Brown et al. (2001): AND-HB

Sucht man mit Google nach "Andro-6", so findet die Suchmaschine einige Anbieterlinks. Schaut man dann weiter, so stellt man jedoch fest, dass das Produkt schon seit einer Weile "discontinued" sein muss.
Sucht man dagegen nach "AND-HB", so findet sich unter den Suchergebnissen kein einziger Anbieter. Ich gehe daher mal davon aus, dass EAS sein Produkt AND-HB (Androstenediol-Herbal) nie (oder allenfalls in sehr geringem Umfang) auf den Markt gebracht hat.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man bei EAS wirklich von der Qualität der Produkte Andro-6 und AND-HB überzeugt war, und sie deshalb dem Team von Brown für eine wissenschaftliche Studie zur Verfügung gestellt hat. Was sich dann aber eher als "Schuss in den Ofen" herausgestellt haben dürfte.

AND-HB ist von seinen Bestandteilen her ähnlich aufgebaut wie Andro-6. Jedoch enthält es als Prohormon Androstendiol statt Androstendion und DHEA. Die folgende Tabelle zeigt die Bestandteile, was sie bewirken sollen, und in welcher täglichen Menge sie während der Studie14 verabreicht wurden.



Betrachtet man die Dosierungen von TT und Indol-3-Carbinol im Vergleich zu Andro-6 (1350 statt 750 mg bzw. 450 statt 300 mg), so kommt AND-HB potentiell schlagkräftiger daher. Aber schauen wir mal.

Die Methodik der Studie war diesmal einfacher gestrickt. Es wurde auf Krafttraining, Glukosetoleranztest, Muskelbiopsie und Körperfettmessung verzichtet. Das Design kann wie folgt beschrieben werden:
  1. Es nahmen insgesamt 56 Männer im Alter von 30 bis 58 Jahren an der Studie teil.
  2. Man teilte die Männer zunächst in Altersgruppen ein: 30er (20 Männer), 40er (20 Männer) und 50er (16 Männer).
  3. Innerhalb jeder Altersgruppe erhielt die eine Hälfte Placebo, während der anderen Hälfte vier Wochen lang AND-HB verabreicht wurde. Die Einnahme erfolgte um 9:00 h, 15:00 h und vor der Nachtruhe.
  4. Bei jedem Probanden wurden vor Beginn der Studie und dann im wöchentlichen Rhythmus über die vier Wochen der Einnahme Blutproben entnommen. Das Blut wurde dann später auf Hormone, Lipide und Leberenzyme untersucht.
Es gab also keine Messung der kurzfristigen hormonellen Auswirkungen, nur die längerfristigen Effekte wurden betrachtet.

Während sich zwischen den drei Gruppen vor Beginn der Studie die Werte für Gesamttestosteron und Östradiol nicht unterschieden, waren Androstendion, freies Testosteron und DHT abhängig vom Alter. Das zeigt die folgende Tabelle:



Man erkennt, dass sowohl Androstendion, als auch freies Testosteron und DHT mit dem Alter abnehmen.

Im Verlauf der Studie wurden bei allen Probanden einmal pro Woche die folgenden Blutwerte gemessen.
  1. Hormone: Gesamttestosteron, Freies Testosteron, Androstendion, DHT, Östradiol
  2. Lipide: HDL, LDL, Gesamtcholesterin
  3. Leberenzyme: GGT, GOT, GPT
Signifikante Änderungen ergaben sich bei allen Hormonen, außer bei Gesamttestosteron. Hier die prozentualen Änderungen über alle Altersgruppen und alle Messzeitpunkte in der Übersicht:



Hier die Grafik zu Gesamttestosteron aus der Originalstudie:



Nur bei den 30ern ergibt sich eine ganz leichte Tendenz zur Steigerung, die aber nicht zur Signifikanz ausreicht. Bei den 40ern liegen die Werte von Placebo und AND-HB dagegen fast exakt übereinander, während bei den über 50-Jährigen sogar in der Placebogruppe die Werte einen Tick höher ausfallen.

Dass sich beim Gesamttestosteron nichts tut, lässt zwei Schlussfolgerungen zu:
  1. Androstendiol wird auch bei einer Dosierung von 300 mg/Tag und oraler Einnahme nicht oder nur in sehr geringem Umfang zu Testosteron umgewandelt.
  2. Tribulus Terrestris hat auch in einer Dosierung von 1350 mg/Tag keine Auswirkungen auf die endogene Testosteronproduktion.
Anders dagegen die Lage beim freien Testosteron, wie die nächste Grafik deutlich macht.



