Vergleich mit der Top 2 des Mr. Olympias 2022

Arnold Schwarzenegger im Vergleich mit Chris Bumstead

Der Österreicher Arnold Schwarzenegger ist fraglos der berühmteste Bodybuilder der Welt. Kein Athlet schaffte es auch nur annähernd in diesem Maße die Fesseln des Sports zu sprengen und Erfolg und Ruhm auch in anderen Gebieten aufzubauen. Schauspieler, Politiker und erfolgreicher Geschäftsmann sind nur drei weitere Beschreibungen, die auf Arnold Schwarzenegger zutreffen. All dies hätte Arnold Schwarzenegger wohlmöglich auch im Jahr 2022 werden können. Ob er jedoch ein ebenso dominierender Bodybuilder gewesen wäre, ist zumindest zweifelhaft.

Die stärkste Classic Physique aller Zeiten


Bodybuildingsfans auf der ganzen Welt erlebten an diesem Wochenende den vielleicht spannendsten Mr. Olympia aller Zeiten. Neben einer beeindruckenden Wachablösung im Open Bodybuilding war insbesondere die Classic Physique im Fokus. Die gerade einmal 2016 beim Olympia eingeführte Klasse gehört inzwischen zum Highlight des Wettkampfwochenendes und war in diesem Jahr auf einem bisher unerreichten Niveau.


Ebenso wie im Open Bodybuilding war kein großer Name vor möglichen Abwertungen sicher, was unter anderem der amtierende Arnold Classic Sieger Terrence Ruffin zu spüren bekam. Dieser fiel vom zweiten Platz im Vorjahr auf den sechsten Rang zurück und mit Urs Kalecinski und Mike Sommerfeld konnten sich gleich zweite Deutsche in der Top 5 festsetzen.

Am Ende wurde es ein Zweikampf zwischen dem Kanadier Chris Bumstead und dem Brasilianer Ramon Rocha Querioz. Mit Hilfe einer Fotomontage wurde nun verdeutlicht, wie der mehrfache Olympia-Sieger Arnold Schwarzenegger sich gegen den Classic Physique Champ Chris Bumstead geschlagen hätte.


Arnold Schwarzenegger ist ein Kind seiner Zeit


Die Bodybuildingkarriere von Arnold Schwarzenegger begann vor gut einem halben Jahrhundert. Ende der 1960er konnte der Österreicher fünfmal beim Mr. Universe gewinnen und legte diese Siegesserie in den 1970ern beim Mr. Olympia fort. Sechsmal in Folge gewann Arnold Schwarzenegger den prestigeträchtigen Wettkampf und setzte mit dem siebten Titel in 1980 einen weiteren Sieg auf seine Liste. Nur Lee Haney und Ronnie Coleman konnten häufiger beim Mr. Olympia die Sandow-Trophäe nach Hause nehmen.

Der Autor Marc Hujer war selbst nie ein großer Fan des Bodybuilders und verfasste dennoch in den 2000ern (s)eine Biographie des Österreichers. Er stellte Arnold Schwarzenegger als ehrgeizigen Außenseiter dar, der seine Karriere mit einem gewissen Kalkül verfolgte. In einem Sport, der in den 1960ern noch als Zeitvertreib der Schwulen stigmatisiert war, mag dies die notwendige Haltung gewesen sein, um einen größeren Erfolg erringen zu können.

Arnold Schwarzenegger sei ein one-issue-man gewesen, der sich seinem aktuellen Ziel mit voller Hingabe widmete, ohne dabei jedoch einen komplexen Masterplan zu verfolgen. Rückblickend war es also auch das stets notwendige Quäntchen Glück, das aus dem Bodybuilder Arnold Schwarzenegger eine berühmte Persönlichkeit machte.

Hätte Arnold Schwarzenegger heutzutage eine Chance?


