Brown et al. (2000): Andro-6

Die Studie13 untersucht die Auswirkungen des Produktes Andro-6 der Firma EAS.
Die Bestandteile von Andro-6, in welcher täglichen Menge sie während der Studie verabreicht wurden, und was sie bewirken sollen, zeigt die folgende Tabelle.



In der Werbung zu Andro-6 wurde übrigens versprochen, dass das Produkt seine Wirkstoffe zeitverzögert freisetzt. Dies soll dazu führen, dass gleichmäßigere Blutkonzentrationen erreicht werden.

Die Methodik der Studie ist ähnlich zu den beiden bereits vorgestellten Studien von King et al. (DHEA und Androstendion) aufgebaut:
  1. Insgesamt nahmen 30 Männer im Alter von 19 – 29 Jahren teil.
  2. Bei 10 Männern wurden die kurzfristigen hormonellen Effekte von einem Drittel der Andro-6 Tagesdosis über 6 Stunden untersucht.
  3. Die anderen 20 Männer erhielten Andro-6 über einen längeren Zeitraum in der oben angegebenen Dosierung aufgeteilt auf drei Gaben pro Tag.
    Die Gruppe durchlief ein achtwöchiges Krafttraining und es wurden die Kraftzunahme, die Körperzusammensetzung sowie diverse Hormon-, Lipid- und Leberwerte untersucht. Auch eine Muskelbiopsie und ein Glukosetoleranztest wurden durchgeführt.
Ich will mich diesmal auf das aus meiner Sicht wesentliche konzentrieren – auf die Hormone. Die Ergebnisse der anderen Messungen werde ich nur dann detailliert darstellen, wenn etwas Interessantes dabei herauskam und ansonsten zusammenfassen.

Um die kurzfristigen hormonellen Auswirkungen von Andro-6 untersuchen zu können, erhielt die Gruppe mit den 10 Männern an zwei Terminen, die eine Woche auseinander lagen, einmal einen Placebo und einmal 1/3 der Tagesdosis Andro-6, d.h.: 100 mg Androstendion, 50 mg DHEA, 250 mg Tribulus Terrestris, 208 mg Chrysin, 100 mg Indol-3-Carbinol und 180 mg Saw Palmetto.
Kurz vor der Einnahme und im 30-minütigen Rhythmus danach wurden über einen Zeitraum von sechs Stunden bei allen 10 Probanden Blutproben entnommen.

Die folgenden Grafiken habe ich aus der Originalstudie kopiert. Betrachten wir die Ergebnisse beginnend mit Androstendion.



Die schwarzen Punkte stellen die Messergebnisse der Andro-6-Gruppe dar, die weißen die der Placebogruppe.
Nach 150 min zeigt sich erstmalig eine statistisch signifikante Erhöhung von ca. 2,6 ng/ml (9,0 nmol/l) auf ca. 5,0 ng/ml (17,5 nmol/l). Ein Anstieg um 95,5 %.
Nach 300 min wird mit ca. 7,6 ng/ml (27,5 nmol/l) das Maximum erreicht. Dies entspricht einer Steigerung um 196 %. Danach sackt der Wert langsam ab.

Vergleicht man diese Kurve mit den Ergebnissen von King et al. zu Androstendion (bei einer Dosierung von ebenfalls 100 mg), so fällt auf, dass das Maximum später erreicht wird, und die Kurve flacher verläuft.
Evtl. kann dies damit erklärt werden, dass Andro-6 seine Wirkstoffe, wie in der Werbung versprochen, zeitverzögert abgeben soll.

Die nächsten beiden Kurven zeigen LH und FSH.



Statistisch signifikante Unterschiede gibt es hier nicht. Evtl. hat die Placebogruppe die leichte Tendenz, höher als Andro-6 zu liegen.
Die 250 mg Tribulus Terrestris scheinen hier also keinen Anstieg von LH und / oder FSH zu bewirken.

