2021 Arnold Classic UK: Battle of Britain

Holt sich Tim in Birmingham die Olympia-Qualifikation?

Das Glück war in diesem Sommer nicht auf der Seite von Tim Budesheim. Am Ende fehlte Tim in Estoril ein Platz, um sich für den Mr. Olympia zu qualifizieren. Aufgrund einer etwas unsicheren Präsentation reichte es so nur für den zweiten Platz hinter dem schlagbaren Italiener Andrea Presti. In Alicante war Tims Präsentation deutlich verbessert und er gab alles, um sich mit Platz eins oder zwei auf den letzten Drücker die Qualifikation zum Mr. Olympia 2021 zu holen, doch Roelly Winklaar und Nathan de Asha waren doch zu stark, sodass er auch hier um einen Platz die Qualifikation verfehlte. Damit war nämlich die letzte Chance auf einen Starterplatz in Orlando dahin, da der einzige Wettkampf, der danach noch ein Ticket zum Mr. Olympia 2021 zu vergeben hatte, die Arnold Classic in Ohio war, für die er aber keine Einladung hatte.

Tims Chancen in Birmingham


Statt sich nach der verpassten Chance in die Offseason zu verabschieden, entschieden sich Tim und sein Coach Stefan Kienzl dafür, alles dafür zu tun, so früh wie möglich die Qualifikation zum Mr. Olympia 2022 sicher zu machen. Konsequenterweise startet Tim daher auch gleich auf der ersten Meisterschaft, die diese Chance bietet, der erstmals ausgetragenen Arnold Classic UK.

Tims größte Stärke ist sicherlich seine Muskelqualität und die Form, die er auf die Bühne bringen kann. Gerade in der Frontansicht ist Tim damit in beinahe jedem Teilnehmerfeld absolut konkurrenzfähig.



Wenn man rein körperlich nach Schwächen sucht, wird man vermutlich am Rücken hängen bleiben, den Tim bereits deutlich verbessert hat, wo aber sicherlich noch Potenzial besteht. Im Vergleich mit Nathan und Roelly in Spanien konnte man zudem sehen, dass ihm im Kampf mit der Weltspitze noch etwas Gesamtfülle fehlt. Das hat Tim auch erkannt und er wird in der kommenden Offseason versuchen, daran zu arbeiten. In der kurzen Zeit zwischen den Wettkämpfen kann man hierbei nämlich keine Wunder vollbringen. Was Tim aber schaffen kann, ist seine Präsentation noch einmal zu optimieren.



Ein Faktor wird sicherlich auch der Wasserhaushalt sein, da Tim doch dazu neigt, einen leichten Wasserfilm zu bekommen. Hier dürfte ihm der Ablauf in Birmingham entgegenkommen, denn die Show beginnt um 20 Uhr Ortszeit und wird soweit aktuell bekannt ist, komplett in der Abendshow durchgezogen. Es ist also davon auszugehen, dass Tim nicht ewig auf seinen Auftritt wird warten müssen.

Tims Chancen, eine erneut überragende Performance hinzulegen, sind also gut. Doch wird das reichen? Das hängt natürlich auch von der Konkurrenz ab.

Nathan de Asha: der Favorit


Dass Nathan de Asha als Favorit in diesen Wettkampf geht, ist wenig verwunderlich. Der siebenfache Pro Show-Gewinner, der sich zuletzt in Spanien den Sieg vor Roelly Winklaar und Tim holte, hat sich in den vergangenen Jahren massiv verbessert. Insbesondere die Beine, die früher eine Schwachstelle waren, hat er über die Jahre massiv aufgebaut. In Verbindung mit seinen ausladenden Schlüsselbeinen erzeugt das einen enormen X-Frame. Zudem war, anders als häufig in der Vergangenheit, die Form zuletzt stetig auf einem sehr guten Niveau, wenngleich er nicht die gleiche Härte bringt, die beispielsweise Tim zeigt. Eine strukturelle Schwäche ist sicherlich der sehr hoch ansetzende Lat in Verbindung mit einem insgesamt sehr langen Oberkörper. Dennoch ist Nathan, gerade vor heimischem Publikum, ganz sicher zurecht der Topfavorit auf den Sieg.