Man erkennt, dass das freie Testosteron in allen drei Gruppen ab der ersten Woche signifikant erhöht ist – im Mittel um 37 %.

Das ist eigentlich ein erstaunliches Ergebnis, weil diese Erhöhung ohne eine Steigerung beim Gesamttestosteron erreicht wird. Die Autoren spekulieren daher, ob Androstendiol einen Einfluss auf SHBG (Sex Hormone Binding Globuline) haben kann. Würde Androstendiol SHBG vermindern, so könnte sich dadurch die Menge an freiem Testosteron erhöhen.

Dass die Steigerung durch einen der anderen Inhaltsstoffe von AND-HB verursacht wird, halten die Autoren für eher unwahrscheinlich, weil diese in ganz ähnlicher Konstellation ja auch in Andro-6 vorlagen. Und da kam es nicht zu einer Erhöhung des freien Testosterons.

Die Autoren nehmen daher an, dass der Effekt durch die etwas höhere Dosierung von Androstendiol bewirkt wird. In den Studien zuvor kamen ja schließlich max. 200 mg Androstendiol/Tag zur Anwendung. Schon möglich, denn auch die Studie von Broeder et al. hatte eine Tendenz zum erhöhten freien Testosteron gezeigt.

Die Frage ist nun natürlich, ob die Steigerung beim freien Testosteron auch mit einer anabolen Wirkung einhergehen kann. Meist wird in der Literatur das freie Testosteron ja als das aktive und damit biologisch wirksame angesehen. Andererseits wird SHBG aber manchmal auch als schützendes Transportvehikel dargestellt.

Wie auch immer, nach einer Erhöhung um 37 % liegt das freie Testosteron immer noch im physiologischen Bereich, eine anabole Wirkung ist deshalb nicht zu erwarten.

Östradiol hat sich durch die Einnahme von AND-HB um durchschnittlich 86 % gesteigert. Die Autoren folgern mit Blick auf die Andro-6-Studie daraus, dass Androstendiol ähnlich stark zu Östradiol aromatisiert, wie Androstendion.
Das denke ich eher nicht, denn es gibt ja auch noch die Studie von Broeder et al., in der man Androstendion und Androstendiol (unter sonst gleichen Bedingungen) miteinander verglichen hatte. Und da war der Östradiolanstieg nach Androstendion mit 92,1 % doch ein gutes Stück deutlicher, als nach Androstendiol mit 57,4 %.
Auf jeden Fall scheint auch die neue Mengenkonstellation von Chrysin (300 mg/Tag) und Indol-3-Carbinol (450 mg/Tag) wenig bis nichts zu bewirken.

Die Erhöhung von DHT um durchschnittlich 57 % lässt sich nur schwer einordnen, weil in keiner der anderen Prohormon-Studien DHT gemessen wurde.
Dennoch ein deutlicher Anstieg, der eher gegen die Wirksamkeit von Saw Palmetto und Gamma-Linolsäure zur Verhinderung der DHT-Bildung spricht.

Wahrend LDL und Gesamtcholesterin unverändert blieben, sank HDL in der Andro-6-Gruppe um 11 %. Das ist eine Wirkung, wie sie in den anderen Studien in ganz ähnlicher Größenordnung auch beobachtet wurde. Die Autoren der Studie berechnen daraus ein um 12 % erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten.
Nun ja, da gibt es AAS, die deutlich Schlimmeres bewirken, denke ich.

Fazit aus dieser Studie:

Und auch für AND-HB gibt es keine Blumen…
Wie schon zuvor gezeigt, bewirkt Androstendiol
  • keine Erhöhung des Gesamttestosterons
  • eine deutliche Erhöhung des Östradiolspiegels
Tribulus Terrestris in einer Dosierung von 1350 mg/Tag kann daran nichts ändern, genauso wenig wie Chrysin (300 mg/Tag) und Indol-3-Carbinol (450 mg/Tag) einen Einfluss auf Östradiol zu haben scheinen.

Offensichtlich führen 300 mg Androstendiol/Tag auch zu einem deutlichen Anstieg von DHT. Und das trotz Saw Palmetto (480 mg/Tag) und Gamma-Linolsäure (1500 mg/Tag).

Aber auch beim freien Testosteron tut sich etwas. Da die Erhöhung des freien Testosterons (37 %) jedoch mit noch deutlicheren Steigerungen von Östradiol (86 %) und DHT (57 %) verbunden ist, scheint die Einnahme von AND-HB in der Bilanz keine gute Idee zu sein.

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