Love your Body

#Bodylove – Ist das auch für mich?

Ist man in den letzten Jahren vermehrt in sozialen Netzwerken und Seiten mit Selbstdarstellungspotential unterwegs, stolpert besonders frau (und sicher auch man) vermehrt über die Schlagworte Bodylove, Body Positivity und Bodyshaming. Schaut man ganz objektiv auf diese Begriffe, scheint zunächst nichts falsch daran. Wir sollen unseren Körper lieben, ihn positiv und wohlwollend betrachten und möglichst nicht, auch wenn nie perfekt, shamen, also "runtermachen". Das Entstehen solcher Begrifflichkeiten und die damit verbundene Onlinebewegung scheinen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Das Internet wird regelrecht überschwemmt mit Beiträgen, Fotos, Blogs und Videos - #Bodylove.

Selbst Online-Persönlichkeiten, die sich jahrelang über Makeup- und andere ästhetische Tutorials profilierten setzen nun auf filterlose und unbearbeitete Beiträge. Warum ist das so? War da was überfällig? Und welchen Weg schlägt das nun ein?

Foto: Frank-Holger Acker

Empört schauen alle auf gesellschaftskritische Studien: Eine Frau sieht pro Tag im Schnitt 400 Mal ein Bild, das ihr suggerieren will, wie sie auszusehen hat! Ich könnte schwören, letztes Jahr waren es noch 300 Mal?! Gibt es entsprechende Zahlen für Männer? – Ich habe keine gefunden. Aber auch diese existieren, in schwindelerregenden Höhen, mit großer Sicherheit. Nun setzen sich die Allgemeinbevölkerung und allen voran die sogenannten Influencer in Bewegung. Auf Instagram und Pinterest begannen vor allem Userinnen Massen an Bildern zu posten, welche sie in "unvorteilhaften" Positionen, ohne Makeup und Styling zeigten. Der Fokus fiel nun auf dem Mut Cellulite, Speckröllchen und Dehnungsstreifen der ganzen virtuellen Welt zu präsentieren. "Liebe dich, so wie du bist und lass es andere wissen! " Die Resonanz dieser Bewegung begann schnell weite Kreise zu ziehen.

Zahlreiche Firmen geben viel Geld aus, um diesen neuen Trend zu unterstützen. Dove investierte zum Beispiel große Summen um Videos und öffentliche Werbung zum Thema "Real Beauty" zu produzieren. Auf den Postern sieht man anstatt Models im 90/60/90-Format nun Gruppen von Frauen jeder Körperform, ethnischen Herkunft und Größe. Wohlgemerkt nicht jedes Alters und Athletinnen oder gar Bodybuilderinnen finden sich darunter ebenso nicht. Modelabels und Kosmetikhersteller ließen verkünden, dass sie "Magermodels" entlassen und begannen "normale Models" für ihre Kampagnen einzusetzen. Was sind "normale Models"? – Naja, eine Frau, die auch nebenan wohnen könnte. - Ach so!

Nun wird dieser Text auf einem bekannten Portal von der ein oder anderen Krafttraining-begeisterten Person gelesen und die Frage formt sich: "Body Positivity", schöner Gedanke, ist das auch was für mich?
Liest man die Beiträge der Teilnehmerinnen der Strandfiguraktionen der letzten Jahre aufmerksam muss man die Frage nur verhalten mit "Ja!" beantworten. An dieser Stelle entschuldige ich mich für den Fokus auf die Damen der Schöpfung, da ich selbst hier nur aus Erfahrung schreibe und daher mir kein Urteil über die Resonanz erlauben kann, die den Herren entgegengebracht wurde.

Zu Beginn begegnete uns die Frage "Und welchen Weg schlägt das nun ein?" und genau da beginnt meine Irritation. Meine Gewichtsreduktion, die subjektive Optimierung meiner Ernährung und die eins, zwei Extramukkis, die ich in den fünf Monaten drauf gepackt habe, stoßen nur bei mir auf einen Anstieg der "Body Positivity". Mein Umfeld sieht das größtenteils vollkommen anders. Aufmerksames Lesen der Beiträge meiner Mitstreiterinnen zeigt: Damit bin ich absolut nicht allein.
Witze, Kommentare, offene Kritik bis hin zu heftigen persönlichen Beleidigungen sind keine Seltenheit. Da liebt frau ihren Körper so sehr, dass sie all das Training, Tracking und Diäten auf sich nimmt, um die Form zu verbessern, sich besser zu ernähren und das ein oder andere Kilo zu verlieren. Dies fällt jedoch anscheinend für so manchen nicht unter #Bodylove und verdient im schlimmsten Falle Abwertung.
Googelt man heute Bodylove bekommt man Listen der besten Blogs und wichtigsten Influencer der Bewegung vorgesetzt. Athletinnen, Bodybuilderinnen und Powerlifterinnen finden sich darunter wenn überhaupt nur selten.

Besonders fällt mir dabei auch ins Auge, dass enorm viele Berichte sich damit auseinandersetzen, dass Personen zugenommen haben und dafür gefeiert werden. Bodylove bedeutet also Zunehmen beziehungsweise schon vorher mehr Gewicht haben? Also ist #Bodylove nur für die, die dem Medien-generierten Schönheitsideal nicht entsprechen? "Aber Moment einmal!", sagt sich die Krafttrainierende mit Freude über den Zentimeter mehr Bizeps, "Gilt das nicht für mich auch?" Muskulöse Damen findet man auf den Werbepostern an der Bushaltestelle genau so selten. Nun übrigens noch seltener als Abbildungen der "Frau von Nebenan".

Ich frage mich: "Wer schreibt denn die Regeln für #Bodylove?" Warum bin ich in dem Moment raus, in dem ich mich dafür entscheide meinen Körper zu formen. Ich hasse mich doch nicht, ich ändere nur, was ich kann, wenn ich es möchte. Die Liebe sieht bei mir nun einmal anders aus, als bei anderen. Ist es deshalb keine Liebe?

Das ist doch am Ende die wichtige Frage, die man sich stellen sollte: Tue ich das aus Liebe zu mir selbst? Und wenn man diese Frage klar mit "Ja!" beantworten kann, ist erstmal absolut nichts falsch an meiner Motivation. Wie diese Selbstliebe dann aussieht, ist doch jedem selbst überlassen und sie verdient zunächst erstmal den Respekt und die Akzeptanz des Gegenübers. Dies schließt konstruktive Kritik und eine angeregte Diskussion ja nicht aus.

Foto: Frank-Holger Acker

Am Ende ist dieser Text auch für die leisen Personen, die enttäuscht sind vom Gegenwind, der einer Person mit Freude an Kraftsport ab und zu entgegenschlägt. Harte Arbeit zieh immer auch Neider und die Projektion von Frust anderer Menschen auf den eigenen Kopf an. Viele gehen damit ganz locker um, viele trifft das innerlich sehr. Es ist schon hart, wenn man viel Arbeit und Disziplin investiert hat, nur um sich zum Beispiel auf der nächsten Party anzuhören, dass man "ja wie ein Mann aussieht" (was als Aussage auch wieder tief blicken lässt!) und dass das doch keiner schön finden kann! – "Doch, ich!" und das reicht. #Bodylove

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