No Brain - No Gain Med #3/2010

Das Schultergelenk

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Disclaimer - Hinweis zu Gesundheitsthemen
Jeder Körper ist individuell und daher erfordert jede Therapie eine vorausgegangene Diagnostik durch entsprechend ausgebildetes medizinisches Fachpersonal. Die Darstellungen von Krankheitsbildern und mögliche Therapieansätze sind immer als allgemeine Darstellung zu verstehen, welche individuelle Abweichungen nicht berücksichtigen kann. Entsprechende Beiträge auf Team-Andro.com dienen rein der Information und haben nicht die Intention, eine medizinische Untersuchung zu ersetzen.

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Das Schultergelenk (Articulatio humeri), oftmals auch Glenohumeralgelenk genannt, ist ein Kugelgelenk. Es wird durch den Oberarmknochens (Humerus) und das Schulterblatt (Scapula) gebildet. Neben dem Scapula wird der Humerus durch das Schlüsselbein (Clavicula) und das Rabenbein (Coracoid), welche zusammen mit dem Scapula den Schultergürtel (Cingulum membri superiores) bilden, am Rumpf befestigt, wobei keine knöcherne Verbindung besteht.

Schulter


Die Gelenkstabilisierung erfolgt primär muskulär durch die Muskeln der Rotatorenmanschette (M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. teres minor und M. subscapularis), sekundär ligamentär durch den Bandapparat, bestehend aus Ligamentum coracohumerale, Ligamentum coracoglenoidale, Ligamentum coracoacrominale und Ligamenta glenohumeralia.

Schulter


Wie bereits erwähnt, wird es aus Humerus und Scapula gebildet, genau genommen aus dem Kopf des Humerus als Gelenkfläche und der längsoval geformten Gelenkfläche des Scapula (Cavitas glenoidalis) als Gelenkpfanne. Hierbei beträgt das Größenverhältnis 1 : 4 zu Gunsten des Kopfes, was bedeutet, dass die Gelenkpfanne den Humeruskopf nicht vollständig umschließen kann. Aus diesem Grund wird die Kontaktfläche durch eine ca. 3mm dicke Pfannenlippe aus Faserknorpel (Labrum glenoidale), welches an der Gelenkfläche befestigt ist, vergrößert.

Verschiedene Schleimbeutel (Bursae) erfüllen wesentliche Funktionen im Schultergelenk, wobei vor allem die Bursa subtendinea musculi subscapularis zu erwähnen ist, welche unter der Sehne des M. subpraspinatus liegt und somit die Reibung zwischen Sehne und Schulterblatt eindämmen soll. Weiterhin sind die Bursa subacromialis und die Bursa subdeltoidea zu beachten, welche auch als subacromiales Nebengelenk bezeichnet werden und bei der Abspreitzung des Oberarmes (Abduktion) ein Verschieben des großen Rollhügels des Humerus (Tuberculum majus humeri) unter die Schulterhöhe (Acromium) ermöglichen.

Aufgrund der nicht vorhandenen knöchernen Gelenkstabilisierung und dem anatomischen Bau ist das Schultergelenk das Gelenk mit der größten Beweglichkeit im menschlichen Körper. Sechs verschiedene Bewegungen in drei Bewegungsachsen sind möglich:

Transversal

  • Anteversion bis 90° im Schultergelenk (unter Miteinbeziehung der Gelenke des Schultergürtels kann eine Elevation bis 170°, unter Einbeziehung der Wirbelsäule bis 180° erreicht werden) durch den M. deltoideus, pars clavicularis, den M. biceps brachii, caput breve und den M. pectoralis maior.
  • Retroversion bis maximal 50° durch den M. deltoideus, pars spinata, M. triceps brachii, caput longum und den M. latissimus dorsi.

Sagittal

  • Abduktion im Schultergelenk bis 90° (unter Miteinbeziehung von Schultergürtel und Wirbelsäule bis 180°) durch M. deltoideus, pars acromialis und den M. supraspinatus.
  • Adduktion bis 45° durch M. pectoralis maior, M. latissimus dorsi und M. teres maior.

Vertikal

  • Außenrotation um 60° durch M. deltoideus, pars spinata, M. supraspinatus, M. infraspinatus und M. teres minor.
  • Innenrotation um 30° durch M. pectoralis maior, M. latissimus dorsi, M. teres maior und M. subscapularis.
Nicht direkt zum Schultergelenk gehörend, aber funktional eng verbunden ist das Akromioklavikulargelenk (Articulatio acromioclavicularis), kurz ACG, welches das äußere Ende des Claviculas mit dem der Schulterhöhe (Acromion), dem oberen Ende des Scapula verbindet. Die Gelenkflächen sind mit einem hyalinen Knorpel überzogen, passen aber nicht ganz aufeinander, weshalb dies mit Hilfe einer Gelenkzwischenscheibe (Diskus) ausgeglichen wird, welche sich aber zumeist schon in frühen Jahren abgenutzt hat, was langfristig fast ausnahmslos zu Athrose führt, welche jedoch in fast alles Fällen beschwerdefrei bleibt.

Um die Funktion des ACG zu verstehen, muss man seine anatomische Lage beachten. Das ACG verbindet rechtes und linkes Schlüsselbein, welche über das Sternoklavikulargelenk (Articulatio sternoclavicularis) mit dem Brustbein (Sternum) verbunden sind, mit dem Schulterblatt.

Schulter


In der Praxis bedeutet das, dass alle Kräfte, die zwischen Arm und Rumpf auftreten, über den Schultergürtel aufgefangen werden müssen. Das ACG besitzt die dafür notwendige Stabilität und führt darüber hinaus noch synchron mit dem Sternoklavikulargelenk und dem Skapulothorakalgelenk (Articulatio scapulothoracalis) Bewegungen aus.

Scapula und Clavicula sind ligamentär verbunden. Horizontale Stabilität gibt dabei vor allem der akromioklavikulären Bandapparat (Ligamentum acromioclaviculare), vertikale Stabilität bieten korakoklavikuläre Bänder (Ligamentum coracoclaviculare), welche in einen vorderen (Ligamentum trapezoideum) und einem hinteren Anteil (Ligamentum conoideum) unterteilt werden.

Die große Beweglichkeit des Schultergelenkes ermöglicht uns im Alltag vielfältige Bewegungen, macht das Gelenk aber auch anfällig für Verletzungen. In den folgenden Ausgaben werden die häufigsten Verletzungen dargestellt. Den Anfang wird die Schulterluxation machen, gefolgt vom Impingementsyndrom, der SLAP-Läison, der Ruptur der Rotatorenmanschette, der Klavikularfraktur und der ACG-Sprengung.

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