Die folgende Grafik zeigt Gesamttestosteron:



Keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Andro-6 und Placebo feststellbar. Es sind also weder Androstendion, noch Tribulus Terrestris, noch DHEA, noch die Kombination aus den Dreien in der Lage Gesamttestosteron zu erhöhen.

Beim freien Testosteron gab es ebenfalls keine signifikanten Unterschiede.

Werfen wir noch einen Blick auf Östradiol:



Nimmt man die Werte in der Andro-6-Gruppe für sich, so steigen diese signifikant von ca. 43,6 pg/ml (0,16 nmol/l) auf ca. 70,8 pg/ml (0,26 nmol/l), was einer Erhöhung um 62,5 % entspricht.
Im Vergleich mit der Placebogruppe ergibt sich jedoch keine signifikante Veränderung, weil auch deren Werte steigen.
Kann man hieraus folgern, dass Chrysin und Indol-3-Carbinol ihre Wirkung tun? Die langfristige Messung (parallel zum achtwöchigen Krafttraining) wird es zeigen.

Wie in den Studien von King et al. (zu DHEA und Androstendion) wurde die zweite Gruppe (20 Männer) aufgeteilt in Männer, die einen Placebo erhielten, während dem Rest dreimal täglich (um 9:00 h, 15:00 h und vor der Nachtruhe) Andro-6 verabreicht wurde. Die Einnahme erfolgte nach einem On-/Off-Schema:
  • Andro-6 in den Wochen 1, 2, 4, 5, 7, 8
  • Off in Woche 3 und 6
Die 20 Männer absolvierten ein standardisiertes achtwöchiges Krafttraining
  • Übungen waren Bankdrücken, Nackendrücken, Beinstrecker, Beincurl, Butterfly, Beinpresse, Wadenheben, Bizepscurl, Trizepsdrücken und Latziehen.
  • Training erfolgte an drei Tagen pro Woche
  • Während der ersten zwei Wochen je Übung drei Sätze mit zehn Wiederholungen, danach drei Sätze mit acht Wiederholungen.
  • Widerstand 80 ? 85 % vom Kraftmaximum (bei einer Wiederholung), nach vier Wochen Anpassung.
Wann welche Messungen vorgenommen wurden, zeigt die folgende Tabelle:



Der Glukosetoleranztest, durchgeführt zu Beginn und am Ende der Studie, ergab sowohl in der Andro-6- als auch in der Placebogruppe eine signifikante Erhöhung der Insulinsensitivität als Effekt des Trainings.
Statistisch signifikante Unterschiede zwischen Andro-6 und Placebo gab es nicht.

Ergebnis der Muskelbiopsie, ebenfalls vorgenommen zu Beginn und am Ende der Studie, war:
  • Keine Änderung des Anteils von Typ-I- oder Typ-II-Fasern weder bei Andro-6 noch bei Placebo.
  • Keine Änderung bei der Querschnittsfläche der Typ-I-Fasern.
  • Eine statistisch signifikante Vergrößerung der Querschnittsfläche der Typ-II-Fasern sowohl bei Andro-6, als auch bei Placebo.
Der Körperfettanteil sank signifikant in beiden Gruppen, während die fettfreie Körpermasse in beiden Gruppen signifikant zunahm.
Eine signifikante Erhöhung des Umfangs von Bizeps, Brust und Schultern war ebenfalls in beiden Gruppen zu verzeichnen. Signifikante Unterschiede zwischen Andro-6 und Placebo gab es nicht.

Kombiniert man die Daten beider Gruppen und aller Übungen, so ergibt sich beim Kraftmaximum mit einer Wiederholung nach vier Wochen eine Steigerung um 18 %. Nach weiteren vier Wochen kam es nochmals zu einer Steigerung um 10 %.
Signifikante Unterschiede zwischen Andro-6 und Placebo gab es nicht.

Betrachten wir nun, was die langfristige Hormonmessung ergeben hat. Wie oben beschrieben, wurden bei allen Teilnehmern der 20-köpfigen Gruppe insgesamt vier Blutproben entnommen: Zu Beginn sowie nach zwei, fünf und acht Wochen.
Die Blutentnahmen fanden immer morgens statt, also stets einige Stunden nach der letzten Einnahme am Abend zuvor.

