Über den Sinn und Unsinn von Equipment im Training

Bandagen im Bodybuilding

In den beiden vorangegangenen Teilen der Reihe haben wir uns mit Zughilfen und Gewichthebergürteln auseinandergesetzt. Bandagen sind im Vergleich zu den beiden genannten Hilfsmitteln sicherlich etwas seltener in normalen Studios anzutreffen, sind aber auch deutlich vielseitiger. Um entscheiden zu können, ob Bandagen für das eigene Training sinnvoll sind, sollte man sich also erst einmal die Varianten und Anwendungsgebiete anschauen.

Roman Fritz vertraut im Training auf Ellenbogenstulpen.

Welche Arten der Bandagen gibt es eigentlich?


Zunächst einmal kann man Bandagen ganz einfach nach dem Ort der Anwendung unterteilen:
  • Schulter
  • Ellenbogen
  • Handgelenk
  • Wirbelsäule
  • Hüfte
  • Knie
  • Sprunggelenk

Einige werden bei dieser Auflistung vielleicht stutzen, denn während Knie-, Handgelenks und Ellenbogenbandagen den meisten bekannt sein dürften, sind Bandagen für die Hüfte oder die Wirbelsäule doch eher ausgefallener. Das hängt vor allem mit dem Grund für die Anwendung zusammen. Hierbei kann man vereinfacht ausgedrückt zwischen
  • medizinischen Gründen und
  • einer beabsichtigten Leistungssteigerung
unterscheiden.


Generell gibt es für jeden Anwendungsort Fälle, in denen ein Einsatz medizinische Gründe hat. In diesen Fällen sollen die Bandagen vor allem die Gelenkstrukturen schützen und bei ihrer Funktion unterstützen. Indikationen sind hierbei beispielsweise Arthrose, Überlastungserscheinungen, Sehnen- und Schleimbeutelentzündungen sowie Verletzungen der Gelenkkapsel und sonstigen Gelenkbeschwerden oder Reizungen der Sehnenansätze. Sehr häufig kommen sie postoperativ oder posttraumatisch im Rahmen der Rehabilitation zum Einsatz, aber auch präventiv.

Zur Leistungssteigerung eignen sich hingegen nur wenige Bandagen, zumindest wenn man das Plus an Stabilität nicht als Beitrag zur Leistungssteigerung definiert. Im Grunde fallen in diese Kategorie vor allem Wickelbandagen für das Kniegelenk sowie spezielle Hemden und Anzüge für Powerlifter. Dazu später mehr.

Wie wirken Bandagen?


Das Wort Bandage kommt aus dem Französischen und bedeutet Verbindung. Die primäre Aufgabe einer Bandage ist es, Dinge zusammenzuhalten. Im Gegensatz zu einer Orthese ist sie aber viel flexibler und ermöglicht dadurch ein hohes Maß an Beweglichkeit, was vor allem im Sport von großer Bedeutung ist.

Eine Bandage entlastet, schützt und stützt sowohl Gelenk als auch Knochen. Dabei sitzt das Material fest, aber dennoch bequem. Der Effekt: Die betroffenen Stellen werden vor Überlastung geschützt und Verletzungen wird vorgebeugt. Durch den verbesserten Halt kann eine Bandage auch dazu beitragen, Schmerzen zu lindern. Die erzeugte Kompression sorgt zudem dafür, dass die Durchblutung angeregt und die Körperwahrnehmung verbessert wird. Viele Bandagen wärmen zudem die Körperstelle, an der sie getragen werden. Das kann vor allem im Winter oder bei bereits geschädigten Strukturen von Vorteil sein. Häufig werden solche Bandagen aus Neopren oder ähnlichen Stoffen hergestellt.

Manuel Bauer beim Brusttraining mit Ellenbogenstulpen.

Etwas anders verhält es sich bei Wickelbandagen, wie man sie beispielsweise aus dem Powerlifting oder aber auch vom Boxen her kennt. Diese werden in der Regel sehr fest gewickelt und bieten dadurch eine deutlich gesteigerte Stabilität. Insbesondere beim Powerlifting werden die Kniebandagen teils so eng angezogen, dass man sie nur unmittelbar zum Lift tragen kann, ansonsten würden sie die Blutzufuhr massiv einschränken. Neben einer gesteigerten Stabilität können diese Bandagen wirklich eine Leistungssteigerung bewirken. Bei der Beugung der Knie wird das sehr steife, aber dennoch elastische Material der Bandage gedehnt. Die hierbei erzeugte Spannung wird beim Strecken der Knie dann als Energie freigesetzt. Im Grunde kann man sich das wie ein Gummiband vorstellen, das bei der Übung unterstützt. Der Haken: Die zusätzliche Last, die durch den Einsatz der Bandagen bewerkstelligt werden kann, wirkt auch auf Strukturen ein, die nicht durch die Bandage selbst geschützt werden. Nicht ohne Grund kommen Wickelbandagen für die Knie oder gar Bankdrückshirts auch im Powerlifting im Training nur sehr selten zum Einsatz.

Sind Bandagen im Training sinnvoll?


Auch wenn man es gelegentlich in Trainingsvideos von Bodybuildern sieht: Wickelbandagen oder gar Bankdrückshirts sind zum Zwecke des Muskelaufbaus kaum sinnvoll. Durch die erzeugte Spannung wird die muskuläre Belastung reduziert, weshalb ein höheres Arbeitsgewicht für die gleichen Reiz notwendig ist. Das mag schön für das eigene Ego sein, mehr aber auch nicht.

Milan Sadek legt seine Handgelenksbandagen an.

Anders verhält es sich mit elastischen Bandagen, häufig auch Stulpen genannt. Gerade bei vorgeschädigten Gelenken kann das dauerhafte Tragen einer entsprechenden Bandage helfen, weitere Verletzungen zu vermeiden. Aber auch rein prophylaktisch kann es sinnvoll sein, empfindliche Strukturen bei schweren Sätzen zu unterstützen, beispielsweise die Handgelenke und Ellenbogen beim Bankdrücken. Wie schon bei den Trainingsgürteln erwähnt, gilt aber auch hier, dass es sinnvoll ist, die Strukturen sich an die Belastung gewöhnen zu lassen. Das heißt: Entweder, man verwendet unterschiedlich starke Bandagen für normale und schwere Sätze oder aber, man beschränkt den Einsatz auf die wirklich schwersten Sätze.

Was ist beim Anlegen zu beachten?

Eine falsch getragene Bandage erfüllt einen genauso großen Zweck wie ein an der Hüfte herumschlankernder Gürtel: keinen! Damit eine Bandage ihre Wirkung entfalten kann, muss sie das Gelenk umschließen, was in der Regel bedeutet, dass das Gelenk mittig in der Bandage platziert wird. Zudem sollte eine Bandage direkt auf der Haut getragen werden, wobei enganliegende Kleidung wie Leggins oder langärmlige Funktionsshirts kaum ein Problem darstellen.

Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter [EMAIL=info@ironhealth.de]info@ironhealth.de

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