Findest du dich darin wieder?

5 Ausreden, die ich echt nicht mehr hören kann

Vielleicht kennt ihr das ja. Da gibt es beispielsweise diese eine Band (es könnte aber auch z.B. euer Lieblingsfilm oder dergleichen sein), die ihr unwahrscheinlich feiert. Ihr findet eigentlich alles, was die machen, richtig klasse. Die Melodien sind einprägsam, das Auftreten wahnsinnig lässig und die Texte scheinen direkt eurer eigenen Gedankenwelt zu entstammen, aber mit einer inhärenten Poesie, wie ihr sie selbst nie ausdrücken könntet. Und weil euch diese Band so gut gefällt, reicht es euch irgendwann nicht mehr, dass nur ihr sie toll findet. Nein, ihr wollt, dass auch andere, am besten die ganze Welt, erkennt, wie genial sie doch sind.

Also beschallt ihr alle in eurem Umfeld, die sich nicht schnell genug verstecken konnten, bei jeder Gelegenheit mit deren Musik und da Brillanz nicht für jeden sofort ersichtlich ist, helft ihr gerne nach, indem ihr ohne Unterlass darüber redet.

Foto: Matthias Busse

So in etwa ist es bei mir mit Bodybuilding. Sicher, über die Jahre habe ich gelernt, dass nicht jeder meine Leidenschaft vollumfänglich teilt oder überhaupt nachvollziehen kann und dass ich, wenn mir als Feedback für meine halbstündigen Monologe nichts als Schweigen, Gähnen oder mehr oder minder subtiles Augenrollen entgegengebracht wird, die Sache auf sich beruhen lassen sollte. Aber wenn jemand tatsächlich mal Interesse zeigt und ich aktiv zu dem Thema befragt werde, dann gibt es kaum ein Halten mehr. Man freut sich schließlich immer, wenn man auf (vermeintlich) Gleichgesinnte trifft, das liegt ganz einfach in der menschlichen Natur.

Deshalb bin ich auch sofort Feuer und Flamme, wenn ein Trainingsneuling mich um Rat und Hilfe bei seinem Ziel, einen stattlichen Körper aufzubauen, bittet. Nennt mich einen hoffnungslosen Idealisten aber in der Tat war dies einer der Gründe, warum ich angefangen habe, mich aktiv an diesem Forum zu beteiligen, anstatt mein Dasein weiterhin als stiller Mitleser zu fristen.

Und deshalb fühle ich mich auch in gewisser Hinsicht geradezu persönlich beleidigt, wenn ich herausfinde, dass ich (mal wieder) Zeit und Energie verschwendet habe, um jemandem die Grundlagen dieses Sports näherzubringen, diese Person aber nach kurzer Zeit jegliches Interesse am Bodybuilding wieder verliert.

Klar, heutzutage (und mit Abstrichen auch schon früher) will jeder einen Körper wie auf dem Men´s Health Cover. Mit dicken Armen, einer ausladenden Brust und natürlich einem stahlharten Six Pack. Und eigentlich sollte auch jedem klar sein, dass hinter solch einer Physik eine Menge harter Arbeit und Disziplin steckt. Und das Ganze über einen sehr langen Zeitraum. Schon aus der simplen Logik heraus, dass sonst ja jeder wie ein Bodybuilder aussehen würde. Tja, eigentlich…

Denn in der Praxis verhält es sich leider oft so, dass erstaunlich viele mit völlig falschen Vorstellungen an die Sache herangehen. Vielleicht liegt es daran, dass Bodybuilding mittlerweile von einem Nischensport zu einem Massentrend, einem Modephänomen, geworden ist, woran die sozialen Medien einen entscheidenden Anteil haben. Oder vielleicht auch schlicht daran, dass der Daniel ihnen versprochen hat, sie mit 3 mal 20 Minuten Training die Woche "krass" zu machen, ohne viel Aufwand oder Entbehrungen. Ich weiß es nicht und letztlich ist es mir auch völlig gleich, warum das so ist.

Mit der Zeit zeichnen sich bestimmte Muster ab, die es mir ermöglichen, anhand weniger Aussagen festzustellen ob es jemand wirklich ernst meint oder nur an einer vermeintlichen Abkürzung zu einem beeindruckenden Body interessiert ist, nicht aber daran, dafür auch etwas zu investieren. Ich hätte nicht einmal ein Problem damit, wenn mir jemand sagen würde: "Echt, das muss ich dafür tun?! Ne, kein Bock…!" Aber stattdessen werden Ausflüchte gesucht, die einen irgendwann auf die Palme bringen, weil sie sich immer und immer wiederholen, ohne dabei glaubwürdiger zu erscheinen.

