Alles rund um das Thema Überkopfdrücken

Die Schulterroundtable (I)

TEAM-ANDRO: Und wieder einmal begrüßen wir unsere illustre Runde zum gepflegten Austausch über allerlei Wichtiges zum Thema Training. Heute steht eine Muskelgruppe auf der Tagesordnung, die neben den Armen und vielleicht der Brust diejenige ist, die die meisten Menschen bewegt, mit dem Training zu beginnen (zumindest die meisten Männer): die Schultern.

Und auch dieses Mal möchte ich die Runde starten, indem ich die Teilnehmer bitte ihr Idealbild von Schultermuskeln zu beschreiben.

Friedhofschiller: Die perfekten Schultern sehen für mich wie zwei Kanonenkugeln aus. Komplett entwickelte drei Schulterköpfe nebst einem dicken Nacken. Wenn Kevin Levrone seine Most Muscular machte, diese zwei ballonartigen Dinger auf seinen Schlüsselbeinen sind das, was ich als absolut höchstes der Gefühle erachte. Im heutigen Bodybuilding haben Leute wie Phil Heath diesen Look, damals war es noch Flex Wheeler zusätzlich zu Kevin. Doch auch die Schultern des Amateur-Bodybuilders Antoine Vaillant gefallen mir außerordentlich. Immer wenn ich diese Leute sehe, habe ich ein unterschwelliges Bedürfnis Seitheben zu machen.

Ich hatte lange Zeit Probleme mit den Schultern, doch nun kann ich behaupten, sie auf eine angemessene Größe gezwungen zu haben, sodass sie eine meiner liebsten Muskelgruppen geworden sind. Da die hintere Schulter bei mir sehr stark ist, ist dies ein Kriterien, was ich an die Bewertung von der Schultermuskulatur eines Athleten Stelle. Nur Vordere und hintere Schultern geben ein inkomplettes Bild ab und können sogar den Look eines Neandertalers erzeugen, da die vorderen Schultern den Oberkörper optisch nach vorne ziehen.

Stefanco: Auch bei mir spielt die hintere Schultermuskulatur die "erste Geige". Ihre (Über-)Entwicklung ist maßgeblich für den angestrebten BB-Look verantwortlich und ich habe mir sagen lassen, dass eine starke hintere Schulter auch Vorteile für die Gelenkgesundheit hat.

Aus diesem Grund beginne ich persönlich mein Schulterworkout immer mit einer Übung für die hintere Schulter und kann dies auch jedem empfehlen.

Runn12: Voll und rund muss sie sein - und aussehen, wie ein Bizeps / Trizeps über dem Bizeps / Trizeps.

Gute Schultern findet man bei den populären Sportlern an jeder Ecke, es wäre vermutlich schwerer, einen Sportler zu finden, der keine guten Schultern (oder keinen Blähranzen) hat.

CookinT: Die perfekten Schultern hatte für mich Flex Wheeler: unglaublich rund und prall, wie Kanonenkugeln. Auch Kevin Levrone und heute Phil Heath haben diesen Look, einfach perfekt.

Für mich ist der Aufbau von adäquaten Schultern ein Kampf, den ich noch immer austrage. Wenn man mit einer guten Genetik für die Arme, aber einer weniger guten für die Schultern "gesegnet" ist, ist das eine Mammutaufgabe, doch eine, der man sich stellen muss und auch wenn meine Schultern sicher nicht meine beste Muskelgruppe sind, habe ich es geschafft, sie deutlich zu verbessern.

abergau: Schultern sind eine tolle Sache ... solange sie einwandfrei funktionieren. Dummerweise muss man sich als ambitionierter Kraftsportler von diesem Schulter-Idealzustand schon recht bald verabschieden, aber so wird das Spiel nun einmal gespielt.

