Bodybuilding und Alkohol – Passt das zusammen?

Ein Artikel von Bodybuilding.com
von David Robson

Alkohol (Ethylalkohol oder Ethanol) ist eine der ältesten und am meisten konsumierten Drogen, welche viele unterschiedliche Wirkungen auf den Körper hat – die meisten hiervon sind eher negativ. Historisch gesehen wurde Alkohol für viele Tragödien und Probleme in der Geschichte der Menschheit verantwortlich gemacht – vom Fall des römischen Imperiums ("What’s your Poison"; 1997)(1) bis hin zur Auflösung vieler Familien. Ironischerweise wird Alkohol aus relativ harmlosen Substanzen hergestellt.

Fermentiertes Getreide, Fruchtsäfte und Honig werden seit tausenden von Jahren für die Herstellung von Alkohol verwendet. Der Alkoholkonsum überbrückt Nationalitäten und Demographien da er zur Entspannung und als Quelle der Sinneslust dient. Alkohol besitzt zusätzlich zu den erwähnten sozialen und entspannenden Eigenschaften auch einige gesundheitsfördernde Eigenschaften wie die Verdünnung des Blutes und weitere positive Wirkungen auf das Herz-Kreislauf System.

Die für diese gesundheitsförderlichen Wirkungen benötigten Mengen an Alkohol sind jedoch sehr gering (1 – 2 Gläser in den meisten Fällen). Alles diese Dosierung überschreitende wiegt diese positiven Eigenschaften im negativen Sinne wieder auf. Dies liegt zum Teil daran, das Alkohol eine das zentrale Nervensystem beruhigende Substanz darstellt, welche das Gehirn entspannt und Hemmungen abbaut.

Die Fähigkeit rational zu denken, der emotionale Status, die Urteilsfähigkeit, die Sprache und die Muskelkoordination werden durch Alkoholkonsum beeinträchtigt. In Extremfällen kann übertriebener Alkoholkonsum zu Koma und Tod führen. Alkohol ist besonders für Bodybuilder und auch für jeden anderen Sportler von nachteiliger Wirkung, da er Regeneration, Proteinsynthese, Hydration des Körpers und der Muskulatur, Motivation und Nahrungsaufnahme beeinträchtigen kann. Im Endeffekt stellt der Alkoholkonsum eine unnötige Belastung dar, welche die Erreichung der persönlichen Ziele erschwert.

Ein Überblick über wissenschaftliche Studien zum Thema Alkohol zeigt, dass Alkohol für jedes einzelne Organ im Körper giftig ist und jeden, der Alkohol in einem bestimmten Maße konsumiert, negative beeinträchtigen wird (1, 6, 7, 8) . Dieser Artikel ist nicht dazu gedacht, den Leser davon abzuhalten Alkohol in moderaten Mengen zu konsumieren, doch er wird aus der Sicht eines Wissenschaftlers die für einen Sportler negativen Auswirkungen näher betrachten. Prost!

Die Wirkungen des Alkohols

Ethylalkohol ist ein sehr kleines Molekül, welches sowohl in wässrigen als auch in fettigen Lösungen löslich ist. Alkohol wird primär in der Leber verstoffwechselt, wo Enzyme mit dem Namen Alkoholdehydrogenase die Alkoholmoleküle in Acetaldehyd aufbricht, welches dann in Acetat umgewandelt wird.

Acetat wird zu den Stoffen Kohlendioxid und Wasser verstoffwechselt, welche anschließend vom Körper ausgeschieden werden. Alkohol wird vom Dünndarm (80 %) und Magen (20 %) schnell absorbiert, bevor irgendwelche anderen Nahrungsmittel verdaut werden.

Diese Eigenschaften bewirken, dass der Alkohol schnell in den Blutkreislauf gelangt und die Blut-Hirn Schranke leicht passieren kann. Hierauf beruht auch die sofortige Wirkung von Alkohol auf den Denkprozess. Alkohol besitzt einige schädliche Auswirkungen auf das Gehirn, von denen zwei an dieser Stelle näher betrachtet werden sollen.

Wenn der Alkohol die Blut-Hirn Schranke einmal überschritten hat, berauscht er die Hirnrinde (der Teil des Gehirns, der für ausführende Funktionen wie rationales Denken verantwortlich ist) und arbeitet sich dann zum Limbischen System vor, wobei er dieses nicht beeinflusst. Dies stellt sich als Problem heraus, da das Limbische System, welches den primitivsten Teil des Gehirns darstellt, nun die Rolle des rationalen Denkens übernimmt.