Die folgenden Hormone wurden gemessen:
  1. Androstendion
  2. Gesamttestosteron
  3. Freies Testosteron
  4. LH, FSH
  5. Östron, Östradiol und Östriol
Die folgende Tabelle zeigt, was sich in der Andro-6-Gruppe beim Androstendion getan hat.



Statistisch signifikanter Anstieg nach zwei, fünf und nach acht Wochen. Maximum nach fünf Wochen bei 7,7 ng/ml, was einem Anstieg um 170 % entspricht.
Das sind ganz ähnliche Werte, wie sie sich in der Studie von King et al. mit 300 mg Androstendion/Tag ergeben haben.

Weder Gesamttestosteron oder freies Testosteron noch LH oder FSH änderten sich in der Andro-6-Gruppe signifikant gegenüber dem Ausgangswert oder Placebo.

Dass Androstendion in dieser Dosierung keine Testosteron-Erhöhung bewirkt, hatten ja schon King et al. gezeigt. Enttäuschend finde ich allerdings, dass auch 750 mg Tribulus Terrestris/Tag weder bei LH / FSH noch beim Testosteronwert eine Auswirkung zu haben scheinen. Denn das ist ja genau die Dosierung, bei der die Firma Sopharma (Bulgarien) deutliche Änderungen festgestellt haben will.
Auf der Webseite von Sopharma war im Jahr 2004 eine Studie zu finden, bei der 8 Männer und 8 Frauen 5 Tage lang 750 mg TT erhielten. Eine Messung am Tag nach der letzten Einnahme soll bei den Männern eine Erhöhung von LH um 72,1 % und von Testosteron um 40,4 % ergeben haben.
Der Widerspruch zu den Daten hier ist auffällig. Nun ja, wenn eine Studie von derselben Firma durchgeführt wird, die das untersuchte Produkt vertreibt, wird das die Objektivität nicht unbedingt fördern.

Schauen wir noch, was sich in der Andro-6-Gruppe bei den Östrogenen getan hat.



Östradiol ist nach Beginn der Studie bei allen drei Messungen signifikant erhöht gegenüber dem Ausgangswert und Placebo. Nach fünf Wochen ist mit 95,3 pg/ml das Maximum erreicht, was eine Erhöhung um 46 % im Vergleich zum Ausgangswert bedeutet.

Ähnlich ist die Lage bei Östron. Nach zwei Wochen eine Tendenz zur Erhöhung, nach fünf und nach acht Wochen statistisch signifikant erhöht gegenüber Ausgangswert und Placebo.
Im Maximum werden nach fünf Wochen 45,4 pg/ml erreicht, was verglichen mit dem Ausgangswert einem Anstieg um 63 % gleichkommt.

Östriol änderte sich nicht signifikant.

Man vergleiche diese Ergebnisse mit der King-Studie zu Androstendion:
Dort hatten 300 mg Androstendion täglich zu einem Anstieg des Östradiolwertes von 59,9 pg/ml auf 84,4 pg/ml geführt, was 41 % entspricht.
Bei Östron stieg der Wert von 28,7 pg/ml auf 41,4 pg/ml. Das sind 44 %.

Der Anstieg bei den Östrogenen verhält sich also sehr ähnlich. Chrysin und Indol-3-Carbinol scheinen also in der gewählten Dosierung keinen merkbaren Einfluss auf die Östrogenbildung zu haben.

Betrachten wir noch kurz die Lipid- und Leberwerte. Gemessen wurden Triglyceride, LDL, VLDL, HDL sowie SGOT, LDH, GGT und SGPT.
Während sich Triglyceride, LDL und VLDL in keiner der Gruppen signifikant änderten, sank der HDL-Wert bei Andro-6 nach zwei Woche um 12 % und hielt sich dann auf diesem Niveau.
Die Leberwerte änderten sich nicht – weder durch Training, noch durch Andro-6.

