No Brain - No Gain Med #2/2010

Anatomische Grundlagen (II)

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Disclaimer - Hinweis zu Gesundheitsthemen
Jeder Körper ist individuell und daher erfordert jede Therapie eine vorausgegangene Diagnostik durch entsprechend ausgebildetes medizinisches Fachpersonal. Die Darstellungen von Krankheitsbildern und mögliche Therapieansätze sind immer als allgemeine Darstellung zu verstehen, welche individuelle Abweichungen nicht berücksichtigen kann. Entsprechende Beiträge auf Team-Andro.com dienen rein der Information und haben nicht die Intention, eine medizinische Untersuchung zu ersetzen.

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Im zweiten Teil unserer allgemeinen Anatomiedarstellung schauen wir uns heute die Muskulatur an. Zuerst werden kurz der Aufbau und die Funktionsweise der Muskulatur dargestellt, danach erfolgt eine Vorstellung der wesentlichsten Skelettmuskeln.

Einführung in die Skelettmuskulatur

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten von Muskulatur: die glatte Muskulatur, welche das kontraktile Gewebe von Hohlräumen und Gefäßen darstellt und nicht willkürlich gesteuert werden kann. Weiterhin existieren zwei Formen der quergestreiften Muskulatur: die quergestreifte Herzmuskulatur und die quergestreifte Skelettmuskulatur. Für unsere Zusammenhänge konzentrieren wir uns auf letztere, welche fortan mit "Muskulatur" gemeint ist.

Der menschliche Körper besteht aus über 600 einzelnen Skelettmuskeln, welche je nach Anzahl der Ursprünge (Köpfe) in einköpfige Muskeln, zweiköpfige Muskeln, dreiköpfige Muskeln und vierköpfige Muskeln unterteilt werden. Ein Muskel kann mit seiner Sehne ein oder mehrere Gelenke überspringen, man differenziert daher weiter in ein- oder mehrgelenkige Muskeln. Die Funktion der Skelettmuskulatur kann man mit Bewegung, Schutz und Stabilisierung umschreiben.

Jeder Muskel hat mindestens einen Ursprung (Punctum fixum) und mindestens einen Ansatz (Punctum mobile). Als Ursprung wird in der Regel der unbewegliche Teil des Sehnen-Knochen-Übergangs bezeichnet, als Ansatz der bewegliche Teil, folglich werden die Sehnen in Ursprungs- und Ansatzsehne unterteilt, was bei den Extremitäten dazu führt, dass die Ursprungssehne immer proximal, die Ansatzsehne immer distal liegt.

Zieht ein Muskel über ein Gelenk, so bewegt es dieses Gelenk auch. Alle Muskeln, die zusammen eine Bewegung ausführen, werden als Synergisten bezeichnet. Dabei handelt es sich bei allen um Agonisten, also Muskeln, die aktiv die Bewegung ausführen. Ihnen gegenüber stehen Antagonisten, welche die entgegengesetzte Bewegung ausführen. Das Zusammenspiel der synergistisch arbeitenden Muskeln erfolgt über das ZNS und wird als intermuskuläre Koordination bezeichnet.

Aufbau und Funktionsweise der Skelettmuskulatur

Ein Muskel besteht immer aus mehreren Muskelfasern, welche eine Zellmembran (Sarkolemm) aufweisen, die von einem Mantel aus Bindegewebe (Endomysium) umhüllt wird. Mehrere Muskelfasern werden zu Muskelfaserbündeln zusammengefasst, welche wiederum von einer Hülle (Perimysium) ummantelt werden. Alle Muskelfasern eines Muskels werden dann noch einmal von einer Hülle (Epimysium) umschlossen, dessen äußerste Hülle als Muskelfaszie bezeichnet wird.

Jede einzelne Muskelfaser besteht aus vielen Myofibrillen, welche wiederum aus einzelnen Abschnitten bestehen: den Sarkomeren. Ein Sarkomer besteht primär aus den drei winzigen kontraktilen Proteinen Myosin, Aktin und Titin. Der weitere Aufbau des Sarkomers soll hier nicht näher thematisiert werden, an dieser Stelle nur so viel: Eine Muskelkontraktion wird mit Hilfe der Gleit-Filament Theorie als eine Zugbewegung der Myosinfilamenten an den Aktinfilamenten in die Mitte des Sarkomers erklärt. Durch diese Aktion verkürzt sich das Sarkomer und dies resultiert letztlich in der Kontraktion des gesamten Muskels.

