Urs, Mike und Co. mischen die Weltelite auf

Classic Physique made in Germany

Nach den Rücktritten von Ronny Rockel und Dennis Wolf sehnte man sich lang nach anhaltenden Erfolgen auf den Profibühnen dieser Erde. Etwa zeitgleich begann der Siegeszug der Classic Physique und genau in dieser Klasse tummeln sich mittlerweile mehr als eine Hand voll deutscher Athleten in der Weltspitze bzw. sind auf dem Sprung in diese. Classic Physique is made in Germany!

David Hoffmann: Wegbereiter der deutschen Classic Physique


Wenn wir über deutsche Athleten in der Classic Physique sprechen, so muss an erster Stelle ganz sicher David Hoffmann genannt werden. David war schon als Superschwergewicht classic, lange bevor es die Klasse überhaupt gab.

Nachdem sich David 2015 die Pro Card geholt hatte, stand er vor einer wegweisenden Frage: Wohin soll die Reise gehen? Seine klassische Linie war bei den Amateuren stets ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn lange vor der Pro Card international bekannt machte. Doch um in der offenen Klasse bei den Profis zu bestehen, brauchte es deutlich mehr Fleisch. Nicht wenige Athleten haben auf diesem Weg ihre eigentliche Stärke, nämlich die Linie, geopfert.

Foto: Thomas Koch

Mit dem Aufkommen der Classic Physique tat sich eine neue Chance für David auf, die dieser ergriff und in den folgenden Jahren verfolgte. Lohn der Mühen: Vier Profisiege, ein dritter Platz bei der prestigeträchtigen New York Pro und drei Teilnahmen beim Mr. Olympia. David ist damit bis heute der erfolgreichste deutsche Classic Physique-Athlet.

2021 endete Davids Reise in dieser Klasse. Zuletzt sei es ihm immer schwerer gefallen, das Gewichtslimit zu erreichen. Er musste sich selbst limitieren. Mühsam erarbeitete Muskelmasse abwerfen. Die logische Konsequenz war die Rückkehr in die offene Klasse, eben auf seinem, den klassischen Weg.

Urs Kalecinski: Shootingstar der Classic Physique


Mit Urs Kalecinski steht ein mehr als würdiger Nachfolger parat. Urs ist der Shootingstar der Classic Physique. 2019 stand Urs bei der Dennis James Classic in Frankfurt gemeinsam mit David auf der Bühne. Kurz zuvor hatte er sich in Island die Pro Card geholt. Schon damals deutete sich Urs außergewöhnliches Talent an, auch wenn es „nur“ für einen sechsten Platz reichte.
Zwei Jahre später war Urs zurück – und wie. In Mexiko musste er sich noch knapp einem anderen Deutschen, zu dem wir gleich kommen, geschlagen geben. Zwei Wochen später gelang ihm dann der große Coup, als er mit der Tampa Pro einer der renommiertesten Pro Shows überhaupt gewann und sich somit die Qualifikation zum Mr. Olympia 2021 sicherte.

Über das, was dann in Orlando geschah, wurde vermutlich bereits unzählige Male alles gesagt, was es zu sagen gibt. Daher nur kurz: Urs schockte die Konkurrenz mit einer brutalen Form und einer unnachahmlichen Bühnenpräsenz und stand bei seiner vierten Pro Show direkt im Topvergleich mit Athleten wie Chris Bumstead, Breon Ansley und Terrence Ruffin.

Sein vierter Platz war die beste Platzierung eines Deutschen beim Mr. Olympia seit Dennis Wolf und begründete einen unglaublichen Hype in der internationalen Bodybuildingszene.

Foto: Matthias Busse

Dieser Hype brachte Urs unter anderem auch eine Einladung zur Arnold Classic 2022 ein, die er, der Wettkämpfe liebt, gerne annahm und sich dort erneut grandios verkaufte. Der Lohn: Ein mehr als verdienter dritter Platz vor dem zweimaligen Mr. Olympia Breon Ansley. In der Folge holte Urs noch Siege in Boston und Kuwait und reist somit in diesem Jahr als ein Kandidat für die Top 3 zum Mr. Olympia. Das alles im zarten Alter von 24 Jahren – eine unglaubliche Geschichte, deren Verlauf wir in der Zukunft noch beiwohnen werden dürfen.

Mike Sommerfeld: Classic Physique in den Genen


Mike Sommerfeld liebt und lebt wie auch Urs seit frühester Kindheit Bodybuilding. Bereits als Junior überraschte er mit teils extravaganten Posingküren und zeigte schon sehr früh sein unglaubliches Talent.

Mikes Struktur ist einzigartig. Eine Stärke, der er sich im Laufe der Zeit mehr und mehr bewusst wurde. Lange Zeit galt er dennoch als ewiges Talent, da er auf der Bühne zumeist die finale Härte vermissen ließ, so auch bei seiner ersten Pro Show, dem Romania Muscle Fest im Jahr 2019, wo Mike in der 212 startete.

