sage ich, dass man die fundamentale Powerliftingübung Kreuzheben ausführen soll.

Dies mag auf den ersten Blick etwas widersprüchlich erscheinen und in der Tat konnte ich für eine lange Zeit keinen wissenschaftlichen Grund dafür finden, dass Kreuzheben den Heiligen Gral bei der Entwicklung eines massigen Rückens darstellt. Ich sah Rudern am Kabel und Überzüge über Kopf als dem Kreuzheben überlegene Übungen an, doch am Ende waren die anekdotenhaften Beweise für die Überlegenheit des Kreuzhebens doch zu überwältigend.

Man sollte es folgendermaßen sehen: Hat man jemals irgendwen gesehen, der beim Kreuzheben ernsthafte Gewichte bewegen kann und keinen breiten Rücken hat? Ich glaube nicht. Man sieht jedoch ständig Typen, die den ganzen Tag lang Überzüge oder Rudern am Kabel mit dem gesamten Stapel an Gewichten ausführen, ohne dass sie eine Rückenentwicklung aufzuweisen, die auch nur bei einem regionalen Bodybuildingwettkampf in der Anfängerklasse einen Blumentopf gewinnen könnte.

Wenn man sich beim Kreuzheben um 100 Kilo steigert, dann garantiere ich dafür, dass man hiernach einen sehr viel massigeren Rücken haben wird.

6) Kniebeugen sind die Königsübung für die Masse der Oberschenkelmuskulatur

Ich könnte wetten, dass vielen mindestens zwei dutzend Gründe einfallen werden, warum sie keine Kniebeugen ausführen sollten. Man sollte jedoch seine Zeit nicht hiermit verschwenden, denn es handelt sich nur um Ausreden und nichts als Ausreden.

Die Wahrheit ist, dass Kniebeugen verdammt harte Arbeit darstellen, weshalb man sie gar nicht überbewerten kann. Ich bin der Erste, der zugibt, dass er Kniebeugen nicht mag, doch ich muss auch zugeben, dass ich die Resultate mag, die Kniebeugen mit sich bringen.

Um zu sehen, wie effektiv Kniebeugen bezüglich der Stimulation der Quadrizeps sind, sollte man zehn Sätze tiefe Kniebeugen ausführen und den Muskelkater hiernach abwarten. Danach sollte man versuchen diese Art von Muskelkater mit einer beliebigen anderen Beinübung wie Beinpressen, Hackenschmidt Kniebeugen oder was auch immer zu erreichen. Es wird ganz einfach nicht möglich sein (immer vorausgesetzt, dass man die Cojones hatte, bei den meisten dieser Sätze Kniebeugen nahe am 10 RM Gewicht zu bleiben).

Genau wie bei Kreuzheben für den Rücken gibt es einfach viel zu viele Menschen, die hervorragende Quadrizeps mit Kniebeugen aufgebaut haben, um die Effizienz dieser Übung bestreiten zu können. Man sollte sich nicht von diesen Bodybuildingzeitschriften täuschen lassen, die schreiben, dass viele Profibodybuilder keine Kniebeugen ausführen. Wenn man etwa tiefer gräbt (wie ich es getan habe), dann wird man herausfinden, dass die große Mehrheit dieser Bodybuilder ihre Quadrizeps mit Kniebeugen aufgebaut haben und diese Masse jetzt mit anderen Übungen aufrechterhalten.

Ronnie Coleman hat einmal gesagt, dass jeder ein Bodybuilder sein möchte, aber keiner schwere Gewichte bewegen möchte. Dasselbe könnte man von Kniebeugen sagen.

7) Man sollte nicht immer bis zum Muskelversagen trainieren

Es ist bei vielen von uns fest verwurzelt, dass wir, wenn wir nach ein oder zwei Aufwärmsätzen ein Gewicht aufnehmen, dieses so lange bewegen, bis wir keine weitere Wiederholung mehr damit ausführen können. Dies ist die Art und Weise, auf die ein echter Mann trainieren sollte, oder?

