Unser Ausblick

Arnold Classic 2018: Teilnehmer und Favoriten

Mit der Arnold Classic in Ohio nimmt die Wettkampfsaison der IFBB Pro League Fahrt auf. Neben einem stark besetzten Feld freuen wir uns natürlich vor allem auf die deutschen Athleten und Athletinnen, deren Starts unter sehr unterschiedlichen Sternen stehen.

Am ersten März-Wochenende findet die Arnold Classic 2018 in Columbus (Ohio) statt. Wir werden für euch selbstverständlich vor Ort berichten, stellen euch im Vorfeld aber schon einmal die aussichtsreichsten Athleten und Athletinnen vor.

Men’s Bodybuilding

Der deutsche Fokus liegt natürlich auf dem Comeback von Dennis Wolf, der seinen letzten Wettkampf im Herbst 2015 in Prag absolvierte. Nach langer krankheitsbedingter Pause kehrt der große böse Wolf nun also auf die Wettkampfbühne zurück. Was ist möglich für ihn?

Dennis Wolf | Foto: Matthias Busse

Zunächst einmal ist kein Top-Athlet dabei, den Dennis nicht schon einmal geschlagen hätte. In Topform ist also alles möglich, doch wird er diese wieder erreichen? Das ist die entscheidende Frage. Seine letzten Bilder lassen vermuten, dass er in Sachen Härte an seine besten Tage wird anknüpfen können. Das könnte ein entscheidender Punkt sein, denn in den letzten Jahren zeigten die Athleten in Columbus selten eine optimale Form. Hier könnte Dennis also punkten. Bleibt die Frage, ob es ihm gelingt, auch die Muskelmasse vergangener Tage zu präsentieren. So oder so: Mit einem Dennis Wolf muss man immer rechnen. Die Daumen sind gedrückt!

Ein Selbstläufer wird es für Dennis aber nicht, dafür werden gleich eine Reihe von Topathleten sorgen. Zum einen ist da natürlich der Vorjahressieger Cedric McMillan, der sich aber damals "nur" mit dem mittlerweile verstorbenen Dallas McCarver um den Sieg streiten musste. Das diesjährige Starterfeld sieht dann schon ganz anders aus. Über Cedrics Genetik wurde schon alles gesagt: Er bringt alles mit, um sich bei jedem Wettkampf ganz oben zu platzieren, leider ist die Form bei ihm meist ein Lotteriespiel. Will er seinen Titel verteidigen, braucht er in diesem Jahr auf jeden Fall 100 %.

Cedric McMillan | Foto: Matthias Busse

Nie unterschätzen darf man Dexter Jackson, den Rekordsieger dieser Show. Eines dürfte klar sein: Dexter kommt nicht nach Columbus, um Zweiter oder Dritter zu werden, Dexter will seinen sechsten Sieg. Für ihn spricht seine unglaubliche Konstanz. Dexter scheint tatsächlich ein Mittel gefunden zu haben, das Altern aufzuhalten; er wirkt so frisch wie vor zehn Jahren. Wenngleich er in Sachen Masse nicht mit Dennis und Cedric mithalten kann, ist "The Blade" mit seiner namensgebenden Härte und seiner sehr harmonischen Linie immer ein Kandidat für den Sieg.

Dexter Jackson | Foto: Matthias Busse

Roelly Winklaar ist vielleicht der maximale Gegensatz zu Dexter: Strukturell keineswegs so gesegnet wie Dexter besticht Roelly durch seine freakige Masse. Wer die letzten Bilder von Roelly auf Instagram gesehen hat, dem dürfte die Kinnlade heruntergeklappt sein. Er ist eindeutig der Freak in diesem Feld und die Fans lieben ihn dafür. Zudem kommt er mit Rückenwind nach Columbus: Seine letzte Show in Prag konnte er gegen starke Konkurrenz, u.a. William Bonac und Dexter Jackson, gewinnen. Roelly muss aber aufpassen, dass er seine Mittelpartie unter Kontrolle hält, diese kostete ihn in der Vergangenheit nicht selten Plätze.

Roelly Winklaar | Foto: Matthias Busse

Den größten Sprung nach vorne hat in den letzten Jahren William Bonac gemacht. Mittlerweile hat er sich als feste Größe in den Top 5 der großen Shows etabliert. Seine einzige Schwäche ist seine Größe. William ist so vollbepackt mit Muskelmasse, es fehlt schlicht der Platz noch weiter aufzubauen. Formprobleme sind bei ihm selten, sodass man davon ausgehen kann, dass er erneut ein brutales Paket auf die Bühne bringen wird, das durchaus auch siegfähig sein kann.

