Einflüsse auf den Körper

Alkohol

Ein Artikel von Charlespoliquin.com und Charlespoliquin.com
Von Charles Poliquin

Alkohol Teil I: Die Gesellschaft der Weintrinker

Das Problem am Alkohol ist, dass die ganzen guten Ratschläge zum richtigen Umgang damit, uns den Spaß am Trinken nehmen.

Wir haben alle die nachstehenden Belehrungen schon einmal gehört: Trink nicht auf leeren Magen (dazu später noch mehr), trink nicht mehr als ein Getränk pro Stunde, ein Six-Pack Bier ist zu viel für eine Person und hör nach 2 Getränken auf, spätestens nach 3.

Yeah, yeah, yeah. Das ist der perfekte Weg, um sich einen anzutrinken und Alkohol verantwortungsvoll zu genießen. Aber jetzt schauen wir mal die Realität an, ganz besonders während der Urlaubszeit (und während vielen weiteren Anlässen über das Jahr verteilt) trinken die Leute, weil sie besoffen sein wollen.

Vielleicht nicht Sturzbetrunken (das will ich schwer hoffen), aber doch zumindest schön angetrunken. Wir wollen den angenehmen verschwommenen Punkt erreichen, wo wir anfangen zu entspannen, die Hemmungen und Ängste langsam abfallen, die Umgebung einen schönen Schein annimmt, Leute, mit denen Du sonst nicht sprechen würdest, erzählen Dir interessanten Dinge und Leute, Die du normalerweise nicht Daten würdest, erscheinen plötzlich – ja, irgendwie entwicklungsfähig. Aber Getränke haben doch nicht viele Carbs oder? Also wo liegt eigentlich das Problem?

Nun gut, wenn Du Dir darüber Gedanken machst, bist Du hier richtig. Ich werde Dich nicht tadeln oder Dir verbieten zu trinken. All das wäre nichts anderes als der Versuch einem Schwein das Singen beizubringen. Geradezu nervig für das Schwein und dazu noch völlig sinnlos. Ich werde aber versuchen ein paar Mythen zu beseitigen, die Pros und Contras zu erläutern und Dir dabei helfen deinen eigenen Weg zu finden zu dem sagenumwobenen Ort der "moderat" genannt wird und an dem Du, zumindest theoretisch, maximalen Spaß haben kannst, mit minimalem Schaden für Deine Figur.

Zuerst die gute Nachricht: Du kannst einen ganzen Raum mit Studien füllen, die die gesundheitlichen Vorzüge von moderaten Mengen Alkohol beweisen. Die schlechte Nachricht ist: Zumindest für viele Menschen die anfällig für Zucker und Carbs sind, scheint das Wort "moderat" ein Fremdwort zu sein. In den Studien wurde moderat mit 1-2 Gläsern Rotwein gleichgestellt. Zu all den, in den Studien aufgeführten Vorzügen, die sich für Männer ergeben, kommen auch noch ein paar coole Verbindungen zwischen Alkoholkonsum und dem Verlauf von Brustkrebs bei Frauen, aber das ist eine andere Geschichte.

Moderater Konsum von Rotwein wurde damit in Verbindung gebracht die Häufigkeit von koronaren Herzerkrankungen zu senken. Der Grund des gesundheitlichen Nutzens scheint eine wundersame chemische Verbindung zu sein, die sich Resveratrol nennt. Resveratrol ist eine Art Super-Antioxidant und viele Ernährungswissenschaftler, inklusive mir, halten es für das stärkste Anti-aging Mittel, das man überhaupt zu sich nehmen kann.

Zu all den vielen anderen ausgezeichneten Eigenschaften kommt hinzu, dass es die Trombozytenaggregation reduziert, wodurch das Blut weniger klebrig wird. Zudem ist es Entzündungshemmend und sein Einfluss auf die die Oxidation vom (bösen) LDL Cholesterin verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Ablagerungen entstehen, die zu weiteren Problemen führen. In einigen Reagenzglasstudien scheint es sogar die Entstehung von Tumoren zu hemmen. Und aufgrund seiner Funktion als Phytoöstrogen kann es eine Rolle bei der Hemmung menschlicher Brustkrebszellen spielen. Bevor wir hier aber etwas mit Sicherheit sagen können, ist noch weit mehr Forschungsarbeit notwendig.

Resveratrol ist als etwas Gutes, daran besteht kein Zweifel.