Nicht notwendigerweise.

Wenn man bis zum Muskelversagen trainiert, dann ist die Anzahl der Sätze, die man ausführen kann, ohne das Risiko für ein Übertraining zu erhöhen, stark limitiert. Auch wenn ein Training bis zum Muskelversagen mit einer begrenzten Anzahl von Sätzen funktionieren kann (OT Training, Dog Crap Training und Heavy Duty Training), ist es wahrscheinlich sehr viel leichter, sicherer und genauso effektiv den Satz ein oder zwei Wiederholungen vor dem Erreichen des Muskelversagens zu beenden. Ich habe meine besten Kraftzuwächse erzielt, wenn ich nicht bis zum Muskelversagen trainiert habe, sondern den Satz kurz davor beendet habe.

Für diejenigen, die sich für wissenschaftliche Studien interessieren, sei erwähnt, dass eine kürzlich ausgeführte Studie zeigte, dass ein Training bis zum Muskelversagen zu hormonellen Signalen des Übertrainings führte. Eine weitere Studie zeigte, dass das Trainieren bis zum Muskelversagen bei lediglich dem letzten von drei Sätzen effektiver war, als ein Training bis zum Muskelversagen bei allen drei Sätzen.

Lee Haney sagte einmal, dass man den Muskeln stimulieren und nicht vernichten sollte.

8) Man sollte nicht unter Trainings ADS leiden

Ich gebe es zu. Ich leide unter einem schweren Fall einer Aufmerksamkeits-Defizit Störung, was das Training angeht. Wie oft hat man schon mit einem neuen Trainingsprogramm begonnen, nur um es nach zwei oder drei Wochen wieder durch ein anderes zu ersetzen? Wenn man so wie ich ist, dann macht es Spaß einfach ins Fitnessstudio zu gehen und das zu trainieren, auf was man gerade Lust hat. Diese Vorgehensweise hat jedoch auch einen Nachteil.

Wenn man sein Programm und die verwendeten Übungen ständig verändert, dann gibt man seinem Körper nicht genug Zeit, voll von den Vorzügen des gerade verwendeten Programms oder den gerade verwendeten Übungen zu profitieren. Wenn man sich z.B. Für ein H.I.T. Trainingsprogramm für die nächsten drei Monate entschieden hat, dann sollte man diese Programm auch für drei Monate beibehalten. Man sollte kein Idiot sein und das Programm nach vier Wochen wieder aufgeben, weil man sich langweilt und lieber ein German Volume Training ausführen möchte und eine bestimmte Übung verwenden möchte, die man bei irgendjemandem gesehen hat. Dies sollte man sich für den Zeitpunkt aufheben, an dem man das augenblickliche Programm beendet hat.

Man kann sein inneres ADS Kind gerne gelegentlich mit einem 8 bis 10 Wochen ich-trainiere-worauf-immer-ich-Lust-habe Trainingsprogramm ruhig stellen, man sollte jedoch sichergehen, dass aus diesen acht Wochen nicht irgendwann acht Monate werden, da man sonst nirgendwohin kommen wird.

9) Man sollte ein Ganzkörpertraining sein lassen

Ich bin mir der Vielzahl von Vorzügen eines Ganzkörpertrainings voll und ganz bewusst und ich stimme auch damit überein, dass man hiermit einen sehr guten Körper aufbauen kann. In der Tat trainiere ich einige meiner Klienten mit einem Ganzkörpertraining. Nachdem dies gesagt wurde, möchte ich jedoch auch erwähnen, dass ich ganz einfach nicht das Gefühl habe, dass man seinen Körper mit Hilfe eines Ganzkörpertrainings bis zur Grenze seines vollen Potentials entwickeln kann.