William Bonac | Foto: Matthias Busse

Raus aus der Show ist leider Shawn Rhoden, der kurzfristig verletzungsbedingt absagen musste.

Mit etwas Abstand auf die obengenannten Athleten folgt die Schar der Verfolger. Athleten wie Lionel Beyeke und Steve Kuclo haben enormes Potenzial, können es aber nur selten abrufen. Für den Sprung in die Top 5 dürfte das nicht reichen.

Spannend aus deutscher Sicht wird natürlich auch das Pro Debüt von Paul Poloczek, der hier im vergangenen Jahr nach zwei zweiten Plätzen den Sieg im Superschwergewicht und später auch den Gesamtsieg holte und damit seine Pro Card löste. Für Paul wird es bei seiner ersten Show als Profi darum gehen, sich zu etablieren und zu beweisen, dass er neben den besten Athleten der Welt bestehen kann. Was man in den letzten Wochen sehen konnte, lässt diesbezüglich Hoffnung wachsen.

Paul Poloczek | Foto: Matthias Busse

Prognose Men’s Bodybuilding

Bei den Top 5 ist alles möglich, hier wird wohl die Tagesform entscheiden. Nicht vergessen darf man, dass in Columbus, anders als bei der Olympia, die Posingküren gewertet werden.

Das könnte für Roelly zum Nachteil werden, der in dieser Disziplin in der Vergangenheit den anderen vier Athleten, die allesamt sehr gekonnte Poser sind, meist nicht das Wasser reichen konnte.

Zudem hatte Arnold in den vergangenen Jahren immer wieder betont, dass für ihn die Ästhetik der Athleten eine wichtige Rolle spielt. Das dürfte Dennis, Cedric und Dexter in die Karten spielen. Für Dennis könnte sprechen, dass die Amerikaner diese Comeback-Geschichten lieben. In einer engen Entscheidung könnte das vielleicht ein kleiner Vorteil sein.

212-Klasse

In der 212 ist ein Dreikampf um den Sieg zu erwarten: Zwei Verteranen haben es mit einem Neuling zu tun. David Henry gehört seit vielen Jahren zur Weltelite und ist in diesem Feld wohl der Athlet mit dem höchsten Grad an Ästhetik. Davids Oberkörper gehört zu dem Besten, was es im professionellen Bodybuilding klassenübergreifend zu sehen gibt. Er hat in den vergangenen Jahren viel an seinen Beinen gearbeitet, wird diese aber wohl niemals auf Oberkörperniveau bringen. Dennoch könnte es für einen Sieg reichen, wenn er in Topform antritt, denn für ihn spricht auch seine Erfahrung bei großen Wettkämpfen.

David Henry | Foto: Matthias Busse

Diese Erfahrung teilt er mit Jose Raymond, der ebenfalls schon viele Jahre in der Weltspitze dabei ist. Strukturell ist Jose sicherlich nicht der begnadetste Athlet, jedoch macht er das durch enorme Masse und Muskeldichte wieder vergessen. Jedoch ist er damit nicht unbedingt das, was Arnold als Ideal ausgerufen hat.

Jose Raymond | Foto: Matthias Busse

Hadi Choopan schlug im vergangenen Herbst ein wie eine Bombe. Nicht wenige sahen ihn in Korea vor dem Dominator der Klasse Flex Lewis. Hadi ist ähnlich wie Jose ein sehr kompakter Athlet, wirkt aber frischer und kann mit tieferen Separationen glänzen.

Hadi Choopan | Foto: Andreas Volmari

Guy Cisternino, Charles Dixon und auch Hidetada Yamagishi, der interessanterweise für die offene Klasse gemeldet ist, sind potenzielle Kandidaten für die Top 5, dürften den frei erstgenannten aber eigentlich nicht gefährlich werden.

Prognose 212-Klasse

Auch in dieser Klasse ist die Entscheidung offen. Die schlechtesten Karten der Top 3 dürfte Jose Ramyond haben, der weder die Ästhetik David Henrys, noch die Frische in der Muskulatur von Hadi vorweisen kann.

Classic Physique

Die Klasse schlug ein wie eine Bombe. Auf der letzten O war sie für viele das Highlight schlechthin. Beste Karten dürfte der amtierende Olympia-Sieger Breon Ansley haben, der mit einem sehr ausgewogenen Körper überzeugt.

