Die ganze Wahrheit über Transfette

Ein Artikel von T-Nation.com
von Mike Roussell

Transfette haben in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit erregt. Zuerst dachte ich, dass es bei diesem Thema nur schwarz und weiß gäbe – Transfette sind schlecht und man sollte sie komplett aus der eigenen Ernährung verbannen. Dies ist wahrscheinlich die Meinung, die von den meisten Menschen geteilt wird, doch auf den zweiten Blick ist dies eine zu oberflächliche Aussage. Aus diesem Grunde möchte ich in diesem Artikel mit einigen Mythen aufräumen und einige Untersuchungen zum Thema Transfette näher betrachten.

Transfette und tierische Produkte

Der Durchschnittsamerikaner nimmt bis zu 4 % seiner täglichen Kalorien in Form von Transfetten zu sich. Man könnte hierauf antworten "Wie ist das möglich? Ich esse keinen Müll, der hydrierte Öle enthält. Ich konsumiere keinerlei Transfette!"

Das ist genau der Punkt, bei dem man falsch liegt. Von diesen 4% stammt 1% von hydrierten Ölen sondern von tierischen Produkten. Als typischer Bodybuilder kann man also davon ausgehen, dass man in der Tat mehr als 1% seiner Kalorien in Form von Transfetten zu sich nimmt.

Glücklicherweise ist das Transfett, welches sich hauptsächlich in tierischen Produkten befindet Vaccensäure und nicht Elaidinsäure (den wissenschaftlich orientierten Lesern auch als 18:1 n-9 trans bekannt). Elaidinsäure ist ein Transfett, das aus der Ölsäure gebildet wird – einer einfach ungesättigten Fettsäure (man denke an Olivenöl).

Elaidinsäure ist das primäre Transfett in hydriertem Sojaöl und es wird angenommen, dass dies das Transfett ist, welches das Risiko für eine Erkrankung des Herz-Kreislauf Systems erhöht (auch wenn man sich hier im Kreis der Wissenschaftler noch nicht ganz einig ist).

Wenn Transfette nicht natürlich vorkommen, wie kommen sie dann in tierische Produkte? Der Pansen (einer der vier Bereiche des Magens einer Kuh) von Wiederkäuern (Kühe oder andere Tiere mit vier Magenkammern) enthält Bakterien. Diese Bakterien hydrieren mehrfach ungesättigte Fette und wandeln sie in Transfette und gesättigte Fette um. Interessanterweise weisen auf der Weide gehaltene, Gras fressende Rinder höhere Transfettmengen auf, da sie größere Mengen Alpha Linolsäure – ein Omega 3 Fett – und andere mehrfach ungesättigte Fette zu sich nehmen, welche dann in Transfette umgewandelt werden.

Glücklicherweise zeigen epidemiologische Daten, dass diese natürlichen Transfette das Risiko für Herzkrankheiten nicht erhöhen, sondern sogar eine gewisse herzschützende Wirkung besitzen. Auf diesem Gebiet bedarf es jedoch noch weiterer Untersuchungen.

Was an Vaccensäure wirklich toll ist, ist die Tatsache, dass der Mensch diese recht gut in CLA umwandeln kann. Weiter unten sind zwei Diagramme aus einer Studie abgebildet, die im American Journal of Clinical Nutrition (das führende Magazin für Untersuchungen im Bereich der Ernährungswissenschaften) veröffentlicht wurde und die Umwandling von Vaccensäure in CLA untersuchte[1]. Die obere Kurve zeigt, wie der Spiegel von Vaccensäure mit der Zeit steigt, während die untere Kurve die Erhöhung des CLA im selben Zeitraum als Reaktion auf die Erhöhung der Menge der Vaccensäure zeigt. Die über die Nahrung zugeführte Vaccensäure wurde also in CLA umgewandelt.

Graph 1

Graph 2
Veränderungen der Plasmawerte von Vaccensäure und konjugierter Linolsäure (CLA) bei Probanden, die pro Tag über die Ernährung 1.5 g (●; n = 10), 3.0 g (▲; n = 10), oder 4.5 g (■; n = 10) Vaccensäure zu sich nahmen.


