No Brain - No Gain Med #1/2011

Die Omarthrose

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Disclaimer - Hinweis zu Gesundheitsthemen
Jeder Körper ist individuell und daher erfordert jede Therapie eine vorausgegangene Diagnostik durch entsprechend ausgebildetes medizinisches Fachpersonal. Die Darstellungen von Krankheitsbildern und mögliche Therapieansätze sind immer als allgemeine Darstellung zu verstehen, welche individuelle Abweichungen nicht berücksichtigen kann. Entsprechende Beiträge auf Team-Andro.com dienen rein der Information und haben nicht die Intention, eine medizinische Untersuchung zu ersetzen.

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Definition

Unter der Omarthrose versteht man eine Verschleißerscheinung des Schultergelenks. Hierbei kommt es zu Knorpelabnutzung am Oberarmkopf oder in der Schulterpfanne.

Ursachen

Man unterscheidet zwischen der primären und sekundären Omarthrose.

Die primäre Omarthrose entsteht ohne erkennbare Ursache und wird in der Regel als Folge des Altersverschleißes des Gelenks angesehen.

Ist die Ursache erkennbar, spricht man von einer sekundären Omarthrose. Für die Entstehung einer sekundären Omarthrose kommen verschiedene Ursachen in Betracht.
  • Unfälle: Wird bei einem Unfall die Scapula oder der Os humeri verletzt, ist es möglich, dass hierbei die Stellung des Gelenkes verändert wird. Weiterhin sind Schädigungen der Knorpelflächen möglich. In beiden Fällen ist eine veränderte Gelenkführung und damit verbunden eine verstärkte Knorpelabnutzung die Folge, was langfristig in einer Omarthrose resultiert.
  • Operationen am Schultergelenk: Auch Operationen können das Gleichgewicht der Schulter stören. Populär sind solche Fälle im Zusammenhang mit der Refixierung des Labrums im Anschluss an eine Schulterluxation (siehe dazu den zugehörigen Artikel). Im Rahmen dieses Eingriffes ist es möglich, dass der Os humeri bei zu starker Verkürzung der Gelenkkapsel nach hinten gedrückt wird, was die sensible Mechanik des Schultergelenkes massiv beeinträchtigen kann, da das Glenoid im hinteren Bereich der Schulter so häufig überlastet wird.
  • Verletzungen der Rotatorenmanschette: Wie beim Beispiel der Schulterluxation kann auch ein Riss des M. Supraspinatus (siehe dazu den entsprechenden Artikel) zu massiven Knorpelschäden im Gelenk führen. Durch die fehlende Führung kommt es zu einem Abrieb von Knorpelgewebe durch den Os humeri, im schlimmsten Fall wird der Knorpel dabei so massiv geschädigt, dass es zu einem Kontakt von Os humeri und Acromion kommt. Diesen Zustand beschreibt man als Defektarthropathie.
  • Entzündungen: Durch eine Verschleppung von Keimen über den Blutweg oder ärztliches Verschulden im Rahmen einer invasiven Behandlung kann es zu bakteriellen Entzündungen kommen, welche das Knorpelgewebe im Schultergelenk massiv schädigen können. Doch auch nicht-bakterielle Entzündungen existieren, besonders häufig ist die Chronische Polyarthritis, also eine entzündliche Erkrankung des Gelenkes, bei der die chronisch entzündete Schleimhaut des Gelenkes in das Knorpelgewebe wuchert und dieses dabei bis zur völligen Vernichtung schädigt.
  • Humeruskopfnekrose: Die Humeruskopfnekrose bezeichnet ein Absterben des Os humeri , welches letztendlich durch die ausbleibende Durchblutung desselben in einer vollständigen Degeneration des Knorpelgewebes führt.
Darüber hinaus sind auch noch andere Ursachen denkbar, wenn auch sehr selten.

