Ein Überblick

Aspartam – Bad Evil oder doch gar nicht so dramatisch?

Die Diskussion ist bereits seit Jahren im Gange! Ist Aspartam krebserregend? Erleiden Personen, die regelmäßig Aspartam konsumieren, früher an Demenz? Ist Aspartam giftig? Oder vielleicht ist es auch einfach nur Hype? Wir beschäftigen uns mit beiden Seiten und am Ende dieses Artikels kann und soll dann jeder seine objektive Meinung fällen und entscheiden, was er oder sie von Aspartam hält und für wie gefährlich man diese Substanz hält.

Was ist Aspartam überhaupt?

Aspartam wurde 1965 von Chemikern der Searle Company in Chicago entdeckt und ist ein Süßstoff, der genau wie Zucker vier Kalorien pro Gramm besitzt. Der entscheidende Unterschied, Aspartam ist etwa 200-mal süßer als Zucker und muss daher in sehr viel geringeren Dosierungen angewendet werden, was den kalorischen Gehalt "unter den Tisch fallen" lässt.

Aspartam – Bad Evil oder vielleicht doch gar nicht so dramatisch?


Aspartam besteht aus den Aminosäuren Asparginsäure und Phenylalanin, sowie zu etwa 10% aus dem Alkohol Methanol. Im Zuge der Verstoffwechselung im Körper zerfällt Aspartam auch in genau diese drei Grundbestandteile zurück. Asparginsäure und Phenylalanin werden dann wie alle anderen Aminosäuren verstoffwechselt. Problematisch ist lediglich das Methanol.

Eine Ausnahme stellen Personen dar, die an Phenylketonurie leiden. Diese Personen können Phenylalanin nicht abbauen und diese Aminosäure reichert sich dann im Gehirn an und kann zu gesundheitlichen Störungen führen. Aus diesem Grunde müssen auch alle Produkte die Aspartam enthalten den Zusatz "Enthält eine Phenylalaninquelle" auf dem Etikett unter der Zutatenliste aufweisen. Phenylketonurie ist jedoch eine äußerst seltene Krankheit und kann mittlerweile schon im Säuglingsalter diagnostiziert werden. Es handelt sich um einen Gendefekt.

Aspartam selbst wird sehr gerne in der Lebensmittelindustrie, vor allem aber im Bereich der Getränkeindustrie verwendet, da Aspartam einen sehr "natürlichen" Zuckergeschmack aufweist. Vertrieben wird Aspartam dann meist unter den Markennamen "NutraSweet™", "Canderel™" oder getarnt hinter der E-Nummer E951 als Zusatzstoff.

Warum ist Aspartam so umstritten?

Im Zuge des Zulassungsverfahrens von Aspartam veröffentlichte die amerikanische Zulassungsbehörde für Lebensmittel und Medikamente eine Liste mit stolzen 92 gesundheitlichen Problemen, die im Zuge einer Aspartamvergiftung auftreten können. Darunter fallen Symptome wie Angstzustände, Arthrose, Schwindelanfälle, Migräne, Impotenz, Augenprobleme und selbst Gehirntumore sollen zu Lasten der künstlichen Süße gehen.

Die Hauptschuld wird hauptsächlich dem Methanol zugeschoben. Methanol, welches bei der Aufspaltung von Aspartam im Körper freigesetzt wird, wird im Körper zur Formaldehyd und Ameisensäure umgewandelt. Und Formaldehyd wiederum wird als erbgutverändernd eingestuft. Aspartam scheint also demnach tatsächlich giftig zu sein.

Allerdings müssen bei dieser Aussage einige Dinge beachtet werden. Darunter die Zufuhrmenge von Aspartam. Für Aspartam gilt ein "No observable effect level", kurz NOEL, von 2000 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Der NOEL ist die Menge einer Substanz, bei der keinerlei Effekte oder Wirkungen eines Stoffes beobachtet werden können.

2000 mg Apsartam pro Tag und Kilogramm Körpergewicht scheint demnach vollkommen ungefährlich zu sein. Der NOEL selbst sagt jedoch noch nichts über Zufuhrempfehlungen aus. Diese werden letztlich über den ADI, den "Acceptable daily intake" Level getroffen. Der ADI gibt auf den NOEL noch einmal einen starken Sicherheitszuschlag und definiert sich als ein Hundertstel des NOEL. Das entspricht nun einem Wert von 20 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Die maximale tägliche Dosis liegt so bei einem Hundertstel von dem, was ohnehin als absolut sicher gilt.
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    Handelt man hier also nach dem Leitspruch "Die Dosis macht das Gift", so kann Aspartam als vollkommen ungefährlich eingestuft werden.
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Dieser"Leitspruch" ist aber natürlich wissenschaftlich nicht haltbar und soll daher rein als Orientierungsmodell gelten.

