Er kam, sah und siegte

Die Bodybuilding-Karriere von Arnold Schwarzenegger

Bevor Arnold Schwarzenegger die Bühne des Bodybuildings betrat, existierten praktisch keine massentauglichen Fitness-Studios auf dem Planeten. Bodybuildern haftete noch immer ein Jahrzehnte altes Image der absonderlichen Jahrmarkt-Attraktion an und dass mit dem schlichten Aufbau eines muskulären Körpers Geld zu verdienen sein könnte, schien unvorstellbar. Wie gelang es dem Österreicher, all dies zu ändern?

Foto: Faz.net

Wer zu Beginn der sechziger Jahre hierzulande oder eben in Österreich als Heranwachsender mit dem Bodybuilding beginnen wollte, entschied sich zunächst einmal dazu, einem ausgesprochen ungewöhnlichen Hobby nachzugehen. Fußball-, Turn- sowie Leichtathletikvereine erfreuten sich einer großen Beliebtheit, außerdem gab es die Möglichkeit, sich etwa als Boxer oder Ringer körperlich mit anderen Athleten zu messen.

Darüber hinaus existierten auch bereits wenige Gemeinschaften, welche sich auf das Gewichtheben spezialisiert hatten. Bodybuilding war hingegen in Westeuropa nur äußerst spärlich vorhanden. Gut gebaute Filmstars wie Reg Park oder Steve Reeves begannen in den späten Fünfzigern jedoch damit, aus Hollywood für den Körperkult zu werben. Teenager wie der junge Arnold gehörten zu der ersten Generation, welche mit besagten Bildern aufwuchs.

Arnold Schwarzeneggers Ziel stand früh fest


Arnold hatte sich früh in den Kopf gesetzt, es seinen exotischen Vorbildern aus den Staaten gleichzutun und zunächst als Bodybuilder und später im Rahmen des Filmgeschäfts durchzustarten. Seine Eltern waren natürlich alles andere als begeistert von den Plänen ihres 14-jährigen Sohns, doch der Österreicher ließ sich nicht von seinem Vorhaben abbringen. Ob als Schüler, Lehrling oder Wehrdienstleistender: Arnold trainierte stets wie ein Verrückter.

Für das große Ziel war der spätere Terminator bereit, sich Ärger einzufangen. So brach er an einem Wochenende in eine Gewichtheber-Sportstädte ein, um auch außerhalb der Öffnungszeiten trainieren zu können. Im Rahmen seines Militärdiensts schlich er sich im Jahr 1965 eines nachts vom Gelände, um in Stuttgart an den Internationalen Juniorenmeisterschaft teilzunehmen. Zurück in Österreich musste der 17-jährige eine Woche in einer Zelle absitzen – mit seinem ersten größeren Titel als Bodybuilder in der Tasche.

Nach dem Wehrdienst verschlug es den jungen Arnold nach München. Er arbeitete in einem der wenigen Fitness-Studios und trainierte täglich vor sowie nach seiner Schicht. Insgesamt setzte der Österreicher auf Volumentraining. Bis zu vier Stunden am Tag schindete der spätere Schauspieler seine Muskulatur – besonders in Kalifornien sollte der Trainingsumfang geradezu irrwitzige Züge annehmen.

Lange verweilte Arnold Schwarzenegger nicht in Deutschland. Sein Ziel hatte er mehrfach exakt definiert: Die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Österreicher wollte der beste Bodybuilder der Welt werden und im Anschluss, genau wie sein großes Vorbild Reg Park, in Hollywood durchstarten. Daher bot sich Kalifornien als Wahlheimat an. Doch wie sollte es ein tendenziell mittelloser junger Westeuropäer nur zwanzig Jahre nach dem Ende des Krieges über den großen Teich schaffen?

