Platz 1 Team Andro Schreibwettbewerb 2014

Bodybuilding vs. Alltag?!

Wir Bodybuilder sind schon ein recht komisches Völkchen unter den Otto-Normal-Verbrauchern von Heute. Wir selbst sehen für Außenstehende meist in etwa so "natürlich" aus, wie die vollmundigen Lippen einer Chiara Ohoven (welche aufgrund einer sehr hellen Haarfarbe zeitweise recht seltsam aussahen). Das Wort "Genussmittel", müssen einige von uns wohl erst im Duden nachschlagen, oder zumindest googeln, um etwas damit anfangen zu können. Jedoch, was für uns als selbstverständlich anzusehen ist, wirkt vor allem für Außenstehende oft sehr abstrus.

Versucht man die "gewöhnlichen" Geschehnisse des Alltags eines Bodybuilders einmal von außen zu beleuchten, so muss man sich selbst eingestehen, dass wir nicht so ganz normal sein können.

Ich möchte versuchen, den Alltag eines Bodybuilders, zu reflektieren , um den ein oder anderen unter uns vielleicht ein wenig zum Nachdenken, wohl eher aber zum Schmunzeln – mit den Magerquark gefüllten Pausbäckchen –, zu bewegen.
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    Es beginnt bereits unmittelbar nach dem Aufstehen, wo es heißt, so schnell es geht, also binnen Sekunden, den katabolen, zerfressenen Körper mit schnell verwertbaren Proteinquellen zu versorgen. Zeit für einen Guten-Morgen-Kuss kann da nicht bleiben, denn jede Sekunde zählt! Jedoch muss die Herzallerliebste dafür Verständnis haben, denn dafür erntet sie schließlich diesen fantastischen Körper.
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Es ist Wochenende und die Sonne scheint. Da wir heute den gezwungenermaßen trainingsfreien Tag haben, schlägt die Herzdame vor, SPONTAN einen Ausflug zum nächstgelegenen Baggersee zu unternehmen. Kein Problem, denken wir uns, wenn man uns früh genug Bescheid sagt, sind wir sehr spontan.

Wir werfen einen gekonnten Blick auf die Uhr. Es ist jetzt 10 Uhr, bis 12 Uhr sollten wir fertig sein mit der Planung für unseren SPONTANAUSFLUG. Nach den wichtigsten Informationen bezüglich der spontanen Reiseplanung (wohin, wie lange, mit wem, wieso, warm, kalt etc. pp.) begeben wir uns in die Küche, um akribisch unser Essen für nächsten Stunden in spontaner Zweisamkeit zu packen. Nachdem die Pute mit Reis, der ein oder andere Shake, ca. 12 Liter Wasser und hier und da ein paar bunte Pillen zurecht gepackt wurden, ist es mittlerweile nach 12 Uhr. Jedoch muss die Herzallerliebste dafür Verständnis haben, denn dafür erntet sie schließlich diesen fantastischen Körper.

Voll beladen, wie die Zähne nach einem Mohnbrötchen, geht es dann nun auf gen Süden. Während sich die Herzdame auf einen schönen Nachmittag in der Sonne freut, brodelt es in uns drin. Was ist, wenn jemandem auffällt, dass meine Brust nach wie vor meine Schwäche ist?! Ich hätte es mit dem Wadentraining noch ernster nehmen müssen. Ich wollte doch noch trockener sein diesen Sommer… Verdammt, warum habe ich mich auf so einen Ausflug nur eingelassen!? Jedoch muss die Herzallerliebste dafür Verständnis haben, denn dafür erntet sie schließlich, zuhause, alleine, im stillen Kämmerchen, diesen fantastischen Körper.

Angekommen am Baggersee und von der Hitze und den Muskeln in die gnadenlosesten Schweißausbrüche getrieben, würde die Herzdame gerne ein paar Bahnen ziehen gehen. Natürlich kommen wir mit ins Wasser (nass sehen die Muskeln ohnehin besser aus). Schwimmen jedoch geht absolut nicht, jegliche sportliche Betätigung außerhalb des Fitnessstudios weckt sofort den katabolen Teufel in dir und lässt dich binnen Sekunden schrumpeln wie eine gefälschte Viagra. Also nach dem kurzen Benetzen der muskulösen Pracht, wieder ab auf die Handtücher und die nächste Mahlzeit rein. Jedoch muss die Herzallerliebste dafür Verständnis haben, denn dafür erntet sie schließlich diesen fantastischen Körper.

Team Andro Schreibwettbewerb 2014 - Platz 4: Passion fucking trumps everything

Nachdem auch die letzte Mahlzeit gegessen wurde, ist es an der Zeit den spontanen Ausflug möglichst schnell zu beenden. Da es weit und breit keine geeignete Gastronomie gibt, abgesehen von 150 verschiedenen Essensmöglichkeiten, die allerdings nichts "Anständiges" zu bieten haben, geht es auf dem schnellsten Weg nachhause. Ein paar Minuten, nachdem die nächste Mahlzeit fällig gewesen wäre, stürmen wir zuhause rein.
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    Schnell haben wir ein kreatives Mahl zurecht gezaubert. Es wird "transatlantische Meeresfrüchte ala H2O mit semi-natürlicher Brausekreation" geben. Oder einfach, eine Dose Thunfisch in den Mixer und mit Cola Zero runter gewürgt. Denn, seien wir mal ehrlich, man kann einfach schneller trinken als essen.
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Nachdem nun auch endlich die Herzdame sämtliches Gepäck aus dem Gefährt geholt hat, bekommt sie einen wohlriechenden Kuss aufgedrückt. Jedoch muss die Herzallerliebste dafür Verständnis haben, denn dafür erntet sie schließlich diesen fantastischen Körper.

Nach einem gemütlichen Film zu zweit und dem ein oder anderen, einer Naturkatastrophe gleichkommenden Protein-Furz, ist es Zeit schlafen zu gehen. So wird noch ganz rasch ein halber KG Magerquark inhaliert, um den katabolen Teufel zumindest eine Zeit lang mit den Mächten des Casein bekämpfen zu können. Nachdem die Zähne geputzt, eine Hand voll ominöser Pillen genommen und die Sieben Pflichtposen vor dem Spiegel abgehakt sind, können wir ruhigen Gewissens zu der bereits schlafenden Herzdame ins Bett steigen. Jedoch muss die Herzallerliebste dafür Verständnis haben, denn dafür erntet sie schließlich, auch Morgen wieder, diesen fantastischen Körper!

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Bild: Nomadic Lass

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