Carnitin

Ein Artikel von Chiroweb.com
von Douglas Andersen, D.C.

Carnitin ist ein Peptid, welches in der Leber und den Nieren aus L-Lysin, Methionin, Vitamin B6, Vitamin C, Niacin und Eisen hergestellt wird. Carnitin muss im Körper vorhanden sein, damit langkettige Fettsäuren oxidiert (verbrannt) werden können. Es ist Bestandteil von vier unterschiedlichen Enzymen, welche den Transport von Fettsäuren durch die Membran der Mitochondrien ermöglichen, so dass eine beta Oxidation erfolgen kann. Carnitin ist dafür bekannt, dass es die Herzfunktion bei Patienten, die an ischämischen Herzkrankheiten (Herzerkrankungen aufgrund mangelnder Durchblutung), Kardiomegalie oder Angina Pectoris leiden, verbessern kann. Ein Defizit an Carnitin kann eine Ansammlung von Triglyzeriden (Fetten) in der Leber zur Folge haben, was zu einer intrahepatischen Lipidinfiltration führen kann.

Neue Studien weisen darauf hin, dass eine Carnitin Supplementation bei Erkrankungen der peripheren Blutgefäße und Claudicatio intermittens (arterielle Verschlusskrankheit) helfen kann. Carnitin entfernt außerdem Abfallprodukte des Stoffwechsels aus den Mitochondrien. Hierdurch wird Coenzym A freigesetzt, um Fett verstoffwechseln zu können. Ein Mangel an Carnitin kann zu einer Erhöhung der Blutfettwerte führen.

In diesem Artikel soll der Fokus darauf liegen, welchen Nutzen Carnitin für Sportler haben kann. Die Fähigkeit des Carnitins Fettsäuren in die Mitochondrien zu transportieren kann für Ausdauersportler von Vorteil sein. Bei lange anhaltenden Aktivitäten mit submaximaler Intensität verwendet der Körper für die Bereitstellung eines Großteils der benötigten Energie Fettsäuren und Fettreserven. Eine effektive intramitochondriale Zufuhr von Fettsäuren sichert eine optimale Verwendung der Nährstoffe, spart Glykogen und könnte den VO2 max erhöhen.

Neue aufregende Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Carnitin Supplementation auch für anaerob trainierende Sportler von Nutzen sein könnte. Die Fähigkeit des Carnitins die Pufferkapazität des Pyruvats zu verbessern, führt zu reduzierter intramuskularer Laktatansammlung (Milchsäureansammlung). Aus diesem Grund könnte eine zusätzliche Zufuhr von Carnitin bei Kraft- und Schnellkraftsportlern wie Bodybuildern, Footballspielern und Powerliftern die Leistungsfähigkeit verbessern.

Bei Carnitin sollte nur die L Form verwendet werden. Das D Isomer und die DL Formen blockieren laut zahlreicher Studien die vorteilhaften Wirkungen der L Form. Carnitin ist eine sehr sichere Substanz, die außer möglichem Durchfall bei hohen Dosierungen keine weiteren Nebenwirkungen besitzt. Effektive Dosierungen von L-Carnitin reichen von 250 bis 2.000 mg pro Tag. Auch wenn es unterschiedliche Meinungen bezüglich des optimalen Einnahmezeitpunktes gibt, wird Carnitin nach meiner Erfahrung am besten vom Körper aufgenommen, wenn es vor den Mahlzeiten auf mehrere Portionen über den Tag verteilt eingenommen wird. Einem Sportler, der 1.000 mg Carnitin pro Tag einnehmen möchte, würde ich z.B. empfehlen 500 mg vor dem Frühstück und 500 mg vor dem Abendessen einzunehmen. Im Allgemeinen sollten Sportler nach drei bis fünf Tagen beginnen, die Wirkung einer Carnitin Supplementation zu spüren. Normalerweise sollte ein Sportler mit maximal 500 mg Carnitin pro Tag für die ersten zwei bis vier Wochen beginnen. Falls die gewünschte Wirkung bei dieser Dosierung nicht eintritt, würde ich die tägliche Dosierung alle zwei Wochen um 500 mg erhöhen. Eine höhere Dosierung als 2.000 mg pro Tag würde ich nicht empfehlen. Die meisten Sportler sprechen recht gut auf 1.000 mg pro Tag an.

Wie weiter oben bereits erwähnt, wird Carnitin vom Körper aus einer Anzahl unterschiedlicher Substanzen hergestellt. Mehrere Studien konnten zeigen, dass bereits ein Mangel an nur einem der benötigten Grundstoffe zu einem geringfügigen Carnitindefizit führen kann. Die Aminosäure Lysin ist der wichtigste Bestandteil von Carnitin. Aus diesem Grunde weisen Vegetarier ein erhöhtes Risiko für ein Carnitindefizit auf. Da Lysin hitzeempfindlich ist, kann diese Aminosäure bei längerem Kochen mit hoher Temperatur zerstört oder denaturiert werden.

Andere Personen, die eine Carnitin Supplementation benötigen können umfassen Menschen, die sich sehr fettreich ernähren oder Sportler, die ein intensives Trainingsprogramm absolvieren, da beides den Carnitinverbrauch erhöht. Im Falle einer fettreichen Ernährung steigt weiterhin die Ausscheidung von Carnitin über den Urin, was zusätzliches Carnitin für diese Personengruppe noch wichtiger macht.

Wie bei vielen anderen leistungssteigernden Substanzen gibt es auch bezüglich Carnitin widersprüchliche Studien über mögliche Wirkungen und Vorteile. Insbesondere wird die Fähigkeit des Carnitins den VO2 max zu erhöhen angezweifelt, wenn es sich bei den Probanden um Personen handelt, die nicht an Kreislauf- und/oder Durchblutungsstörungen leiden. Weiterhin gibt es bisher keine Studie, welche die Ergebnisse der Originalstudie bezüglich der positiven Wirkung einer Carnitin Supplementation bei anaerob trainierenden Sportlern reproduzieren konnte. Auch wenn es noch weiterer Studien bedarf, gibt es viele Sportler aus sowohl aeroben als auch anaeroben Sportarten, die von einer verbesserten muskularen Effizienz berichten, wenn Carnitin eingenommen wird.

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