Wenn ich vom "vollen Potential" spreche, dann meine ich hiermit Masse und Definition - einem Körper, der ohne Probleme einen örtlichen Bodybuildingwettkampf gewinnen könnte. Ich habe zwar keine Studien, aber tonnenweise anekdotenhafte Beweise, die dies unterstützen.

Man muss einen Muskel mit einer recht hohen Anzahl von Sätzen oder einer irren Intensität belasten, um eine maximale Hypertrophie zu erzielen. Mit anderen Worten ausgedrückt, muss man eine Menge Mikrotraumata im Muskel induzieren. Es ist ganz einfach nicht praktikabel, dies bei mehr als zwei oder drei Muskelgruppen pro Tag zu erreichen.

Wenn man einfach nur Gewichte (oder Menschen) durch die Gegend werfen möchte, dann kann man gerne mit seinem Ganzkörpertraining weitermachen. Wenn man jedoch einen der Wettkampfbühne würdigen Körper aufbauen möchte, dann sollte man seinen Körper in mehrere Gruppen einteilen. Als anekdotenhafter Hinweis sei erwähnt, dass kein einziger Top Profi- oder Amateurbodybuilder seinen ganzen Körper auf einmal trainiert. Auch wenn ich niemand bin, dem man blind folgen sollte, muss man zugeben, dass dies ein ziemlich überzeugender anekdotenhafter Beweis ist.

10) Man sollte das Dehnen als Teil des Trainings ansehen

Als jemand, der Verletzungen des Weichgewebes behandelt, könnte ich tagelang über die Vorzüge des Dehnens bei der Verhinderung von Verletzungen und Ungleichgewichten bezüglich der körperlichen Entwicklung reden. Doch inwiefern hat Dehnen etwas damit zu tun, nackt gut auszusehen?

Dehnübungen helfen im Laufe der Zeit dabei, die Fascia zu erweitern, welche die Muskeln und Muskelgruppen eng umschließt. Die eng anliegende Fascia wird als einer der den Muskelaufbau limitierenden Faktoren angesehen. Aus diesem Grund ist es wünschenswert einen Weg zu finden, die Fascia zu dehnen, so dass der Muskel etwas mehr Platz zum Atmen (oder zum Wachsen) hat. Da die Injektion einiger Milliliter Öl in den Muskel nicht gerade die intelligenteste Lösung darstellt, sollte man ganz einfach Dehnübungen verwenden, um das Ziel einer erweiterten Fascia zu erreichen.

Um die voluminisierende Wirkung zu maximieren, sollte man die entsprechende Muskelgruppe direkt nach dem Training dehnen, wenn sie noch aufgepumpt ist. Weiterhin sollte man bedenken, dass man für eine Dehnung des Bindegewebes (wie z.B. Die Fascia) eine Menge Stretching ausführen muss (insbesondere die Zeit unter Spannung) und dass das Dehnen sehr intensiv sein muss.

Ich empfehle den Muskel direkt nach dem Training für etwas 60 Sekunden zu dehnen. Man sollte den Muskel so stark dehnen, dass man die Sekunden wirklich zählen wird, bis die Dehnübung vorüber ist. Zusätzlich hierzu sollte man den Muskel im Laufe des Tagen noch weitere ein bis zweimal dehnen.

11) Man sollte Training mit niedriger Frequenz ausprobieren

Für alle, die es noch nicht wissen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass die meisten Bodybuilder heutzutage zwei oder drei Muskelgruppen pro Tag, aber jede Muskelgruppe nur einmal alle 5 bis 7 Tage trainieren. Ich gebe zu, dass dies aus wissenschaftlicher Sicht nicht der optimale Weg zu trainieren zu sein scheint. Wenn man jedoch bedenkt, dass 95 Prozent aller Wettkampfbodybuilder (natural oder auch nicht) so trainieren, dann ist es schwer, den Resultaten aus der realen Welt zu widersprechen.

