Lipolyse und Thermogenese

Die Physiologie des Fettabbaus (I)

Ein Artikel von Bodybuilding.com
von Big Cat

Der erste Teil dieser Artikelserie wird sich mit der grundlegenden Physiologie des Fettabbaus beschäftigen. Das Ziel besteht darin, dem Leser zu erklären, wie ein Fettabbau zustande kommt und anschließend mit der Diskussion unterschiedlicher Supplements und Medikamente fortzufahren, wobei analysiert werden soll, wie man diese am besten in sein Supplementschema einbauen sollte, oder warum man auf deren Anwendung lieber verzichten sollte.

Wie immer werde ich versuchen mein Bestes zu geben, um die Dinge so einfach und verständlich wie möglich darzustellen. Wenn man mit der Physiologie nicht vertraut ist, wird man diesen Artikel jedoch aufmerksam verfolgen müssen, um den Faden nicht zu verlieren. Die Belohnung für die Lektüre dieser Serie kann enorm sein, da sie es dem Leser ermöglichen wird, besser zu verstehen, warum bestimmte Zubereitungen für den Fettabbau funktionieren und andere nicht. Dieses Wissen ermöglicht eine bessere Wahl bezüglich Ernährung und Supplementation.

Ich empfehle dem Leser deshalb sich einen Stift und Papier zu holen, und während des Lesens systematisch in Stichpunkten mitzuschreiben, was in diese Artikel erläutert wird. Dies umfasst eine große Menge an Enzymen und deren Abkürzungen, die nicht nur für das Verständnis dieses Artikels, sondern auch für das Verständnis der weiteren folgenden Artikel wichtig sein werden. Es handelt sich also nicht um einen unnötigen Luxus. Wenn man den Artikel in Verbindung mit den eigenen Notizen liest, dann wird man einen sehr viel besseren Einblick in die Funktionsweise dieser Prozesse bekommen.

Der erste Artikel wird sich mit der Lipolyse und der natürlichen Thermogenese befassen. Dies ist essentiell, um den Unterschied zwischen weißem und braunem Fettgewebe zu verstehen und gleichzeitig die Ähnlichkeit der Art und Weise, mit der sie arbeiten, zu erkennen. Um die Dinge nicht unnötig zu verkomplizieren, werde ich mich in diesem ersten Artikel auf die lokalen Wirkungen auf Fettzellen und deren angrenzende Nerven beschränken.

Braunes Fettgewebe & weißes Fettgewebe

Es gibt im Körper zwei Haupttypen von Fettdepots. Das weiße Fettgewebe ist das unansehnliche Fett, das wir alle loswerden möchten. Alles subkutane (unter der Haut befindliche) Fett besteht in der Regel aus weißem Fettgewebe. Die Hauptfunktion des weißen Fettgewebes besteht in der Speicherung von Energie – hauptsächlich Fettsäuren – in Form von Triglyzeriden. Triglyzeride bestehen aus drei Fettsäuren, die verestert sind und durch ein Glyzerinmolekül zusammengehalten werden. In dieser Form können die Fettsäuren nur schlecht aus der Zelle austreten, was diese Form ideal für eine Speicherung macht.

Während Zeiten der Nahrungsmittelknappheit kann dieses weiße Fettgewebe Fettsäuren zur Verbrennung in der Leber und den Muskeln freisetzen (Fettsäuren enthalten mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate), wodurch die während einer kalorienarmen Diät verbleibende Glukose für die Organe aufgespart werden kann, die ohne Glukose nicht richtig funktionieren können (Gehirn und Sexualorgane). Unter Anregung durch Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin) initiiert das weiße Fettgewebe eine Abfolge von Prozessen, die freie Fettsäuren vom Glyzerin der Triglyzeride ablösen und es ihnen ermöglichen in den Blutkreislauf zu gelangen, durch welchen sie bei Bedarf zu den Zellen transportiert werden können, die Energie benötigen.

Braunes Fettgewebe dient hingegen hauptsächlich der Thermogenese. Unter Thermogenese versteht am die Produktion von Wärme. Braunes Fettgewebe funktioniert auf eine ähnliche Art und Weise wie weißes Fettgewebe, doch es enthält stabilere fettsäurebindende Proteine (FABP), welche die freigesetzten Fettsäuren in der Zelle zurückhalten. Anders als weißes Fettgewebe ist braunes Fettgewebe stoffwechseltechnisch aktiv, was nichts anderes bedeutet, als dass es selbst Energie verbrauchen kann.