Die 5 häufigsten, und somit nervigsten, davon möchte ich euch deshalb in diesem Artikel vorstellen. Jedes Mal, wenn ich eine davon höre, schwillt mir inzwischen automatisch der Kamm und bestimmt kommt euch die eine oder andere davon bekannt vor. Also los geht´s mit…

1.Ich will nicht aussehen wie ein Bodybuilder…

Meist ergänzt mit Sachen wie "…mehr so in Richtung Fitnessmodel, mit definierten Muskeln und nicht so aufgebläht". Und klar, das ist ein Riesenproblem. Ich meine, wer kennt das nicht:
Ein Curl zu viel oder etwas zu viel Gewicht auf der Stange und bevor ihr euch verseht, platzt euer Slimfit-Hipsterhemd aus allen Nähten, wie wenn Bruce Banner sich in den Hulk verwandelt. Und wenn ihr nicht wirklich, wirklich aufpasst seid ihr für immer dazu verdammt, euer Leben im Körper eines 120 Kilogramm schweren Profibodybuilders zu verbringen, ohne Hoffnung je wieder menschliche Ausmaße anzunehmen.
Dass viele Fitnessmodels Steroide nehmen und ausnahmslos alle den Großteil ihres Lebens mit hartem Training und der passenden Ernährung verbringen, ist nebensächlich, schließlich haben die nicht eure Mutantengenetik…

Spaß beiseite. Um auszusehen wie ein Lazar Angelov oder Jeff Seid, müsst ihr euch 24/7 den Arsch aufreißen und quasi euer ganzes Leben auf dieses Ziel ausrichten. Und selbst dann werdet ihr deren Muskularität in den allermeisten Fällen niemals erreichen, mit Glück kommt ihr vielleicht nahe heran. Dass ihr mit halbgarem Larifari-Training so aussehen könnt, ist jedenfalls Bullshit, schminkt euch das gleich mal ab! Und eure Sorge, euch quasi über Nacht in einen Mr. Olympia-Aspiranten zu verwandeln, ist in etwa so realistisch, wie von einer Horde rattiger Victoria´s Secrets Models gegen euren Willen zu einem Gang Bang genötigt zu werden.

Die Wahrheit ist: Um körperlich gut auszusehen müsst ihr oft und hart trainieren, euch angepasst ernähren und euren Lebenswandel auf euer Ziel abstimmen. Wer euch irgendwas anderes erzählt, lügt euch schlicht und einfach an und verfolgt meist Interessen, die mit aufrichtiger Hilfsbereitschaft so viel zu tun haben, wie ich mit der Zucht von Nymphensittichen. Oder glaubt ihr ernsthaft, der Daniel sieht so aus weil er 3 mal 20 Minuten die Woche Bodyweightübungen vor dem Fernseher macht? Falls ihr diese Frage mit ja beantwortet, seid ihr sicher auch bereits Millionäre, weil ihr in eurer Freizeit nigerianischen Prinzen dabei helft, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen.

Einen besonders dreisten Beigeschmack erhält diese Aussage übrigens, wenn man sie noch mit einem persönlichen Bezug verbindet, also z.B. "Ich will gar nicht so aussehen wie du! ". Wären Personen, die so etwas sagen, Pinocchio, man müsste glatt zur Seite springen, um nicht von der heranschießenden Nasenspitze in einen menschlichen Kebap-Spieß verwandelt zu werden.

Foto: Matthias Busse

Natürlich willst du aussehen wie ich, sonst hättest du dich ja nicht an mich gewendet! Was ihr eigentlich damit sagen wollt, ist, dass ihr von Anfang an wisst, dass ihr nicht so viel investieren wollt wie die Leute, denen ihr solchen Mist verzapft. Und selbst wenn es stimmen sollte, suggeriert ihr damit nur, dass ihr den Körper eures "Mentors" für nicht erstrebenswert haltet. Das ist in etwa so, als ob ihr eine Frau mit den Worten ansprecht: "Du bist zwar ein ziemlicher Gesichtselfmeter aber wegflanken würde ich dich trotzdem…" (Grüße an Lift94!)

