Alles, nur nicht RAW

Sollten Bodybuilder einen Gewichthebergürtel nutzen?

Kein Studio ohne Gewichthebergürtel! Er gehört quasi zum Inventar und hat eine Geschichte, die bis zu den ersten Einwohnern Sibiriens zurückzuverfolgen ist. Und genauso sicher, wie es den Studiogürtel gibt, gibt es auch Gürtel-Manni. Gürtel-Manni weiß um die Vorzüge eines Gürtels und trägt ihn daher schon seit der Umkleide und wird ihn nicht ausziehen, bevor er das Training beendet hat, nicht mal auf Toilette. Aber liegt Gürtel-Manni damit eigentlich so falsch? Oder macht es doch Sinn, beim Training einen Gürtel zu tragen? Ja, ein Gürtel ist im Training sinnvoll – meistens!

Photo by Matthias Busse

Wie sieht so ein Gewichthebergürtel denn eigentlich aus?


Der klassische Gewichthebergürtel besteht aus Leder oder Kunstfaser. Seine Fläche ist im Bereich des unteren Rückens vergrößert. Durch diese ergonomische Form soll der Gürtel besonders gut stabilisieren. Als Powerliftinggürtel werden häufig Gürtel bezeichnet, die durchgehend gleich breit und in der Regel aus dickerem Material sind.

Gewichthebergürtel

Ihn kennt jeder! Ob schwarz oder braun, ob Leder oder Synthetik, die meisten Gürtel, die dir im Gym begegnen werden, weisen die typisch ergonomisch geformte Optik auf.

Powerliftinggürtel

Diese Gürtel sehen nicht nur unbequem aus, sie sind es auch! In aller Regel bestehen sie aus sehr dickem und widerstandsfähigem Material und sind daher ideal für sehr schwere Wiederholungen klassischer Kraftübungen wie Kreuzheben oder Kniebeugen.
Einheitlich sind diese Bezeichnungen aber nicht. Bei der Wahl eines passenden Gürtels ist daher die Form, nicht der Name wichtig. Welche Form nun für dich besser geeignet ist? Dazu müssen wir uns erst einmal die Funktionsweise eines Gewichthebergürtels anschauen.

Wie funktioniert ein Gewichthebergürtel?


Die Rumpfmuskulatur sorgt ständig dafür, dass wir nicht zusammensacken. Dafür arbeiten eine Vielzahl von Muskeln zusammen, insbesondere die Bauchmuskeln und die Muskeln des unteren Rückens. Beim Bewältigen schwerer Lasten ist das von enormer Wichtigkeit! Ohne diese Rumpfspannung würde die Belastung auf die Lendenwirbelsäule extrem anwachsen und sehr schnell zu Verletzungen führen, beispielsweise durch eine Fehlbelastung der Bandscheiben. Das körpereigene Muskelkorsett stützt den Körper und sorgt somit dafür, dass empfindliche Strukturen wie eben die Bandscheiben nicht geschädigt werden. All das gelingt aber natürlich nur, wenn die Rumpfkraft ausreichend ist. Und genau hier setzen die Gürtel ein. Indem sie den Bauch nach innen drücken erhöhen sie den intraabdominalen Druck und verhindern somit, dass die Bauchspannung nachlässt. Hierfür eignen sich Gürtel mit einer einheitlichen Breite deutlich besser als solche, die vorne dünner sind als hinten. Laut Studien kann so die Kompression der Bandscheiben um bis zu 50 Prozent reduziert werden, während der intraabdominale Druck um bis zu 40 Prozent gesteigert werden konnte.



Wie wird er richtig getragen?


Wir sehen also: Es geht um die Spannung in der Körpermitte! Damit ein Gürtel diese verbessern kann, muss er enganliegend getragen werden, sprich auf der untersten Schicht der Kleidung. Zudem sollte er natürlich möglichst fest zugezogen werden. Oder anders: Ein locker sitzender Gürtel nützt dir soviel wie eine Warze am kleinen Fußzeh – zumindest aus reiner Performance-Sicht.

Deshalb wird der Gürtel auch nicht schon in der Umkleide angelegt (Sorry Manni!), sondern erst unmittelbar vor dem Arbeitssatz fest verschlossen. Im wettkampforientierten Powerlifting sind sogar Schnellspanner und die Hilfe von Dritten beim Anziehen des Gürtels die Regel.

Wann macht das Tragen eines Gürtels Sinn?


Prinzipiell steigert das Tragen eines Gürtels die Sicherheit im Training, zumindest wenn er korrekt getragen wird. Durch die gesteigerte Rumpfstabilität verringert sich das Risiko von Verletzungen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Das Tragen eines Gürtels kann zudem leistungssteigernd wirken, wenn die Rumpfmuskulatur der limitierende Faktor bei einer Übung ist.

Photo by Matthias Busse


Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen macht ein Einsatz vor allem in den schwersten Sätzen solcher Übungen Sinn, bei denen ein großes Maß an Rumpfstabilität notwendig ist, also beispielsweise Kniebeugen, Kreuzheben, vorgebeugtes Rudern oder stehendes Schulterdrücken. Keinen Sinn macht es hingegen, den Gürtel dauerhaft zu tragen. Zum einen dürfte das ganz schön unbequem werden, zum anderen soll die Rumpfmuskulatur ja auch trainiert werden. Bei Sätzen, wo das gelingt, sollte man sie daher nicht noch künstlich unterstützen.

Sorgt ein Gürtel für eine schmale Taille?


