Ein Blick zurück

Die 212er Klasse beim Mr. Olympia: Wird Hadi Choopan Flex Lewis beerben?

Hadi Choopan reiste an diesem Wochenende für viele überraschend in die USA ein und wird nun am wohl wichtigsten Bodybuilding-Wettkampf teilnehmen: dem Mr. Olympia 2019. Nachdem er in der bisherigen Saison sowohl Siege in der 212er-Klasse als auch in Vancouver in der offenen Klasse verbuchen konnte, war zunächst nicht klar, in welcher Division er an den Start gehen würde. Insbesondere die 212er-Klasse, die mit dem Weggang ihrer Ikone Flex Lewis an Aufmerksamkeit verlor, hätte für viele Zuschauer spannender werden können. Grund genug einen Blick auf die Entwicklung der leichten Mr. Olympia Teilnehmer zu werfen.

Hadi Choopan wird beim Mr. Olympia für eine Überraschung gut sein. | Foto: Thomas Koch

Die Geschichte der 212er Klasse beim Mr. Olympia


Der Mr. Olympia kann inzwischen auf eine lange Historie zurückblicken. Bereits 1965 war es ein gewisser Larry Scott der sich gegen zwei Konkurrenten durchsetzen konnte und damit in New York den ersten Mr. Olympia Titel für sich beanspruchen. Er soll damals ein Wettkampfgewicht zwischen 205 und 215 Pfund gehabt haben, so dass erst zwei Jahre später mit Sergio Olivia ein Athlet den Mr. Olympia Titel gewinnen konnte, der definitiv nicht in die heutige 212er-Klasse passen würde.

Doch die Leichtgewichtsklasse beim Mr. Olympia ist keine Marketingerfindung der Neuzeit. Bereits 1974 bis 1979 wurde zwischen zwei Gewichtsklassen unterteilt. Damals lag die Grenze jedoch bei 200 Pfund. Die leichtere Klasse wurde während dieser Zeit von zwei Athleten dominiert. Während der kürzlich verstorbene Franco Columbu sich den Sieg in den ersten drei Jahren sichern konnte, zog Frank Zane die anschließenden drei Jahre gleich und setzte sich von 1977 bis 1979 sogar jedes Mal im jeweils größeren Teilnehmerfeld durch.

Dennoch wurde die Unterteilung im Jahr 1980 aufgehoben, als Arnold Schwarzenegger seinen letzten Mr. Olympia Titel gewinnen konnte und es dauerte fast 30 Jahre bis im Jahr 2008 wieder eine Gewichtsunterteilung erfolgte. David Henry hieß der erste Gewinner der zunächst auf 202 Pfund beschränkten Gewichtsklasse und ein gewisser Flex Lewis, der damals gerade einmal 25 Jahre alt war, erreichte sofort den dritten Rang. Dies war nur ein Jahr, nachdem Lewis sich die Pro Card durch den Gesamtsieg bei den British Championships sicherte.

Während es heutzutage eine Vielzahl an Qualifikationswettkämpfen gibt, traten bei der ersten Austragung der 202-Klasse insgesamt 14 Athleten an, die sich durch eine Top-5-Platzierung in einem der damals lediglich drei Qualifikationswettkämpfen die Startberechtigung sicherten. Detaillierte Gründe für die Einführung sind heutzutage nicht mehr nachzuvollziehen. Während die inzwischen nicht mehr existierende Flexonline erstmals im Februar 2008 die neue Gewichtsklasse ankündigte, ohne damals detailliertere Informationen zu präsentieren, sucht man im IFBB-Archiv vergebens.

Doch es dauerte sowieso nicht lange, bis es bereits die erste Veränderung gab: Nachdem Kevin English von 2009 bis 2011 die kleine Klasse beim Mr. Olympia für sich entscheiden konnte, wurde das Gewichtslimit 2012 um 10 Pfund erhöht. Die 212er, wie wir sie heute kennen, war geboren. Die inzwischen bereits einige Jahre in der Vergangenheit liegende Entscheidung wurde damals Gerüchteweise deswegen umgesetzt, da die Top-Athleten die 202 Pfund mehr als nur ausreizten und halbtot die Gewichtslimits beim Einwiegen erreicht haben sollen.

