Muskelbremse in Pillenform?

Behindert die Pille den Muskelaufbau?

Frauen haben es beim Muskelaufbau generell schon schwerer als das männliche Geschlecht, was neben der genetisch bedingten Muskelfaserverteilung insbesondere auch den hormonellen Verhältnissen zuzuschreiben ist. Wenn eine junge, sportlich aktive Frau dann noch aktiv verhütet, stellt sie sich natürlich die Frage, inwiefern die Pille ein weiteres Problem darstellen könnte. In diesem Zusammenhang sollte man betonen, dass die Frage durchaus eine große Relevanz hat. Obwohl das Verhütungsmittel immer wieder in die Kritik gerät und Anwenderinnen mit verschiedenen Nebenwirkungen zu kämpfen haben, stellt insbesondere in der Gruppe der Frauen bis 25 Jahre die Pille immer noch das Verhütungsmittel der ersten Wahl dar. Doch auch in der Gruppe der Frauen bis 40 Jahren ist die Pille in gut jedem dritten Fall das Verhütungsmittel der Wahl.

Was ist bei der Nutzung der Pille zu beachten?


Die Vorteile der Pille liegen auf der Hand: Sie bietet eine hohe Sicherheit, ist jederzeit absetzbar und Beschwerden des weiblichen Zykluses wie Regelschmerzen, prämenstruale Wassereinlagerungen oder zyklusbedingte Migräne können abgeschwächt werden. Dennoch ist nicht jede Pille gleich: Neben unterschiedlichen Dosierungen an Östrogen enthalten die verschiedenen Präparate Gestagene, was synthetische Varianten des Hormons Progesteron sind. Wie das Verhältnis dieser beiden Hormone über den Einnahmezyklus hinweg aufgeteilt ist, kann man nach sogenannten Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierphasenpräparaten unterscheiden, wie ich in meinem Buch Training- und Ernährung für Frauen darstellte. Darüber hinaus gibt es sogenannte Mikropillen, die lediglich Gestagene liefern.


Beim Östrogen handelt es sich in der Pille praktisch immer um Ethinylestradiol (kurz EE), das bei hochdosierten Präparaten mit 50 µg vorliegt. Sogenannte Minipillen enthalten dagegen lediglich 30 µg EE, wobei generell Präparate mit weniger als 35 µg von Frauen bevorzugt werden sollten, die mit ungewünschten Nebenwirkungen durch die Pille zu kämpfen haben. Insbesondere bei hochdosierten Varianten sollte beachtet werden, dass der Bedarf von den Vitamin B2, B6, B12, C und Folsäure durch Nutzung der Pille erhöht ist. Vor allem Veganerinnen sollten sich dies ins Gedächtnis rufen, da über eine rein pflanzliche Ernährung praktisch immer zu wenig Vitamin B12 zugeführt wird.

Bei den Gestagenen werden vier Gruppen unterschieden, die in androgen und antiandrogen unterteilt werden. Androgenen Varianten können bei Libidostörungen sinnvoll sein, antiandrogene Gestagene haben wiederum eine positive Wirkung auf das Hautbild, können aber auf der anderen Seite zu Libidoproblemen oder Stimmungsschwankungen führen. Es empfiehlt sich also in Ruhe einmal zu schauen, was man da selbst gerade nutzt, wenn man dies noch nicht getan hat.

Soweit hätten wir damit einen kleinen Überblick. Doch wie steht es mit der eigentlichen Frage: Haben Frauen einen Nachteil beim Muskelaufbau durch die Pille?

Führt die Pille zu Nachteilen beim Muskelaufbau?


Eine eindeutige Antwort kann man hierzu beim Blick in die aktuelle Studienlage nicht geben. Dies ist unter anderem den verschiedenen Präparaten geschuldet, aber auch der Tatsache, dass Frauen schlichtweg in der Regel langsamer Muskeln aufbauen. Man findet auch ganz aktuell sowohl Untersuchungen, die Hinweise auf einen Einfluss nachgewiesen hätten, also auch Studien, die das genaue Gegenteil als Ergebnis darstellen. Tendenziell, das lässt sich jedoch im Überblick sagen und wird wenig überraschend sein, gibt es mehr Untersuchungen, die der Pille einen negativen Einfluss bescheinigen.

Die Vergleichbarkeit der Untersuchungen ist jedoch aufgrund verschiedener Präparate auf dem Markt sowie unterschiedlicher Untersuchungsdesigns, was Anzahl der Probandinnen, Alter, Dauer der Untersuchung und so weiter anging, kaum möglich. Was heißt das also für die Praxis?

Wer sich für die Pille als Verhütungsmittel entschied, tat dies hoffentlich bewusst. Falls nicht, wäre jetzt der beste Zeitpunkt (noch einmal) über Alternativen nachzudenken. Wer allerdings beim Verzicht auf die Pille (mit Östrogen) starke Regelschmerzen hat, oder mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder Zwischenblutungen, die beispielsweise bei der Mini-Pille auftreten können, kämpft, wird während diesen Phasen weniger im Training leisten können.

Hier liegt immer noch der Hauptfokus, wenn Muskulatur aufgebaut werden soll: Ein sinnvoll strukturiertes, intensives Training, das kontinuierlich über Wochen und Monate befolgt wird. Wer ohne Pille während der Regelblutung beispielsweise zu keiner körperlichen Arbeit in der Lage ist, bzw. immer wieder mit Schmerzen rechnen muss, verliert regelmäßig eine Trainingswoche, in der Fortschritte erzielt werden könnten.

Muskelaufbau trotz Pille?


Wie man sieht, ist eine pauschale Antwort nicht wirklich möglich und sollte auch nicht erwartet werden. Es ist generell allerdings sinnvoll, für sich selbst abzuwägen, ob andere Verhütungsmethoden im Vergleich zum Schlucken von Hormonen eine akzeptable Alternative wären. Überwiegen die Vorteile des jeweiligen Präparates die Nachteile, die bei einem Verzicht zu erwarten wären, so wäre die beste Verhütungsmethode selbstverständlich weiterhin die Pille.

Hat man allerdings keine Nachteile zu befürchten oder könnte sich mit diesen arrangieren, wäre für Frauen, die am Muskelaufbau interessiert sind, der Verzicht auf die Pille zielführender.


Hinweis: Der Autor dieses Artikels bietet individuelle Trainings- und Ernährungsberatung an. Weiteres erfahrt ihr unter become-fit.de oder schaut einfach bei seinem Podcast-Magazin TheCoachCoachCorner vorbei.

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