Es gibt aber noch eine andere Art der Anwendung, die vor allem im Bodybuilding gerade wieder populärer wird. Namenhafte Athleten wie Tim Budesheim oder Roman Fritz trugen in der jüngeren Vergangenheit im Training auffällig oft einen Gürtel, ohne dass es sich um sehr schwere Sätze handelte oder um Übungen, bei denen die Rumpfstabilität ein relevanter Faktor ist. Roman hat sogar einen speziellen Gürtel entworfen, den er in solchen Situationen trägt. Die Idee dahinter ist nicht neu. Viele Bodybuilder versuchten in der Vergangenheit durch das Tragen eines Gürtels eine breiter werdende Taille zu verhindern. Aber kann das funktionieren?

Hier muss man wieder differenzieren. Ein gut sitzender Gürtel erhöht die Stabilität bei schweren Belastungen auf den Rumpf. Wäre der Gürtel nicht da, müsste die Rumpfmuskulatur entsprechend stärker sein, um diese Belastung auszuhalten. Und das geht in aller Regel mit einem Dickenwachstum einher. Da aber viele Bodybuilder trotzdem nicht auf die Nutzen von Kniebeugen, Kreuzheben und Co. verzichten wollen, kann ein Gürtel helfen, die Rumpfmuskulatur im Zaun zu halten. Dass diese durchaus Wachstumspotenzial hat, sieht man, wenn man sich andere Sportler wie beispielsweise Fußballspieler anschaut, die im Verhältnis zum restlichen Körper fast immer eine recht breite Taille haben. Hier wird der Rumpf nämlich aktiv trainiert, um die Leistung zu verbessern und Verletzungen vorzubeugen.



Die Variante, einen (sehr leichten) Gürtel ständig im Training zu tragen, hat aber eher psychologische Gründe: Der Gürtel gibt einem Feedback, sobald man die Kontrolle über die Rumpfmuskulatur verliert. Dadurch lernt man, diese Region ständig unter Spannung zu halten, was auf der Bühne extrem wichtig ist.

Was aber klar sein muss: Wir reden nicht von einem Korsett, dass so lange und so fest getragen wird, dass sich Rippen verbiegen. Grundsätzlich ist die Breite der Taille genetisch bestimmt. Ein Jay Cutler hätte so viel Gürtel tragen können, wie er wollte, er hätte keine schmale Taille bekommen.

Wie richtig einsetzen?


Die Antwort ergibt sich im Grunde aus dem bereits Gelesenen. Seine volle Wirkung kann ein Gürtel nur dann erzielen, wenn er maximal eng zugezogen wird. Nötig ist das sicherlich nur bei sehr schweren Sätzen von Übungen wie Kniebeugen oder Kreuzheben. Ansonsten kann ein lockerer sitzender Gürtel aber durchaus ein guter Feedbackgeber sein, der einem mitteilt, wenn die Rumpfspannung nachlässt. Reicht der Abstand zwischen Gürtel und Haut aber aus, um darin noch eine Banane und eine Pulle Buttermilch zu transportieren, bist du schlicht Gürtel-Manni!

Unabhängig vom Tragen des Gürtels sollte die Rumpfmuskulatur aber gekräftigt werden. Das gilt für Wettkampfbodybuilder unter Berücksichtigung der Gesamtoptik, aber vor allem auch für alle Freizeittrainierenden, die sich vom Training unter Umständen auch noch einen gesundheitlichen Nutzen versprechen oder Athleten anderer Sportarten, die sich einen Übertrag der Trainingseffekte wünschen.

Worauf beim Kauf achten?


Auf einige Punkte wurde bereits eingegangen, insbesondere die Form. Ultraharte Powerliftergürtel brauchen sicherlich nur solche Athleten, die wiederholt im sehr niedrigen Wiederholungsbereich arbeiten. Für alle anderen darf der Gürtel auch etwas weicher sein, was auch verschiedene Materialien möglich macht. Wichtig ist dann vor allem, dass man sich im Gürtel wohlfühlt. Und natürlich sollte man auf eine ordentliche Verarbeitung achten. Wem schon einmal ein Gürtel mitten im Satz um die Ohren geflogen ist, weil sich die Schnalle gelöst hat, weiß wovon ich spreche.

Ein Kauf für die Ewigkeit?


Wer auf gute Qualität setzt und nicht vorhat, seinen Bauchumfang signifikant zu verändern, kann sich jahrzehntelang an seinem Gürtel erfreuen. Ein paar Euro mehr zu investieren, kann hier also absolut Sinn machen.

Photo by Matthias Busse


Zusammenfassung


Lohnt sich nun das Tragen eines Gürtels oder nicht? Für all diejenigen, die häufig mit hohen Lasten in sehr niedrigen Wiederholungsbereichen trainieren, ganz sicher. Die Erhöhung des intraabdominalen Drucks ermöglicht Leistungssteigerungen und reduziert das Verletzungsrisiko. Dafür ist aber eine ausreichende Breite des Gürtels im Bauchbereich notwendig. Dazu muss der Gürtel eng anliegen und sehr fest geschlossen sein. Darüber hinaus kann ein lockerer getragener Gürtel dem Trainierenden ein besseres Gefühl im Training sowie ein Feedback darüber geben, dass die Rumpfspannung verloren geht.

What’s next?


Nach Zughilfen und Gewichthebergürteln geht es beim nächsten Mal um Bandagen.

Du willst mehr zu einem bestimmten Hilfsmittel im Training erfahren? Dann her mit den Anregungen!

Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!

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