Obwohl bei der Kontraktion die Filamente ihre Eigenlänge mit Ausnahme von Titin nicht verändern, verändert sich die Länge des Sarkomers: Bei einer Kontraktion wird das Sarkomer kürzer, bei einer Dehnung länger.

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Muskeln sind sehr stark durchblutet und enthalten sehr viele Nervenbahnen. Die Blutgefäße verzweigen sich dabei immer weiter in Kapillaren, welche jede Muskelfaser umgeben. Auch die Nerven teilen sich mehr und mehr auf und treten letztlich als motorische Endplatte in Kontakt mit der Zellmembran.

Je nach Aufbau der Muskelfaser differenziert man in verschiedene Muskelfasertypen, wobei jeder Muskel immer alle Typen (in unterschiedlichen Anteilen) enthält. Stark vereinfacht kann man zwei Typen unterteilen: Rote, langsam zuckende Fasern (ST) und weiße, schnell zuckende Fasern (FT). Die ST-Fasern sind dabei für langsame und ausdauernde Belastungen zuständig. Sie besitzen eine hohe Anzahl an Mitochondrien und aeroben Enzymen, viel Myoglobin (Sauerstoffträger) und Glykogen, dafür weniger anaerobe Enzyme und Creatinphosphat, werden langsamer innerviert und haben ein geringeres Hypertrophiepotential als die FT-Fasern, bei denen es sich genau umgekehrt verhält.

Da Muskelzellen über keine Teilungsfähigkeit verfügen, erfolgt ein Dickenwachstum (Hypertrophie) nach einem entsprechenden Wachstumsreiz, immer über eine Verschmelzung von aktivierten Sattelitenzellen (Myoblasten), welche sich unter der Muskelfaszie befinden, miteinander, wodurch Myotuben entstehen. Diese Myotuben werden im Anschluss zu einem Teil der Muskelfaser umgewandelt.

Folgend werden die wesentlichsten Muskeln dargestellt. Die Einteilung erfolgt an Hand der Lage, nicht aufgrund der primären Einwirkung auf ein Gelenk.


Die Schultermuskulatur

M. Deltoideus

Ursprung: Vorderer Anteil (Pars clavicularis): Schlüsselbein, Mittlerer Anteil (Pars acromialis): Acromion, Hinterer Anteil (Pars spinalis): Schulterblatt (Spina scapulae)

Ansatz: Oberarmknochen (Tuberositas deltoidea humeri)

Funktion: Pars clavicularis: Anteversion nach vorne, Innenrotation, Pars acromialis: Abduktion, Pars spinalis: Retroversion, Außenrotation


Die Armbeugemuskulatur

M. biceps brachii

Ursprung: Langer Kopf (Caput longum): Schulterblatt (Tuberculum supraglenoidale), Kurzer Kopf (Caput breve): Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts (Processus coracoideus scapulae)

Ansatz: Speiche (Tuberositas radii) und Elle (Ulna)

Funktion: Flexion und Supination des Unterarmes, Caput longum: Abduktion im Schultergelenk, Caput breve: Adduktion im Schultergelenk, beide Köpfe: Anteversion und Innenrotation im Schultergelenk

M. Brachialis

Ursprung: Humerusschaft

Ansatz: Ellenrauhigkeit (Tuberositas ulnae)

Funktion: Flexion des Unterarmes

M. Brachioradialis

Ursprung: seitlicher Rand des Humerus (Crista supracondylaris lateralis)

Ansatz: Radius (Processus styloideus radii)

Funktion: Supination und Flexion des Unterarmes

M. Coracobrachialis

Ursprung: Processus coracoideus scapulae

Ansatz: Innenseite des Humerus

Funktion: Adduktion, Anteversion und Innenrotation des Oberarmes

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Thorax und Oberarmvorderseite



Armstreckermuskulatur

M. triceps brachii

Ursprung: Langer Kopf (Caput longum): Schulterblatt (Tuberculum infraglenoidale), Mittlerer Kopf (Caput mediale): medial am Humerus, Seitlicher Kopf (Caput laterale): lateral am Humerus