In diesem Fall verwendet es Fettsäuren und verbrennt diese, doch gleichzeitig wird hierbei die ATP (die Hauptform der Energie im Körper) Produktion von der Verbrennung der Fettsäuren entkoppelt. Hierdurch wird die Energieproduktion weniger effizient und führt zu einer Wärmeproduktion anstelle einer ATP Produktion. Normalerweise stellt Wärme ein Nebenprodukt der Energieproduktion dar, doch in diesem Fall macht die Zelle ihre Energieproduktion mit Absicht weniger effizient, um mehr Wärme zu generieren, was auch als Thermogenese bezeichnet wird. Aus diesem Grund wird vermutet, dass braunes Fettgewebe eine wichtige Rolle beim Überleben der Säugetiere spielt, da es eine zusätzliche Wärmeproduktion während Phasen starker Kälte ermöglicht.

Die Unterscheidung zwischen weißem Fettgewebe und braunem Fettgewebe ist für das Verständnis der weiteren Artikel, die sich mit einer Supplementation zum Zweck des Fettabbaus befassen, extrem wichtig, was hauptsächlich auf dem unterschiedlichen Beitrag dieser beiden Arten von Fettgewebe zum Fettabbau beruht. Man wird z.B. verstehen, dass es etwas Positives ist, wenn braunes Fettgewebe Fett zunimmt, da es dies unter dem stimulierenden Einfluss von Katecholaminen tun kann und somit Fett absorbieren und verbrennen kann, das aus weißem Fettgewebe freigesetzt wurde. Die Aufnahme von Fett durch weißes Fettgewebe führt hingegen generell zu einer Zunahme an Körperfett.

Die Regulierung dieser beiden Arten von Fettgewebe geschieht auf leicht unterschiedliche Art und Weise. Wie wir noch sehen werden, besitzt das braune Fettgewebe nur wenige Beta 2 adrenergene Rezeptoren und ist stattdessen reich an Beta 3 adrenergenen Rezeptoren, wogegen das weiße Fettgewebe viele Beta 2 adrenergene Rezeptoren, aber nur wenige Beta 3 Rezeptoren aufweist. Wir werden die Signifikanz dieser Tatsache in den folgenden Abschnitten näher betrachten.

Die Adrenozeptoren

Die Funktion des Fettgewebes wird durch Adrenozeptoren reguliert und auch durch andere Rezeptoren, wie z.B. die Adenosinrezeptoren beeinflusst. Der Haupteffektor der Adrenozeptoren ist Norepinephrin (NE) oder Noradrenalin. In diesem Artikel werden wir die Wirkungen auf die Fettzellen beschäftigen, weshalb ich mich auf die Aktionen an den Zellen selbst und den angrenzenden Nerven beschränken werde. Die Nerven setzen Norepinephrin frei, welches an die Adrenozeptoren der Fettzellen andockt. Norepinephrin ist ein Ligand für alle Adrenozeptoren.

Wir werden zwischen drei Hauptgruppen von Adrenozeptoren unterscheiden:

1. Die Beta Adrenozeptoren (BAR):

Es gibt drei unterschiedliche Beta Adrenozeptoren, die von 1 bis 3 durchnummeriert sind. Der Beta-2 Adrenozeptor kommt bei den meisten Zellen am häufigsten vor. Bezüglich des Fettgewebes werden wir jedoch sehen, dass dieser Adrenozeptor im braunen Fettgewebe nicht vorkommt(8). Das braune Fettgewebe wird hauptsächlich durch die Beta-3 Adrenozeptoren reguliert. Der Beta-3 adrenozeptor kommt nur im Fettgewebe vor und dort hauptsächlich im braunen Fettgewebe und nur in sehr viel geringerem Umfang im weißen Fettgewebe.