Weine, die in einem kalten Klima angebaut werden (wie Cabernet Sauvignon oder Weine aus Bordeaux oder Kanada), haben eine höhere Konzentration Resveratrol als Weine aus seiner trockenen Anbaugegend. Pinot Noir hat die höchste Konzentration an Resveratrol, unabhängig vom Klima in dem die Trauben angebaut wurden.

Rotwein hat mit ungefähr 2-3 Gramm auf ein 4 Unzen Glas (ca. 120ml) außerdem auch wenig Kohlenhydrate. Die Erfahrungen, die hunderte Low-Carb-Anhänger gemacht haben, die ich im Laufe der Jahre befragt habe ist, dass ein gelegentliches Glas Wein oder zwei zum Essen keinen merkbaren Einfluss auf den Gewichtsverlust haben. Davon ausgegangen, Du machst sonst alles andere richtig. Wenn Du Dich beispielsweise an die Atkins Diät hältst, kannst Du Wein als Bestandteil eines Belohnungsessens zu Dir nehmen. Wenn Du in einer der weiterführenden Stufen der Atkins Diät bist oder auf Stufe 2 bei Protein Power, gibt es ebenfalls keinen Grund die paar Gramm Carbs nicht einfach zu Deiner täglichen Bilanz dazu zu zählen.

Alkohol - Teil II: Eine lebhafte Diskussion

Ok, Rotwein ist also relativ gut, wenn man die gesundheitlichen Aspekte betrachtet aber was ist mit Spirituosen? Vodka, Rum, Gin und der ganze Rest der Zero-Carb-Drinks (angenommen man mischt sie nicht mit hochkalorischen Zuckergetränken, was tödlich enden kann). Was ist damit?

Ok, lasst uns in das Thema einsteigen: Gin, Rum, Vodka und Whiskey (ca. 40% Alk.) haben zwischen 64 und 82 Kalorien pro Unze (ca. 30ml) und keine Carbs. Macht sie das zu einem Snack für zwischendurch? Nur schwerlich. Zum einen serviert keine Bar in den USA eine Unze Drinks, zumindest nicht das letzte Mal als ich geschaut habe.

Zum anderen lasst uns mal ehrlich sein: Die wenigsten genehmigen sich nur einen Drink. Also müsste man sich theoretisch nach 4 oder mehr Unzen ausrichten, die an einem durchschnittlichen Abend in Gesellschaft getrunken werden. Mit dieser Rechnung kommt man auf etwas zwischen 256 und 358 Kalorien, und ich rechne hier noch konservativ. Aber solange das ganze keine Carbs hat, müssen wir uns ja nicht darüber Sorgen machen, richtig? Und ob.

Wie Leser dieses Magazins (und meines Buches "Living the Low Carb Life") wissen, ist das Thema mit den Kalorien etwas, das schrecklich oft falsch verstanden wird in der Low-Carb-Community. Wegen der starken Gewichtung der Hormonellen Reaktionen auf Nahrungsmittel, dem kontrollieren des Blutzuckerspiegels und das Zügeln des fettspeichernden Hormons Insulin, haben sich die ersten Low-Carb Bücher nicht auf das Kalorienzählen konzentriert und das mit gutem Grund. Kalorien sind nicht die ganze Geschichte und Kalorien aus unterschiedlichen Lebensmitteln verhalten sich unterschiedlich im Körper und werden unterschiedlich verstoffwechselt. Die Tatsache, dass Kalorien nicht der große Star der Abnehm-Show sind, heißt aber nicht, dass sie keine wichtige Rolle spielen. Das tun sie nämlich. Kalorien sind wichtig und Alkohol kann am Ende des Tages – leider – eine Menge Kalorien auf deine Gesamtbilanz aufschlagen.

Diese Kalorien müssen dann sofort verbrannt werden und alles andere muss warten. So funktioniert es: Stell Dir Alkohol als eine Art Autokorso für einen Präsidenten vor, der durch die Straßen einer großen Stadt fährt. Alle anderen Autos fahren an den Straßenrand um für den Autokorso Platz zu machen und es kann kein Verkehr mehr stattfinden bis das "Freie Fahrt" Zeichen erteilt wurde. Gleichermaßen kann unser Körper keinen Alkohol speichern, also muss er ihn als erstes verbrennen. All die anderen Stoffwechselprozesse wie z.B. der Metabolismus von Fett und Glukose müssen ausgesetzt werden, während der Körper mit dem Alkohol beschäftigt ist.