Mr. Universum als Fahrkarte in die USA


Der größtmögliche Titel im europäischen Bodybuilding musste her: Mr. Universum, also ein Sieg auf der Weltmeisterschaft des NABBA. 1966 belegte Arnold in London für viele überraschend – praktisch niemand hatte zuvor je von ihm gehört – den zweiten Platz in der Amateur-Konkurrenz. Um sich die Reise ins Vereinigte Königreich leisten zu können, war der Österreicher zuvor auf Spenden seiner Freunde und Trainingspartner angewiesen. Im Folgejahr, im zarten Alter von 20, sicherte sich der Terminator schließlich den Sieg.

Darüber hinaus lernte Arnold sein großes Vorbild Reg Park persönlich kennen. Der britische Schauspieler fand Gefallen an dem talentierten Österreicher und nahm diesen kurzerhand auf eine Tour durch das Königreich mit. Arnold und Reg absolvierten Showauftritte und rührten die Werbetrommel für ihre Leidenschaft Bodybuilding. Nebenbei lernte der Österreicher, auf Englisch zu kommunizieren. Das Training durfte aber selbstverständlich auch im Rahmen besagter Rundreise niemals zu kurz kommen.

Nachdem der Titel bei den Amateuren eingetütet war, durfte sich Arnold mit der Elite des alten Kontinents messen. Die "Mr. Universum 1968"-Show sollte für den späteren Politiker einen Wendepunkt darstellen: Arnold gewann den Titel und sicherte sich damit die Aufmerksamkeit von Joe Weider. Denn der US-Amerikanische Geschäftsmann und Mitbegründer des IFBB saß im Publikum, um europäische Talente zu sichten.

Die neue Heimat von Arnold Schwarzenegger: Kalifornien


Joe bot Arnold an, ihn in die USA zu begleiten, um an der Mr Universum-Show des IFBB teilzunehmen. Der Österreicher stimmte begeistert zu und so stand der Terminator wenig später erstmals neben US-Größen wie dem späteren dreifachen Mr. Olympia Frank Zane, welchem sich Arnold zunächst noch beugen musste. Ein zweiter Platz stellte aber selbstverständlich dennoch einen großen Erfolg für den jungen Europäer dar.

Da Arnold sowohl sportlich auch als menschlich punkten konnte, nahm Joe das Ausnahmetalent unter Vertrag. Dem Österreicher gelang es darüber hinaus, sich erfolgreich dafür einzusetzen, dass auch der spätere zweifache Mr. Olympia Franco Columbu aus Italien eine Chance auf dem neuen Kontinent bekam. Die beiden Europäer lebten fortan gemeinsam in Kalifornien und tobten sich im berühmten Gold‘s Gym aus.

Im Folgejahr setzte sich Arnold erneut im Rahmen der europäischen Ausgabe von Mr. Universum durch. Beim IFBB durfte der Österreicher schon bald als ehemaliger Titelträger nicht mehr antreten. Für die gestandene Elite des US-Bodybuildings hatten die Weider-Brüder nämlich einen eigenen Wettbewerb kreiert: Mr. Olympia.

Das Preisgeld von 1.000 US-Dollar wanderte allerdings zunächst in die Tasche des Kubaners Sergio Olivia. Die Olympia-Show von 1969 sollte das letzte Event darstellen, welches Arnold nicht als Sieger verließ. Lediglich Chet Yorton (NABBA Mr. Universum 1966) sowie Frank Zane (IFBB Mr. Universum 1968) hatten den Österreicher vormals auf den zweiten Platz verwiesen. Davon abgesehen triumphierte der ambitionierte Europäer Zeit seiner aktiven Karriere auf allen Bühnen.


Anpassungsfähig zur Nummer eins


Obgleich Arnold Schwarzenegger ganz oben mitspielte, stellte der Sponsorenvertrag mit Joe Weider zunächst keine Möglichkeit dar, exklusiv vom Bodybuilding zu leben. So gründete der Österreicher mit seinem Freund Franco zusammen ein Konstruktionsbüro, darüber hinaus waren beide als Barkeeper tätig. Schauspielunterricht nahm der ambitionierte Europäer nebenbei ebenfalls – schließlich sah der Plan vor, später erfolgreich ins Filmbusiness einzusteigen.