Die Schultern, die mich im Bodybuilding am meisten beeindruckt haben, waren die von Brian Buchanan, einem farbigen englischen BB-Star der frühen Neunziger. Hätte man Brian in Alufolie eingewickelt, so wäre er problemlos als "Transformers"-Kampfroboter durchgegangen (und Michael Bay hätte seinen Schepper-Krach-Klong!-Streifen schon 20 Jahre früher mit deutlich kleinerem Budget drehen können). Allerdings beruhte ein großer Teil der Buchananschen Schulterwirkung auf der Tatsache, dass Brian gleichzeitig die bis heute schmalste Taille im Bodybuilding besaß...! Und das ist meiner Meinung auch der Casus Knacktus in Sachen Schultertraining und -entwicklung: Es kommt eigentlich immer nur auf das Verhältnis Schultern-Taille an. Man kann Schulter wie Melonenhälften haben - wenn sie in Kombination mit Liftaßsäulenhüften auftreten, sehen sie trotzdem nicht groß aus. Umgekehrt kann aber sogar ein Fabian-Hambüchen-Däumling als "Mann mit herrlich breiten Schultern" (O-Ton BRIGITTE-Zeitschrift) gelten, sofern er Size-Zero-Unterhosen trägt.

Da beste Beispiel für "Mehr Schein als Sein" in Sachen Schultern ist für mich übrigens Arnold Schwarzenegger gewesen: In entspannter Haltung wirkte Arnold im Line Up oft wie eine Blaufichte; die Optik seiner Schultern als "eher hängend" zu beschreiben, wäre noch ein schöner Euphemismus. Aber: Kaum hob er die Arme und warf sich in Pose, mutierte er vom schmalen Tannenbäumchen zum Mammutbaum, von hängenden Schulter war nichts mehr zu sehen. Besser konnte man die Definition von Bodybuilding als "Bildhauerei am eigenen Körper" kaum demonstrieren.

Friedhofschiller: Dicke Taille? Anwesend...leider.

Die Aufgabe für solche Kandidaten ist es, mit NOCH dickeren Schultern eine gute Illusion zu erzeugen.

Stefanco: Wenn es um die besten Schultern im BB geht, dann sag ich nur Scott Wilson und Ron Love, deren Schulterentwicklung war wirklich unglaublich.

Friedhofschiller: Jim Wendler sagte mal, je dicker Dein Nacken, desto mehr Fitnessmodels stehen auf Dich. Klingt nach einer Herausforderung, oder Männer?

TEAM-ANDRO: Für viele Athleten und Coaches ist das Überkopfdrücken die Hauptübung für den Aufbau kräftiger Schultern. Nun gibt es hier unzählige Varianten. Zum Einstieg äußert Euch doch bitte einmal zum stehenden Langhanteldrücken.

Stefanco: Das stehende Langhanteldrücken ist von allen Drückvarianten die grundlegendste Kraftübung, da der ganze Körper in mehr oder weniger intensiver Weise in die Bewegung miteinbezogen wird.

Genau dieser Umstand macht diese Übung aber für den reinen Masseaufbau in der Schulter etwas weniger effektiv.

Die Energie, die man für die stabilisierenden Muskeln aufwenden muss, fehlt dann für ein richtig intensives Training der Deltoiden.

Ich favorisiere daher für den reinen Muskelmasseaufbau eine sitzende Drückübung mit einer steilen Lehne.

Hat man jedoch permanent Schulterprobleme, Stichwort Impingement, Bizeps- oder Supraspinatussehnenentzündung, Rotatorenprobleme, so kann das stehende Drücken hier Abhilfe schaffen, da es schonender für diesen Bereich ist und die stabilisierenden Muskeln besser mittrainiert.

Runn12: Das stehende Langhanteldrücken ist aus meiner Sicht eher eine Ganzkörperübung, als eine reine Schulterübung. Natürlich müssen die Schultern kräftig mitarbeiten, aber die Möglichkeit, gezielt die Schultern zu be- und eventuell überlasten, wird durch die notwendige Mithilfe diverser anderer für die Übung benötigte Muskelgruppen stark limitiert.