Diagnose

Die Diagnose einer Omarthrose gestaltet sich schwierig, da die Beschwerden der Betroffenen zumeist unspezifisch sind, was die Differenzierung von anderen Erkrankungen und Verletzungen des Schultergelenkes sehr kompliziert macht. Als Symptome werden zumeist unregelmäßig auftauchende Schmerzen, welche keiner speziellen Belastung zugeordnet werden können, beschrieben, auch Bewegungseinschränkungen (primär im Bereich der Rotation, speziell Außenrotation) sind häufig, wobei sie zumeist erst in fortgeschrittenen Stadien auftreten.

Oftmals ist auch schon das bloße Liegen auf der betroffenen Schulter äußerst schmerzhaft. Durch die beschriebenen Einschränkungen und Schmerzen nehmen Betroffene zumeist eine Schonhaltung ein, was dazu führt, dass trotz einer Ausweichbewegung durch Schulterblatt und Brustkorb beim Anheben des Armes, Alltagsbewegungen oftmals kaum noch schmerzfrei vollzogen werden können. Häufig berichten Betroffene auch von einem Knacken im Gelenk.

Wie bereits erwähnt, sind die Schmerzen diffus, eine Provozierung des Schmerzes durch die Ausübung von punktiertem Druck ist zumeist nicht möglich. Im Rahmen einer eingehenden Untersuchung wird zumeist ein manueller Beweglichkeits- und Belastungstest gemacht, wobei der 90° abgespreizte und im Ellenbogen gebeugte Arm vom Arzt gedreht wird, während er den Ellenbogen gegen die Schulter drückt. Entstehen hierbei Schmerzen, besteht ein Anfangsverdacht.

Für eine spezifische Diagnose sind Röntgenbilder unerlässlich, welche in 2 Ebenen (a.-p. und axial) angefertigt werden. Liegt eine Omarthrose vor, kann das durch eine vermehrte Weißzeichnung der Gelenkflächen von Os humeri und Glenoid deutlich erkannt werden, man spricht von einer suchondralen Sklerosierung). Im weiteren Krankheitsverlauf kann man häufig Osteophyten finden, knöcherne Anbauten an beiden Gelenkpartnern. Im Endstadium der Erkrankung kann es zu einer Deformierung des Oberarmkopfes kommen, so dass nicht einmal mehr der Gelenkspalt zu erkennen ist. Existiert, wie bereits erwähnt, zusätzlich eine schwerwiegende Schädigung der Rotatorenmanschette (Defektarthropathie), spricht man von einer ezentrischen Omarthrose.

Andere bildgebende Methoden sind in diesem Zusammenhang untypisch (MRT, CT), bzw. wenig brauchbar (Songrafie).

Röntgenbild einer Schulter mit Omarthrose, unten: gesunde Schulter
oben: Röntgenbild einer Schulter mit Omarthrose, unten: gesunde Schulter


