Vorstellung

Die Beinroundtable (I)

Heute präsentieren wir euch einen lang verschollenen und über nun 2 Jahre ruhenden Artikel aus den Tiefen des Andro-Fundus. Immer wieder lief die Diskussion weiter, schlief ein oder wurde durch Urlaube, Arbeitszeiten oder ähnliches unterbrochen. Nun können wir endlich behaupten, den Roundtable fertig auf virtuelles Papier gebracht zu haben und deshalb, meine Damen und Herren, befindet sich hier ein kleines Stück Herzblut von jedem Teilnehmer in diesem Artikel.

TEAM-ANDRO: Und wieder einmal freue ich mich unsere tapferen Recken hier begrüßen zu dürfen. Unser heutiges Thema lautet "Beine", sprich wie man diese am besten trainiert. Gleich zu Beginn daher die Frage, welchen Stellenwert muskulöse Beine für Euch einnehmen?

Ach ja, die Neulinge in unserer Runde können sich auch an dieser Stelle mal fix vorstellen.


Die Beinroundtable (I)

Thomas: Massive und definierte Beine sind für mich der Inbegriff von Bodybuilding. Was für andere dicke Arme sind, waren für mich schon immer die Beine. Entsprechend legte ich auch schon früh großen Wert auf ein angemessenes Beintraining. Je mehr ich feststellte, dass meine Beine außerordentlich gut auf das Training ansprechen, desto mehr legte ich mich ins Zeug. Heute bin ich an einem Punkt angekommen, wo ich aufpassen muss, dass meine Beinentwicklung nicht die des Oberkörpers überschattet. Denn so geil ich Beinmonster wie Tom Platz auch finde, es muss halt ein Gesamtbild ergeben, die Proportionen müssen stimmen. Daher habe ich das Beintraining aktuell erst mal etwas hinten an gestellt.

Friedhofschiller: Mein Lieblingsthema! Ich liebe Beine! Nicht nur meterlange beim weiblichen Geschlecht, sondern auch im Bodybuilding. Riesige Beine sind für mich die Krönung in diesem Sport. Beim Beintraining war ich immer etwas paranoid. Da in meiner Anfangszeit niemand in meinem Alter im Studio war, konnte ich nicht vergleichen, ob meine Beine für mein Alter und meine Trainingszeit gut aussahen. Ich habe mich immer an den älteren Kerlen gemessen und daher unermüdlich bis zum - wortwörtlich und wahr wie es dort steht - Kotzen trainiert. Nicht nur 1x.

Da ich mich mit der erbrachten Intensität doch nie zufrieden gab, steigerte ich es immer wieder, bis es, wie stefanco einmal sehr passend sagte, "einer Nahtoderfahrung gleicht, diese zu trainieren". Dazu gehört das volle Programm - nervös sein den gesamten Tag, eventuell schlecht schlafen davor, Angst vorm Versagen. Diese Emotionen wechselten sich dann im Studio in Motivation und Ehrgeiz. Ich klinge hier vielleicht befremdlich für manche, doch es gibt einige hier, die dies nachvollziehen können und man kann es nicht anders beschreiben.

Wenn ich mir die Profi-Entwicklung der letzten Jahrzehnte ansehe, sieht man wie viel Wert auf die Beine momentan gelegt wird. Jay Cutler, Branch Warren, Kai Greene, Dennis Wolf - alle haben MONSTRÖSE Beine, von denen ein einzelnes schon breiter als deren Taille zu sein scheint. (Please insert Kühlschrank- and Blähbauch - Kommentar here)

Abergau: "Die Wissenschaft hat festgestellt, dass der Arsch die Beine hält" - das war lange Zeit das einzige, was mir zum Thema "Beine im Kraftsport" einfiel. Die Beine sorgen für eine gesunde Distanz zwischen Gesäß und Fußboden, ohne sie wären wir alle im wahrsten Sinne "Arschkriecher". So weit, so gut. Dass man die Beine durchaus trainieren kann (und sollte), und zwar auch dann, wenn man kein Tänzer, Fußballer oder Leichtathlet ist, erschloss sich mir lange Zeit nicht.