Ansatz: Hakenfortsatz der Elle (Olecranon)

Funktion: Extension im Ellenbogen, Caput longum: Retroversion und Adduktion im Schultergelenk

Schulterblatt und Armrückseite
Schulterblatt und Armrückseite



Die Unterarmmuskulatur

M. pronator quadratus

Ursprung: distales Viertel der Elle (Ulna)

Ansatz: Vorderfläche der Speiche (Radius)

Funktion: Pronation des Unterarms

M. pronator teres

Ursprung: Knochenvorsprung der medialen Humerusseite (Epicondylus medialis humeri), Kronfortsatz der Ulna (Processus coronoideus ulnae)

Ansatz: Außenseite des Radius (Tuberositas pronatoria)

Funktion: Pronation des Unterarmes

M. Supinator

Ursprung: lateraler Knorren des Oberarmknochens (Epicondylus lateralis humeri), Seitenfläche der Ulna, Ligamentum anulare radii

Ansatz: Mitte des Radius

Funktion: Supination des Unterarms

M. flexor carpi ulnaris

Ursprung: Oberarmkopf (Caput humerale): Epicondylus medialis humeri, Ellenkopf (Caput ulnare): Hinterfläche der Ulna

Ansatz: Erbsenbein (Os pisiforme), Hakenbein (Os hamatum), Mittelhandknochen (Os metacarpale V)

Funktion: Flexion des Handgelenkes, Abduktion der Ulna, Flexion im Ellenbogen

M. flexor capri radialis

Ursprung: Epicondylus medialis humeri

Ansatz: Basis des Mittelhandknochens II (Ossa metacarpalia)

Funktion: Flexion und radiale Abduktion im Handgelenk, Flexion im Ellenbogen

M. palmaris longus

Ursprung: Epicondylus medialis humeri

Ansatz: Hohlhandsehne (Aponeurosis palmaris)

Funktion: Flexion des Handgelenkes

M. flexor pollicis longus

Ursprung: Vorderseite des Radius, Zwischenknochenmembran (Membrana interossea)

Ansatz: Endphalanx des Daumens

Funktion: Flexion des Daumens und des Handgelenkes

M. flexor digitorum profundus

Ursprung: Vorderfläche der Ulna, Membrana interossea

Ansatz: Endglieder der 2.-5. Fingerglieder

Funktion: Flexion der 2.-5. Finger und der Hand

M. flexor digitorum superficialis

Ursprung: Oberarmknochen-Ellen-Kopf (Caput humeroulnare): Humerus (Epicondylus medialis) und Ulna (Tuberositas ulnae), Speichenkopf (Caput radiale): Vorderfläche des Radius

Ansatz: Basis der mittleren 2.-5. Fingerglieder

Funktion: Flexion der 2.-5. Finger und der Hand

M. extensor capri ulnaris

Ursprung: Oberarmkopf (Caput humerale): Humerus (Epicondylus lateralis), Ellenkopf (Caput ulnare): Ulna (Olecranon)

Ansatz: Basis des Mittelhandknochens V (Os metacarpale V)

Funktion: Ulnarabduktion, Dorsalflexion des Handgelenks, Extension im Ellenbogen

Mm. extensores carpi radials longus und brevis

Ursprung: Langer Kopf (Caput longus): Humerus (Crista supracondylaris lateralis), Kurzer Kopf (Caput brevis): Epicondylus lateralis des Oberarmknochens

Ansatz: Caput longum: Basis des Mittelhandknochens II (Os metacarpale II), Caput brevis: Basis des Mittelhandknochens III (Os metacarpale III)

Funktion: Radialabduktion der Hand, Dorsalextension im Handgelenk, Caput longum: Flexion im Ellenbogen

M. extensor digitorum

Ursprung: Oberarmknochen (Epicondylus lateralis humeri)

Ansatz: Dorsalseite der 2.-5. Fingerglieder

Funktion: Extension der Hand und der Finger

Mm. extensor pollicis longus und brevis

Ursprung: M. extensor pollicis longus: Hinterseite der Ulna, Membrana interossea, M. extensor pollicis brevis: Hinterfläche des Radius, Membrana interossea