Wir können die Beta Adrenozeptoren also bereits insofern unterscheiden, als dass der Beta-3 Adrenozeptor hauptsächlich mit dem braunen Fettgewebe in Verbindung steht, wogegen der Beta-2 Adrenozeptor hauptsächlich mit dem weißen Fettgewebe in Verbindung steht. Es gibt weiterhin einen Beta-1 Adrenozeptor, der jedoch bei unseren Betrachtungen nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dieser Adrenozeptor reguliert mit großer Wahrscheinlichkeit die adrenergene Reaktion unter normalen Umständen, da viele der Prozesse, die von den beiden anderen Beta Adrenozeptoren reguliert werden, auch bei Tieren ablaufen, die diese Rezeptoren nicht besitzen. Die Beta Adrenozeptoren steigern die Lipolyse und die Thermogenese und stellen bei diesen Prozessen die wichtigsten Regulatoren dar.

Die Beta Adrenozeptoren arbeiten folgendermaßen: Die Rezeptoren befinden sich an der Außenseite der Zelle. Wenn ein passender Ligand (z.B. Norepinephrin) an sie andockt, aktiviert er ein G-Protein, welches sich an der Innenseite der Zellmembran befindet. Ein G-Protein besitzt drei Untereinheiten, von denen eine – die Alpha Untereinheit – an Guanosin Di-Phosphate (GDP) angebunden ist. Wenn der Rezeptor das G-Protein aktiviert, dann setzt die Alpha Untereinheit das GDP frei und bindet GTP (Guanosin Tri-Phosphate). Dies bewirkt, dass sich die Untereinheit von der Zellmembran löst und ein Enzym namens Adenylat Cyclase (AC, auch als Adenylyl Cyclase bezeichnet) aktiviert.

Die Funktion dieses Enzyms besteht darin das ATP der Zelle in zyklisches AMP (cAMP) umzuwandeln. cAMP, welches auch als sekundärer oder zweiter Botenstoff bezeichnet wird, führt die Funktion des ersten Botenstoffes (in diesem Fall Norepinephrin) innerhalb der Zelle aus. cAMP bewirkt eine ganze Reihe von Ereignissen, zu der unter anderem die Aktivierung von Austauschproteinen und Kationenkanälen gehören. Für unsere Betrachtung ist jedoch die Phosphorylierung der Protein Kinase A (PKA) am wichtigsten. Phosphorylierung ist der Prozess des Anfügens eines Phosphat Ions an ein Protein, wodurch dieses aktiviert wird. In diesem Fall wird die Protein Kinase A aktiviert. Die weiteren Funktionen und die Relevanz der Protein Kinase A werden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer betrachten.

2. Die Alpha-1 Adrenozeptoren (A1AR):

Der Alpha-1 Rezeptor ist ein weiterer lipolytischer Rezeptor, der jedoch auf eine andere Art und Weise arbeitet. Er verwendet Kalzium (Ca2+) anstelle von cAMP als zweiten Botenstoff. Er ist weiterhin deutlich weniger lipoltysch als die Beta Adrenozeptoren und besitzt maximal 1/10 von deren Aktivität. Wahrscheinlich dient diese Wirkung dieses Rezeptors der Aufrechterhaltung einiger Grundfunktionen der Fettzelle während weniger lipolytischen Zuständen.

Wie auch die Beta Adrenozeptoren aktivieren die Alpha-1 Adrenozeptoren ein G-Protein, welches Phosphatodylinositol-4, 5-Biphosphate (PIP2) in 1,4,5-Inositol Triphosphate (IP3) und DiacylGlyceride (DG's) umwandelt. IP3 reguliert dann die Ausschüttung von Ca2+ aus intrazellulären Speichern, welches als zweiter Botenstoff agiert. Die DGs führen zu einer Phosphorylierung und Aktivierung der Protein Kinase C (PKC). Ca2+ und PKC sind die Haupteffektoren der Aktivität der Alpha-1 Adrenozeptoren in den Fettzellen.

Manchmal erfüllen Beta Adrenozeptoren und Alpha-1 Adrenozeptoren ähnliche Funktionen. Wenn dies auftritt, ist der Effektor mit größter Wahrscheinlichkeit SRC. Dieses Protein wird durch Protein Kinase C(4) und Ca2+, aber auch durch Protein Kinase A(5) aktiviert. Auch wenn die Regulierung durch die Protein Kinase A theoretisch (was jedoch noch nicht nachgewiesen wurde) noch eine Form der Tyrosin Kinase benötigt.

