Sprechstunde bei Dr. Andro

Dr. Andro: Doping unter Freizeitbodybuildern

"Sprechstunde bei Dr. Andro" - in dieser Rubrik hier bei Team-Andro nimmt Dr. Andro es für euch mit den sport- und medizinwissenschaftlichen Datenbanken dieser Welt auf. In Ausgabe 2 seiner neuen Kolumne setzt er sich mit dem heißen Thema Doping und Bodybuilding auseinander.

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Disclaimer: Die hier zur Verfügung gestellten Informationen dienen ausschließlich Informationszwecken.

Für die Richtigkeit der Informationen aus den hier zitierten Artikel ist der Autor dieser Kolumne nicht verantwortlich. Die Rechte an den hier in Auszügen zitierten Studienergebnissen liegen bei den jeweiligen Autoren.

Die Rückschlüsse, die aus den Studienergebnissen im Hinblick auf bestimmte, teilweise dem Forschungsinteresse der Autoren nicht entsprechende Fragestellungen gezogen werden, sind nicht Teil der entsprechenden wissenschaftlichen Arbeiten.

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Würde man einen Assoziationswettbewerb durchführen und das Wort Bodybuilding nennen, so würde ohne Zweifel schnell der Gebrauch von Medikamenten diverser Art, kurz Doping, genannt werden. Und während Naturalbodybuilder wie Berend Breitenstein mit der GNBF seit einigen Jahren versucht Wettkampfbodybuilding ohne den Gebrauch von chemischer Unterstützung auch in Deutschland weiter zu etablieren, so gerät der durchschnittliche Kraftsportler, der mit mehr als definierten 40cm Fleisch am Oberarm sein Training bewältigt, all zu schnell unter Unwissenden in den Verdacht dem Trainingsfortschritt nachgeholfen zu haben.

Gleichzeitig tummeln sich nicht nur auf Team-Andro immer wieder jugendliche Kraftsportler und Möchtegernbodybuilder, die immer wieder unter Beweis stellen, dass Geduld immer noch eine Tugend ist, die nicht jedem gegeben ist.

Doch wie verbreitet ist das Nutzen von Medikamenten im Bereich des Hobbybodybuildings wirklich? Ist der Großteil der leistungsorientierten Fitnessstudiobesucher dopingverseucht? Anhand einiger Studien soll dieses Thema, das in Deutschland noch wenig erforscht ist, näher betrachtet werden.

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Studie I

Boos et al.: Medikamentenmissbrauch beim Freizeitsportler im Fitnessbereich. Dt Ärztebl 1998; 95: A-953–957

Zusammenfassung der Autoren:

"Sportmedizinische Untersuchungen in den USA haben gezeigt, daß ein leistungssteigernder Medikamentenabusus, insbesondere von anabolen Steroiden, beim Freizeitsportler keine Seltenheit darstellt. Eine Befragung zu dieser Problematik in 24 kommerziellen norddeutschen Sportstudios erbrachte überraschende Ergebnisse, die bei der allgemein und sportmedizinischen Betreuung von Fitneßsportlern berücksichtigt werden sollten. So gaben 24 Prozent der befragten Männer und 8 Prozent der Frauen an, anabol wirkende Medikamente zu sich zu nehmen. In 94 Prozent der Fälle handelte es sich um potentiell hoch lebertoxische Substanzen, die hauptsächlich auf dem Schwarzmarkt besorgt und zu 14 Prozent von Ärzten verschrieben wurden." (Boos et al. 1998: 953)

Studiendesign

Angeregt durch Untersuchungen in den USA führten die Autoren eine systematische Untersuchung des Medikamentenmissbrauchs im deutschen Breiten- und Freizeitsport durch. Damit stellte diese Untersuchung 1998 die erste ihrer Art im deutschen Raum dar und war umso wichtiger für aussagekräftige Erkenntnisse, da die Motivation zur Nutzung von leistungssteigernden Medikamenten unter Jugendlichen in den USA beispielsweise aufgrund von Sportstipendien durchaus andere sein könnten, als in Deutschland.