Ansatz: Endglied des Daumens

Funktion: Extension des Daumens

Frontansicht Unterarm
Frontansicht Unterarm


Rückansicht Unterarm
Rückansicht Unterarm


Rückansicht Unterarm (Tiefenmuskulatur)
Rückansicht Unterarm (Tiefenmuskulatur)



Die Brustmuskulatur

M. pectoralis maior

Ursprung: Pars clavicularis: Schlüsselbein (Clavicula), Pars sternocostalis: Brustbein (Thorax) und Pars abdominalis: Scheide des geraden Bauchmuskels

Ansatz: Oberarmknochen (Crista tuberculi majoris humeri)

Funktion: Adduktion und Innenrotation des Armes, Retroversion des gestreckten Armes, Caput clavicularis: Anteversion

M. pectoralis minor

Ursprung: 2.-5. Rippe

Ansatz: Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus)

Funktion: Depression und Rotation des Schultergürtels, Heben der Rippen (Atemhilfskuskulatur)

M. serratus anterior

Ursprung: Oberer Teil (Pars superior): 1.-2- Rippe, Mittlerer Teil (Pars divergens): 2.-4. Rippe, Unterer Teil (Pars Convergens): 4.-9. Rippe

Ansatz: Scapula

Funktion: Kippen des Schulterblattes, Heben der Rippen (Atemhilfsmuskulatur)


Die Rückenmuskulatur

M. Trapezius

Ursprung: Absteigender Teil (Pars descendens): Hinterhauptschuppe (Protuberantia occipitalis externa), Dornfortsatz des 7. Halswirbels, Mittlerer Teil (Pars transversa): Dornfortsätze des 1.-4. Halswirbels, Aufsteigender Teil (Pars ascendens): Dornfortsätze des 5.-12. Halswirbels

Ansatz: Pars descendens: Clavicula, Pars transversa: medialer Rand des Acromions, Pars ascendens: Schulterblattgräte (Spina scapulae)

Funktion: Pars descendens: Elevation der Schulter, Rotation des Kopfes, Pars transversa: zieht Schulterblätter nach medial, Pars ascendens: Depression der Schulter, Schulterblattdrehung

M. latissimus dorsi

Ursprung: Dornfortsätze der untersten 6 Brustwirbel, Lendenfaszie (Fascia thoracolumbalis), Kreuzbein, Darmbeinkamm (Crista iliaca)

Ansatz: Kleinhöckerleiste des Humerus (Crista tuberculi minoris humeri)

Funktion: Adduktion, Innenrotation und Retroversion des Armes

M. levator scapulae

Ursprung: Querfortsätze des 1. und 2. Halswirbels, Tubercula posteriora des 3. und 4. Halswirbels

Ansatz: obere Schulterblattecke

Funktion: Elevation des Scapula

M. rhomboideidus maior

Ursprung:Dornfortsätze des 1.-4. Halswirbels

Ansatz: Scapula (Margo medialis)

Funktion: Retraktion des Scapula, Fixierung des Scapula

M. rhomboideidus minor

Ursprung: Dornfortsätze des 6. und 7. Halswirbels

Ansatz: Scapula (Margo medialis)

Funktion: Retraktion des Scapula, Fixierung des Scapula

M. teres maior

Ursprung: Laterales unteres Ende des Schulterblattes(Angulus inferior scapulae)

Ansatz: Kleinhöckerleiste des Humerus (Crista tuberculi minoris humeri)

Funktion: Adduktion, Innenrotation des Armes

M. teres minor

Ursprung: Laterales unteres Ende des Schulterblattes (Margo lateralis scapulae)

Ansatz: Humerus (Tuberculum majus)

Funktion: Außenrotation, Adduktion, Stabilisation des Oberarmkopfes

M. Subscapularis

Ursprung: Rippenseite des Scapula (Fossa subscapularis)

Ansatz: Humerus (Tuberculum minus humeri)

Funktion: Innenrotation und Adduktion des Oberarmes

M. Supraspinatus

Ursprung: Obergrätengrube der Scapula (Fossa supraspinata scapulae)

Ansatz: Humerus (Tuberculum majus humeri)

Funktion: Abduktion und Außenrotation des Oberarmes, Stabilisierung des Schultergelenkes