3. Die Alpha-2 Adrenozeptoren (A2AR):

Der Alpha-2 Rezeptor ist im Gegensatz zu den anderen beiden Typen ein anti-lipolytischer Rezeptor. Dieser hemmt zumindest lokal den Fettabbau. Er kann über Wirkungen auf das Gehirn auch den körperweiten Fettabbau beeinflussen. Da wir in diesem Artikel jedoch nur die Fettzellen und die angrenzenden Nerven betrachten wollen, werden wir den Alpha-2 Adrenozeptor als anti-lipolytischen Rezeptor betrachten.

Der Alpha-2 Adrenozeptor wirkt weiterhin anti-thermogen, was ich jedoch im Folgenden nicht weiter betrachten werde, da die Lipolyse für die Thermogenese des braunen Fettgewebes essentiell ist und eines das andere automatisch impliziert. Auch beim Alpha-2 Adrenozeptor beruht der Wirkungsmechanismus auf der Aktivierung eines G-Proteins, welches auf die Adenylat Cyclase wirkt. Anstatt die Adenylat Cyclase zu aktivieren hemmt dieses G-Protein jedoch deren Aktivität und reduziert so die Aktivität der Beta-Adreozeptoren.

Die Adenosinrezeptoren

Bei den Adenosinrezeptoren handelt es sich auch um anti-lipolytische Rezeptoren, welche die Aktivität der Adenylat Cyclase reduzieren und eine cAMP Ansammlung verhindern. Adenosin dient als eine Art Rückkopplungsmechanismus. Es wird von der Fettzelle selbst ausgeschüttet, wenn die Energie niedrig ist. Wenn eine große Menge an ATP verwendet wird, um cAMP herzustellen, dann hat dies ein niedriges ATP:AMP Verhältnis zur Folge, was mit niedrigen Energiespiegeln gleichzusetzen ist.

Ein zweiter Faktor für die Adenosinausschüttung könnte der Alpha-1 Adrenozeptor sein. Indem er Ca2+ als zweiten Botenstoff verwendet, kann er die Spiegel und die Aktivität der Phosphodiesterasen (PDE) erhöhen. PDE bewirkt einen Umbau von AMP zu cAMP, wodurch das Energieverhältnis weiter reduziert wird, was zu einer verstärkten Ausschüttung von Adenosin durch die Fettzelle führt.

Wenn Adenosin einmal ausgeschüttet wurde, dockt es an seinen Rezeptor an und hemmt eine weitere Ansammlung von cAMP. Dies konnte durch die Tatsache, dass eine Aktivität der Alpha-1 Adrenozeptoren den Blutfluss zur Zelle erhöht, dieser Blutfluss jedoch nicht durch eine Glyzerinfreisetzung reguliert wird, nachgewiesen werden. Der einzige andere Faktor, der mir im Zusammenhang mit einer Steigerung der Durchblutung in dieser Weise einfällt, ist Adenosin. Dies könnte erklären, warum dieser Rezeptor im Vergleich zu den Beta Adrenozeptoren nur schwach lipolytisch wirkt.

Die Lage der Adrenozeptoren & Adenosinrezeptoren

All diese Rezeptoren befinden sich an der Oberfläche der Fettzelle und bewirken über einen zweiten Botenstoff eine lipolytische oder anti-lipolytische Aktivität innerhalb der Zelle. Doch all diese Rezeptoren befinden sch auch noch an anderen Stellen innerhalb des Fettgewebes. Sowohl die Alpha-2 Adrenozeptoren als auch die Adenosinrezeptoren kommen an den Enden der angrenzenden Nerven vor.

Dies dient als negatives Rückkopplungssignal. Wenn Norepinephrin von den Nerven ausgeschüttet wird, dann dockt es an die hemmenden Rezeptoren an den Nerven selbst an und regt die Wiederaufnahme von Norepinephrin an. Dies führt dazu, dass weniger Norepinephrin zur Verfügung steht und die Lipolyse reduziert wird. Dies zeigt, dass die Blockierung der Alpha-2 Adrenozeptoren zumindest auf lokaler Ebene eine brauchbare und vielseitige Möglichkeit zur Steigerung der Lipolyse darstellt.