Dazu kommt, dass die Übung dynamischer abläuft, als isoliertere Drückübungen - kein vernünftiger Presser wird das Gewicht im mit einer gleichmäßigen Kadenz auf- und abbewegen; vielmehr sieht man fast immer eine explosive Aufwärtsbewegung, die zumeist durch den Unterkörper eingeleitet wird.

Nur, damit man mich nicht falsch versteht - motorisch ist der Press aus meiner Sicht deutlich anspruchsvoller, als sitzende Drückvarianten. Aber wenn man mich fragt, ob ich denke, dass speziell die Schultern besser auf mehr Gewicht, das kontrollierter bewegt werden kann, ansprechen, dann denke ich, dass dem so ist.

Friedhofschiller: Stehendes Drücken hat mir nie bei der Entwicklung meiner Schultern geholfen. Ich weiß dass Runn mich dafür schlagen wird, aber für mich sind Drückübungen für die Schulter sogar vernachlässigbar. Doch dies kommt nur wegen meiner Aufteilung der Muskelgruppen. An dem Tag wo ich Schultern trainiere, wird vorher auch Brust trainiert, unter anderem mit Schrägbankdrücken. Dies stellt schon genug Belastung für meine vorderen Schulterköpfe dar. Aufgrund von Problemen mit der Bizepssehne habe ich dort dann komplett die Segel gestrichen und mache nur noch Hebevarianten für die Schultern.

Würde ich aber einen eigenen Schultertag, oder wenigstens mehr Platz für die Schultern in meinem Plan haben, dann würde ich Drücken im Sitzen wählen.

Ab und zu würde ich dann auch stehendes Überkopfdrücken einfließen lassen, doch da mein unterer Rücken eh permanent am Rande der Überlastung ist, würde dies mir auf Dauer nicht bekommen.

Bin ich allerdings ein Strongman oder KDK´ler, dann führt nichts an der Übung vorbei. Kraftübung für den ganzen Körper, Stärkung für die Core-Muskulatur, Übertragung in die anderen Lifts... unverzichtbare Übung für diesen Sektor.

abergau: Stefanco nannte eben das stehende Überkopfdrücken die grundlegendste alles Druckübungen. Dieser Aussage stimme ich vorbehaltlos zu (wahrscheinlich steht das so in [Kraft-]Meyers Konversationslexikon, und Stefanco hat's auswendig gelernt .-)! Tatsächlich war das Langhanteldrücken über Kopf sogar lange Zeit Teil des Olympischen Gewichthebens; erst 1973 wurde aus dem olympischen Gewichtheber-Dreikampf (Reißen, Stoßen, Drücken) ein Zweikampf. Grund für die Änderung: Im Unterschied zu den beiden anderen Disziplinen führt das Abfälschen der richtigen Technik nicht zu schlechteren, sondern zu besseren Ergebnissen. (Überkopf-Drücker, die sich weit nach hinten lehnen - und damit das Überkopfdrücken zu einer Art Bankdrücken im Stehen machen - können, sind in der Lage, mehr Gewicht zu bewegen. Jedenfalls, solange sie nicht durchbrechen.)

Ich selbst bin sehr spät zum Military Press gekommen; erst nach Jahren kam ich dahinter, dass damit keine Kriegsjournalistik gemeint ist, sondern eine Schulterübung. Als ich diese dann in mein Programm aufnahm, glaubte ich zunächst, dass ich dabei etwas Grundlegendes falsch machte - ich schaffte nämlich nur zwei Drittel des Gewichts, das ich beim Frontdrücken verwenden konnte. Allerdings fand ich sehr schnell Gefallen an dieser brachialen Art des Drückens. Und: Ich wurde sehr stark dabei - nicht nur im Frontdrücken, sondern auch im Bankdrücken und sogar im Kreuzheben (weiß der Himmel, warum). Ich behaupte heute: Jeder, der stark im Military Pressing ist, ist auch in den anderen Grundübungen stark.