M. Infraspinatus

Ursprung: Untergrätengrube des Schulterblatts (Fossa infraspinata)

Ansatz: Humerus (Tuberculum majus / Facies musculi infraspinati)

Funktion: Außenrotation, Adduktion und Abduktion des Oberarmes, Stabilisierung des Schultergelenkes

M. teres minor, M. subscapularis, M. supraspinatus und M. infraspinatus werden als Rotatorenmanschette zusammengefasst.

Rückansicht Oberkörper
Rückansicht Oberkörper


M. erector spinae

Der M. erector spinae (auch autochthone Rückenmuskulatur) umfasst ein komplexes System von Muskelfasern, die sich teils überlappen. Der M. erector spinae verläuft beidseitig entlang der Wirbelsäule (Columna vertebralis) vom Becken (Pelvis) bis zum Kopf (Caput). Man schreibt ihr zwei primäre Aufgaben zu: Stabilisierung und Aufrichtung der Wirbelsäule. Umgeben wird sie von der Fascia thoracolumbalis. Man differenziert auf einer ersten Ebene in Tractus lateralis / superficialis und Tractus medialis / profundus.

Den Tractus lateralis unterteilt man wiederum in:
  • Intertransversales System (Systema intertransversale): Die Mm. intertransversarii verbinden jeweils einen Querfortsätze (Processus transversus) mit dem eines weiter cranial gelegenen Wirbels und wird je nach Lage noch weiter ausdifferenziert.
  • Spinotransversales System (Systema spinotransversale): Diese ziehen von den Dornfortsätzen (Processus spinosi) zu den Querfortsätzen weiter cranial gelegener Wirbel. Das System umfasst die Mm. Splenii, also M. splenius cervicis und M. splenius capitis
  • Sakrospinales System (Systema sacrospinale): Hierzu gehören M. longissimus und M. iliocostalis. Der M. longissimus wird entsprechend ihrer Ursprünge in vier Bereich untergliedert: M. longissimus lumborum, M. longissimus thoracis, M. longissimus cervicis und M. longissimus capitis. Die Funktion besteht in der Extension und der Lateralflexion der Wirbelsäule. Der M. iliocostalis wird in drei Bereiche untergliedert: M. iliocostalis lumborum, M. iliocostalis thoracis, M. iliocostalis cervicis und liegt distal vom M. longissimus. Seine Funktionen gleichen denen des M. longissimus.
  • Rippenhebemuskeln (Mm. levatores costarum): Diese Muskeln ziehen von den Rippen zu weiter cranial liegenden Wirbeln, wobei sie ein oder zwei Wirbel überspringen. Sie vollziehen eine Lateralflexion, bzw. eine Dorsalextension.
  • Tiefes Nackendreieck (Trigonum suboccipitale / Mm. suboccipitales): Die Muskeln der Mm. suboccipitales sorgen für die Feinmotorik des Kopfes.
Die Muskeln des Tractus lateralis ermöglichen viele verschiedene Bewegungen, haben aber dennoch primär statisch stabilisierende Funktion.

Den Tractus medialis unterteilt man in:
  • Interspinales System (Systema interspinale): Hierzu zählen die Mm. interspinalis, welche jeweils einen Dornfortsatz (Processus spinosus) mit einem darüberliegenden verbinden und im Bereich der Brustwirbelsäule nur rudimentär ausgeprägt sind und der M. spinalis, welcher drei Bereiche untergliedert wird: M. spinalis thoracis, M. spinalis cervicis und spinalis capitis. Beide Muskeln stabilisieren die Wirbelsäule.
  • Transversospinales System (Systema transversospinale): Das System umfasst die Mm. rotatores breves und longes, Mm. Multifidi und den M.semispinalis, die jeweils in thoracis, cervicis und capiti unterteilt werden. Allesamt ziehen von den Querfortsätzen (Processus transversus) zu den Dornfortsätzen (Processus spinosus) dem darüberliegenden Wirbelkörper. Die Namensgebung der Muskeln ergibt sich aus der Anzahl der Wirbel, die sie überspringen. Bei einem Segment: M. rotator brevis, bei zwei Segmenten M. rotator longus, zwischen drei und fünf Segmenten M. multifidus und ab sechs Segmenten M. Semispinalis.
Der mediale Trakt hat primär dynamische Funktion.