Wenn dann der Autokorso die Straße verlassen hat, können die Dinge wieder normal ablaufen, aber während dessen passiert mit Fett genauso wenig wie mit dem Verkehr. Dr. Mary Vernon, Vizepräsident der Gesellschaft Amerikanischer Ärzte mit dem Spezialgebiet Magenverkleinerung, und CoAutor von "Atkins Diabetes Revolution" erklärt das ganze kurz und bündig: "Alkohol schaltet die Fettverbrennung auf der zellulären Ebene aus." Und nach Dr. Gil Wilshire, Leiter der renommierten Non-Profit-Organisation, dem "Carb-Aware Council" in Washington DC, verhält sich Alkohol - auch wenn er selbst nicht viele Kohlenhydrate hat - als eine Art "Super-Carb" im Körper. "Er hat mehr als zweimal so viele Kalorien wie Kohlenhydrate und kann die Wachstumshormonausschüttung senken.", sagt Dr. Wilshire.

Welchen Effekt hat Alkohol auf den Blutzucker und auf Insulin? Jetzt wird es richtig interessant. Moderater Alkoholkonsum reduziert das Risiko für Diabetes. Hier spielt der Gedanke mit hinein, dass es zu einer Erhöhung der Insulinsensitivität kommt, was in der Tat sehr positiv ist. Dr. Richard Bernstein, Autor der "Diabetes Solutions", weist darauf hin, dass Alkohol keinen direkten Effekt auf den Blutzucker hat. Aber er kann den Blutzucker indirekt senken, indem er die Leber zeitweise lahmlegt und so die Umwandlung von Eiweiß und Zucker verhindert. Diese Alkohol induzierte Hypoglykämie ist ein echtes Problem für Diabetiker, und kann auch Auswirkungen auf Patienten haben die keine Diabetiker sind, vor allem, wenn sie auf nüchternen Magen trinken (Ich habe dir doch gesagt die "guten Ratschläge" verderben Dir den ganzen Spaß).

Es kommt nicht selten vor, dass jemand nach dem Genuss etlicher Cocktails auf einer Party noch nie einen Heißhunger bekommen hat (eine häufige Begleiterscheinung von zu niedrigem Blutzuckerspiegel), ganz besonders wenn man davor nichts gegessen hat. Heißhungergefühle in Verbindung mit verminderter Hemmungen und einem Überfluss an minderwertigem paniertem Essen, das es für gewöhnlich auf diesen Partys gibt, ist nicht gerade die ideale Ausgangssituation für jemanden, der sein Gewicht halten (oder abnehmen) will. Und wenn Du Alkohol trinkst, während Du gleichzeitig viele Kohlenhydrate isst, wird Dein Blutzucker länger erhöht sein, weil Dein Körper erst mit all dem Alkohol fertig werden muss.

Was ist also der beste Ratschlag für jemanden der seine Urlaubszeit genießen will ohne sich komplett zu mästen? Unsexy wie es nun mal ist, ist die Antwort sich zu mäßigen. Alkohol zusammen mit Essen reduziert das Risiko einer Hypoglykämie für die meisten Menschen. Es beim Rotwein zu belassen (wegen der gesundheitlichen Vorzüge) und keine Mixgetränke zu konsumieren ist eine gute Idee. "In kleinen Mengen ist Alkohol relativ gutartig.", sagt Dr. Bernstein. "Aber wenn Du ein Typ bist, der sich beim Trinken keine Grenzen setzen kann, dann solltest Du es ganz lassen." Und das ist ein großes Aber.

Alkohol ist das Paradebeispiel für das Sprichwort: "Die Menge macht das Gift." Viele Autoren - insbesondere Dr. Kathleen DesMaison, Autorin von "The Sugar Addict’s Total Recovery Program" – haben darauf aufmerksam gemacht, dass eine mehr als nur zufällige Beziehung zwischen Zuckersucht und Alkoholismus besteht. Manche Leute können sich einfach nicht zügeln, wenn es ums Thema Alkohol (oder Kohlenhydrate, oder Zucker) geht. Wenn das auf Dich auch zutrifft, dann vergiss die gesundheitlichen Vorzüge von Alkohol. – Sie gelten für Dich nicht.

Wenn diese Beschreibung auf Dich nicht zutrifft, dann esse, trinke, sei fröhlich und genieße es.

Das sollten die Anderen übrigens auch, nur eben das Trinken weglassen.

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