Breon Ansley | Foto: Matthias Busse

Aus den Top 5 der letzten Olympia ist neben Breon nur noch Arash Rahbar dabei, dahinter wartet ein sehr großes Feld darauf, sich auf die vorderen Plätze zu schieben. Spannung ist in dieser Klasse also vorprogrammiert.

Prognose Classic Physique

Alles andere als ein Sieg von Breon wäre eine Überraschung. In dieser noch sehr jungen Klasse ist aber vieles möglich.

Men’s Physique

Auch in der Men’s Physique ist das Feld beachtlich und mit den Plätzen 2, 3 und 4 der vergangenen Olympia auch qualitativ hochwertig besetzt. In der Weltspitze etabliert sind dabei sowohl Andre Ferguson als auch Brandon Hendrickson und auch Raymont Edmonds ist kein Unbekannter mehr.

Andre Ferguson | Foto: Matthias Busse

Vergessen werden sollte natürlich auch nicht der Vorjahressieger George Brown.

Prognose Men’s Physique

Die Klasse hat sich langsam gefunden, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die vier genannten Athleten auch in Columbus um den Sieg mitkämpfen werden.

Women’s Physique

Auch in der Women’s Physique ist das Feld quantitativ sehr stark besetzt, die meisten Topathletinnen lassen die Show in diesem Jahr jedoch aus. Aus den Top 5 der Olympia ist einzig die Viertplatzierte Kira Neuman. Auch die Vorjahressiegerin Daniely Castilho setzt in diesem Jahr aus.

Kira Neuman | Foto: Igor Kopcek

Prognose Women’s Physique

Zwar sind viele Athletinnen am Start, die Weltelite fehlt jedoch. Kira Neuman ist daher wohl klare Favoritin auf den Sieg.

Fitness International

Eigentlich wollte Regiane da Silva ihre Karriere ja nach der Fitness Olympia 2017 beenden, doch so ganz ist Regiane mit dem Profisport noch nicht fertig. Nachdem ihre ärgste Konkurrentin Oksana in diesem Jahr nicht mehr dabei ist, scheint der Weg für Regiane frei. So könnte die Arnold Classic 2018 zum größten Erfolg ihrer Karriere werden. Doch die Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen.

Regiane da Silva | Foto: Matthias Busse

Ryall Gaber, Whitney Jones und Myriam Capes sicherten sich im vergangenen Jahr Topplatzierungen bei den beiden großen Shows in Columbus und Ohio, wobei Myriam Regiane in Las Vegas sogar schlagen konnte. Und alle drei werden darauf brennen, Oksana zu beerben.

Prognose Fitness International

Für Regiane spricht ihre Erfahrung. Keine ihrer Konkurrentinnen kann in dieser Disziplin mit ihr mithalten. Der Sieg ist auf jeden Fall möglich.

Figure International

Cydney Gillon hieß die Überraschungssiegerin der vergangenen Olympia. In Abwesenheit der restlichen Weltelite um Latorya Watts und Candice Lewis-Carter dürfte Heather Dees die einzig ernsthafte Konkurrenz für Cydney sein.

Cydney Gillon | Foto: Matthias Busse

Prognose Figure International

Alles andere als ein Sieg für Cydney wäre eine faustdicke Überraschung.

Bikini International

Spannend wird es in der Bikiniklasse. Zum einen ist da Angelica Teixeira, die im vergangenen Jahr sowohl in Columbus als auch in Las Vegas den Titel holen konnte und damit sicherlich als Topfavoritin ins Rennen geht.

Ebenfalls topplatziert im vergangenen Jahr: Janet Layug und Jennifer Ronzitti.

Und dann ist da noch das Comeback der Seriensiegerin vergangener Jahre Ashley Kaltwasser.

Prognose Bikini International

Topfavoritin ist sicherlich Angelica, wobei die Klasse in der Vergangenheit gezeigt hat, dass alles möglich ist, so auch ein weiterer Titel der großen Ashley Kaltwasser.

Angelica Teixeira | Foto: Matthias Busse

Pro Wheelchair

Als Favorit geht Vorjahressieger Harold Kelley ins Rennen. Mit dabei ist auch der Vorjahreszweite Gabriele Andriulli und der Dritte aus 2017 Daniel Minster.

Prognose Pro Wheel Chair

Die Weltelite ist in dieser bemerkenswerten Klasse wieder am Start. Jenseits des sportlichen Ergebnisses sei an der Stelle angemerkt, dass alle hier teilnehmenden Athleten bereits Sieger sind.

Ihr seht: Euch erwarten spannende Tage, zumal es auch noch ein voll gefülltes Amateurfeld gibt. Wir wünschen Euch viel Spaß mit unserer Berichterstattung.

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