Sie steckt in Dir!

Begeisterung

Deine Entscheidung deinem Geiste ein massives, geschliffenes, venenüberzogenes, mit Schluchten und Knoten feingezeichnetes Haus zu bauen, stößt unumgehbar auf Resonanz. Ob es denn gesund sein könne, ob man nicht die wichtigen Dinge vernachlässige, ob man wie ein Türsteher wirken wolle, so ein Auszug des hinlänglich bekannten Breis aus gespielter Sorge und arroganter Diskussionshöhe.

Die Lust am Bewältigen, Standhalten und Sich-Selbst-Besiegen, die Neugierde der Grenzüberschreitung, das Erfahren von eigener Stärke, Leiblichkeit, das Vermögen der Überwindung, der Selbstbeherrschung und Selbsterfahrung, - all das wird von aussen oft lediglich nach seiner gesundheitlichen Verträglichkeit gefiltert.

Könnte etwas aufreibend, strapaziös und zehrend sein! So gewinnt nicht sein Zweck an Wert, sondern er reduziert sich gerade dadurch, weil ihm gesundheitlicher Tribut entrichtet wurde. Für den ''verhausschweinten'' Menschen ist das nur folgerichtig, wenn er an seiner reinen Existenz umso mehr klammert, desto weniger sie hervorzubringen im Stande ist.
    ____________________________________________________________________
    Das leidenschaftliche Verfolgen eines Zieles ist ehrwürdig.
    ____________________________________________________________________
Es mit Vorurteilen zu überziehen, ist logisch für jene, welche eher zu bequemen Wegen neigen.

Die Selbsterfahrung des Bodybuildings öffnet neue Perspektiven über eigene Fähigkeiten, Willen, Energien und Organisation. Wer das erfahren hat, kann verlorengegangenen Konsum und Genuss verschmerzen und sollte seinen Standpunkt auch gegen Aversionen und Unverständnis formulieren können.

Das Resonnanzsprektrum reicht allerdings über Abwertung zur Akzeptanz, von dieser über Anerkennung und Aufgeschlossenheit bis zur Neugierde und schließlich zur Begeisterung. Die Begeisterung sei hier ausdrücklich als die schönste und konstruktivste Sendekraft des Bodybuildingsports genannt. Sie ist die treibene Kraft hinter den Vorhängen der Bühnen, hinter dem Krach aufeinanderprallender Gewichtsscheiben und schließlich hinter der Entscheidung, überhaupt Bodybuilding zu betreiben.

Begeisterung


Lassen wir uns also begeistern und vermitteln wir diese Begeisterung weiter. Gelänge es die allgemeine Vorstellungswelt über das Bodybuilding entgegen verstaubter Vorurteile oder tatsächlicher Milleu-Anrüchigkeit zugunsten eines Begeisterungssports zu bewegen, so wäre ein fruchtbarer Resonnanzboden gelegt, um Abwertung und Vorurteil zumindest einzudämmen.

Wer die Diskussionen im Bodybuilding verfolgt, stellt schnell fest, dass die Frage nach der Außenwahrnehmung, die Frage der gesellschaftlichen Kompabilität allen anderen den Rang abläuft.

Einen schwärmerischen Blick wirft man auf andere Erdteile, in denen das Bodybuilding zum Zirkel etablierter Massensportarten gehört, um dann resigniert festzustellen, dass die hiesigen gesellschaftlichen Mechaniken eine solche Vorstellung in weite Ferne rücken lassen. Dies ist natürlich nicht zuletzt auch dem wunden Punkt des Bodybuildings, der großen Angriffsfläche schlechthin geschuldet, die immer dann zu Tage tritt, sobald man denn versuchte sich aus verschiedenstem Kalkül nach fremden Maßstäben zu richten.

Es ist in der Natur des Bodybuildings angelegt eben jenen Maßstäben nicht gerecht werden zu können! Permanente Verteidigung hat uns alle Mürbe gemacht. Es blieb der Rückzug, das Nischensuchen. Aber auch: Exkulusivität, Nonkonformität und mit diesem Artikel bewusst in vorderster Reihe höhster Güter gerückt, die Begeisterung.

Wahrlich eine Stimmung, die ihre eigenen Maßstäbe zu schaffen weiß und dennoch einen Berührungspunkt ausserhalb unserer Kreise schafft.

_____________________________________________________

Bild: Matthias Busse

Nach oben