2. Ich muss meine Beine nicht trainieren weil…

Der absolute Evergreen, um diesen Satz zu beenden wäre natürlich "…ich Fußball spiele und dabei meine Beine schon genug abbekommen". Alternativ geht natürlich auch jede andere Sportart, die nicht liegend oder sitzend ausgeführt wird. Oder ihr habt einen Job, bei dem ihr euch viel bewegen müsst, Einzelhandel oder Gastronomie werden hier gerne genannt.

Dabei ist mir völlig gleichgültig, ob ihr eure Beine trainiert oder nicht! Das war nicht immer so und ich habe in zahlreichen Threads voller Inbrunst darauf gepocht, diese wichtige Muskelgruppe nicht zu vernachlässigen. Diesen Kampf habe ich irgendwann aufgegeben. Ich kann nach wie vor auf sportlicher Ebene niemanden für voll nehmen, der nur die Hälfte seines Körpers trainiert, aber jedem das Seine. Und ich habe sogar ein minimales bisschen Verständnis. Schließlich ist Beintraining brutal anstrengend und wie jeder inzwischen weiß, sieht man die Dinger im Club ja nicht einmal.

Aber dann versteckt wenigstens nicht hinter fadenscheinigen Ausreden, dass ihr schlicht zu faul seid.
Die einzige Kategorie Ausrede, die ich hierbei wirklich akzeptieren würde wäre z.B. "Ich trainiere meine Beine nicht, weil sie mir Krieg weggesprengt wurden. "
Und um nochmal auf das Thema Fußball zu sprechen zu kommen: Wenn man durch schlichtes Herumrennen wirklich gute Beine bekommen würde, dann müssten Marathonläufer ja wahre Monster sein, was die Beinentwicklung angeht, oder?!

"Aber hey, es gibt doch tatsächlich viele Fussballspieler, die gute Beine haben!" Nun, zunächst einmal ist der Begriff "gute Beine" hier eine recht subjektive Einschätzung und manch einer würde diese Frage gar kategorisch verneinen. Aber okay, vielleicht ist da ja was dran, ich erinnere mich hierbei zum Beispiel an Roberto Carlos, die Älteren werden ihn (und seine Oberschenkel) sicher noch kennen. Aber ihr dürft nicht vergessen, dass es sich hierbei um hochbezahlte Profisportler handelt, die von Expertenteams umgeben sind, deren Aufgabe es ist, das Optimum aus ihren Körpern herauszuholen. Und dazu gehört im modernen Leistungssport neben dem obligatorischen Technik- und Konditionstraining inzwischen eben auch der Muskelaufbau durch Krafttraining.

Wenn ein Spieler also eine außergewöhnliche Beinmuskulatur aufweist, könnt ihr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass er sich diese auch durch klassisches Widerstandstraining erarbeitet hat.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein Bekannter ein, der mir tatsächlich weismachen wollte, er müsse seine Beine nicht trainieren, weil er American Football spielt und Beinmuskulatur in dieser Sportart zu vernachlässige wäre. Dass in den USA Footballspieler bereits ab dem College (und oft noch viel früher) auf dem Niveau hochklassiger Powerlifter beugen, schien ihm entweder unbekannt zu sein oder einfach nicht zu interessieren.

Selbiges gilt übrigens auch für Sprinter, die ebenfalls gerne als Referenz für fantastische Körper außerhalb des Kraftsports herangezogen werden. Glaubt ihr nicht? Dann googelt mal "Ben Johnson squatting" und lasst euch überraschen!

Also trainiert eure Beine oder lasst es eben bleiben, aber verschont mich mit langweiligen Ausreden, bei denen ich sowieso nur "Pussy" verstehe (shouts an abergau)…

3. Ich will keine schweren Gewichte benutzen, weil ich meinen Körper nicht kaputt machen will…

An diesem Punkt ist ausnahmsweise sogar ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Damit meine ich, dass, wenn man über Jahrzehnte hinweg zentnerschwere Gewichte im Bereich der Kraftdreikampf-Elite bewegt, man wohl oder übel irgendwann den Preis dafür zahlen wird.

So wird ein Eddie Hall aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann auch feststellen, dass Kreuzheben mit einer halben Tonne nicht unbedingt ideal für die Gelenke ist. ABER: Von dieser elitären Riege der Kraftsportler und deren Leistungen seid ihr in etwa so weit entfernt, wie ich von der Wahl zum Sexiest Man Alive (nur eine Frage der Zeit!). Und für diese restlichen 99,9 % der Athleten gilt nun mal: Nicht schwere Gewichte zerstören den Körper, schlechte Technik tut es!