Um eine möglichst einheitliche Untersuchungsgruppe sicherzustellen wurden lediglich Trainierende in Fitnessstudios befragt und andere Sportarten außen vor gelassen.

Insgesamt befragten die Autoren 24 Studios in Schleswig-Holstein und Hamburg, wobei pro Studio 20 bis 50 Bögen mit Fragen zu den Themen Sozialstatus, Bildungs- und Berufsstand, Trainingsmethodik, Motivation, Ernährung, Verletzungshäufigkeit sowie Medikamenten- und Drogenanamnese ausgefüllt wurden.

Ergebnisse

Insgesamt konnten 255 Fragebögen ausgewertet werden, wobei 49 Männer (24% von 204) und vier Frauen (8% von 51) angaben aktuell oder in der Vergangenheit bereits einmal Medikamente zur Förderung des Muskelaufbaus genutzt zu haben. Obwohl das Durchschnittsalter der Teilnehmer bei 27,9 Jahren lag, war der größte Anteil der Medikamentenutzer mit 37 Prozent in der Gruppe der 21- bis 25jährigen.

Unterteilt nach Bildungsgruppen konnte die Studie eine negative Korrelation zwischen Bildung und dem Anteil der Steroidnutzer feststellen. Während der Großteil der Medikamentenutzer in den Bildungsgruppen Haupt- und Realschule zu finden waren, hatten die Nichtnutzer den größeren Anteil in höheren Bildungsgruppen.

Bei einer Durchschnittsgröße von 180cm - sowohl bei Medikamentennutzern, als auch denjenigen ohne Erfahrungen - konnte die Steroidnutzergruppe mit 91,8kg ein 10,2kg höheres Durchschnittsgewicht aufweisen. Dabei ist jedoch darauf hinzuweisen, dass 71% der AAS-Nutzer mehr als 36 Monate trainiert, wogegen 54% der natural Trainierenden eine Trainingserfahrung unter 36 Monaten aufwiesen. Dennoch nannten 92% der Medikamentenutzer Muskelaufbau als Trainingsmotivation (Studiendurchschnitt 69%) und 62% sogar direkt den Missbrauch von Medikamenten als Grund für den Muskelaufbau. 84% der Nichtnutzer hatten dagegen Bedenken vor möglichen Nebenwirkungen, so dass lediglich 5% in Zukunft eine Nutzung planten, wogegen 72% auch weiterhin natural weiter trainieren wollten.

Als Bezugsquelle für die Medikamente gaben 14% Arzt, 12% Trainer, 16% Apotheke, 56% Bekannte und 53% Mitsportler an, wobei lediglich 31% ihre Einnahmen ärztlich kontrollieren ließen.

Abbildung 1: Genutzte Medikamente in Prozent (Mehrfachnennung möglich) – erstellt aus den Daten von Boos et al.Abbildung 1: Genutzte Medikamente in Prozent (Mehrfachnennung möglich) – erstellt aus den Daten von Boos et al.

Der Anteil der genutzten Medikamente entsprach laut den Autoren in etwa den bisherigen Erkenntnissen aus den USA.

Fazit Dr. Andro

Die vorgestellte Studie stellt die erste ihrer Art in Deutschland dar. Die Verteilung der Fragebögen wurde den Trainern überlassen, die die Maßgabe hatten, dass die Trainierenden mindestens drei Monate aktiv sein sollten, so dass generell davon ausgegangen werden kann, dass die Ergebnisse eine gewisse Aussagekraft über Trainierende in den Fitnessstudios besitzen.

Auffallend, wie auch die Autoren bemerken, ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand und dem Missbrauch von Medikamenten, da in bisherigen Studien in den USA solche ein Zusammenhang in der Regel nicht festgestellt werden konnte.