Dieser Sachverhalt ist deshalb problematisch, da das Limbische System vollständig emotional gesteuert ist und man aus diesem Grunde rein emotional anstatt rational (mit der Gehirnrinde) zu denken beginnt. Eine überraschend geringe Menge an Alkohol hat bereits einen sofortigen Einfluss auf die Fähigkeit die eigenen Emotionen zu kontrollieren und richtig zu beurteilen. Eine vergleichsweise große Menge an Alkohol kann dazu führen, dass man aggressiv wird und die Kontrolle über sich selbst völlig verliert.

Wie bereits erwähnt, ist Alkohol auch eine Art Beruhigungsmittel. Seine beruhigende Wirkung beruht auf einer verstärkten Aktivität des GABA Systems(2). Mit anderen Worten gesagt, bewirkt der Alkoholkonsum einen verstärkten Bedarf an GABA. GABA ist ein Neurotransmitter, der für eine Einschränkung oder Unterdrückung der Erregbarkeit des Gehirns verantwortlich ist. Glutamat ist der Neurotransmitter, der genau die gegensätzliche Wirkung besitzt, da er für die Erregbarkeit des Gehirns verantwortlich ist. Die Glutamatmenge kann durch die Einnahme verschiedener Stimulanzien erhöht werden. An dieser Stelle wird das Ganze etwas komplex.

Die postsynaptischen Rezeptoren (die Rezeptoren des Gehirns, welche Nachrichten und Signale von anderen Gehirnzellen empfangen) für GABA, GABA-A, werden angeregt und reagieren mit einer Hyperpolarisation der Zellmembran und einer Reduzierung der Möglichkeit des Auftretens eines Aktionspotenzials. Ein Aktionspotenzial ist eine elektrische Ladung, die durch ein Neuron propagiert wird, welche dann verursacht, dass dieses Neuron stimuliert wird. Es wird noch schlimmer.

Wenn eine ausreichende Menge an Alkohol konsumiert wurde, gewöhnen sich die GABA Rezeptoren mit der Zeit an eine bestimmte Menge Alkohol und es wird mehr benötigt, um dieselbe beruhigende und berauschende Wirkung zu erzielen. Kurz gesagt, es tritt ein Gewöhnungseffekt ein. Mit mehr und mehr Alkohol steigt das Potenzial für eine Fehlfunktion der GABA Rezeptoren. Dies kann zu einer Übererregbarkeit führen, welche Angstzustände, Zittern, Orientierungslosigkeit und Halluzinationen verursachen kann, die dann auftreten, wenn man keinen Alkohol zu sich nimmt.

Dies ist Alkohol in seiner destruktivsten Form.

Zusätzlich zu den destruktiven Wirkungen, die Alkohol zum Zeitpunkt des Konsums hat, kann es auch zum Absterben von Nervengewebe kommen, wenn der Alkoholkonsum beendet wird. Wie bereits erklärt dockt GABA (ein hemmender Neurotransmitter) nach der Zufuhr von Alkohol an den GABA-A Rezeptor an. Wenn dies geschieht, wird ein Chloridkanal geöffnet und extrazellulares Chlorid gelangt in einen intrazellularen Bereich am Rezeptor. Hierdurch wird das Neuron hyperpolarisiert und ein erregendes postsynaptische Potential (EPSPs) kann, wie bereits erwähnt, nicht zustande kommen.

Der wichtigste Punkt ist an dieser Stelle, dass Alkohol die Fähigkeit des GABA, Chloridkanäle zu öffnen, fördert. Bei einem größeren (chronischen) Alkoholkonsum kann das Neuron auf längere Sicht vollständig vom Alkohol und seiner GABA Funktion abhängig werden. Zum Zeitpunkt der Chloridaufnahme verursacht ein anderer Prozess, der die Glutamin (anregender Neurotransmitter) Rezeptoren betrifft, weitere Probleme.

Das Glutamatsystem wird bei einem Alkoholentzug hoch geregelt und die Aktivität der Kalziumionenkanäle wird angeregt. Kalzium gelangt dann in großen Mengen direkt zum postsynaptischen Neuron, wodurch das Neuron abstirbt. Dies geschieht insbesondere nach extremen, regelmäßig stattfindenden Alkoholexzessen.