Nun ist aber nicht nur das Formaldehyd "problematisch" sondern auch die Ameisensäure, die ebenfalls mit verantwortlich gemacht wird für die vermeintlichen negativen Wirkungen auf die Gesundheit durch den Konsum von Aspartam. Das Problem an der Ameisensäure: Sie wird nur sehr langsam in unserem Körper abgebaut. Bei einer starken Anhäufung dieser Säure kann es zu einer Azidose, einer Übersäuerung kommen, was sich negativ auf die Nerven und darunter auch den Sehnerv auswirken kann. Eine derartige Azidose kann das Nervengewebe schädigen.

Nun ist dies jedoch weniger ein Problem des Aspartams alleine, sondern vielmehr ein Methanol-Problem. Und ja, dieses ist giftig. Allerdings ist unser Organismus im Alltag verschiedenen Methanolquellen ausgesetzt und der Körper kann mit bestimmten Mengen Methanol gut selbst klarkommen, ohne dass es zu langfristigen Schäden kommt.

Ein typisches Vorkommen von Methanol ist Schnaps. Hier wurde Methanol auch berühmt und mitunter deshalb ist das Selbstbrennen von Schnaps auch verboten. Denn überschreitet der Methanolgehalt in Spirituosen einen vorgegebenen Maximalwert, steigt auch das Risiko einer Methanolblindheit. Hierbei handelt es sich dann tatsächlich um eine Methanolvergiftung, die die Sehnerven angreift. Der Grenzwert an Methanol in einem alkoholischen Getränk liegt bei 10 mg Methanol pro 100 ml eines Getränkes, welches 10 % Ethanol enthält.

Methanol entsteht hingegen bei der Herstellung des Alkohols selbst. Genau genommen immer dann, wenn Pflanzen mit Pektinen zur Alkoholgewinnung herangezogen werden. Hierbei ist es dann egal, ob die Pflanze einfach eingesetzt wird oder ob sie zur Gärung herangezogen wird. Entsprechend enthalten auch alle anderen Getränke, die eine Pektinquelle zugrunde liegen haben, Methanol. Ganz weit vorne sind dabei Fruchtsäfte und Spitzenreiter und ihnen dürfte dann wohl der Tomatensaft sein, der bereits 10 mg Methanol pro 100 ml frisch gepresstem Tomatensaft enthält.
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    Somit muss also bereits an dieser Stelle festgestellt werden, dass Aspartam und Tomatensaft die gleichen Probleme hervorrufen können – mit dem Unterschied, dass Aspartam den deutlichen schlechteren Ruf, verglichen mit Tomatensaft aufweist.
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Na gut. Aber wie viel Tomatensaft müsste man den nun trinken, um auf den gleichen Methanolgehalt von einer Diätlimo zu kommen? Nimmt man sich ein typisches Diätgetränk zum Anlass, welches rein über Aspartam gesüßt wurde, wie dies bei einigen Diät Colas der Fall ist, dürfte der Aspartamgehalt aufgrund der Süßkraft des Aspartams bei etwa 180 mg Aspartam pro 330 ml Dose liegen. Ein paar mg mehr oder weniger können nicht ausgeschlossen werden, aber in etwa dürfte das so passen. Berücksichtigt man nun auch noch, dass Getränke wie Coke Zero beispielsweise nicht rein über Aspartam gesüßt werden, sondern eine Kombination unterschiedlicher Süßstoffe verwendet, kann von einem deutliche geringeren Aspartamwert ausgegangen werden.

Aspartam – Bad Evil oder vielleicht doch gar nicht so dramatisch?


Nun ist Aspartam ja aber nicht mit Methanol gleichzusetzen. Schließlich werden aus Aspartam nur 10 % Methanol freigesetzt. Bei 180 mg Aspartam pro Dose Cola light, wären dies also rund 20 mg Methanol (es sind nicht exakt 10 % Methanol, die bei der aufspaltung von Aspartam freigesetzt werden).
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    Vergleicht man nun den Methanolgehalt einer Dose Diät Cola mit dem Gehalt eines frisch gepressten Tomatensaftes fällt auf…Tomatensaft ist der "Bad Evil"! 330 ml Tomatensaft enthält etwa ein Drittel mehr Methanol als die gleiche Menge an Cola light!
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Wer also aufgrund des Methanols auf Aspartam verzichtet, sollte unbedingt auch Abstand von Fruchtsäften nehmen, insbesondere Tomatensaft. Und je länger der Tomatensaft frisch gepresst steht, desto höher sein Methanolgehalt! Die 10 mg Methanol pro 100 ml gelten ausschließlich für die frisch gepresste Variante des Tomatensaftes!