Des Weiteren fiel auf, dass ein Großteil der natural Trainierenden im Gegensatz zu den AAS-Nutzern einen Trainingserfahrung von weniger als drei Jahren aufwies. Die Autoren der Studie vermuten daher, dass viele der noch natural Trainierenden später zu Medikamenten greifen würden.

Eine andere Vermutung, die Dr. Andro an dieser Stelle aufstellen möchte, ist der Abbruch der Trainings unter vielen Trainierenden. Der Großteil der Nichtnutzer wies nicht nur eine Trainingsdauer von weniger als 36 Monaten auf, sondern war auch in den Altergruppen 26-30 und vor allem >30 deutlich stärker vertreten. Wer bereits länger in den unterschiedlichsten Studios dieser Nation trainiert hat, wird aus eigener Erfahrung wissen, dass die Motivation bei Trainierenden in dieser Altersregion oftmals von überschaubarer Dauer bleiben kann.

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Studie II

Wanjek et al.: Doping, Drugs and Drug Abuse among Adolescents in the State of Thuringia (Germany): Prevalence, Knowledge and Attitudes. Int J Sports Med 2007; 28: 346–353

Zusammenfassung der Autoren:

"Goal-directed measures to prevent doping and drug abuse in sports requires empirical data. In this connection, a cross-sectional analysis was carried out in 2004. The purpose of the study, on the one hand,was to register reliable data of the current situation in Thuringia, and, on the other hand it was to give information on possible interventional steps with scientific support. Within three months, 2319 adolescents from 16 Thuringian schools (5 regular schools, 4 secondary schools, 3 sport schools and 4 vocational schools) were surveyed. Three hundred and forty-six (15.1%) students out of 2287 students (26 students without a statement) indicated use of prohibited substances from the WADA list in the previous year [27]: 16 (0.7%) anabolic-androgenic steroids (AAS), 10 (0.4%) growth hormones, 56 (2.4%) stimulants, 305 (13.2%) cannabis, 2 (0.1%) diuretics, 52 (2.2%) cocaine/ heroin and 6 (0.3%) erythropoeitin. Moreover, nonathletes (N = 490) reported a substance use that was approximately 5.0% higher than that of recreational athletes (N = 1254) and nearly three times higher than that of competitive athletes (497). All three groups (nonathletes, recreational athletes and competitive athletes) performed poorly on a knowledge test regarding doping in general with an average below 60% in each case. Another main aspect of the study was to determine factors influencing substance use in sports. Besides the doping specific knowledge (β = 0.06, p < 0.05), age contributed (β = 0.09, p < 0.05), as well as anti-doping attitude (β = – 0.34, p < 0.05), to the resulting variance. Gender, however, played no role. The findings of the study point towards the need for improvement of specific knowledge of doping among students and that their attitude towards doping must be altered. The goal in this case is to test the effectiveness of appropriate scientific intervention."(Wanjek et al. 2007: 346)

Studiendesign

Auch fast 10 Jahre nach der Studie durch Boos sind die Untersuchungen zum AAS-Gebrauch unter Trainierenden in Deutschland immer noch wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen. Aus dieser Motivation heraus entschieden sich auch Wanjek und Kollegen dazu den Missbrauch von Medikamenten unter Trainierenden in Deutschland zu untersuchen.

Im Gegensatz zur ersten Studie wurden nun jedoch Jugendliche in Thüringen an 16 Schulen über drei Monate in einem Survey befragt, wobei die Studie nicht nur Doping sondern auch allgemein den Drogenkonsum untersuchte. Befragt wurde dabei unter anderem zu den Themen sozio-demographischer Hintergrund, Sportaktivitäten, Motivation zum Sport, Stressfaktoren und Einstellung gegenüber Doping im Sport.