Rückansicht Oberkörper (Tiefenmuskulatur)
Rückansicht Oberkörper (Tiefenmuskulatur)



Die Bauchmuskulatur

M. rectus abdominis

Ursprung: 5.-7. Rippe, Sternum

Ansatz: Schambein (Os pubis)

Funktion: Rumpfflexion bei fixiertem Becken, Elevation des Beckens bei fixiertem Rumpf, Lateralflexion des Rumpfes, Assistieren bei der Ausatmung (Exspiration) und der Bauchpresse

M. obliquus externus abdominis

Ursprung: 5.-12. Rippe

Ansatz: Darmbeinkamm(Crista iliaca), Leistenband (Ligamentum inguinale) und Scheide des geraden Bauchmuskels (Linea alba)

Funktion: Flexion, Lateralflexion und Rotation des Rumpfes, Assistieren bei der Exspiration und der Bauchpresse

Musculus obliquus internus abdominis

Ursprung: Darmbeinkamm (Crista iliaca), Leistenband (Ligamentum inguinale)und Lendenfaszie (Fascia thoracolumbalis)

Ansatz: 9.-12. Rippe, Linea alba

Funktion: Flexion, Lateralflexion und Rotation des Rumpfes, Assistieren bei der Exspiration und der Bauchpresse

M. transversus abdominis

Ursprung: 7.-12- Rippe, Ligamenta inguinale, Crista iliaca, Fascia thoracolumbalis

Ansatz: Linea alba, Schambein (Crista pubica)

Funktion: Absenken der Rippen, Assistieren bei der Exspiration und der Bauchpresse

M. quadratus lumborum

Ursprung: Crista iliaca

Ansatz: Unterkante der untersten Rippe, 1.-3. Lendenwirbel

Funktion: Lateralflexion, Exspiration

Seitansicht Bauchmuskulatur
Seitansicht Bauchmuskulatur


Detailansicht schräge und transversale Bauchmuskulatur
Detailansicht schräge und transversale Bauchmuskulatur



Die Hüftbeugemuskulatur

M. Iliopsoas

Der M. iliopsoas besteht aus 3 Teilen, welche unterschiedliche Ursprünge, aber einen gemeinsamen Ansatz haben: M. psoas maior, M. psoas minor, M. Iliacus.

Ursprung: M. psoas maior: Seitenflächen des 12. Brustwirbels, 1.-4. Lendenwirbel, M. psoas minor: Wirbelkörper des 12 Brustwirbels und 1. Lendenwirbels, M. iliacus: Darmbeingrube (Fossa iliaca), vorderer unterer Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior inferior), Hüftgelenkskapsel

Ansatz: kleiner Rollhügel (Trochanter minor) des Femur

Funktion: Flexion, Innenrotation, Außenrotation im Hüftgelenk, Beckenkippung, Lateralflexion der Wirbelsäule

Hüfte und Oberschenkelvorderseite
Hüfte und Oberschenkelvorderseite



Die Oberschenkelstreckmuskulatur

M. quadriceps femoris

Als M. quadriceps femoris werden vier Muskeln zusammengefasst bezeichnet: M. rectus femoris, M. vastus lateralis, M. vastus medials, M. vastus intermedius, die untershciedliche Ursprünge, aber einen gemeinsamen Ansatz haben.

Ursprung: M. rectus femoris: Spina iliaca anterior inferior, oberer Rand der Beckenpfanne (Acetabulums), M. vastus lateralis: Sehnenplatte am kranialen Teil der Linea intertrochanterica, am Trochanter major und an der Linea aspera, M. vastus medialis: Innenfläche des Femur, distaler Teil der Linea intertrochanterica, M. vastus intermedius: Vorderfläche des Femur

Ansatz: Über die Kniescheibe (Patella) in das Ligamentum patellae, welches an einer Aufrauhung des Unterschenkels (Tuberositas tibiae) inseriert.