Trotz seiner rückblickend vielfältigen Talente war der Erfolg im Bodybuilding fraglos die Basis für den Weg eines Arnold Schwarzeneggers. Eine berechtigte Frage lautet allerdings, wie der mehrfache Olympia-Sieger sich heutzutage schlagen würde. Auf eine Größe von 188 cm soll er ein Bühnengewicht von knapp 106 Kilogramm erreicht haben. Arnold Schwarzenegger erfüllte damit das erlaubte Gewichtslimit in der Classic Physique und hätte sogar drei Kilogramm schwerer sein dürfen.

In Anbetracht der deutlichen Schwäche in den Beinen, wenn man heutige Maßstäbe heranzieht, wäre diese zusätzlich Muskelmasse auch fraglos notwendig. Ob Arnold Schwarzenegger sogar einer der rückblickend am meisten überschätzen Bodybuilder aller Zeiten ist, kann zumindest diskutiert werden, ohne dass man hier eine Demontierung eines Helden monieren müsste.

Arnold Schwarzenegger vs. Chris Bumstead


Chris Bumstead gewann an diesem Wochenende zum vierten Mal den Titel des Mr. Olympias in der Classic Phyisque. Der Kanadier dominiert seine Klasse in ähnlicher Weise wie einst der Österreicher Arnold Schwarzenegger. Auf Instagram wurden nun direkte Vergleich zwischen dem 185 cm großen Nordamerikaner und dem 188 cm großen Europäer erstellt, die wenig schmeichelhaft für den einstigen Schwergewichtsbodybuilder ausfallen.


Während Arnold Schwarzenegger fraglos noch heute mit beeindruckenden Armen punkten kann, stechen insbesondere die dünnen Beine hervor. Mögen diese in der Frontpose noch mit Einschnitten hervorstechen, wirken diese in den Seiten- und Rückansichten eher dünn. Ebenso ist die Sidechest im Vergleich mit der Top 2 der diesjährigen Classic Phyisque keinesfalls outstanding und auch in der Doppelbizeps von hinten wirkt der Österreicher im Vergleich mit den beiden besten Classic Physique Athleten in diesem Jahr fast schon amateurhaft.

Bodybuilding hat sich in den letzten 50 Jahren stark verändert


Arnold Schwarzenegger hätte es in jedem Fall schwer, heutzutage im Bodybuilding Fuß zu fassen. Spekulationen darüber, ob der Österreicher mit den Mitteln und dem Wissen der heutigen Zeit ein ganz anderes Niveau erreicht hätte und insbesondere die Beine ebenso beeindruckend wie seine Arme gewesen wären, führen letztendlich zu keinem Ergebnis. Es war schließlich nicht so, dass der Champ der 1960er und 1970er die Beine und Waden nicht intensiv trainiert hätte.

Geschichten, dass Arnold Schwarzenegger mit seinem Trainingspartner in den Wald fuhr, um dort mit einer Langhantel und entsprechenden Gewichten stundenlang Kniebeugen zu machen, kursierten bereits in den Prä-Internetzeiten durch die Bodybuildingszeitschriften. Mangelnder Ehrgeiz war es also keinesfalls, die das Wachstum limitierte und auch heutzutage gibt es genügend Athleten, die trotz aller Hingabe ihre Schwäche nicht dem restlichen Gesamtbild anpassen können.

Nicht nur Bodybuilding, die gesamt Welt hat sich in den letzten 50 Jahren verändert, und eine Persönlichkeit wie Arnold Schwarzenegger würde auch heutzutage fraglos ihren Weg gehen. Ob der Österreicher jedoch denselben Erfolg in so vielen Bereich der Gesellschaft gehabt hätte und wichtige Wettkämpfe noch Jahre nach der aktiven Laufbahn seinen Namen tragen würden, darf bezweifelt werden. Das ändert nichts an der beeindruckenden Leistung des Arnold Schwarzeneggers. Verdeutlicht jedoch gleichzeitig die enorme Entwicklung, die das Bodybuilding in den letzten 50 Jahren nahm.


Hinweis: Der Autor dieses Artikels schrieb verschiedene Bücher zu den Themen Training und Ernährung, bietet individuelle Einzelbetreuungen an und führt auf Patreon ein Podcast-Magazin.

Nach oben