Man muss natürlich bedenken, dass man jede Muskelgruppe wirklich hart trainieren muss, um möglichst viele Mikrotraumata zu erzeugen, wenn man diese nur einmal wöchentlich trainiert. Drei Sätze zu je acht Wiederholungen auf der Bank werden für die Brustmuskeln hierbei nicht ausreichen. Drei bis fünf Übungen pro Muskelgruppe gehen schon eher in die richtige Richtung.

Auch wenn ich der Ansicht bin, dass es optimal ist, jede Muskelgruppe einmal pro Woche zu trainieren, empfehle ich trotzdem von Zeit zu Zeit eine höhere Trainingsfrequenz, um eine in ihrer Entwicklung zurückliegende Muskelgruppe zu verbessern. Es ist jedoch auch möglich solche Muskelgruppen mit einem einmal wöchentlichen Training zu verbessern.

Für das Protokoll sei erwähnt, dass Athleten der Figurklasse auf eine ähnliche Art und Weise wie Bodybuilder trainieren sollten. Auch wenn die Beinhypertrophie häufig unter Kontrolle gehalten werden muss, gibt es bei Figurtraining und Bodybuildingtraining mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

12) Den Muskel arbeiten zu spüren ist von größter Wichtigkeit

Wie bereits erwähnt wurde, ist einfach nur stark zu sein keine Garantie dafür, dass man die Muskelmasse aufbaut, die man sich wünscht. Wenn man beim Training den Fokus lediglich darauf legt, eine Menge Gewicht zu bewegen, dann wird man (unbewusst, ohne es zu wollen) das Gewicht auf eine Art und Weise bewegen, welche die Übungsausführung leichter macht. Dies kann durch eine Veränderung der Hebelverhältnisse oder durch den Einsatz zusätzlicher Muskeln zur Unterstützung der Bewegung geschehen.

Nehmen wir das Bankdrücken als Beispiel. Um wirklich viel Gewicht auf der Bank zu drücken, muss man die Übung so ausführen, dass die vorderen Schultermuskeln, die Trizeps und sogar der Latissimus zum Einsatz kommen, um die Brustmuskeln zu unterstützen, die dann unter Umständen weniger Arbeit als die restlichen Muskeln verrichten. Auch wenn diese Art der Übungsausführung dem Ego einen enormen Schub geben kann, wird sie bezüglich des Aufbaus der Brustmuskeln keine Wunder bewirken.

Wenn das Ziel im Aufbau großer Brustmuskeln besteht, dann muss man das Bankdrücken so ausführen, dass die die Brustmuskeln die meiste Arbeit verrichten, während gleichzeitig der Einsatz der restlichen beteiligten Muskeln minimiert wird.

Für einen Bodybuilder ist das Gewicht auf der Stange nur Mittel zum Zweck. Man sollte sich deshalb voll und ganz darauf konzentrieren, die gerade trainierten Muskeln arbeiten zu spüren. Dann, und nur dann kann man versuchen mehr Gewicht zu bewegen oder mehr Wiederholungen auszuführen, während man jedoch die Geist-Muskel Verbindung weiter aufrecht erhält.

Schlussfolgerung

Wenn das primäre Ziel darin besteht, im Geburtstagsanzug gut auszusehen, dann sollte man über diese Prinzipien nachdenken und sie anwenden. Wenn man an einem Strongman Wettkampf teilnehmen möchte, dann sollte man wie ein Strongman Wettkämpfer trainieren. Falls Powerlifting die Sportart der Wahl ist, dann sollte man wie ein Powerlifter trainieren.

Wenn man jedoch wie ein Bodybuilder aussehen möchte, dann würde ich empfehlen, dass man lernt, wie erfolgreiche Wettkampfbodybuilder zu trainieren. Besser noch ist es von jemandem zu lernen, der ausgehend von einer weniger als guten Grundlage einen hervorragenden Körper entwickelt hat.

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