Ich fing irgendwann damit an, weil alle im Studio so ehrfürchtig von der Kniebeuge sprachen - eigentlich wollte ich nur wissen, was dahinter steckt. Nachdem ich einige Male Kniebeugen gemacht und zum ersten Mal erlebt hatte, wie es ist, wenn man sich muskelkaterbedingt beim Toilettengang nicht mehr normal auf dem Sitzreifen seiner Keramikschüssel absetzen kann, sondern sich mit heruntergelassener Hose vor die Schüssel stellen und sich dann steifbeinig nach hinten fallen lassen muss (Achtung: klatscht ordentlich!), entwickelte ich eine Art Hassliebe zu dieser Übung:

Ich machte mir vor Angst bei jedem Beintraining fast in die Hose, hätte mich aber selbst von der nackten Heather Thomas (das war die fesche Blonde aus der 80er-Jahre-Vorabend-Serie "Ein Colt für alle Fälle"; alte Männer wie stefanco können sich vielleicht noch an diese erinnern) nicht vom wöchentlichen Kniebeugentrainig abhalten lassen. Bei keiner anderen Übung kann man mehr über sich, seinen persönlichen Schweinehund und das kleine Mädchen in sich erfahren als bei Kniebeugen.

Heute, nach über 20 Jahren, ist bzw. sind Kniebeugen immer noch eine Angst-Übung für mich - allerdings eher deshalb, weil kaum ein Beintraining vergeht, nachdem mir in den nächsten Tagen nicht irgendetwas dauerhaft weht tut. Sei's drum. Eigentlich mache ich immer noch kein wirkliches Beintraining. Ich mache Kniebeugen-Training.

Runn12: Ich befürchte, dass ich mit meinem Idealbild des menschlichen (und hier: männlichen Beines) auf Unverständnis und Ablehnung stoßen werde, aber was soll's - und auch wenn ich das in meinem Folgepost noch ein paarmal unterstreichen werde : Ich illustriere nur meine eigenen, persönlichen Präferenzen.

Der ideale männliche Körper muss selbstverständlich mit ordentlich Muskeln ausgestattet sein - runde Schultern, ein V-förmiges Kreuz, muskulöse Arme, eine schmale Taille und austrainierte Beine und Waden sind hier genauso wichtig, wie die Proportionen des Muskeln zum Gesamtbild stimmen müssen.

Muskulös und ordentlich durchtrainiert soll das männliche Bein auf jeden Fall sein, aber bitte nicht zu massiv ( jaaaa. Das meine ich ernst).

Muskulöse Beine sind toll, aber wenn man nicht mehr vernünftig rennen kann, weil die Oberschenkel ständig aneinander reiben, oder wenn die großen Beine auch mit einem riesigen Hintern einhergehen, dann hat man dem Streben nach gewaltigen Beinen aus meiner Sicht zu viel geopfert. Vom Gesamtumfang eben weniger freakig massig und mehr in Richtung der Normalsterblichen Bevölkerung - das gefällt mir am besten.

Die Beinroundtable (I)

Ein schönes Beispiel für mich sind die meisten Bodybuilder der 70er und 80er Jahre - auch, wenn Arnold und Lou nach heutigen Maßstäben vielleicht gerade Mal auf Fitness Studio Niveau gewesen sein mögen, ist das, was die Jungs unterhalb der Taille mit sich herumgeschleppt haben, das für mich maximal Erstrebenswerte (und streng genommen schon fast zu viel).
Und weil ich weiß, dass der goldene Adler auch zu der Zeit aktiv war - der gehört für mich bei aller Sympathie einfach nicht dazu.

Einen bestimmten Stellenwert haben die Beine bei mir allerdings nicht - entweder man trainiert alles, oder man bleibt zu Hause und spielt Hallenhalma.

Rein von der Leistung gibt es da allerdings keine Grenzen – je mehr Jemand beugen und je schneller jemand laufen kann, desto mehr Bewunderung gebührt ihm selbstverständlich von mir.

