Alles über den deutschen Classic-Physique-Ausnahmebodybuilder

Athletenportrait: David Hoffmann

David Hoffmann zählt zu den besten Classic-Physique-Bodybuildern der Welt. Wie er zum Bodybuilding kam und was ihn ausmacht, erfährst du hier.

David Hoffmann Posing 2017 in Thailand
Bodybuilder durch und durch - das ist David Hoffmann.

David Hoffmann: Daten, Gewicht und Alter

  • Geboren: 26.02.1980
  • Wohnort: Lahnstein
  • Beruf: IFBB-Profi und Unternehmer (hoffmannbodybuilding.com, bodypowerstudio.de)
  • Hobbys: Bodybuilding, Lesen, Persönlichkeitsentwicklung
  • Vorbilder: Arnold, Serge Nubret, Tom Platz, Gary Strydom
  • Größe: 1,86cm
  • Gewicht: 109kg (Wettkampf) 117kg (Off- Season)

Sportliche Erfolge und Wettkampfhistorie:


David Hoffmann kann auf eine große Anzahl an bestrittenen Wettkämpfen zurückblicken. Der Überblick:

Profi-Wettkämpfe:

  • 2018 New York Pro (Classic Physique) 3. Platz
  • 2018 San Marino Pro (Classic Physique) Sieger
  • 2018 Veronica Gallego Classic (Classic Physique) Sieger
  • 2018 Mr. Olympia (Classic Physique) 11. Platz
  • 2018 Dennis James Classic (Classic Physique) Sieger
  • 2019 Mr. Olympia (Classic Physique) - 11. Platz

Amateur-Wettkämpfe:

  • 2000 Sieger Junioren NRW Meisterschaft (Schwergewicht und Gesamtsieg)
  • 2000 Sieger Junioren Hessen- und RLP-Meisterschaft (Schwergewicht und Gesamtsieg)
  • 2000 Vize- Deutscher Meister Junioren (Schwergewicht)
  • 2004 Sieger Hessen- und RLP-Meisterschaft (Männerklasse IV)
  • 2004 4. Platz Deutsche Meisterschaft (Männerklasse IV)
  • 2006 Sieger Hessen- und RLP-Meisterschaft (Männerklasse V)
  • 2008 Sieger Heavyweight Pokal
  • 2008 Sieger Hessen- und RLP-Meisterschaft (Männerklasse V)
  • 2008 Sieger Deutsche Meisterschaft (Männerklasse V und Gesamtsieg)
  • 2008 2. Platz Body Xtreme Invitational
  • 2008 Sieger WM- Qualifikation
  • 2008 4. Platz IFBB Weltmeisterschaft (Superschwergewicht)
  • 2009 Sieger WM- Qualifikation
  • 2009 4. Platz IFBB Weltmeisterschaft (Superschwergewicht)
  • 2011 3. Platz Arnold Schwarzenegger Classic Amateur (Superschwergewicht)
  • 2011 3. Platz Mr. Olympia Amateur (Superschwergewicht)
  • 2013 4. Platz Arnold Classic Europe Amateur (Super heavyweight)
  • 2013 Sieger Großer Preis von Hessen & RLP (Männerklasse V und Gesamtsieg)
  • 2013 Sieger Heavyweight Cup
  • 2013 Sieger Deutsche Meisterschaft (Männerklasse V)
  • 2014 Sieger Deutsche Meisterschaft (Männerklasse V und Gesamtsieg)
  • 2015 Sieger Mr. Olympia Amateur (Männerklasse V und Gesamtsieg und damit Erwerb der Pro Card)


David Hoffmann 6 days out of Arnold Classic Amateur 2013
Eines der beliebtesten Bilder von David: 6 days out - 2013. Bild: Matthias Busse

David Hoffmann über…


…seine Anfänge im Bodybuilding


Mit 15 habe ich zuhause mit dem Krafttraining ernsthaft begonnen. Hanteln und den Wunsch nach großen Muskeln hatte ich schon lange, aber erst mit meiner ersten Sportrevue (August 1995) habe ich gecheckt, dass man mit 1,5kg Gewichten nicht weit kommt. Also habe ich mir mehr Gewichte und eine SZ-Stange gekauft. Meinen kleinen Bruder habe ich dann genötigt sich die Hantelbank aus dem Otto Katalog zum Geburtstag zu wünschen, was auch geklappt hat. Nach ca. einem Jahr und ganz ordentlichen Fortschritten bin ich schließlich im Alter von 16 Jahren zu meinem Vater nach Lahnstein gezogen. Dort gab es damals das Athletik Center Olymp. Das war das erste Gym das ich je von innen gesehen hatte. Zum Glück stellte sich heraus, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte, denn ich war in einem echten Bodybuildingstudio gelandet. 1999 habe ich dort dann auch meine erste Wettkampfvorbereitung gemacht. Leider kam ich 2 Tage vor meiner ersten Meisterschaft wegen meines Blindarms ins Krankenhaus und wurde noch in der Nacht operiert. Der Wettkampf sowie meine letzte Abiturklausur waren gelaufen. Die Klausur konnte ich nachschreiben, mit dem erneuten Anlauf zur Bühne dauerte es jedoch, denn danach musste ich zur Bundeswehr. Das kostete mich leider Zeit und Muskeln, so dass ich erst zur Herbstsaison 2000 wieder angreifen konnte. Ich war dann gleich bei meiner ersten Meisterschaft, der NRW in Duisburg siegreich bei den Junioren und konnte auch in RLP und Hessen gewinnen. Zum Abschluss der Saison wurde ich Vize-Deutscher Meister hinter Tom Voss, den ich in Hessen eine Woche zuvor noch geschlagen hatte.