Nachteil des Military Pressings: Es verführt, wie bereits erwähnt, zum Abfälschen, stellt außerdem enorme Koordinationsanforderungen (Stefanco hat's schon angesprochen) und beansprucht zudem so viele Muskelgruppen und Gelenke, dass es eine der ersten Übungen ist, die man nicht mehr machen kann, wenn man irgendwo verletzt ist oder chronisch "was hat". Allein dass man, um überhaupt in die Ausgangsposition zu kommen, zu einer leidlich guten "Clean"-Bewegung in der Lage sein muss, macht's nicht einfacher, und dass man in der Regel frei steht (also keine Holme unmittelbar vor oder hinter sich hat, auf denen man die Hantel auf halber Höhe ablegen könnte), birgt ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Mir ist zu Anfang des Öfteren eine Hantel unsanft "aufs Dach" gefallen, weil mir beim Drücken die Lichter ausgingen...!

Fazit: Wer Military Press machen kann, weil er noch jung und gesund ist, soll's um Himmels Willen machen (und dabei möglichst gerade stehen); billiger kommt er nicht an bärige Allround-Drückkraft. Alle anderen machen halt Frontdrücken.

Stefanco: Stefanco hats nicht auswendig gelernt, er hat es geschrieben!

CookinT: Ich habe mich des Öfteren an der Übung versucht und nie sonderlich davon profitiert. Ich denke für Athleten, deren Primärinteresse Kraft ist, ist sie durchaus interessant, da sie als Ganzkörperübung betrachtet werden kann. Bei kaum einer Oberkörperübung müssen so viele Muskeln parallel arbeiten. In komplexeren Splits führt das wieder zu Problemen, wie schon bei der Rückenroundtable im Bezug auf das Kreuzheben erläutert.

Ein weiteres "Problem" ist die Tendenz abzufälschen. Da ist die Frage, was man denn machen möchte: Push Press für maximale Kraftentwicklung oder striktes Drücken. Ich sehe selten Leute, die strikt stehendes Schulterdrücken machen und dabei noch adäquate Gewichte verwenden.

Alles in allem halte ich die sitzenden Varianten für die meisten Athleten für eine mindestens gleichwertige, wenn nicht bessere Wahl.

Stefanco: Ich habe mich ja schon für das sitzende LH-Drücken ausgesprochen hinsichtlich des Muskelaufbaus. Ich kann hier auch kein größeres Verletzungsrisiko ausmachen.

Im Vergleich zur stehenden Variante hat man ein etwas größeres Risiko für ein "Impingement-Syndrom", dafür ist die Belastung und Stauchung des unteren Rückens geringer.

Das stehende Drücken hat, um es deutlich zu machen, auch so gut wie keine Rolle für den Aufbau der Schultern in meiner 30jährigen "Laufbahn" gespielt.

Die am häufigsten ausgeführten Drückübungen waren: Nackendrücken und Frontdrücken sitzend mit der LH, KH-Drücken sitzend und Maschinendrücken sitzend (keine Multipresse).
Drücken im Stand oder Multipresse-Drücken folgen in großem Abstand.

Überkopfdrücken an der Multipresse fühlt sich auch für mich immer sehr angenehm an, die Übung ist aber tückisch, sie kann bei längerem Gebrauch zu Schulterbeschwerden führen.

Man muss das aber immer individuell sehen, bei dem einen führt gerade der Umstand, dass das Gewicht nicht in einer geführten Bahn verläuft zu Schulterirritationen, beim anderen ist es genau umgekehrt.

KH-Drücken ist für die Schultergelenke etwas schonender als das LH-Drücken, problematisch und riskant kann aber mit der Zeit das Umsetzen werden, wenn man stärker geworden ist.

