Hör auf zu scheitern!

7 Gründe, warum du dein Training nie durchziehst

Ich schreibe diesen Text an einem 3. Februar irgendwann im 21. Jahrhundert. Schon seit Wochen muss man Gespräche und Emails nicht mehr „Frohes Neues!“ beginnen. Und auch die guten Neujahrsvorsätze sind für die meisten von uns schon wieder Geschichte – Gemäß einer Studie enden die nämlich im Durchschnitt am 19. Januar. Hat es auch bei dir schon wieder nicht geklappt mit dem Durchziehen im Fitnessstudio? Hier sind die Top 7 Gründe, warum Menschen ständig ihre eigenen Pläne sabotieren.

#1: Was du tust, ist nicht nachhaltig


Aus jahrelanger Beobachtungen meines Umfeldes und früherer Selbstständigkeit in der Fitnessbranche möchte ich diesen Grund als den Hauptverursacher abgebrochener Trainingskarrieren benennen: Menschen schmieden Pläne, die von Anfang an jede Nachhaltigkeit vermissen lassen.

Dabei kann mangelnde Nachhaltigkeit in verschiedenen Gebieten liegen. Eines davon ist die Trainingsintensität. Wer sich in jeder Einheit vollkommen verausgabt, weil ja das große Idol im Interview auch versichert hat, immer „110 Prozent zu geben“, oder weil man auch gern in Internetforum Geschichten vom Kotzen oder der Unfähigkeit, die Arme beim Duschen anzuheben, erzählen möchte, ist eigentlich schon gescheitert.


Dein Kopf wird sich schon bald Ausreden einfallen lassen, warum das Training heute mal wieder ausfallen muss – ein gut gemeinter und auch sinnvoller Selbstschutz. Der innere Schweinehund ist ja eine aus evolutionärer Sicht sinnvolle Instanz. Also:
Training ist Training und kein Überlebenskampf!
Mach nichts, was dir Angst macht. Niemand ist nämlich hardcore genug, um das dauerhaft durchzustehen.

Nachhaltigkeit kann aber auch in organisatorischen Aspekten liegen. Schon die Wahl des Fitnessstudios kann über Gelingen oder frühzeitige Aufgabe entscheiden. Bei unendlichen Anfahrtswegen oder schlechten Öffnungszeiten geht jedem schnell die Puste aus.

Anderes Beispiel: Ein absoluter Morgenmuffel nimmt sich mitten in einem verregneten November vor, jeden Morgen um 5.00 Uhr zum Joggen aufzustehen. Um hier keinen unnötigen Spannungsbogen aufzubauen: Wird nichts!

#2: Du machst im Training immer das Gleiche


Eine typische Szene: Ein Trainingsanfänger kommt ins Fitnessstudio. Der auf 450-Euro-Basis angestellte Trainer übergibt nach kurzer Geräteeinweisung einen Trainingsplan von der Stange und dann geht es dreimal die Woche in die absolute Monotonie. Immer die gleichen Bewegungen, die gleichen Satz- und Wiederholungszahlen, die gleiche Intensität. Fließbandarbeit – und die wird doch wohl von den wenigsten als ein erstrebenswertes Betätigungsfeld empfunden.

Versteht mich nicht falsch: Manchmal muss man im Leben Dinge tun, auf die man wenig Lust hat. Und ein sinnvolles Muskelaufbautraining basiert auf einigen wenigen Basics, die regelmäßig und mit Progression durchgeführt werden müssen. Es gibt auch Persönlichkeitstypen, die sich mit einer abzuarbeitenden Routine wohlfühlen.
Wenn du aber merkst, dass dir dein Trainingsplan überhaupt keinen Spaß bereitet, ist es einfach an der Zeit, Körper und Geist Variationen anzubieten.
Sonst passiert nämlich das unter #1 geschilderte und dein Gehirn wird dir ganz hinterhältig „so ein bisschen Kopfschmerzen heute irgendwie“ vorspielen.

Also: Betrachte das Fitnessstudio als Ort der Unterhaltung und Entdeckung. Du würdest dir doch auch nicht jedes Mal denselben Film im Kino ansehen, oder?


#3: Du hast die falschen Erwartungen


Die Generation Internet will ja immer alles sofort (und ja, ich klinge grade wie ein Boomer!). Muskeln und Fettabbau gibt es aber noch nicht bei Gorillas. Wer nach zwei Wochen Training schon etwas zu sehen kriegen will für sein Geld, wird bitter enttäuscht werden. Je nach Ausgangslage ist vielleicht monatelang nichts erkennbar. Das Aufwand-Nutzen-Verhältnis erscheint schnell viel zu lausig, um sich das noch weiter zu geben.

Dabei gilt:
Menschen überschätzen immer was sie in 4 Wochen erreichen können und unterschätzen, was in 4 Jahren möglich ist.
Hab das Endziel im Blick und spicke deinen Weg mit einigen Etappen. Wooops, die 2000er haben mir grad gesagt, dass sie ihre Psychotricks zurück haben wollen. Aber na ja, man kann es ja immer mal wieder wiederholen.