Was das europäischevom nordamerikanischen Bodybuilding unterschied, war in den sechziger Jahren zweifelsfrei die Härte der Athleten. Während man in Europa wohl proportionierte Muskelmasse bevorzugte, honorierten die US-Judges atemberaubend definierte Athleten. So bot Arnold beispielsweise bei seinem ersten Wettbewerb in Übersee nennenswert mehr Masse als der erstplatzierte Frank Zane auf, die Form sprach aus Sicht der Kampfrichter allerdings klar für den deutlich leichteren US-Amerikaner.

Der Österreicher passte sich dem Geschmack der Judges an. Als es dem späteren Schauspieler 1970 schließlich gelang, auch in Sachen Härte mit seinen hartnäckigsten Rivalen Sergio Olivia und Frank Zane mitzuhalten, führte kein Weg mehr an ihm vorbei. So triumphierte Arnold erstmals bei Mr. Olympia und setzte sich an die Spitze der damals noch so kleinen Welt des professionellen Bodybuildings. Darüber hinaus gelangen dem Österreicher Siege beim europäischen Mr. Universe-Wettbewerb sowie der Mr. World-Show des IFBB.

Arnold Schwarzenegger unangefochten an der Spitze


Fortan entschied sich Arnold dazu, nur noch auf der potentiell größten Bühne aufzutreten: Mr. Olympia. Denn die Weider-Brüder setzten vieles daran, ihren Vorzeigewettbewerb als die weltweite Nummer eins zu etablieren. Wer sich ab 1971 im Rahmen einer von einem konkurrierenden Verband wie der NABBA ausgerichteten Show auf die Bühne stellte, wurde kurzerhand von Mr. Olympia ausgeschlossen.

Da Arnolds Konkurrenten die Warnungen von Joe Weider ignorierten und dennoch für fremde Verbände starteten, disqualifizierte der IFBB 1971 unmittelbar vor dem Wettkampf sämtliche Teilnehmer – bis auf den Titelverteidiger, welcher sich keinen Fehltritt erlaubt hatte. So wanderte das Preisgeld sowie die Trophäe kampflos in die Taschen des Österreichers. Besagte Maßnahme zeigte ihre Wirkung: Im Folgejahr traten auch Sergio Olivia, Frank Zane und Co. lediglich unter der Fahne des IFBB an.

Sportlich entwickelte sich Arnold stetig weiter. 1973 donnerte der Österreicher eines der spektakulärsten Gesamtpakete seiner Karriere aufs Parkett: Neben atemberaubender Masse bestach der Publikumsliebling mit einer für damalige Verhältnisse schwindelerregenden Definition seines 1,85 Meter großen Vorzeigekörpers. Im Folgejahr experimentierte der Europäer damit, noch mehr Volumen auf die Bühne zu bringen. Obwohl die Härte darunter etwas litt, stellte der Österreicher die Konkurrenz auch 1974 mühelos in den Schatten.

Riesenerfolg "Pumping Iron"


Im Anschluss begann Arnold damit, einen größeren Fokus auf seine Karriere als Schauspieler zu legen. Für eine Nebenrolle in dem Film "Stay Hungry" musste der amtierende Mr. Olympia gut zwanzig Kilogramm an Muskelmasse verlieren. Gute Kritiken und neue Angebote aus Hollywood veranlassten den Europäer dazu, über einen Rücktritt aus dem professionellen Bodybuilding nachzudenken.

Als allerdings die Produzenten des Films "Pumping Iron" im Gold‘s Gym auftauchten und den Star der immer noch sehr kleinen Szene darum baten, sich ein weiteres Mal auf den größten aller Wettbewerbe vorzubereiten, stimmte der Österreicher zu. Auch wenn die Dokumentation ursprünglich nur in kleinen Kinos als eine Art Vorabendprogramm hätte laufen sollen, ergab sich für Arnold die Möglichkeit, die Schauspielsparte in seinem Lebenslauf um eine Hauptrolle zu erweitern.