Damit meine ich nicht die Problematik des Umsetzens an sich, sondern den Moment, an dem man die Kurzhanteln auf Schulterhöhe abfangen muss, das gibt immer einen "Schlag" auf Schultern und Ellenbogen.

Der Körper rächt sich irgendwann dann dafür.

Ein weiteres Problem für Trainierende, die noch etwas schwächer sind, ist der Umstand, dass man mit Kurzhanteln in der Regel nur 2,5kg-Sprünge machen kann.

Wenn man bei der Übung nur 20 oder 30kg pro Hantel schafft, sind das jedes Mal Gewichtssprünge um die 10% rum, die sind für eine kontinuierliche Steigerung zu hoch, das kann zu einem monatelangen "Hängenbleiben" bei einem Gewicht und damit zu Stagnation führen.

TEAM-ANDRO: Ich sehe schon, keine Fans hier. Das sitzende Drücken habt Ihr ja bereits angesprochen. Wie sieht das denn aus Eurer Sicht auf technischer Seite aus?

Runn12: Mir persönlich ist die Frage etwas zu allgemein gehalten. Sitzendes Drücken kann verschiedene Formen haben, jede Form hat ihre eigenen kleinen Nuancen.

Grundsätzlich gilt für mich bei jeder Form Folgendes:
  • Rückenlehne auf 80 - 85°
  • Sitzpolster leicht angeschrägt
  • Hohlkreuz ( das gilt aus meiner Sicht für jede drückende Übung. Wer viel drücken will - und damit meine ich nicht das Abergausche drücken, das außerhalb des Trainings stattfinden kann - der braucht um jeden Preis Stabilität.)
  • Beine fest auf dem Bodenverankern, kein spastisches Herumgezupfe und Gehupfe
CookinT: Ich denke beim Frontdrücken sollte man primär darauf achten, dass die Rückenlehne nicht zu steil, aber auch nicht zu flach eingestellt ist. Zwischen 65 und 80° haben sich für mich als ideal erwiesen. Weiterhin sollte die Stange bis zum Schlüsselbein abgesenkt werden und vollständig nach oben gedrückt werden. Und vor allem: Kein Hohlkreuz! Erst einmal verändert das massiv den Winkel, so dass viele mehr Schrägbankdrücken als Frontdrücken ausführen und zudem ist das massiv belastend für die Bandscheiben.

Friedhofschiller: Im Prinzip kann ich nicht viel mehr als CookinT sagen, wenn die Lehne zu steil ist, gehen die Meisten zu sehr ins Hohlkreuz. Zu flach wird es zum Schrägbankdrücken. An für sich eine sehr schöne Übung, doch hat mir leider keine Drückübung der Welt dicke Schultern beschert. Was ich allerdings gerne mache, ich setze mich auf eine recht steile Bank im Power Rack, schiebe Stangen auf Höhe der Ablage ein und drücke jedes Mal die Hantel aus dem ruhenden Zustand wieder hoch. Dies mache ich dann als zweite oder dritte Übung für die Schultern. Dies wäre ein Standard, hätte ich einen extra Schultertag.

Wenn jemand vor den Schultern z.B. Brust trainiert und wie Bankdrückarten macht, dann kann es schnell zu viel des guten werden und Beschwerden können auftreten. Hier würde ich dann eher überlegen auf Kurzhanteln umzusteigen, da man hier mit weniger Gewicht mehr rausholen kann, indem man die Hanteln oben etwas zusammenführt. So trainiert man weniger Trizeps und mehr Schultern.

Stefanco: Ich bevorzuge beim sitzenden Drücken einen Stuhl mit einer halbhohen, senkrechten Lehne, so kann der Rücken seine natürliche Krümmung beibehalten und ich kann trotzdem drücken, ohne dass die Hantel an der Nase hängen bleibt.

Wie tief man runtergeht, hängt von den individuellen Proportionen und von der Beweglichkeit der Schulter ab.