Die Auswirkungen für Sportler

Alkohol ist für Sportler besonders schädlich, da er viele Prozesse behindert, die für den sportlichen Erfolg so wichtig sind(3, 5) . Hiervon sind unter anderem mentaler Fokus, körperliche Leistungsfähigkeit, Regeneration und Wiederaufbau betroffen. Wenn man bedenkt, dass die Auswirkungen des Alkoholkonsums mehrere Tage andauern können, sollte ein Sportler der sich auf einen Wettkampf vorbereitet, lieber auf Alkohol verzichten.

Auch wenn Alkohol vom Körper sehr schnell aufgenommen wird, dauert es doch sehr lange, bis er vom Körper vollständig verstoffwechselt bzw. abgebaut wird und seine Wirkungen können die sportlichen Leistungen noch bis zu 48 Stunden nach dem letzten Drink beeinträchtigen.

Angenommen ein Sportler muss innerhalb von 48 Stunden nach dem Alkoholkonsum eine sportliche Leistung vollbringen, so können zwei oder drei Standarddrinks folgendes bewirken:
  • Verringerte Kraft
  • Beeinträchtigung der Reaktionszeit
  • Beeinträchtigung der Koordination von Hand und Auge
  • Beeinträchtigung der Fein- und Grobmotorik
  • Verstärkte/schnellere Ermüdung: Die Funktion der Leber ist nach dem Konsum von Alkohol signifikant beeinträchtigt. Die Leber kann bis zu 48 Sunden nach dem letzten Glas Alkohol mit dessen Verstoffwechslung auf Kosten des Glykogens beschäftigt sein. Wenn man bedenkt, dass Glykogen für die meisten Körperfunktionen auf zellularer Ebene lebenswichtig ist, kann es zu körperlicher Ermüdung, Beeinträchtigung der kognitiven Leistungen und Kraftverlust kommen, wenn nicht genug Glykogen zur Verfügung steht oder es nicht effizient genutzt werden kann. Weiterhin werden Reaktionszeit, Balance und Koordination durch diesen Prozess beeinträchtigt – ganz zu schweigen von den bereits erwähnten direkten neurochemischen Wirkungen, die Alkohol auf das Gehirn ausübt.
  • Beeinträchtigung der Regulierung der Körpertemperatur
  • Dehydrierung: Alkohol beeinflusst die Funktion der Nieren, wodurch die Regulierung der Elektrolyte und Flüssigkeiten im Körper beeinträchtigt wird(7). Der Abtransport zellularer Abfallprodukte und die Versorgung mit Nährstoffen sind die Hauptfunktionen der Flüssigkeiten und Elektrolyte, welche über die Funktion der Nieren gesteuert werden. Die Nieren filtern zum Zwecke des Abbaus von Alkohol große Mengen an Wasser aus vielen Bereichen des Körpers, zu denen auch das Gehirn zählt. Dies führt zu einer Dehydration, welche die Leistungsfähigkeit eines Sportlers vermindern kann.
  • Verringerung der aeroben Kapazität und negativer Einfluss auf die Ausdauer für einen Zeitraum von bis zu 48 Stunden nach dem letzten Glas Alkohol.
  • Beeinträchtigung der zellularen Reparaturvorgänge: Der Proteinstoffwechsel ist negativ beeinträchtigt, so lange sich Alkohol im Körper befindet. Dies hat, wie unschwer erkennbar ist, negative Auswirkungen auf Reparaturvorgänge in der Muskulatur.
  • Negativer Einfluss auf das Herz-Kreislauf System: Alkoholkonsum steigert den Blutdruck, was dazu führen kann, dass das Herz schwerer arbeiten muss, um den Körper mit Blut zu versorgen(8). Auch Herzrasen (Tachykardie) kann durch Alkoholkonsum ausgelöst werden. Weiterhin erhöht Alkohol die Cholesterinsyntheserate, wodurch das Risiko für Erkrankungen der Koronararterien (Herzkranzgefäße) steigt.
  • Gestörter/unruhiger Schlaf: Alkohol beeinträchtigt den erholsamen Schlaf(4). Man kann zwar aufgrund der beruhigenden Wirkung des Alkohols zunächst schneller einschlafen, doch die Schlafqualität (besonders die REM Phase) wird durch den Alkohol beeinträchtigt.