Doch das ändert nichts daran, dass auch die 212er-Klasse seitdem vor allem für eines steht: Muskelqualität, die ihres Gleichen sucht. Während in der offenen Klasse oftmals über die Härte der Athleten diskutiert und ein oftmals zu softer Look kritisiert wird, bestechen die Top-Athleten der 212er Klasse seit jeher durch eine beeindruckende Definition. Dennoch oder gerade deswegen wurde die Klasse zuletzt von einem Mann dominiert: Flex Lewis.

Der Waliser konnte sich seit 2012 alle Siege in der 212er-Klasse sichern und gab nach dem Triumpf im Jahr 2018 bekannt, dass er eine Wettkampfpause einlegen wolle, um anschließend in der offenen Klasse zu starten. Obwohl der Rückzug des Dauersiegers die Karten neu mischte, verlor die Leichtsgewichtsklasse gleichzeitig ihren wohl bekanntesten Athleten, obwohl der erste 202er Mr. Olympia David Henry sich auch in der 212er-Klasse jedes Jahr mindestens in der Top 6 platzieren konnte. Weitere bekannten Vertreter sind zweifelsfrei Jose Raymond, Ahmad Ashkanani oder auch Derek Lunsford, der sich 2018 nur Flex Lewis geschlagen geben musste.

Top 5 der 212-Klasse bei Mr. Olympia 2018. | Foto: Andreas Volmari

Tritt Hadi Choopan in der offenen Klasse an?


Und genau diese Athleten dürften aktuell zittern. Mit Hadi Choopan reiste ein vielleicht unschlagbarer Gegner in die USA ein, um am Mr. Olympia teilzunehmen. Obwohl die Plattform Generation Iron zunächst etwas anderes vermeldete, ist gemäß Hadis Coach weiterhin unklar unklar, ob er in der 212er oder der offenen Klasse antreten würde, wobei sicherlich einige Faktoren bei der Entscheidung eine Rolle spielten.

Zunächst einmal ist die Frage, ob Hadi das Gewichtslimit schaffen wird. Generell gab es zuletzt immer wieder Diskussionen darüber, wie ein Athlet mit solch einer beeindruckenden Muskelmasse knapp über 96 Kilogramm wiegen könnte. Verschiedene Stimmen aus der Szene bestätigten jedoch immer wieder, dass dem Iraner bei seinen Teilnahmen in der 212er-Klasse kein Pfund geschenkt wurde. Ob insbesondere der letzte Ausflug in die offene Klasse in Vancouver ein Vortasten war, oder der Tatsache geschuldet, dass er absehen konnte, das Limit diesmal nicht zu schaffen, kann nur spekuliert werden. Dafür spricht, dass sein Coach Hany Rambod genau darüber in seiner Instagram-Story sprach: Man müsse abwarten, wie sein Gewicht die Tage nach der Einreise in die USA reagiere.

Ein zweiter interessanter Punkt ist sicherlich das Preisgeld. Flex Lewis erhielt bei seinem Sieg 2018 40.000 US-Dollar. Derek Lunsford ging als Zweitplatzierter mit 19.000 US-Dollar nach Hause, wohingegen Jose Raymond auf dem fünften Platz noch 5.000 Dollar erhielt. Dies klingt zunächst nach viel Geld, vergleicht man dagegen die Gelder der offenen Klasse, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Shawn Rhoden, der dieses Jahr nicht am Mr. Olympia teilnehmen wird, gewann 400.000 US-Dollar und der Fünfplatzierte Brandon Curry erhielt mit 45.000 US-Dollar immer noch mehr als der Sieger in der 212-Klasse. Das Hadi in der offenen Klasse auch bei einem starken Teilnehmerfeld bestehen kann, bewies er zuletzt 2017 beim San Marino Pro, als er sich nur Cedric McMillan geschlagen geben musste und den aktuellen Arnold Classic Champion Brandon Curry hinter sich ließ.

Ein dritter Aspekt wäre das Prestige. Hier kann sicherlich gestritten werden, ob ein Sieg in der 212er-Klasse weniger wert ist, als eine Top-5-Platzierung im Feld der schweren Jungs. Dazu muss gesagt werden, dass auch ein Hadi Choopan seine Hausaufgaben machen muss und die Konkurrenz ihm ohne Frage nicht kampflos das Feld überlassen hätte.

Während es am Ende des 31.08.2019 noch so aussah, als hätte Hadi sich für die offene Klasse entschieden, so muss diese ursprüngliche Meldung korrigiert werden. Stand 01.09.2019 kann noch niemand sagen, ob der Perser sich der 212er-Klasse stellen wird oder die Herausforderung bei den schweren Jung annimmt. Wir dürfen gespannt sein.

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