#4: Du hast noch nichts gefunden, was du wirklich gern machst


Mir wird häufig eine herausragende Disziplin angedichtet, dabei habe auch ich schon diverse Dinge radikal abgebrochen oder (was irgendwie noch unangenehmer ist) austrudeln lassen, weil sie mir schlicht keinen Spaß bereitet haben. Wenn du jetzt schon zum zehnten Mal mit dem Vorsatz gescheitert bist, regelmäßig zu laufen, dann hat es dich wohl nicht wirklich „gehooked“. Macht aber auch nichts, gibt ja viele andere schöne Sportarten.

Wer eine 300 Kilogramm Kniebeuge haben möchte, sich aber beim Powerlifting langweilt, hat ein wirkliches Problem. Wenn du aber zu den 99 Prozent meiner Leser gehörst, die einfach nur im Freibad ein bisschen angenehmer auffallen wollen, dann führen ja zum Glück viele Wege nach Rom. CrossFit, Kampfsport, HIT, Strongman, Freeletics … irgendwas wird schon dabei sein.
Befrei dich einfach mal von gesellschaftlichen Erwartungen und probiere dich aus.
Nur, weil die Menschen auf dem McFit Werbeplakat immer so glücklich aussehen bist du nicht verpflichtet, das Training im Studio auch zu lieben. Mit dir ist nichts falsch, wenn dir andere Dinge mehr Spaß bereiten.

#5: Du hast die falsche Einstellung


Punkt 5 klingt abstrakt, liegt mir aber sehr am Herzen und könnte vielleicht sogar dein finaler Game Changer werden.

In den Sportarten, auf die ich mich selbst jetzt nach einigem Experimentieren geeinigt habe, schwänze ich tatsächlich nie ein Training. So wie noch nie jemand einen Netflix-Abend geschwänzt hat, weil man ja wissen will, wie die Serie weitergeht, befriedigt jede Einheit im Studio meine Neugier.

Ich will wissen, wie mein Körper sich heute fühlt, wie Übungen miteinander harmonisieren, ob vielleicht sogar ein PR drin ist? So wie andere Menschen abends neue Kochrezepte ausprobieren. Der Vergleich trifft es tatsächlich ziemlich gut. Und wer schwänzt schon einen Kochabend?
Sorg dafür, dass dein Training einen gewissen Selbstzweck erfüllt.
Es gibt da dieses schöne Zitat: „Sport zu treiben, um so viele Kalorien wie möglich zu verbrennen, ist wie ein Buch zu lesen, um so viele Buchstaben wie möglich zu konsumieren.“

Denk nicht immer nur an den Outcome – der liegt ja wie unter #3 geschrieben so und so in weiter Ferne. Sei mal ganz im Moment – das kann man lernen.

#6: Du wartest immer auf den perfekten Zeitpunkt


Ab spätestens Mitte Zwanzig wird der Tag nicht mehr kommen, an dem du voller Energie aus dem Bett springst und sofort ins Studio rennen möchtest. Und wenn doch, wird dein Arbeitgeber, Ausbilder, Professor, Partner oder ein sonstiger Forderungssteller dich spätestens bis zum Abend von deinem Tatendrang erlöst haben.
Wir sind alle immer irgendwie müde, irgendwas zwickt, wir haben Muskelkater oder mal wieder eine dumme Kaufentscheidung beim Bäcker auf dem Nachhauseweg getroffen.
Warte nicht auf den Tag, an dem alles perfekt gelaufen ist und du dich so richtig ready fürs Training fühlst – der wird nicht kommen.

Also: Trotz allem auf ins Gym. Und übrigens sind es erfahrungsgemäß immer die Einheit mit der geringsten Erwartungshaltung, die am besten laufen. Wer das ein paar Mal erlebt hat, wird gegen Ausreden jeder Art immun!


#7: Du hast den Alles-oder-Nichts-Ansatz


Auch ein Klassiker: Ab Neujahr soll es losgehen mit der 100 Prozent cleanen Diät. Läuft auch ein paar Tage ganz gut. Dann gibt da aber der Neue im Büro seinen Einstand – mit Kuchen. Na ja, jetzt ist auch egal für heute. Und für die Woche ja eigentlich auch. Und schon ist wieder Dezember – ab Januar dann aber wirklich: New Year, new Me! …

Dabei sollte erstens jede Diät schon in der Konzeption Lücken für Gelüste und Ausrutscher lassen. Und selbst wenn noch gecheated wird, nachdem dieses Kontingent schon aufgebraucht wurde – Mund abputzen und morgen besser machen!
Es gibt eben kein Alles-oder-Nichts – dafür ist aber alles besser als nichts!
Stirb nicht an Schönheit. Eine Trainingseinheit muss sich nicht über 90 Minuten ziehen, um zu zählen. Das wäre begrüßenswert, aber was nicht passt muss eben passend gemacht werden. Ein 20 Minuten Kraftzirkeln mit Eigengewichtsübungen ist kein vollwertiger Ersatz, aber eine deutliche Steigerung gegenüber dem Nichts.

Und selbst wenn weder Kalorienverbrauch noch Muskelaufbaupotenzial einer „Quicksession“ wirklich erwähnenswert sein mögen: Im schlechtesten Fall hilft sie dir, ein Momentum am Leben zu halten. Und das ist von unschätzbarem Wert!

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