Biqmil: Hallo an alle! Ich freue mich sehr, dieses Mal bei der Roundtable mit von der Partie zu sein. Kurz zu mir:

Zum Bodybuilding bin ich mit 15 oder 16 Jahren gekommen und hatte damals das Glück, dass ich als Anfänger von einer sehr kompetenten und in unserem Sport nicht unbekannten Wettkampfathletin ins Training eingeführt wurde. Mein erstes Studio war ein typisches Bodybuilding-Studio, wie man es heutzutage leider nur noch selten findet.

Dank der stets präsenten Hünen und zahlreicher Fotos von Arnold und Co. hat sich mein Idealbild eines trainierten Körpers schnell vom Bohnenstangen-Sixpack zum Bodybuilding-typischen Traumkörper entwickelt. Auch wenn ich einen Kevin Levrone oder David Henry um ihre Masse stark beneide, ist das Idol für mein Aussehen doch eher ein Mahmut Irmak, der den Sport in meinen Augen perfekt mit Ästhetik vereint.

Das Training an sich hat mir schon immer sehr viel Freude bereitet und gab mir stets einen guten Ausgleich zu Schule, Studium und Arbeit. Ich habe im Laufe der Zeit wie so viele andere mein Hobby zum Lebensstil gemacht und bereue es kein bisschen. Ich würde sogar behaupten, dass, entgegen der Meinung vieler, man würde sein Leben durch Bodybuilding vollkommen einschränken, ich meine Lebensqualität dadurch verfünffachen konnte.

Vor ein bisschen mehr als 3 Jahren habe ich mich dann im Zuge der DC-Unterforum-Eröffnung auf Team-Andro dem Trainingssystem Doggcrapp verschworen und bin seitdem ein Verfechter der Prinzipien, die hinter dem System stehen.

Muskulöse Beine gehören für mich einfach zu einem trainierten Körper. Sogar noch weit mehr als das. Massive Oberschenkel sind für mich der Inbegriff von harter Arbeit. Jeder x-beliebige Studiogänger macht heutzutage seine 50 Sätze Kabelcurls und kann einen "einigermaßen austrainierten" Bizeps vorweisen. Aber Beintraining bedeutet Anstrengung und Überwindung des eigenen Schweinehunds. Und da (bzw. beim Beinstrecker) hört das Training für 90 % der Fitnessbewussten dann auf.

Auch wenn ich Thomas und Runn12 zum Teil zustimme, was "zu massive Beine" betrifft, geht bei mir trotzdem nichts über einen prallen und gestreiften Beinbizeps, gemeiselte Quads und überdimensionale Waden. Den Gluteus nicht zu vergessen, der optisch den Beinbizeps unterstützt und in meinen Augen die Beine im Profil erst komplett macht.

Loriot_MP: Ein Hallo an alle! Ich werde Ende des Jahres 25 Jahre alt, habe auch mit 16 Jahren begonnen, weil ich trainiert aussehen wollte...für die Frauen. Also ging es zwei Jahre an pures Oberkörpertraining und ein wenig Beinstrecken. Habe es in dem damaligen Wellness-Tempel leider nicht anders gezeigt bekommen...oh doch...auf einem Luftkissen...hat mir nicht gefallen, also wurde es wieder gestrichen.

Dann waren fast 2 Jahre Pause, bis ich mit 20 endlich in einem Studio gelandet bin, wo es zu manchen Zeiten rund um mich dunkel wird, und sich breite Schultergürtel und fleischige Arme ein Duell mit den Kurzhanteln geben, während im hinteren Bereich knapp 300 kg Kniebeugen gemacht werden, oder mal eben locker 200 kg auf Reps gedrückt wird.

Hier musste ich bleiben, also beschloss ich das Training richtig ernsthaft anzugehen, hab alle Infos eingesaugt, und irgendwann ging's dann in Richtung Bühne.

Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so dünn, wie selten zuvor ... gerade wieder auf Diät, noch ein paar Wochen vorm Wettkampf. Jeder starke Baum braucht starke Wurzeln.

Muskulöse Beine sind für mich ein weiterer Schritt, den Körper in perfekte Balance des Ästhetischen zu bringen, und eine schöne X-Form zu schaffen.