Beta Adrenozeptoren – insbesondere die Beta-2 Adrenozeptoren – sind in den Gefäßbetten des Fettgewebes besonders stark ausgeprägt, wo sie die Durchblutung regulieren. Norepinephrin kann im Herz-Kreislauf Gewebe sowohl eine Verengung als auch eine Erweiterung der Blutgefäße bewirken, wodurch es zum primären Regulator für den Blutfluss zu unterschiedlichen Organen und die Verteilung von Fettsäuren im Körper wird. Dies betont einmal mehr die Wichtigkeit der Anregung der Beta Adrenozeptoren, wenn es um eine Steigerung der Lipolyse geht.

Regulation der Lipolyse

Wenn wir sagen, dass der Alpha-1 Adrenozeptor lipolytisch ist, dann verdient dies eine Abstufung. Lipolyse ist der Prozess der Freisetzung von Fettsäuren aus Triglyzeriden durch eine Abtrennung vom Glyzerinmolekül. Auch wenn der Alpha-1 Adrenozeptor den Fettabbau auf unterschiedliche Weisen unterstützt, ist er nicht per se lipolytisch. Die Lipolyse wird nämlich durch die Protein Kinase A reguliert, welche nur über cAMP und somit die Beta Adrenozeptoren aktiviert wird.

Die Protein Kinase A reguliert die Lipolyse auf zwei Wegen. Zuerst phosphoryliert und aktiviert sie die hormonsensitive Lipase (HSL). Die HSL leitet dann einen aus drei Schritten bestehenden katalytischen Prozess ein, der bei jedem Schritt eine Fettsäure aus dem Triglyzeridmolekül freisetzt, wodurch im Endeffekt drei freie Fettsäuren und Glyzerin entstehen.

Das Glyzerin kann dann aus der Zelle austreten und da es stark hygroskopisch (Wasser anziehend) ist, wird des den Blutfluss zur Zelle verbessern. Wenn die freien Fettsäuren aus der Zelle transportiert werden können, wie es beim weißen Fettgewebe oft der Fall ist, wird dies ihre systemische Aufnahme fördern.

Es scheint jedoch so zu sein, dass Triacylglycerol (TAG) bezüglich der hormonsensitiven Lipase recht resistent ist, da es von Perlipin(1) umgeben ist. Dies ist die zweite Art und Weise, auf die die Protein Kinase A die Lipolyse verbessert: Sie bewirkt eine Phosphorylierung und Deaktivierung von Perlipin, wodurch das Triacylglycerol frei wird und somit durch die hormonsensitive Lipase besser aufgebrochen werden kann.

Die Lipolyse im weißen Fettgewebe stellt unser primäres Ziel dar, da wir jetzt freie Fettsäuren haben, die aus der Zelle heraus transportiert und systemisch zum Zweck der Energiegewinnung verbrannt werden können. Dies führt zu einer Reduzierung der Masse des weißen Fettgewebes, was ja genau das ist, was wir wollen: eine Reduzierung der hässlichen Fettpolster.

Verständlicherweise laufen diese Prozesse nicht ab, wenn Nahrung in ausreichender Menge zugeführt wird, da in diesem Fall keine Notwendigkeit für eine Freisetzung freier Fettsäuren besteht. Wenn man es trotzdem schafft, die Freisetzung von Fettsäuren anzuregen, obwohl man ausreichend Nahrung zuführt, dann werden die freigesetzten Fettsäuren nicht verbrannt, sondern zu neuen Triglyzeriden verestert, die dann wieder ins Fettgewebe eingelagert werden.

Die Lipolyse führt zu einer Thermogenese im braunen Fettgewebe

Wie wir bereits besprochen haben, ist braunes Fettgewebe stoffwechseltechnisch aktiv und induziert eine mitochondrielle Entkopplung der Wärmeproduktion. Da der Körper immer noch dieselbe Menge an Energie benötigt, führt eine Reduzierung der stoffwechseltechnischen Effizient zu einem höheren Kalorienbedarf. Wenn die Thermogenese auftritt, ist diese für den Fettabbau hilfreich, da man bei einer gegebenen Menge an Nahrung, die man zu sich nimmt, mehr Fett verbrennt. Die mitochondrielle Entkopplung wird durch ein entkoppelndes Protein mit der Bezeichnung UCP1 (auch als Thermogenin bekannt) induziert.

