DHEA

Die Studie von Mahesh und Greenblatt hatte ja einen Hinweis gegeben, dass DHEA bei Frauen den Testosteronwert erhöhen kann. Ich möchte nun eine neuere Studie (von King et al.5) aus dem Jahr 1999 betrachten, in der die Wirkung von DHEA bei jungen Männern untersucht wurde, und die gleich mehrere Aspekte beleuchtet.

Wenn man die Studie zum ersten Mal überfliegt, wird gleich klar, dass man heutzutage einen ungleich höheren Aufwand zu treiben bereit ist, als zu den Zeiten von Mahesh und Greenblatt, die sich ja mit ein paar Blutproben zufrieden gegeben haben.

An der Studie nahmen insgesamt 30 Männer im Alter von 19 – 29 Jahren teil. Die Probanden wurden zunächst aufgeteilt in zwei Gruppen:
  1. Eine Gruppe von 10 Männern, an der die Wirkung einer Einzeldosis auf verschiedene Hormone über einen Zeitraum von einigen Stunden getestet wurde.
  2. Eine weitere Gruppe mit 20 Männern, an denen die Wirkung von DHEA über einen längeren Zeitraum ausprobiert wurde. Diese Gruppe durchlief ein achtwöchiges Trainingsprogramm und es wurden die Kraftzunahme, die Körperzusammensetzung, Hormone, Lipidwerte, Leberwerte und die Glukosetoleranz untersucht. Auch eine Muskelbiopsie stand auf dem Programm.
In der Gruppe von 10 Männern erhielt die eine Hälfte 50 mg DHEA, die andere einen Placebo. Vor der Einnahme und dann alle 30 Minuten über einen Zeitraum von insgesamt 6 Stunden wurden bei jeder Person Blutproben entnommen und auf die folgenden Hormone untersucht:
  1. Androstendion
  2. Freies Testosteron
  3. Gesamttestosteron
  4. Östradiol
  5. LH
  6. FSH
Innerhalb von einer Stunde stieg der durchschnittliche Androstendion-Wert in der DHEA-Gruppe von ca. 3,2 ng/ml auf ca. 7,9 ng/ml. Eine Erhöhung um rund 150 % also. Danach sank der Wert dann langsam ab, war aber auch 6 Stunden nach der Einnahme mit ca. 4,9 ng/ml noch erhöht. In der Kontrollgruppe änderte sich der Wert nicht.
Der Referenzbereich für Androstendion geht beim Mann übrigens von 0,35 bis 3,15 ng/ml.

Bei allen anderen Hormonen unterschieden sich die Werte der DHEA-Gruppe nicht signifikant von denen der Kontrollgruppe – also insbesondere Testosteron und Östradiol blieben unberührt.

Vergleicht man diese Ergebnisse mit denen der in vitro Studie von Blaquier et al., so ist das eigentlich erstaunlich. Denn dort wurde DHEA ja fast gar nicht in Androstendion umgewandelt und die Umwandlung zu Testosteron müsste einen Tick höher ausfallen (als die in Androstendion).

Die Gruppe mit 20 Männern wurde ebenfalls aufgeteilt in eine DHEA- und eine Placebogruppe, bestehend aus jeweils 10 Männern. Die Verabreichung von DHEA erfolgte nach einem On-/Off-Schema:
  • 1.+ 2. Woche: Dreimal täglich 50 mg DHEA
  • 3. Woche: Off
  • 4. + 5. Woche: Dreimal täglich 50 mg DHEA
  • 6. Woche: Off
  • 7. + 8. Woche: Dreimal täglich 50 mg DHEA
Das DHEA wurde von den Probanden morgens um 9:00 h, nachmittags gegen 15:00 h und vor der Nachtruhe eingenommen.

Zur Studie gehörte auch ein achtwöchiges Krafttraining, an dem jeder der 20 Männer teilnahm. Alle Probanden waren übrigens Anfänger.

Zu den Übungen gehörten Bankdrücken, Nackendrücken, Beinstrecker, Beincurl, Butterfly, Beinpresse, Wadenheben, Bizepscurl, Trizepsdrücken und Latziehen.
Trainiert wurde an drei Tagen pro Woche. Innerhalb der ersten zwei Wochen machten die Teilnehmer je Übung drei Sätze zu je zehn Wiederholungen, in den restlichen Wochen drei Sätze zu je acht Wiederholungen.

Der Widerstand wurde für jeden Probanden so eingestellt, dass dieser 80 – 85 % von dem entsprach, was der Teilnehmer maximal mit einer Wiederholung bewältigen konnte.
Nach vier Wochen wurde dieses Gewicht dem Fortschritt angepasst.

In der folgenden Tabelle ist dargestellt, welche Untersuchungen wann durchgeführt wurden:

DHEA und Untersuchungen


Es gibt einige Studien, in denen ein Einfluss von DHEA auf die Insulinsensitivität festgestellt wurde. Andere Studien konnten dies aber nicht bestätigen. Um hier Klarheit zu schaffen, wurde vor und nach den acht Wochen ein Glukosetoleranztest durchgeführt.