…seine erste Vorbereitung und mögliche Fehler


Ich hatte das Glück von Anfang an immer gute Betreuer gehabt zu haben. Ich würde allerdings nicht mehr so lange zwischen den Wettkämpfen pausieren wie ich es getan habe. Nach meiner Juniorenzeit (damals nur bis 21 Jahre) habe ich z.B. 4 Jahre gewartet bis zu meinem ersten Start bei den Männern in 2004.

Im Herzen doch schon immer Classic: David Hoffmann übte 2011 ebenso formvollendet wie Arnie und Franco die Kunst des Posings.

…die Zusammenarbeit mit seinem Coach Roland Cziurlok


Ich habe Roland zum ersten Mal persönlich auf der Feier zu Walter Klocks 80. Geburtstag kennen gelernt. Zu meinen Bodybuilding Anfangszeiten 1995 war Roland einer von den ganz großen in der Profiszene. Damals hatte ich seine Poster in meinem Trainingsraum hängen und die Sportrevues und FLEX Magazine waren voll mit seinen Bildern. Als ich ihn dann erstmals persönlich traf, haben wir alle ganz aufmerksam seinen Geschichten aus der alten Zeit gelauscht. Ich erinnere mich noch daran, wie Detlef Herget danach zu mir sagte: "Das ist ein echtes Original".

Danach hatten wir ab und zu Kontakt über Facebook und haben uns gelegentlich auf den Meisterschaften gesehen und immer gut verstanden. Auf der Deutschen im Mai 2013 haben wir dann die Zusammenarbeit für die ACE beschlossen. Roland und Dagmar haben eine wahnsinnige Leidenschaft für den Sport und geben sich sehr, sehr viel Mühe. Seitdem arbeiten wir nun zusammen und jenseits des Verhältnisses Coach – Athlet ist eine sehr tiefe Freundschaft entstanden. Ohne die beiden wäre Bodybuilding in Deutschland nicht was es ist und auch meine Karriere wäre wahrscheinlich anders verlaufen.

…seine Ernährung


Die Ernährung ist sehr basic. Reis, Hühnchen, mageres Rind, Spinat und Bio Kaisergemüse. Dazu Paranüsse und etwas Leinöl oder Kokosöl. Gelegentlich etwas Fisch oder mal ganze Eier. Außerdem setze ich mehr und mehr auf Bioprodukte. Rindfleisch sollte aus Weidefütterung stammen, Eier aus Freilandhaltung. Gentechnisch veränderte Lebensmittel versuche ich unter allen Umständen zu vermeiden. Das hat zum einen ethische Gründe, zum anderen halte ich das für wesentlich gesünder und sicherer.

…seine Supplements


Zurzeit benutze ich täglich Whey (2x 2 Scoops Flexpresso, Designer Whey oder Fruity Isolate), EAAs (1 Scoop während dem Training) und L-Carnitine Caps (je 2 Kapseln morgens, vor und nach dem Training). Creatin Monohydrat nehme ich ebenfalls, auch während einer Diät (ca. 10g täglich). Je nach Gefühl benutze ich einen Booster oder einen Pump-Booster. Unmittelbar vor den Wettkämpfen verwende ich keine Proteinpulver mehr, vor allem weil mich Fleisch länger satt hält. Vitamin D3+K2, Magnesium, und Vitaminstack nehme ich täglich. Und da ich nicht jünger werde, ist auch Glucosamin mittlerweile ein fester Bestandteil meines Supplementplans.

David Hoffmann beim Prejudging des Classic Physique Olympia 2018
Eindrücke von David Hoffmanns Mr. O-Debüt 2018. Dieses Jahr will er deutlich schwerer kommen. Bilder: Andreas Volmari

…sein Training


Mein Split in der Vorbereitung auf den Mr. Olympia 2019 ist im Grunde ein 5er Split, mit Schwerpunkt Rücken. Dementsprechend wird alles einmal trainiert und der Rücken 2 mal pro Woche. Grundsätzlich trainiere ich in der Vorbereitung an sechs Tagen pro Woche.