Fazit aus dieser Studie:

Tja, keine Blumen für Andro-6 …
Was Androstendion angeht, so bestätigt sich nur das, was in den vorangegangenen Studien bereits gezeigt wurde:
  • Es ist nicht oder nur in sehr geringem Umfang in der Lage, Testosteron zu erhöhen.
  • Es erhöht die Östrogene deutlich.
Enttäuschend finde ich, dass sich auch mit TT nichts tut – bei 750 mg/Tag steigt weder LH noch Testosteron.
Gelegentlich wird vorgeschlagen, TT zum Absetzen nach einer AAS-Kur zu verwenden. Das wäre nach den Ergebnissen hier sinnlos.
Ich will damit nicht behaupten, dass TT völlig wirkungslos ist. Habe selbst auch mal ein wenig damit herumexperimentiert. Bei einer Dosierung von 3 Gramm pro Tag hat sich das Zeug spürbar auf die Libido ausgewirkt.
Auf das Wachstum der Muskulatur hat es nach meinen Erfahrungen jedoch keinen Einfluss.
Ich selbst nehme an, dass die Wirkung auf die Libido nicht durch eine Erhöhung von LH und Testosteron kommt, sondern über irgendeinen anderen Weg.
Interessantes hierzu schreibt auch Brock Strasser unter http://www.t-mag.com/html/body_105truth.html. Er nimmt an, dass TT in gewissem Umfang eine Viagra-ähnliche Wirkung entfalten kann.

Da in der King-Studie bei der gleichen Androstendion-Menge pro Tag eine ganz ähnliche Erhöhung der Östrogene festgestellt wurde, ist nicht davon auszugehen, dass Chrysin oder Indol-3-Carbinol hier etwas bewirkt haben.
Für Chrysin konnte bisher auch nur in vitro (also im Reagenzgas) eine aromatasehemmende Wirkung gezeigt werden. Wahrscheinlich reduziert es Östrogene in vivo nur in der Phantasie der Supplement-Hersteller.
Dass Indol-3-Carbinol in der Lage ist, den Spiegel an Östrogenen in vivo zu senken, ist dagegen in mindestens zwei Studien (-> Verweis) gezeigt worden. Jedoch wurde da die Dosierung mit 500 mg/Tag bzw. 6 - 7 mg/kg Körpergewicht und Tag etwas höher gewählt. Evtl. ist das der Grund, warum es hier nichts bewirkt.

Pat Arnolds ("Why Andro-6 = Zero") verrät, dass er die Ergebnisse prinzipiell nicht in Frage stellt. Und während er an DHEA, TT, Saw Palmetto, Chrysin und Indol-3-Carbinol kein gutes Haar lässt, so mag er sich anscheinend mit der Unwirksamkeit von Androstendion nicht abfinden. Man erinnere sich dabei daran, dass es von seiner Firma ursprünglich auf den Markt gebracht wurde.
Er vertritt daher die Ansicht, dass die Kombination von DHEA und Androstendion kontraproduktiv ist. Das soll deshalb der Fall sein, weil beide um das Enzym 17ß-HSD konkurrieren – gewinnt DHEA, so entsteht (nutzloses) 5-Adrostendiol, gewinnt Androstendion, so entsteht dagegen wirkungsvolles Testosteron.
Was davon zu halten ist? Meiner Meinung nach gleichfalls "zero", denn die King-Studie hat ja mit der gleichen Menge Androstendion und ohne DHEA praktisch die gleichen Ergebnisse gebracht, wie die Studie zu Andro-6.
Die Argumentation mit der Begrenztheit der Enzyme hört man ja öfter mal – so wird denn auch empfohlen, Dion- und Diol-PHs gemeinsam zu verwenden, weil diese über verschiedene Enzyme umgewandelt werden. Einen Beleg dafür gibt es meines Wissens genauso wenig, wie einen Beleg für die Wirksamkeit von Androstendion.

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