Richtig und kontrolliert ausgeführt werden diese Übungen, bei denen verhältnismäßig viel Gewicht bewegt wird, euch im Gegenteil sogar helfen, euren Körper in seiner Gesamtheit zu stärken und Verletzungen vorzubeugen.

Überhaupt ist "schweres" Gewicht ein äußerst schwammiger Begriff und unmöglich anhand nackter Zahlen zu definieren. Für einen blutigen Anfänger mögen z.B. 100 kg auf der Bank eine respekteinflößende Zahl darstellen und beim Versuch diese zu drücken, kann es sich anfühlen, als laste das Gewicht der ganzen Welt auf euren Armen. Andere bewältigen diese Last hingegen beim ersten Mal Bankdrücken und für erfahrene Athleten im Kraftbereich eignet sich dieses Gewicht gerade mal für einen lockeren ersten Warmup-Satz. Es ist nun mal alles relativ im Leben.

Foto: Matthias Busse

Mal zwei Beispiele aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz: Ein Freund, mit dem ich gelegentlich trainiere (der aber aus purer Sturheit grundsätzlich alles ignoriert, was ich ihm rate), weigerte sich, nachdem er ca. 90 kg beim Kreuzheben erreicht hatte, das Gewicht weiter zu steigern. Da Training ohne Progression aus meiner Sicht aber Zeitverschwendung ist, habe ich ihn irgendwann nach dem Warum gefragt. Er meinte dann, dass sein Vater ihm gesagt hätte, alles über 100 kg könnte der Körper nicht mehr bewältigen ohne daran kaputt zu gehen. Deswegen würde er jetzt aus Gründen der Selbsterhaltung bei diesem Gewicht bleiben. Übrigens hält dieselbe Person Warmup-Sätze für völlig überflüssig, diese würden schließlich nur Kraft kosten.

Ein anderer Freund macht weder Kniebeugen noch Kreuzheben (unabhängig von der Variante), weil er in der Vergangenheit des Öfteren Rückenprobleme hatte, die von mangelnder Bewegung und vielem Sitzen bzw. Liegen herrühren. Das ist in etwa so, sich zu weigern, schwimmen zu lernen, weil man mal beinahe im Planschbecken ertrunken wäre.

Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass beide Argumentationen schlicht Unsinn sind. Und wie zum Beweis sind beide ein Sammelsurium an diversen Gelenks- und Rückenproblemen, die nachweislich aus unterentwickelten Muskelstrukturen resultieren.
Interessanterweise sind alle immer nur Invaliden, wenn es um die Übungen Kniebeugen und Kreuzheben geht.
Da haben dann alle auf einmal "Knieprobleme" oder sind der Meinung, imaginäre (und leider teilweise sogar real existierende) Ärzte hätten ihnen vehement von deren Ausführung abgeraten. Logisch, schwere Übungen haben quasi zwangsläufig zur Folge, dass ihr euch physisch Stephen Hawking annähert, nur eben ohne die Genialität. Geht es jedoch um Bankdrücken, habe ich seltsamerweise noch nie Beschwerden gehört, obwohl ich wesentlich mehr Personen kenne, die sich mit Bankdrücken die Schultern und Ellbogen zerlegt haben als welche, denen beim Heben und Beugen ernsthaftes passiert ist.

Eigentlich könnte mir das ja ähnlich gleichgültig sein, wie ob jemand nun seine Beine trainiert oder nicht. Aber das wirklich Ärgerliche daran ist, dass diese Leute eigentlich eben aus den von ihnen vorgebrachten Gründen diese Übungen erst recht ausführen sollten, anstatt sie zu meiden. Schon weil beide einen hervorragenden Übertrag auf den Alltag haben. Kreuzheben zum Beispiel lehrt einen nichts anderes, als etwas Schweres mit der richtigen Technik vom Boden aufzuheben. Eine Bewegung, wie ihr sie ohnehin unzählige Male in eurem Leben ausführen werdet und die verantwortlich sind für einen Großteil der Hexenschüsse und Bandscheibenvorfälle in unserer Gesellschaft. Kniebeugen wiederrum bedeutet einfach, sich gegen einen Widerstand aus einer sitzenden oder hockenden Position aufzurichten. Etwas, mit dem besonders alte, schwere und vorgeschädigte Menschen oftmals Probleme haben.