Bis unters Kinn sollte man es schon schaffen, ich persönlich gehe bei schweren Gewichten ganz runter bis aufs Schlüsselbein, bei leichten "Pumpsätzen" gehe ich nur bis unters Kinn.

Das komplette Ausstrecken der Arme oder gar das "Durchschieben" des Kopfes unter der Hantel halte ich allerdings für sinnlos.

Es nimmt Belastung von den Deltoiden weg und kann "Impingement-Symptome" verstärken, es belastet auch die Halswirbelsäule unnötigerweise.

Beim sitzenden Drücken stelle ich den Trainingsstuhl direkt vors Rack und nehme von dort die Hantel raus, die sich auf Schulterhöhe befindet, und lege sie aufs Schlüsselbein ab, ich beginne die Bewegung mit der positiven Phase also von unten.

abergau: Ergänzend zu der Aussage von CookinT wäre festzuhalten: Wer bereits Schulterbeschwerden hat und mit dem schmerzfreien Frontdrücken seine liebe Not hat, sollte die Ellbogen während des Drückens wie beim Bankdrücken eng am Körper lassen. Das lenkt die Belastung zwar beinahe ausschließlich auf die vorderen Schultern, aber da jegliche Drückübungen in erster Linie die vorderen Schultern belasten - wer andere Teile der Schulter gezielt ansprechen will, muss Kurzhanteln heben -, ist das (im wahrsten Sinne) "verschmerzbar". Dafür kann man mit dieser Technik als bekennender Arthrosiker überhaupt wieder eine Schulterdrückübung ausführen (ohne dass einem vor Schmerzen Hören und Sehen vergeht).

TEAM-ANDRO: Vielen Dank. Eine immer wieder kontrovers diskutierte Übung ist das Nackendrücken. Wie sind da Eure Erfahrungen?

Stefanco: Als ich in den 80ern mit dem Training begann, war Nackendrücken DIE Hauptübung für die Schultern, Frontdrücken oder KH-Drücken wurden eher als Ergänzung ausgeführt.

Aus diesem Grund führte auch ich in den ersten Trainingsjahren überwiegend Nackendrücken sitzend mit der Langhantel durch.

Innerhalb weniger Jahre konnte ich mein Trainingsgewicht für 10 Wiederholungen verdoppeln in dieser Übung.

Ich fühlte mich aber bei der Übung immer unwohl, ich war einfach nicht flexibel genug, ich konnte eigentlich die Hantel nicht korrekt hinter den Kopf ablassen, da meine Ellenbogen sich nicht so weit nach hinten bewegen konnten.

Daher musste ich die Unterarme nach hinten kippen lassen und den Kopf nach vorne drücken.

Das ging natürlich mit den Jahren nicht gut, ich bekam Probleme mit der Rotatorenmanschette und musste öfter mal pausieren.

Da ich aber lange der Meinung war, dass diese Übung unbedingt notwendig sei und es auch die einzige Schulterdrückübung war, die bei mir einen positiven Übertrag aufs Bankdrücken leistete, hielt ich an ihr fest.

Als ich jedoch in die 30er kam und mein Körper zunehmend "unelastischer" wurde, verzichtete ich weitgehend aufs Nackendrücken. Hinzu kam dann ein paar Jahre später noch mein Trizepsriss, der das Nackendrücken im Vergleich zum Frontdrücken sehr viel schwerer in der Ausführung machte.

Ich stellte also auf Frontdrücken mit der Langhantel im Sitzen um im Wesentlichen, führte aber auch KH-Drücken und Maschinendrücken aus.

Im Nachhinein kann ich sagen, dass alle Drückübungen ähnlich effektiv sind und die damit erzielbaren Ergebnisse sich nicht unterscheiden.

Wenn man sich also bei der Ausführung von Nackendrücken unwohl fühlt oder sogar Schmerzen dabei hat, sollte man auf andere Übungen ausweichen.