Nachdem ich die ersten Jahre als Discopumper verschwendet habe, und bei jedem Kanalgitter aufpassen musste, nicht durchzurutschen, habe ich irgendwann mal Kniebeugen gezeigt bekommen. Mit lächerlich wenig habe ich begonnen, musste die Bewegungsabläufe erst lernen, und vor ein paar Wochen habe ich 7 x 200kg gebeugt. Meine Beinentwicklung bekam über die letzten Jahre eine ganz andere Bedeutung, denn es galt, körperliche Schwächen auszugleichen, komplett zu werden, und ein Zeichen von "Stärke" zu setzen.

Niemand verschwendet gerne 50 % Aufbaupotential, nur weil man beim Beintraining so viel schwitzt...

Die Beinroundtable (I)

Für mich können Beine auch nie zu dick sein. Ist zwar nervig, weil die Hosensuche immer schwieriger wird, und zusätzlich jede Hose zuerst an den Adduktoren aufreißt (im Sommer durchaus nützlich!), aber sei's drum. Der männliche Körper will fest im Leben stehen und sich auch dementsprechend fortbewegen.

Manuel07: Servus aus Österreich! Als Letzter der Greenhorns möchte ich euch ein bisschen über meine Person erzählen.

Bin bereits ein älteres Semester (37 Jahre alt), aber noch fit wie ein Turnschuh, schließlich hat mich das richtige Eisenfieber erst 2007 befallen.

Die ersten Berührungen hatte ich im zarten Alter von 18 Jahre. Ich trainierte von Beginn an in einem Hardcore-Gym, wo es nur so von Wettkampfathleten und krassen Tieren wimmelte. Mir schmächtigen Jungen (hatte auf eine Größe von 1,81 m gerade mal 64 kg) hat das mehr Angst und mächtig Respekt eingeflößt, als das es mir zuträglich war. Aber, ich konnte bereits in dieser Anfangszeit sehr viel lernen und habe im 1. halben Jahr satte 11 kg zugelegt.

Ich hätte eigentlich erkennen sollen, dass ich in diesem Sport erfolgreich sein könnte.... Bestätigung von den krassen Tieren bekam ich jedenfalls bereits damals. Nach einem 3/4-Jahr habe ich mich aber dann doch entschieden, lieber die Nacht mit Kumpels zum Tag zu machen und mich vermehrt der Frauenwelt zu widmen. In den weiteren Jahren bin ich dann neben dem Fußball ein wenig Pumpen gegangen, aber über ein akzeptables Fitnesslevel kam ich damit nicht hinaus.

Im Februar 2007, nach satten 4 Jahre überhaupt kein Sport, bin ich dann mit leicht schwammigen 81 kg und großen Vorsätzen im Gym gestartet und begann das Ganze ernster anzugehen. Schnell hatte mich das Feuer gepackt und ich arbeitete mich in nur einem Jahr bis auf 98kg hoch.

In den letzten beiden Jahren konnte man in meinem Vorher-Nachher-Thread die Entwicklung verfolgen.

Mitte des letzten Jahres hatte ich mich dann entschieden, mir meinen großen Wunsch auf die Bühne zu gehen, zu erfüllen. Seit 1. Februar läuft nun das Projekt, um am 29.9.2012 beim Internationalen Österreich Cup, in der CBB, die Bühne zu rocken. Die aktuelle Vorbereitung darauf ist in einem Log verewigt und wird laufend aktualisiert.

Meine Storchenbeine haben mich schon immer angekotzt. Ich trainierte diese zwar mit besten Wissen und Gewissen, aber der Response war nicht annähernd zufriedenstellend. Es ist wie so oft: Man möchte genau das am allerliebsten, was man nicht hat. Für mich waren das schon immer massive Beine.

Auch das Beintraining war früher verhasst. Das hat sich aber jetzt definitiv gewandelt!

Schiller hat mich in dieser Aufbauphase mit wahren Killerplänen (in Anlehnung an Meadows / Tate) bis zum Äußersten gefordert.

Ich denke der Erfolg gibt mit recht. Mittlerweile habe ich meine Beine einigermaßen meinem Oberkörper angepasst (bis auf Beuger), was mir mein Coach gestern beim Formcheck wieder mit Verwunderung bestätigte.

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Bilder: Matthias Busse | Matthias Busse | Matthias Busse

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