Ihr tut euch selbst mit diesen Ausflüchten also keinen Gefallen und vermeidet dadurch einfach die Symptome, ohne die Ursachen für selbige zu bekämpfen. Und ja, der eine oder andere Trainierende hat sich tatsächlich schon bei diesen Übungen verletzt, auch mal schwer. Aber die größten körperlichen Wracks, die ich kenne, sind Personen, die ihren Körper eher zu wenig fordern als zu viel.

4. Ich nehme einfach nicht zu, obwohl ich genug esse!

Der menschliche Körper ist ein komplexes Gebilde und wir werden wahrscheinlich niemals alle Vorgänge darin vollumfänglich erklären können. Aber manche davon sind hingegen sogar relativ simpel und bei allen Menschen gleich. Dazu gehört das Zu- und Abnehmen.

Man braucht nicht zwingend einen Master in Physik, Biologie oder Medizin, um zu begreifen, dass, wenn man mehr Kalorien zu sich nimmt, als man verbraucht, sich das Körpergewicht erhöht. Umgekehrt wird man zwangläufig Gewicht verlieren, wenn man mehr Energie verbrennt, als man durch Nahrung zu sich nimmt.

Und trotzdem versuchen mir Leute ständig weiszumachen, ihre Körper würden diesen Grundregeln der Physik trotzen.
Das sei ja individuell. Nein, Schneeflocke, einen Scheiß ist es!
Das ist wie z.B. Schwerkraft so eindeutig, dass man es als vernunftbegabter Homo Sapiens eigentlich nicht ernsthaft anzweifeln kann. Aber zu deren Verteidigung muss man sagen, dass sie es in den meisten Fällen tatsächlich selbst glauben.

Der Wunsch, überhaupt an Gewicht zuzulegen, hängt ja (von körperlich kranken Personen mal abgesehen) zumeist damit zusammen, dass jemand mit dem Training begonnen hat und ein Mehr an Muskeln nun mal zwangsläufig mit einem Mehr beim Gewicht zusammenhängt. Und da viele Anfänger davor nichts getan haben, bei dem man in signifikantem Maß Kalorien verbrennt, reicht oftmals schon der Sport und der zusätzliche Verbrauch durch die aufgebaute Muskulatur, um die zuvor ausgeglichene Kalorienbilanz ins Negative zu befördern.

Foto: Matthias Busse

Besonders stark tritt dieser Effekt zu Tage, wenn ein motivierter Anfänger seine Ernährung umstellt, um sich "fitnessgerecht" zu ernähren. Die meisten industriell hergestellten Lebensmittel weisen eine erstaunlich hohe Kaloriendichte auf, insbesondere Junk- und Fastfood sowie natürlich Süßigkeiten. Die klassischen Bodybuilding-Nahrungsmittel tun dies hingegen nicht. So wird der eine oder andere sicher schon festgestellt haben, dass man schier unglaublich Mengen an magerem Fleisch, Reis und Gemüse konsumieren kann, ohne wirklich zuzunehmen.

Bei manchen geht das sogar so weit, dass sie es schlicht überhaupt nicht schaffen, die notwendigen Mengen davon zu verzehren, um ihr Gewicht zu steigern. Aus diesem Grund rate ich manchen Anfängern sogar bewusst davon ab, sich zu "clean" zu ernähren, weil eine Aufbauphase sich in manchen Fällen sonst wie eine regelrechte Zwangsmast gestaltet.

Diese Tatsache führt dann wiederrum bei manchen zu dem Trugschluss, ihr Körper sei ein anatomisches Wunder und verhalte sich ganz anders als der ihrer 7 Milliarden Mitmenschen. Aber die Wahrheit ist ganz einfach folgende: Wenn ihr nicht zunehmt, dann esst ihr nicht genug, egal wie sehr ihr das glaubt. Und dann heißt die simple Lösung nun mal: mehr essen! Und wenn ihr bereits so viel esst, dass ihr es euch schon förmlich in den Hals stopfen müsst, dann konsumiert notfalls eben Sachen, die mehr Kalorien haben. Ich kenne Trainierende, die pures Speiseöl gesoffen haben, weil es anders eben nicht ging. Aber dann ging es!