Samson Dauda: der Ästhet


Ebenfalls Heimspiel hat Samson Dauda. Samson erregte 2020 viel Aufmerksamkeit, als er eine zweiwöchige Quarantäne in einem Hotelzimmer in Kauf nahm, um sich in Korea die Qualifikation zum Mr. Olympia zu holen. Der Plan schlug nach einigen Irrungen und Wirrungen (Der irre Plan des Samson Dauda) letztlich fehl: Er wurde Zweiter und verpasste damit sein selbst gesetztes Ziel. Es folgte ein sechster Platz beim British Grand Prix.

Samsons größte Stärke ist klar seine äußerst ansprechende Linie: weite Schultern, schmale Taille, schöne Proportionen und Symmetrie. Zudem weiß der Engländer, wie er diese Linie bestmöglich in Szene setzt. Die letzten Wettkämpfe zeigten aber auch, dass Samson zum einen muskuläre Defizite hat, vor allem aber in Sachen Konditionierung. Es wird äußerst spannend sein, zu sehen wie gut Samson die Auszeit genutzt hat und ob er signifikante Verbesserungen erreichen konnte.

Samson Dauda bei der Vancouver Pro 2019.[/caption]


Das restliche Feld


Das restliche Teilnehmerfeld bietet viele eher unbekannte Namen. Mit Theo Leguerrier bekam es Tim bereits in Portugal zu tun, wo Theo Fünfter wurde. Der Franzose bringt eine ansprechende Linie und gute Konditionierung mit, dürfte aber für Tim keine Gefahr darstellen.



Der Ungar Berek Gábor hat eine Powerliftingvergangenheit. Der kleingewachsene Athlet zeigte in der Vergangenheit zumeist eine gute Wettkampfform, dürfte aber alles in allem deutlich zu wenig massiv sein, um vorne mitmischen zu können.



Mit Roberto Buonomo ist ein Italiener mit gefälliger Linie am Start, dessen aktuelle Formpics zwar eine recht gute Konditionierung versprechen, aber sowohl Muskelqualität als auch Masse vermissen lassen.



Jamie Christian-Johal gilt mit seinen 1,97 Meter Körpergröße als der größte aktive Bodybuildingprofi. Damit wird er sicherlich ein Hingucker sein, der zudem eine durchaus ansprechende Linie hat, aber muskulär ist das weit von den Topathleten entfernt.



Mit seiner Linie wird auch der Engländer Kuba Cielen zu punkten versuchen und auch er zeigt sich in der Peak Week in starker Form, dürfte aber kaum die notwendige Masse haben, um sich mit den Besten messen zu können.



Der Däne Patrick Johnson hingegen wirkt auf den Bildern, die man von ihm auf Instagram finden kann, beachtlich massiv und rund. Wenn er die Form trifft, könnte er ein Kandidat für die Finalplätze sein.



Marek Olejniczaks Chancen dürften da deutlich schlechter aussehen. Zwar wissen Schulterpartie und Beine zu gefallen, die Mittelpartie ist jedoch – vermutlich verletzungsbedingt – arg in Mitleidenschaft gezogen, was ihn viele Punkte kosten dürfte.



Joe Seeman wirkt äußerst massiv und zeigt weite Schultern, jedoch fallen die Beine sichtbar ab und auch die Konditionierung dürfte, ausgehend von den aktuellen Bildern, nicht wirklich konkurrenzfähig sein.



Die Bezeichnung Massemonster trifft wohl sehr genau auf Ole Kristian Vaaga zu. Der kleingewachsene Athlet hat eine enorme Schulterbreite und riesige Arme, jedoch auch eine extrem breite Mittelpartie, die die Linie gänzlich zerstört.



Und dann ist da noch Krystian Wolski, der bereits in Portugal und Spanien eine überzeugende Leistung ablieferte, aber dennoch keine Chance auf einen Finalplatz hatte. In diesem Feld dürften die Chancen dafür höher sein, für Tim wird er aber wohl keine Konkurrenz sein.



Die Prognose

Mit einem zweiten Platz, der in diesem Feld für Tim das Minimalziel sein muss, würde er zwar ordentlich Punkte sammeln, aber Tim selbst hat bereits angekündigt, dass er nicht zig Wettkämpfe machen möchte, um überall ein paar Punkte zu holen. Tim will einen Sieg! Diese Einstellung ist sicherlich für einen Sportler seines Kalibers auch angebracht. In Birmingham wird es dennoch schwer, das mit Nathan de Asha ein wahres Schwergewicht mit ihm auf der Bühne steht. Kommt Nathan in Topform, wird es für Tim sehr schwer, lässt Nathan aber irgendwo Federn, ist Tim sicherlich in der Lage, die Show zu gewinnen.

Nach oben