Funktion: Extension des Kniegelenkes, M. rectus femoris: Flexion im Hüftgelenk


Die Gesäßmuskulatur

M. gluteus maximus

Ursprung: oberflächlicher Anteil: Kreuzbein (Os sacrum), Steißbein (Os coccygis), Darmbeinkamm (Crista iliaca), hinterer oberer Darmbeinstachel (Spina iliaca posterior superior), Lendenfaszie (Fascia thoracolumbalis), tiefer Anteil: Darmbeinschaufel (Ala ossis ilii), Kreuzbein-Sitzbein-Band (Ligamentum sacrotuberale), mittlere Gesäßmuskel-Faszie (Aponeurosis glutea)

Ansatz: körpernaher Anteil: Oberschenkel-Faszienstreifen (Tractus iliotibialis), körperferner Anteil: Gesäßmuskel-Aufrauung (Tuberositas glutea)

Funktion: Extension, Außenrotation, Adduktion und Abduktion der Hüfte

M. gluteus medius

Ursprung: Außenfläche (Facies glutea) der Darmbeinschaufel (Os ilium), Crista iliaca

Ansatz: großer Rollhügel (Trochanter maior) des Oberschenkelknochens (Femur)

Funktion: Abduktion, Innenrotation, Außenrotation, Flexion, Extension im Hüftgelenks, Stabilisierung des Beckens beim Gehen

M. gluteus minimus

Ursprung: Fascies glutea des Os ilium

Ansatz: Trochanter maior des Femur

Funktion: Innenrotation, Außenrotation und Flexion im Hüftgelenk, Lateralflexion der Lendenwirbelsäule, Beckenkippung nach vorne


Die Oberschenkelbeugemuskulatur

M. biceps femoris

Ursprung: Caput longum: Sitzbeinhöcker (Tuber ischiadicum), Caput breve: Rückseite des Femur im lateralen Bereich der "rauen Linie"

Ansatz: Kopf des Wadenbeins (Caput fibulae)

Funktion: Caput longum: Extension und Außenrotation in der Hüfte, Flexion und Außenrotation im Kniegelenk, Caput breve: Flexion und Außenrotation im Kniegelenk

M. Semimembranosus

Ursprung: Tuber ischiadicum

Ansatz: medialer Schienbeingelenksknorren (Epicondylus medialis)

Funktion: Extension und Adduktion im Hüftgelenk, Flexion, Innenrotation im Kniegelenk

M. Semitendinosus

Ursprung: Tuber ischiadicum

Ansatz: lateral der Schienbeinrauhigkeit am "Gänsefüßchen" (Pes anserinus superficialis)

Funktion: Extension und Adduktion im Hüftgelenk, Flexion, Innenrotation im Kniegelenk

M. biceps femoris, M. semitendinosus und M. semimembranosus werden als M. ischiocrurales zusammengefasst.

M. Sartorius

Ursprung: vorderer oberer Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior)

Ansatz: medialer Rand der Schienbeirauhigkeit (Pes anserinus superficialis)

Funktion: Flexion der Hüfte, Außenrotation und Abduktion des Femur, Flexion und Innenroatation des Unterschenkels (crus)

Gesäß und Oberschenkelrückseite
Gesäß und Oberschenkelrückseite


M. adductor magnus

Ursprung: unterer Schambeinast (Ramus inferior ossis pubis), Sitzbeinast (Ramus ossis ischii), Tuber ischiadicum

Ansatz: raue Linie an der Femurinnenseite (Labium medialis der Linea aspera), innerer Gelenkfortsatz des Femur (Tuberculum adductorium)

Funktion: Adduktion und Innenrotation des Femur

M. adduktor brevis

Ursprung: Ramus inferior ossis pubis

Ansatz: proximales Drittel der rauen Linie (Linea aspera) des Femur

Funktion: Adduktion und Außenrotation des Femur

M.adductor longus

Ursprung: unterhalb des Schambeinhöckers (Ramus superior)

Ansatz: mittleres Drittel der Linea aspera des Femur

Funktion: Flexion in der Hüfte, Adduktion des Femur

M. Pectineus

Ursprung: Schambeinkamm(Pecten ossis pubis, Tuberculum pubicum, Ligamentum pubicum superior)

Ansatz: Innenseite des Femur (Linea pectinea)

Funktion: Flexion und Außenrotation im Hüftgelenk, Adduktion des Femur

M. Gracilis

Ursprung: unterer Schambeinast (Ramus inferior ossis pubis)