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es tatsächlich Ausnahmen hiervon gibt. Diese sind aber krankheits- (z.B. gestörte Schilddrüsenfunktion) und nicht evolutionsbedingt und stellen ein ernstes Problem dar, um das sich ein Arzt kümmern muss!

Ich könnte den selben Absatz unter umgekehrten Vorzeichen übrigens auch über das Abnehmen schreiben, dass Prinzip bleibt letztlich exakt das selbe, nur die Adjektive ändern sich.

5. Ich habe keine Zeit, zu trainieren

Ebenfalls ein Alltime-Classic und schon deshalb so nervtötend, weil damit im Subtext unterstellt wird, ambitioniert Trainierende hätten sonst keine Verpflichtungen. Dabei geht es letzten Ende nur darum, seine Prioritäten zu setzen. Und oft fällt auch auf, dass diejenigen, die so etwas von sich behaupten, trotzdem bei 10 Serien gleichzeitig auf dem aktuellen Stand sind oder sich in der Top Ten der Battlefield-Bestenliste befinden.

Mal davon abgesehen gibt es unzählige Beispiele von Menschen, die sicherlich einen volleren Terminplan haben als ihr und es trotzdem schaffen, regelmäßig ihren Arsch ins Studio zu wuchten. Dwayne "The Rock" Johnson steht an Drehtagen um vier Uhr morgens auf, um vor Drehbeginn noch zwei Stunden zu pumpen.
Ich kenne Jungbanker in London, deren Job in Sachen Arbeitszeiten selbst bei Galeerensklaven aus dem Mittelalter noch Mitleid erregt hätte, und auch die schaffen es, noch mehrfach die Woche Sport zu treiben.
Sogar der Präsident der vereinigten Staaten schafft es dank seines Zeitmanagements, mehr Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen als im Oval Office (Pew Pew).

Wenn einem etwas wirklich wichtig ist, dann findet man auch die Zeit, es in seinem Terminkalender unterzubringen, Punkt. Und dabei spielt es auch keine Rolle, ob man arbeitslos oder Chefarzt an der Berliner Charité ist. Deshalb stellt dieser Punkt so etwas wie die Mutter aller Ausreden dar, ist es doch nichts andere als der Versuch "Ich bin ein faules Schwein." klingen zu lassen wie "Ich bin zu wichtig um vernünftig zu trainieren.".

Und nehmen wir mal an, ihr hättet tatsächlich so wenig Zeit, dass ihr es nicht hinbekommt, dreimal die Woche eine Stunde für Sport abzuzwacken. War euch das dann nicht schon klar, bevor ihr euch für diesen Sport entscheiden habt?

Abschließende Worte

Wie bereits erwähnt, liebe ich Training und alles was dazugehört und deshalb freue ich mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn ich diese Leidenschaft mit Gleichgesinnten teilen kann. Aber wenn jemand partout nichts mit Kraftsport anfangen kann, dann ist das auch cool für mich, schließlich gibt es mehr als genug andere Beschäftigungen, um sich die Zeit zu vertreiben.

Ich bin auch nicht so vermessen zu behaupten, Bodybuilding sei per se "besser" als andere Sportarten (außer Cricket, das ist vollkommen bescheuert). Und selbst wenn jemand überhaupt keinen Sport treibt und lieber Tag für Tag vor seiner Glotze verbringt, ist das für mich in Ordnung. Jeder soll für sich selbst entscheiden, was er mit seinem Leben anstellt und wer bin ich schon über andere zu urteilen…

Foto: Matthias Busse

Aber in diesem Artikel geht es explizit um Personen, die Enthusiasmus für diesen Sport vortäuschen, dabei aber nur auf die Resultate schielen, ohne etwas dafür investieren zu wollen. Und wenn diese ausbleiben, werden eben Ausreden gesucht anstatt die eigene Einstellung kritisch zu hinterfragen. Am Ende verschwendet ihr einfach nur eure Zeit. Und was unendlich viel schlimmer ist, ihr verschwendet die Zeit derjenigen, die euch eigentlich nur helfen wollen. In diesem Fall wäre es wohl am besten, einfach mit dem Training aufzuhören, denn mit dieser Einstellung werdet ihr in diesem Sport ohnehin keinen Blumentopf gewinnen.

Aber wenn ihr es mit dem Training wirklich ernst meint, dann steckt eure Energie lieber ins Training als in die Suche nach immer neuen Ausreden, die euch sowieso keiner abnimmt…

Haut rein, euer Ebiator

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