  • Tag 1: Arme + Cardio
  • Tag 2: Beine + Waden
  • Tag 3: Rücken + Cardio
  • Tag 4: Brust + Bauch + Cardio
  • Tag 5: Pause
  • Tag 6: Rücken + Cardio
  • Tag 7: Schulter + Bauch + Cardio

…seine Übungsausführung im Training


Nach mittlerweile fast 25 Jahren Training auf hohem Niveau und Bandscheibenvorfall muss ich schon mehr auf die Übungsausführung achten als früher. Ich würde aber nicht sagen, dass ich besonders sauber trainiere. Meine Erfahrung ist, dass meist ein etwas „dreckiger“ Trainingsstil, mit höheren Gewichten und größerer Intensität mehr bringt. Mir ist dabei bewusst, dass das nicht gerade "materialschonend" ist, aber die ultrakorrekte Übungsausführung geht zu Lasten des verwendeten Gewichts und bringt mir einfach weniger.

Man muss aber hier auch unbedingt zwischen erfahrenen Athleten und Anfängern unterscheiden. Was bei einem Profi von außen nach Schwung, Abfälschen oder Reißen aussieht, ist aufgrund der langjährigen Erfahrung und dem ausgeprägten Körpergefühl vielleicht das beste Training für ihn persönlich. Das heißt in keinem Falle, dass ein Neuling dem nacheifern sollte. Auf der anderen Seite gibt es die unzähligen Foren- und Youtubeexperten, die eifrig andere Bodybuilder belehren und tadeln, selbst jedoch nach nichts aussehen, geschweige denn je auf einer Bühne gestanden haben.

Die Frage lautet wie so oft im Leben: Was will ich? Ich will Muskeln und Pokale. Den Preis für den 100% perfekten Youtube-Curl überlasse ich anderen.

David Hoffmann und Tom Platz beim legendären Legday
Ein Traum: David in einer lockeren Trainingseinheit mit seinem Vorbild Tom PLatz. Bild: Matthias Busse

…Tipps, die er einem Anfänger geben würde


Also als Quicktip: KISS. Keep It Simple and Stupid. Lasst euch nicht zu sehr verwirren. Die Basics in unserem Sport sind seit 40 Jahren die gleichen: Hart trainieren, gesund und viel essen sowie dem Körper Gelegenheit zur Erholung geben. Es gab schon fantastische Körper, bevor es HIIT, FST7 und hydrolisiertes Wheyprotein gab. Durch das Internet stehen Anfängern heute Unmengen von Informationen zur Verfügung. Es ist sicher nicht falsch sich für all das zu interessieren, aber man darf nicht das Wesentliche aus den Augen verlieren. Um es mal mit Goethe zu sagen: „Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.“

Und für die Leute die richtig Gas geben wollen oder die einfach mit all den Informationen überfordert sind, empfehle ich sich ein gutes Studio der alten Schule zu suchen. Manchmal gibt es auch wertvolle Tipps in guten Bodyshops. Der direkte Kontakt zu guten Trainern und Athleten ist durch nichts zu ersetzen. Ich erlebe täglich bei der Kundenberatung in meinem Studio, wie erschreckend ahnungslos viele der sogenannten Trainer bei den Discountern und kommerziellen Studios sind.

…seinen Wechsel in die Classic Physique


Lange habe ich das nicht als echte Option gesehen. Zu tief war der Gedanke „Superschwergewichtler“ in meinem Kopf verankert. Viele Fans haben immer und immer wieder geäußert, dass das doch die perfekte Klasse für mich sei, aber ich konnte mich einfach nicht dort sehen. Die Augen hat mir dann mein alter Coach Detlef Herget geöffnet. „Bei der WM 2008 hattest du auch nur 103 Kilo und hast geil ausgesehen.“ Und er hatte Recht! Meine Form 2008 in Bahrain war super gewesen. Außerdem ist man ja mit 103 Kilo grundsätzlich immer noch im Superschwergewicht. Wenn ich betrachte, wie sich seit der Entscheidung in die Classic Physique zu gehen alles entwickelt hat, dann war das absolut richtig. In diesem Jahr werde ich vermutlich mit ca. 109 Kilo auf der Bühne stehen und wieder meinen „alten“, runderen Look haben.

David Hoffmann gewinnt die Dennis James Classic 2018 in der Classic Physique
Die Eintrittkarte für 2019: David sichert sich im vergangenen Herbst das Olympia-Ticket für 2019.

…die Entwicklung der Classic Physique


Die Klasse steht noch ganz am Anfang. Die Popularität nimmt immer mehr zu. Auch das Niveau der Athleten ist regelrecht explodiert. Persönlich würde ich mir von Seiten der Judges noch etwas mehr Fokus auf den Aspekt „Classic“ wünschen. Also nicht nur Einhaltung des Gewichtslimits, sondern auch Orientierung am Look und am Stil der 70er und 80er.

…seine Erwartungen für den Mr. Olympia 2019


Wie immer: Meine persönliche Bestform bringen. Platzierungen sind an dieser Stelle eher spekulativ. Aber ich habe ein gutes Gefühl in diesem Jahr...

Wer statt des xten 0815-Films mal wieder Bock auf Bodybuilding vom Feinsten hat: Das legendäre 2014er Legday-Video mit Tom Platz und David Hoffmann in voller Länge!

Nach oben