So stürzte sich der Österreicher, stets von einem kleinen Kamerateam begleitet, in die Vorbereitung auf Mr. Olympia 1975. Auch wenn Arnold im Vergleich zu den Vorjahren weniger Muskelmasse präsentierte und der New Yorker Lou Ferrigno im Rahmen der Dokumentation als große Bedrohung für den Titelträger dargestellt werden sollte, fuhr der Terminator seine sechste Trophäe in Serie schlussendlich relativ ungefährdet ein. Noch auf der Bühne verkündete Arnold schließlich das Ende seiner aktiven Karriere.

Die Dokumentation "Pumping Iron" schlug 1977 ein wie eine Bombe. Es dauerte nicht lange, bis das Meisterwerk auch in den großen Kinos gezeigt wurde. Die breite Bevölkerung verknüpfte Bodybuilding plötzlich mit Persönlichkeiten, Gesichtern und einem unverwechselbaren Lifestyle. Ende der siebziger Jahre entstanden hunderte Fitness-Studios auf dem nordamerikanischen Kontinent – und der Name Arnold Schwarzenegger war ganz Hollywood schlagartig ein Begriff.


Pionierarbeit als Schauspieler


Bevor Bodybuilding allerdings zu einem Milliarden-Dollar-Industriezweig werden sollte, musste der Österreicher als Schauspieler weitere Pionierarbeit leisten. Auf dem Weg dahin trat Arnold allerdings noch ein weiteres Mal als professioneller Bodybuilder in Erscheinung: 1980, inmitten der Vorbereitung auf seine erste große Hauptrolle als "Conan der Barbar", entschied sich Arnold dazu, der Mr. Olympia-Show einen Besuch abzustatten. Nicht jedoch, wie von seinen Konkurrenten bis zum Vortag erwartet, als Fernsehexperte, sondern in der Rolle eines Wettbewerbers.

Zwar präsentierte sich der Österreicher nicht mehr so formstark und voluminös wie in den Siebzigern, die Jury konnte er allerdings trotzdem von sich überzeugen. Bei Franz Zane sowie Mike Mentzer, den im Vorfeld als Favoriten auf den Titel gehandelten Konkurrenten des Terminators, stieß die Entscheidung der Wettkampfrichter auf derart viel Unverständnis, dass beide die Show im Folgejahr boykottierten.

Fortan konzentrierte sich Arnold auf sein Wirken in Hollywood. "Conan der Barbar" fuhr zwar keine allzu überragenden Kritiken ein, die Massen strömten im Jahr 1982 dennoch in die Kinos, um den durch "Pumping Iron" berühmt gewordenen Europäer schauspielern zu sehen. Der einzigartige Stil des Österreichers verhalf ihm schließlich zu Rollen in "Terminator" oder "Predator" – nebenbei inspirierte der Bodybuilder in den Achtzigern und Neunzigern Millionen von Menschen rund um den Globus dazu, sich dem Muskelaufbau zu widmen.

Hollywoods muskelbepackte Actionstars katapultierten Bodybuilding – angeführt von Arnold – aus dem Nischendasein in die Mitte der Gesellschaft. Fitness-Studios und bezahlbare Supplements waren plötzlich für jedermann verfügbar. Wie groß die Strahlkraft des Österreichers zu besagter Zeit gewesen ist, lässt die Tatsache, dass es Arnold im Jahr 2003 sogar gelang, sich als Ausländer zum Gouverneur von Kalifornien wählen zu lassen, in etwa erahnen.

Dem Bodybuilding ist der Österreicher bis zum heutigen Tag treu geblieben. Ob als Ausrichter der alljährlich stattfindenden Arnold Classic, Hauptdarsteller in geradezu nostalgisch anmutenden Actionfilmen aus dem vergangenen Jahrhundert oder gefragter Interviewpartner: Arnold Schwarzenegger stellt auch über vierzig Jahre nach seinem letzten Titel als Bodybuilder eine der Schlüsselfiguren im gesamten Business dar.

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