Transfette, McDonalds und die große Lüge

Während Städte wie Chicago und New York über ein Verbot von Transfetten diskutieren und KFC kürzlich angekündigt hat, auf Transfette zu verzichten, ist das Thema Transfette definitiv in den Fokus des öffentlichen Interesses. Doch es gibt einige interessante Dinge, über die in den Medien nicht berichtet wird.

Schauen wir uns zuerst einmal an, warum Transfette ins Zentrum der Diskussion gerieten. Der wichtigste Punkt im Vorbeugeprogramm gegen Herzinfarkte ist bei vielen Menschen die Reduzierung des LDL Cholesterins (das "schlechte" Cholesterin). Transfette heben den LDL Spiegel an(2). Von hier an ist die Argumentation recht simpel: "Reduziere die Transfette und Du reduzierst das Risiko für Herzkrankheiten."

Es soll an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass Transfette zusätzlich hierzu auch den HDL Cholesterinspiegel (das "gute" Cholesterin) senken können (2, 3), auch wenn dieser Zusammenhang weniger ausgeprägt ist, als die Anhebung des LDL Spiegels. Der Mensch hat schon genug Probleme damit, den HDL Cholesterinspiegel auf einem hohen Wert zu halten, so dass man es absolut nicht brauchen kann, dass Transfette diesen Wert wieder senken.

Viele Firmen sind bestrebt den Transfettgehalt ihrer Produkte zu reduzieren, was unter anderem dazu führte, dass eine völlig neue Generation von Sojaöl auf den Markt kam. Diese neue Ölgeneration ist gut für das Frittieren und Backen geeignet, doch nicht so gut für die Gesundheit, da der Gehalt an Omega 3 Fetten von 8 % auf 1 % reduziert wurde. Interessant ist hierbei, dass man in Holland keinerlei Probleme damit zu haben scheint, stabile Öle mit einem höheren Omega 3 Fettgehalt zu entwickeln.

Die wahrscheinlich größte Firma im Scheinwerferlicht der Transfettdiskussion ist McDonalds. Seit 2002 verspricht McDonalds den Anteil an Transfetten in seinen Produkten zu reduzieren oder Transfette völlig aus den Produkten zu entfernen. Ein Jahr später hieß es dann, man habe Probleme bei der Umsetzung dieser Pläne und müsse deshalb den Zeitplan verschieben. Die Leute, die McDonalds in Amerika führen, scheinen nicht mit den Leuten von McDonalds in Holland zu reden, denn diese hatten bei ihrer Umstellung keinerlei Probleme.

"McDonalds in Holland scheint keine Probleme damit zu haben den Transfettgehalt der eigenen Produkte unter die Grenze von 5% zu senken. Im Jahre 2004 enthielten die Pommes Frittes in Holland weniger als 4% Transfette und 24% gesättigte Fette, wogegen dasselbe Produkt bei McDonalds in Amerika 21% Transfette und 21% gesättigte Fette enthielt."

Was hält McDonalds auf? Ich weiß es nicht.



Quellen:

  1. Turpeinen, A.M., et al., Bioconversion of vaccenic acid to conjugated linoleic acid in humans. Am J Clin Nutr, 2002. 76(3): p. 504-510.
  2. Mozaffarian, D., et al., Trans Fatty Acids and Cardiovascular Disease. N Engl J Med, 2006. 354(15): p. 1601-1613.
  3. de Roos, N.M., M.L. Bots, and M.B. Katan, Replacement of Dietary Saturated Fatty Acids by Trans Fatty Acids Lowers Serum HDL Cholesterol and Impairs Endothelial Function in Healthy Men and Women. Arterioscler Thromb Vasc Biol, 2001. 21(7): p. 1233-1237.
  4. Katan, M.B., Regulation of trans fats: The gap, the Polder, and McDonald's French fries.Atherosclerosis Supplements
  5. First International Symposium on Trans Fatty Acids and Health, 2006. 7(2): p. 63-66.

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