Im braunen Fettgewebe stellt die Lipolyse also nicht den letzten Schritt dar, sondern eine gesteigerte Ausprägung und Aktivierung von UCP1. Die Ausprägung von UPC1 wird sowohl von den Beta Adrenozeptoren als auch den Alpha-1 Adrenozeptoren reguliert.

Es ist naheliegend, dass dies durch Src geschieht. Src ist weiterhin dazu in der Lage zwei der drei mitogen aktivierten Protein Kinasen (MAPK) zu aktivieren(5, 6) und da eine von diesen (p38 MAPK) mit der UCP1 Ausprägung in Verbindung gebracht wird(6), ist es wahrscheinlich, dass dies durch diese Kinase geschieht.

Die Alpha-1 Adrenozeptor regulierte Steigerung der UCP1 Expression wird jedoch nicht vollständig durch eine Hemmung durch Src unterdrückt, was nahe legt, dass es zusätzlich eine direkte Regulierung durch die Protein Kinase C gibt. Es ist jedoch nicht bekannt, in welchem Umfang dies geschieht. Da Alpha-1 Adrenozeptoren und Beta Adrenozeptoren bezüglich ihrer Induzierung der UCP1 Expression ungefähr gleich wirksam sind, ist es wahrscheinlich, dass Src der Hauptregulator ist.

Der letzte Schritt ist in jedem Fall die Phosphorylierung und Aktivierung von CREB (cAMP-response-Element binding Protein)(7), welches direkt die Menge an UCP1 mRNA in der Zelle erhöht. Bei der Phosphorylierung entsteht weiterhin ICER – ein negativer Regulator von CREB – als negatives Rückkopplungssignal. Mit dieser gesteigerten Expression von UCP1 ist die Möglichkeit einer Aktivierung sichergestellt. Die eigentliche Aktivierung von UCP1 geschieht jedoch unter dem Einfluss der Lipolyse oder vielmehr der Gegenwart von freien Fettsäuren.

Einige freie Fettsäuren werden von Fettsäure bindenden Proteinen (FABP) aufgenommen. Braunes Fettgewebe weist stabilere fettsäurebindende Proteine auf, als dies bei weißem Fettgewebe der Fall ist, was zur Folge hat, dass die meisten freien Fettsäuren an FABP gebunden werden und innerhalb der Zelle verbleiben. Auch wenn braunes Fettgewebe freie Fettsäuren produzieren kann, geschieht dies nicht in größerem Umfang. Stattdessen führt der Fettsäuregehalt innerhalb der Zelle zu einer Aktivierung von UCP1 und resultiert in der Verbrennung von Fett sowie der Produktion von Wärme.

Warum ist dies wichtig?

Viele werden argumentieren, dass braunes Fettgewebe nur seine eigenen Fettsäuren verwendet und somit nicht zum körperweiten Fettabbau beiträgt, doch dies ist nicht der Fall. Im braunen Fettgewebe erhöht eine Norepinephrin Stimulation über einen cAMP abhängigen Mechanismus die Lipoprotein Lipase (LPL) Expression, was dazu führt, dass Fettsäuren und Triglyzeride aus dem Blut aufgenommen werden.

Im Gegensatz hierzu führt Norepinephrin zu einer Herunterregulierung der Lipoprotein Lipase im weißen Fettgewebe. Derselbe Stimulus, der eine Freisetzung von freien Fettsäuren aus dem weißen Fettgewebe verursacht, bewirkt eine Aufnahme von Fetten zum Zweck der Verbrennung durch das braune Fettgewebe. Dies macht das braune Fettgewebe zu einem nützlichen Partner für den Prozess der Fettverbrennung - jedoch auf völlig andere Art und Weise, als dies beim weißen Fettgewebe der Fall ist. Wir wollen nicht wirklich, dass braunes Fettgewebe abgebaut wird – ganz im Gegenteil – wir möchten, dass es während der Diät so viel Fett wie möglich aufnimmt.