Im Ergebnis war hier eine verbesserte Insulinsensitivität festzustellen – allerdings nicht zwischen der DHEA- und der Placebogruppe, sondern einfach als Effekt des Krafttrainings. D.h. die Insulinsensitivität änderte sich gleichermaßen in beiden Gruppen und ein Unterschied war nur im Vergleich zwischen dem Zustand vor und nach den acht Wochen Training festzustellen.
Die DHEA-Einnahme hatte also keine Wirkung auf die Insulinsensitivität.

Bei der Muskelbiopsie wurde mit einer dicken Nadel eine Probe von ca. 100 mg Muskelgewebe aus dem Vastus Lateralis entnommen. Die Prozedur wurde bei jedem Teilnehmer vor und nach den acht Wochen durchgeführt.

Die Proben wurden dann später auf den prozentualen Anteil an Typ I und Typ II Muskelfasern untersucht. Außerdem wurde die Querschnittsfläche der beiden Muskelfasertypen bestimmt.

Im Ergebnis fand man keine signifikante Änderung der prozentualen Anteile an Muskelfasern vom Typ I und Typ II. Auch die Querschnittsfläche der Typ I Fasern änderte sich nicht signifikant.
Anders die Querschnittsfläche der Typ II Fasern. Diese vergrößerte sich als Effekt des Trainings signifikant in der DHEA- und der Placebogruppe.

Die durchschnittliche Veränderung von Körpergewicht und Körperfettanteil dokumentiert die folgende Tabelle:

DHEA - Körpergewicht und Körperfett


Tja, da sieht man mal wieder, was für einen positiven Effekt Sport auf den Körper haben kann.
Aber kein signifikanter Unterschied zwischen DHEA- und Placebogruppe.

Werfen wir noch einen Blick auf den Umfang diverser Körperteile:

DHEA und Körperumfang


Auch diese Zahlen machen den Effekt des Trainings deutlich. Und wieder kein signifikanter Unterschied zwischen DHEA- und Placebogruppe.

Ähnlich war es auch beim Kraftmaximum – nach den ersten vier Wochen hatte sich dieses um durchschnittlich 17 % gesteigert, nach weiteren vier Wochen nochmals um 11 %.
Einen signifikanten Unterschied zwischen DHEA und Placebo gab es nicht.

Kommen wir zu den Hormonen. Im Unterschied zu den eingangs beschriebenen Messungen nach einer Einmaldosis, wurden nun bei jedem Probanden vier Blutproben genommen. Zu Beginn der Studie, nach zwei Wochen, fünf Wochen und acht Wochen. Also initial und nach den drei jeweils zweiwöchigen DHEA-Perioden.
Die Blutentnahme fand morgens statt, zu einem Zeitpunkt also, an dem die letzte DHEA-Einnahme (vor der Nachtruhe) bereits einige Stunden zurücklag.

Gemessen wurden Androstendion, Gesamttestosteron, freies Testosteron, LH, FSH, Östron, Östradiol und Östriol.
Der Androstendionwert lag in der DHEA-Gruppe zu Beginn der Studie im Mittel bei 2,86 ng/ml. Nach den ersten beiden DHEA-Wochen stieg er auf 3,72 ng/ml, nach Woche fünf auf 4,87 ng/ml und war damit ggü. der Placebogruppe signifikant erhöht. Nach Woche acht war der Wert aber dann wieder etwas niedriger und unterschied sich nicht mehr signifikant von dem der Placebogruppe.
Alle anderen Werte unterschieden sich nicht signifikant zwischen DHEA und Placebo. Es steigen also weder Testosteron noch Östrogene. Auch auf LH und FSH hat DHEA demnach keinen Einfluss.

Bleiben noch die Lipid- und Leberwerte. Gemessen wurden Gesamtcholesterin, HDL, LDL, VLDL, Triglyceride, GGT, SGOT und SGPT.
Viel zu sagen gibt es hier nicht – kein Einfluss durch DHEA oder Training.

Fazit:

Ein ganz schöner Aufwand mit einem bescheidenen Ergebnis, was DHEA angeht. Offensichtlich erhöht es den Androstendionwert, hat aber auf andere Hormone, speziell auf Testosteron keinerlei Wirkung. Es scheint also eine Umwandlung zu Androstendion stattzufinden, aber der erhöhte Androstendionspiegel führt nicht zu einem höheren Testosteronwert.
Auf die Trainingsleistung hat DHEA auch keinerlei Einfluss. Leber- und Blutfettwerte lässt es in Ruhe.
Erstaunlich eigentlich, dass manche Supp-Hersteller es immer noch zum Muskelaufbau anbieten und es auch noch Leute gibt, die es kaufen.

Weitere Studien zu DHEA will ich an dieser Stelle nicht betrachten – interessanter ist da wohl, was die anderen PHs so hergeben.

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