Aspartam also doch nicht so ungesund?

Jedenfalls scheinbar nicht ungesünder als frische Gemüsesäfte. Und es gibt sogar eine Studie, die untersucht hat, wie viel Aspartam ein typischer US-Bürger täglich zu sich nimmt. Das Ergebnis liegt bei rund 300 mg täglich. Das wären rund 30 mg Methanol die freigesetzt werden. Wieder zur Erinnerung: das entspricht einem 300 ml Glas Tomatensaft.

Der ADI-Wert für Aspartam wurde mittlerweile auf 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag angepasst. Geht man nun von einem 85 kg schweren Fitnesssportler aus, wären das 3400 mg täglich, um auf ein Hundertstel von der Menge zu kommen, die als ungefährlich gilt. Mit 300 mg täglich hat die 85 kg Person den ADI-Wert von 40 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag um gerade mal etwa 11 % ausgeschöpft. Also noch einmal ein Zehntel von einem Hundertstel von der Menge, die als absolut sicher gilt.

Warum wird Aspartam also immer so verflucht?

Dies hängt wohl in erster Linie mit immer wiederkehrenden Studien zusammen, die einen Zusammenhang zwischen Aspartam und diversen Krankheiten wie Krebs herstellen wollen.
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    Schaut man sich diese Untersuchungen dann jedoch einmal genauer im Full Text an, stellt man schnell fest, dass diese Untersuchungen meist signifikante Mängel im Studiendesign aufweisen und somit keine exakten Aussagen zulassen. Für die Medien meist trotzdem ein gefundenes Fressen.
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Trotz allem hat die Europe Food Safety Authority (EFSA) auch diese Studie geprüft, hält Aspartam jedoch weiterhin für sicher.

Zusammenfassung

Müssen wir nun Angst haben vor Aspartam? Oder doch eher vor Tomatensaft? Wahrscheinlich weder noch. Wer bisher keine Angst vor Tomatensaft hatte, der muss das auch weiterhin nicht haben. Und eine wirkliche wissenschaftliche Begründung, um Angst vor Aspartam haben zu müssen steht bisher ebenfalls aus.

Nichts desto trotz, künstliche Süßstoffe sind und bleiben KÜNSTLICHE Süßstoffe und haben mit natürlicher Ernährung nichts zu tun. Wer sich also überwiegend natürlich und naturbelassen ernähren möchte, der sollte Aspartam zumindest einschränken. Jeden weiteren Süßstoff aber auch. Wer darauf keinen oder nur einen geringen Wert legt, der muss vor Aspartam wohl nicht mehr Angst haben als vor allen weiteren Süßstoffen auch – oder "auch nicht".

Quellen:

  • First European conference on aspartame: Putting safety and benefits into perspective. Synopsis of presentations and conclusions.; A.G.Renwick, H. Nordmann / Food and Chemical Toxicology 45 (2007) 1308–1313.
  • Aspartame: Scientific Evaluation in the Postmarketing Period; Regulatory Harriett H. Butchko and W. Wayne Stargely / Toxicology and Pharmacology 34, 221–233 (2001).
  • Aspartame, Neurotoxicity, and Seizures: A Review; Robert S. Fisher Epilepsy 2: 55-64 (1989)
    Effect of storage conditions on methanol content of fruit and vegetable juices; Journal of Food Composition and Analysis 21 (2008) 410– 415.
  • Risk Communication, Media Amplifikation and the Aspartam Scare; Ragnar E. Lofstedt, Risk Management 2008, 10, (257–284).
  • Aspartame—facts and fiction; Bernadene Magnuson, Journal of the New Zealand Medical Association, 19-March-2010, Vol 123 No 1311 .
  • Aspartame: Review of Safety; Harriett H. Butchko et. al., Regulatory Toxicology and Pharmacology 35, S1–S93 (2002).
  • Süßstoff-Verband
  • EFSA
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Bilder: Sarah Korf | Kai Chen

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