  • Erschöpfung der Vitamin- und Mineralstoffvorräte des Körpers: Die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen, welche für die Gesundheit und auch die sportliche Leistungsfähigkeit essentiell wichtig sind, wird beeinträchtigt, während die körpereigenen Vorräte langsam entleert werden, wenn Alkohol konsumiert wird. Selbst ein oder zwei Drinks pro Tag (angeblich die "empfohlene" Menge an Alkohol) kann bereits diese Wirkung zeigen. Die Vorräte an B Vitamine, welche wichtige enzymatische und stoffwechseltechnische Funktionen im Körper erfüllen, werden besonders schnell abgebaut (8). Dies hat einen schädlichen Einfluss auf Herz, Leber, Schilddrüse und Nieren. Auch die Vorräte an Vitamin A werden erschöpft, wodurch das Immunsystem des Körpers geschwächt wird. Die Erschöpfung der Vitamin C Vorräte erhöht die Anfälligkeit für Anämie. Außerdem scheidet der Körper nach dem Konsum von Alkohol die doppelte Menge an Kalzium aus, wodurch das Knochenwachstum und die Wundheilung beeinträchtigt werden.
  • Verursachung kognitiver Beeinträchtigungen: Kognitive Beeinträchtigungen (Konzentrationsstörungen und Hirnschäden) treten in Folge einer ganzen Reihe von Mechanismen auf(6, 7). Eine alkoholbedingte Beeinträchtigung des Schlafes trägt zu einer unzureichenden Wiederherstellung der neuronalen Prozesse bei. Der Effekt der GABA-A Stimulation kann, wie oben beschrieben, zum Absterben von Neuronen beitragen.
  • Ein Glykogenmangel im Gehirn als Resultat des Alkoholabbaus durch die Leber, führt zu langsameren, teilweise wirren Denkvorgängen.
Dies sind nur einige Faktoren. Es gibt noch viele weitere, die den Rahmen dieses Artikels jedoch sprengen würden. Die Auswirkungen kognitiver Beeinträchtigungen können für einen Sportler schwerwiegend sein: Verlust an Motivation, Fokus und Leidenschaft in Verbindung mit reduziertem Scharfsinn und verschlechterter neuromuskularer Reaktionen.

Die hier beschriebenen Auswirkungen sind nur einige der Offensichtlicheren. Es gibt noch viele weitere, deren Beschreibung und Erklärung leicht ein ganzes Buch füllen würde.

Schlussfolgerung

Auch wenn Alkohol die Leistungsfähigkeit zwischen 25 und 48 Stunden nach dem letzten Drink stark beeinträchtigt, besitzt er zusätzlich länger währende, mehr indirekte negative Wirkungen. Die reduzierte Qualität von Training und Schlaf in der Zeit nach dem Alkoholkonsum kann eine Reduzierung der Leistungsfähigkeit verursachen, die noch einige Tage nach diesem Zeitraum spürbar sein kann.

Somit ist es wahrscheinlich das Beste, ganz auf Alkohol zu verzichten, wenn man trainiert, um zu gewinnen. In der Tat besteht die einzige Möglichkeit den negativen Auswirkungen von Alkohol aus dem Weg zu gehen darin, auf seinen Konsum völlig zu verzichten.





Quellen

  • What's Your Poison.(1997). [On line] http://www.abc.net.au/quantum/poison/alcohol/alcohol.htm
  • Aguayo LG. Ethanol potentiates the GABAA activates Cl- currents in mouse hippocampal and cortical neurons. Eur J Pharmacol 1990;187:127-130.
  • Bloomfield, J. Fricker, P.A. & Fitch, K.D.(1992). Textbook of Science and Medicine in Sport. Blackwell Scientific Publications: Australia.
  • Walsh J K. Sedative effects of ethanol at night. Journal of Study on Alcohol, 1991, 6, pp. 597-600.
  • Burke, L.(1992). The Complete Guide to Food for Sports Performance. Allen and Unwin: Australia.
  • Dodes. L. M.(2002).The Heart of Addiction: A New Approach to Understanding and Managing Alcoholism and Other Addictive Behaviors: Quill, USA.
  • Hunt WA. Are binge drinkers more at risk of developing brain damage? Alcohol 1993;10:559-561.
  • Science in Africa.(2004). Alcohol and the Inevitable Hangover From Over Consumption. [On line] http://www.scienceinafrica.co.za/2001/december/drinks.htm

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