Die Thermogenese kann – wenn auch in deutlich geringerem Umfang - auch in anderen Körpergeweben auftreten. Dies gilt auch für das weiße Fettgewebe. Diese Art der Thermogenese ist jedoch nicht von UCP1 abhängig(3), da UCP1 nur im braunen Fettgewebe vorkommt(2).

Schlussfolgerung

Dies ist eine große Menge an Informationen, die man erst einmal verarbeiten muss. Zweifellos können die unterschiedlichen Abläufe und die Beteiligung all dieser Enzyme und Proteine auf den ersten Blick etwas verwirrend erscheinen. Ich hoffe, dass der Leser sich an meinen Rat gehalten hat, und sich ein paar Stichpunkte aufgeschrieben hat. Wenn man den Artikel in Verbindung mit den eigenen Aufzeichnungen noch einmal liest, dann wird man dazu in der Lage sein, die beschriebenen Konzepte besser und vollständiger zu verstehen.

All dies ist für das Verständnis der weiteren Artikel dieser Serie extrem wichtig, weshalb ich hoffe, dass man sich die Zeit nimmt, all diese Informationen zu verstehen. Dieser Aufwand wird die benötigte Zeit mehr als Wert sein, denn wenn man die Prinzipien des Fettabbaus und die besten Mechanismen, die man manipulieren kann, kennt, dann ist es am Ende möglich einen maximalen Fettabbau innerhalb minimaler Zeit bei nur geringem oder nicht vorhandenem Muskelabbau zu erreichen.

Auf jeden Fall hat man bereits unterschiedliche Wege zur Manipulation kennen gelernt, die den Fettabbau steigern können. Hierzu gehören die Stimulation der Beta Adrenozeptoren und der Alpha1-Adrenozeptoren, die (zumindest lokale) Blockierung der Alpha-2 Adrenozeptoren und der Adenosinrezeptoren sowie die Reduzierung der Produktion von Phosphodiesterasen (PDE) durch den Alpha-1 Adrenozeptor.





Referenzen

  1. Souza SC, Muliro KV, Liscum L, Lien P, Yamamoto MT, Schaffer JE, Dallal GE, Wang X, Kraemer FB, Obin M, Greenberg AS. Modulation of hormone-sensitive lipase and protein kinase A-mediated lipolysis by perilipin A in an adenoviral reconstituted system. J Biol Chem. 2002 Mar 8;277(10):8267-72. Epub 2001 Dec 20.
  2. Vidal-Puig A, Solanes G, Grujic D, Flier JS, Lowell BB. UCP3: an uncoupling protein homologue expressed preferentially and abundantly in skeletal muscle and brown adipose tissue. Biochem Biophys Res Commun. 1997 Jun 9;235(1):79-82.
  3. Granneman JG, Burnazi M, Zhu Z, Schwamb LA. White adipose tissue contributes to UCP1-independent thermogenesis. Am J Physiol Endocrinol Metab. 2003 Dec;285(6):E1230-6. Epub 2003 Sep 03.
  4. Robin P, Boulven I, Desmyter C, Harbon S, Leiber D. ET-1 stimulates ERK signaling pathway through sequential activation of PKC and Src in rat myometrial cells. Am J Physiol Cell Physiol. 2002 Jul;283(1):C251-60.
  5. Lindquist JM, Fredriksson JM, Rehnmark S, Cannon B, Nedergaard J. b3 and a1 adrenergic Erk1/2 activation is Src but not Gi-mediated in brown adipocytes.J Biol Chem 275: 22670-22677, 2000.
  6. Cao W, Medvedev AV, Daniel KW, Collins S. B-adrenergic activation of p38 MAP kinase in adipocytes, cAMP induction of the uncoupling protein 1 (UCP1) gene requires p38 MAP kinase. J Biol Chem 176: 27077-27082, 2001
  7. Thonberg H, Nedergaard J, Cannon B. A novel pathway for adrenergic stimulation of cAMP-response-element binding protein (CREB) phosphorylation : mediation via alpha1 adrenoreceptors and protein kinase C activation. Biochem J 364:73-79, 2002.
  8. Bengtsson T, Nedergaard J, Cannon B. Differential regulation of b3-adrenoreceptor gene expression subtypes in brown adipocytes. Biochem J 347: 643-651, 2000.

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