Ansatz: Pes anserinus superficialis

Funktion: Flexion und Adduktion im Hüftgelenk, Flexion und Innenrotation im Kniegelenk

M. tensor fasciae latae

Ursprung: vorderer oberer Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior)

Ansatz: seitlicher Knorren des Schienbeins (Condylus lateralis tibiae)

Funktion: Flexion des Hüftgelenkes, Innenrotation und Abduktion des Femur, Flexion und Extension im Kniegelenk, Spannung der Fascia latae (Unterstützung der Zuggurtung)

Detailansicht Adduktoren
Detailansicht Adduktoren



Die Wadenmuskulatur

M. Gastrocnemius

Ursprung: Caput laterale: Femur (Epicondylus lateralis), Caput mediale: Femur (Epicondylus medialis)

Ansatz: über die Achillessehne (Tendo calcaneus) am Fersenbein (Calcaneus)

Funktion: Plantarflexion und Supination im Sprunggelenk, Flexion im Kniegelenk

M. Soleus

Ursprung: Dorsalseite des Wadenbeinköpfchens (Caput fibulae), Hinterfläche von Wadenbein (Fibula) und Schienbein (Linea musculi solei)

Ansatz: über die Achillessehne (Tendo calcaneus) am Fersenbein (Calcaneus)

Funktion: Plantarflexion und Supination im Sprunggelenk

Der M. gastrocnemius und der M. soleus werden als M. triceps surae zusammengefasst.

M. flexor digitorum longus

Ursprung: Rückseite der Tibia

Ansatz: Endglieder der 2.-5. Zehen

Funktion: Plantarflexion des Sprunggelenkes

M. flexor hallucis longus

Ursprung: Hinterfläche der Fibula, Membrana interossea

Ansatz: Endglied der Großzehe

Funktion: Flexion der großen Zehe, Unterstützung bei der Plantarflexion im Sprunggelenk

M. tibialis posterior

Ursprung: Hinterfläche von Fibula und Tibia, Membrana interossea

Ansatz: Kahnbein (Os naviculare), Keilbein (Os cuneiforme) und Basis des Mittelfußknochens I

Funktion: Plantarflexion und Supination im Sprunggelenk

Unterschenkelrückseite
Unterschenkelrückseite


Unterschenkelrückseite (Tiefenmuskulatur)
Unterschenkelrückseite (Tiefenmuskulatur)



Die Schienbeinmuskulatur

M. tibialis anterior

Ursprung: Vorderfläche der Tibia (Condylus lateralis), Membrana interossea

Ansatz: mediales Os cuneiforme, Basis des 1. Mittelfußknochens (Os metatarsale I)

Funktion: Dorsalflexion, Supination und Pronation im Sprunggelenk

M. extensor digitorum longus

Ursprung: Tibia, Fibula, Membrana interossea

Ansatz: Sehne der 2.-5. Zehen

Funktion: Dorsalflexion der Zehen

M. extensor hallucis longus

Ursprung: Fibula, Membrana interossea

Ansatz: Sehne und Endglied des Großzehes

Funktion: Dorsalextension der großen Zehe und des Fußes, Pronation

M. peronaeus longus

Ursprung: Außenseite der Fibula

Ansatz: Keilbein (Os cuneiforme mediale), Os metatarsale I

Funktion: Pronation im Sprunggelenk

M. peronaeus brevis

Ursprung: Außenseite der Fibula

Ansatz: 5. Mittelfußknochen (Os metatarsale V)

Funktion: Pronation im Sprunggelenk

Schienbein
Schienbein


Hiermit endet unser Ausflug in die Welt der Skelettmuskulatur. Ich weiß, das war eine ganze Menge Input und es ist völlig klar, dass man sich das nicht alles behält. Was wünschenswert wäre, wäre ein Grundverständnis von der Lage der wesentlichsten Muskeln und ihrer Funktionen. Das ist nicht nur im Zusammenhang mit Verletzungsbildern oder Erkrankungen interessant, sondern vereinfacht auch das Verständnis von Bewegungsabläufen bei Übungen.

In der nächsten Ausgabe wenden wir uns dann dem ersten Gelenk zu: dem Schultergelenk.

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