Um dieses Manko auszumerzen, suchte Mike Rat bei Neil Hill, der unter anderem Flex Lewis an die Weltspitze der 212 coachte. Diese Zusammenarbeit führte zu einem Wechsel in die Classic Physique, der fruchtete: Aufgrund der vielen ausgefallenen Wettkämpfe in Folge der Coronapandemie reichte der dritte Platz bei der Europa Pro Show 2020 zur Qualifikation für den Mr. Olympia, den er später aber aufgrund von Einreiseschwierigkeiten verpasste.


Trotz der über ihn ausgeschütteten Häme steckte Mike den Kopf nicht in den Sand, sondern arbeite noch härter an sich. Der Lohn der Mühen war der Sieg bei der Pro Show in Mexiko im Sommer 2021, bei der er keinen geringeren als Urs Kalecinksi besiegen und sich so die erneute Qualifikation für den Mr. Olympia holen konnte, wo er später einen sehr starken siebten Platz holte.

Mit einem Sieg in Polen Ende 2021 sicherte sich Mike frühzeitig auch die Qualifikation für 2022 und arbeitet seitdem beständig daran, sich mit einem nochmal verbesserten Look zu präsentieren.

Fabian Mayr: in den Fußstapfen von Arnold Schwarzenegger


Auch wenn Fabian Mayr strenggenommen kein Deutscher, sondern Österreicher ist, darf er in dieser Aufzählung keinesfalls fehlen. 2013 nahm Fabian an seinem ersten Bodybuildingwettkampf teil. Drei Jahre später erfüllte er sich mit dem Sieg bei der NABBA Mr. Universe einen großen Traum und trat damit in die Fußstapfen des legendären Arnold Schwarzenegger. Ein Jahr später holte er sich in Russland den Titel des Weltmeisters der NABBA.

Während Fabian in der Alpenrepublik längst eine große Bekanntheit hatte, lief er in Deutschland lange unter dem Radar. Das änderte sich schlagartig mit seinem Start bei der Arnold Classic Amateur im Jahr 2020, bei der er den Gesamtsieg holen konnte und sich damit nicht nur die Pro Card sicherte, sondern auch eine Einladung zur Arnold Classic 2021.


Zuvor galt es jedoch, sich für den Mr. Olympia 2021 zu qualifizieren. Nachdem dieses Vorhaben in Portugal noch knapp scheiterte, gewann er ein paar Wochen später die Europa Pro in Spanien und löste damit das Ticket nach Orlando, wo er auf Anhieb in die Top 10 kam und letztlich auf dem achten Platz landete. Nur eine Woche zuvor hatte er mit einem sechsten Platz bei coronabedingt verschobenen Arnold Classic schon angedeutet, was in ihm steckt.

Fabian bringt ein unglaublich ausgewogenes Paket auf die Bühne und trifft zielsicher seine Form. Mit etwas mehr Lockerheit in der Präsentation ist ihm der Sprung in die absolute Weltelite absolut zuzutrauen.

Alexander Westermeier: Vorstoß in die Königsklasse


Zuletzt stieß dann auch Alexander Westermeier in die Riege der Sieger bei einer Classic Physique Pro Show. Mit seinem Sieg in Pittsburgh darf auch Alexander, der noch einen Start bei der New York Pro vorhat, bereits jetzt mit seinem Coach Dennis Wolf für den Mr. Olympia planen.

Auch Alexander ist kein Unbekannter: 2015 holte er den Sieg bei den Junioren auf der Arnold Classic Europe und wurde später im Jahr Gesamtsieger bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft des DBFV. Nach einer verletzungsbedingten Pause gewann er 2018 den Gesamtsieg auf der Deutschen Meisterschaft des DBFV und wechselte in der Folge zur IFBB Elite Pro League.


2019 folgte dann der Wechsel zu seinem heutigen Coach Dennis Wolf. An Wettkämpfe war jedoch erst einmal nicht zu denken, denn wieder warf eine schwere Verletzung ihn zurück, sodass er erst im Herbst 2020 wieder auf einer Bühne stand, diesmal beim Pro Qualifier in Budapest, wo er sich den Gesamtsieg und damit seine Pro Card holte.

Und nun der Sieg in Pittsburgh und die Erfüllung eines Traums. Man darf gespannt sein, wohin die Reise von Alexander in der Zukunft noch führen wird.

Aldin Alijagic: auf dem Weg an die Spitze


Hinter der ersten Reihe von deutschen bzw. deutschsprachigen Athleten auf Topniveau warten zudem noch eine Vielzahl von vielversprechenden Talenten darauf, es David, Urs, Mike und Co. nachzumachen und die Weltelite zu erobern. Allen voran darf man an dieser Stelle ganz sicherlich Aldin Alijagic zu nennen, der 2014 erstmals bei der GNBF Wettkampfluft schnupperte.


2019 holte sich Aldin dann mit dem Gesamtsieg beim Amateur Olympia in Portugal die Pro Card und arbeitet seitdem beständig daran, sein zweifellos vorhandenes Potenzial auszuschöpfen. Auch wenn die ersten Profiwettkämpfe vom Ergebnis her nicht optimal verliefen, kann man davon ausgehen, dass wir in der Zukunft noch einiges von Aldin erwarten dürfen.

In der Zukunft darf man sich angesichts dieser geballten Qualität auf sicherlich noch einige Siege und Topplatzierungen bei den großen Wettkämpfen Mr. Olympia und Arnold Classic freuen. Wir freuen uns darauf!

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