Therapie

Eine Therapie ist bei einer Arthroseerkrankung nur bedingt möglich. Konservative (non-invasive) Methoden können die Erkrankung nicht heilen, sondern haben das Ziel, die Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten, wenn möglich auch zu verbessern und die umliegende Muskulatur zu kräftigen. Letztlich also die Aufrechterhaltung der Funktion des Schultergelenkes und die Minimierung des Krankheitsfortschrittes. Anwendung finden vor allem folgende Methoden:
  • Analgetika zur Schmerzlinderung
  • Nicht-Steroidale-Anti-Rheumatika (NSAR) zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung
  • Cortison, welches intraartikulär (ins Gelenk) oder subarciomal (unter das Schulterdach) gespritzt wird um starken Entzündungsschüben entgegenzuwirken.
  • Hyaluronsäure, welche einen natürlichen Bestandteil des Knorpelgewebes darstellt und die Qualität des Knorpels erhöhen kann, was sich positiv auf Schmerzzustand und Beweglichkeit auswirkt.
  • Krankengymnastik, welche primär auf muskuläre Kräftigung und Beweglichkeitserhalt abzielt. Hierfür kommen verschiedenste Methoden zum Einsatz.
  • Physikalische Therapien, welche den Schmerz und die Entzündung lindern sollen.
Wie bereits erwähnt, ist eine Heilung durch eine konservative Therapie ausgeschlossen. Doch auch operative Methoden versprechen nicht immer endgültige Heilung.
  • Eine Schultergelenkreinigung (Debridement) kann im Rahmen einer Arthroskopie erfolgen. Teilweise wird im Rahmen dieser Behandlung auch noch der Bursa subacromialis entfernt. Diese Methode ist jedoch auch keine Endlösung und die Linderung der Beschwerden nur temporärer Natur.
  • In speziellen und besonders gravierenden Fällen kann es zu einer Arthrodese, einer permanenten Versteifung des Schultergelenkes kommen, was jedoch aufgrund der massiven Einschränkungen, die mit dieser Therapie einhergehen, nur im äußersten Notfall Anwendung findet.
  • Gleiches gilt für die Resektionsarthtoplastik, der vollständigen und ersatzlosen Entfernung des Schultergelenkes.
  • Die am häufigsten angewandte Therapieform ist die Installation eines endoprothetischen Gelenkersatzes. Hierbei werden die durch die Omarthrose verschlissenen Bestandteile von Glenoid und Os humeri durch Prothesen ersetzt. Die Auswahl der Form, Art und des Materials der Prothese ist mittlerweile sehr groß, so dass die Chancen auf eine optimale Prothese, welche die anatomischen Eigenheiten eines jeden Individuums berücksichtigt, sehr hoch sind.

Komplikationen

Bei operativen Eingriffen bestehen immer die üblichen Risiken durch Anästhesie, ggf. Einwanderung von Keimen oder der Verletzung gesunder Komponenten. Weiterhin ist eine Abstoßung einer Prothese auch heute noch möglich. Ein "Aussitzen" der Erkrankung ist in keinem Fall eine Option, da die Arthrose unbehandelt immer schlimmer wird und letztlich den Knorpel des Gelenkes vollständig zerstört, was zu dauerhaften enormen Schmerzen, massiven Funktionseinschränkungen und auch – sofern noch nicht geschehen – weiteren Folgeverletzungen, wie dem Abriss der Supraspinatussehne führen kann. Kommen im Rahmen der Therapie Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz (insbesondere Cortison) muss dies bei der Festlegung der Belastungshöhe berücksichtigt werden.

Rehabilitatives Training

Ziel des rehabilitativen Trainings ist die Erhaltung der Beweglichkeit und nach Möglichkeit die Kräftigung der gelenkstabilisierenden Muskulatur. Zu bedenken ist hierbei jedoch immer, dass bei der Therapie auf die Entzündungsschübe Rücksicht genommen werden muss.

Die Übungsauswahl erfolgt unter Berücksichtigung der Schmerzzustände und Funktionseinschränkungen und kann aufgrund der schweren Lokalisierung des Schmerzursprungs nicht pauschal erfolgen. Grundsätzlich sind alle Übungen, welche der Kräftigung der gelenkstabilisierenden Muskulatur dienen, denkbar, wobei größere Belastungen vermieden werden sollten, insbesondere solche, die impingementauslösend sind, was bei reduziertem Knorpelvolumen immer die Gefahr weiterführender Verletzungen der Rotatorenmanschette birgt. Die Auswahl der möglichen Übungen orientiert sich in Folge dessen primär an der anderer Schulterverletzungen.

Prävention

Präventiv kann man versuchen, das Knorpelgewebe so widerstandsfähig wie irgend möglich zu machen. Dies erzielt man durch eine ausreichende Zufuhr von Wasser, eine geeignete Ernährung, welche insbesondere ausreichend gesunde Fettsäuren enthält und angemessene, nicht zu intensive Bewegung, welche einerseits die umliegende Muskulatur kräftigt und somit möglichen Vorerkrankungen vorbeugen kann und weiterhin für eine ausreichende Ernährung des Knorpels durch Diffusion sorgt (bradytrophes Training). Umstritten ist die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln wie Gelantine, Chondroitin und Glucosamin.

Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!

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