Das heißt aber nicht, dass Nackendrücken generell für jeden gefährlich ist.

Bei einer hohen Flexibilität im Schultergürtel kann man die Übung problemlos über Jahrzehnte ausführen.

Ob man diese Flexibilität hat, kann man problemlos selbst testen.

Wenn man aufrecht steht, die Arme im rechten Winkel vom Oberkörper abspreizt und die Ellenbogen nach hinten zieht (die Unterarme stehen dabei senkrecht nach oben wie beim Nackendrücken), kommt man dann mit den Ellenbogen hinter die Ebene des Rumpfes oder nicht ?

Trifft ersteres zu, dann kann man Nackendrücken ausführen, beim zweiten sollte man es lieber lassen.

Runn12: Von freiem Nackendrücken halte ich persönlich wenig. Der Hauptgrund ist der, dass die Schultergelenke hier einem ähnlichen Risiko ausgesetzt werden, wie man es bei diversen Bankdrückern beobachten kann. Das Gelenk wird nicht fixiert, sondern durchwandert verschiedene Winkel - und irgendwann verschleißt es, oder gibt ganz nach.

Das Nackendrücken führt genau wie das Bankdrücken die Statistik der beschwerdeverursachendsten Übungen an und sollte daher aus meiner Sicht gemieden werden, denn Sicherheit beim Training geht immer vor.

CookinT: Ich habe die Übung lange Zeit gemieden, da ich dachte, es gibt bessere Alternativen, zumal meine Schultern eh gerne mal Zicken machen. Auf Anraten habe ich dann dem Nackendrücken eine neue Chance gegeben und erst mal ganz langsam angefangen. Mittlerweile verwende ich auch durchaus schwerere Gewichte und habe keinerlei Beschwerden. Die Beweglichkeit und Flexibilität muss man sich natürlich erst einmal erarbeiten und ich persönlich führe die Übung nur in der Multipresse aus (wie auch das Frontdrücken).

Bevor Fragen kommen. Die Kernaussage des Tipps war, dass die Übung bestimmte Bereiche einfach nochmal anders ansteuern würde. Ob das nun stimmt oder nicht, weiß ich nicht. Was ich weiß, ist dass die hinzugewonnene Flexibilität auch fürs Posen äußerst hilfreich ist.

Wie gesagt, ich denke es ist einmal nicht die ideale Übung für jeden, da manche wirklich zu unbeweglich sind. Wobei man das natürlich trainieren kann, man muss nur Geduld haben. Gerade bei solchen Übungen sollte man sich langsam vorarbeiten. Mittlerweile fühlt sich das Nackendrücken für mich sehr natürlich an.

Stefanco: "Mittlerweile fühlt sich der Anal-Intruder sehr natürlich für mich an!"

Friedhofschiller: Als bekennender Levrone-Fan ging es nicht anders, ich musste Nackendrücken machen. Kevin sagte immer, dass dadurch alle Schulterköpfe belastet werden würden und somit der dicken Schulter nichts im Wege stehe. Denkste. Keine dicken Schultern ergaben sich mir daraus.

Ich habe die Übung jahrelang gemacht mit nur mäßigem Erfolg. Mein Bankdrücken profitierte allerdings davon, da der Trizeps lange Zeit Schwachstelle war und hier noch etwas Extrabelastung abbekam.

Wie CookinT schon sagte, benutzte ich dafür die Multipresse. Nur zur Sicherheit.

Doch pauschal würde ich die "In den Nacken" Übungen wie eben Nakendrücken und Latzug in den Nacken nicht verteufeln. Manche Leute stellen sich einfach zu unbeholfen an, so sind Verletzungen vorprogrammiert. Zwischendurch mache ich die Übung mal wieder, doch sie ist kein fester Bestandteil in meinem Plan. Latzug in den Nacken schon, zum Vergleich.

Vielleicht müssen manche Mal die Griffweite variieren. Das kann Welten ausmachen.

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