Ergebnisse

Im Gegensatz zur ersten Studie konnten Wanjek und Kollegen auf die Antworten von 2313 Befragten zurückgreifen. Dabei wurden die Teilnehmer in drei Aktivitätsgruppen unterteilt.

346 der Befragten gaben im Rahmen der Studie Missbrauch verbotener Substanzen innerhalb der letzten 12 Monate zu, wobei lediglich 16 (0,7%) zu AAS griffen. Dabei gibt es weder im Bezug aufs Geschlecht, noch auf die Klassenstufe oder die sportliche Aktivität erkennbare Schwerpunkte in der Verteilung. Die geringe Fallzahl ist zweifelsfrei auf das noch junge Alter der Befragten zurückzuführen.

Bei der Befragung nach dem Wissen rund ums Doping selbst hatten lediglich 29 (1,3%) der Schüler viel Kenntnis vom Doping. Fast alle hatten damit lediglich moderate (43,2%) bis schlechte (55,5%) Kenntnisse, wobei leistungsorientierte Sportler einen deutlich größeren Wissensvorrat hatten, als weniger aktive Befragte.

Fazit Dr. Andro

Aufgrund der noch jungen Befragten war die geringe Anzahl an AAS-Nutzern zu erwarten. Der Fokus der Survey-Befragung lag zudem auf der Ermittlung der Kenntnisse zu Doping und der allgemeinen Einstellung der Teilnehmer, wobei Wanjek und Kollegen im vorliegenden Artikel auch auf diese Bereiche eher knapp eingingen.

Das Nutzen von AAS ist im Gegensatz zum Nutzen von Canabis (13,2%) in dieser Alterstufe eine wohl eher zu vernachlässigen Gefahr. Dagegen ist die Unkenntnis über Doping ein Punkt, der durchaus ein interessanter Ansatz sein könnte. Wer bereits in jungen Jahren über die Folgen vom medikamentalen Missbrauch informiert wird und nicht nur durch die immer wieder aufgedeckten Dopingsünder die mögliche Leistungssteigerung suggeriert bekommt, könnte später weniger gefährdet sein, Steroide zum schnelleren Muskelwachstum zu nutzen.

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Studie III

Müller-Platz et al.: Doping beim Freizeit- und Breitensport. Gesundheitsberichtserstattung des Bundes 2006, Heft 34

Überblick

Auch Müller-Platz und Kollegen kritisieren in ihrem Bericht, dass das spezielle Feld des Dopings im Freizeitsport bisher nur wenig Beachtung gefunden hat. Heutzutage gibt es in den 6500 Studios (Stand 2006) mehr als 4,5 Millionen Mitglieder (Stand 2006), wobei erstaunlicherweise 2002 die Frauen mit 55,1% den größeren Anteil ausmachten.

Zwar gibt es inzwischen detaillierte Befragungen zur Motivation des Trainings allgemein, doch ein direkter Vergleich zwischen Medikamentennutzern und Nichtnutzern blieb bisher aus. Laut Müller-Platz und Kollegen ist jedoch aus den bisherigen Studien abzuleiten, dass Muskelaufbau an erster Stelle steht und erhöhte Fitness und kürzere Regeneration eher nachrangige Motivationen für den Missbrauch von Medikamenten sind.

Der Bericht Doping beim Freizeit- und Breitensport stellt damit auch keine eigenständige Studie dar, sondern bietet vielmehr einen Überblick über verschiedene Studien rund um das Thema Doping.

Ergebnisse von Studien zum Thema Doping im Fitnessbereich

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Heftes gab es zwar in Kanada und den USA bereits viele erhobene Studien zum Thema Doping im Fitnessbereich, doch, wie bereits mehrfach erwähnt, vor allem in Deutschland kaum Material. Insgesamt wurden vier Studien im deutschen Raum durch die Autoren gezählt, wobei die erste in diesem Artikel aufgeführte Studie darin bereits enthalten ist.

Studie in Süddeutschland und Probleme der Vergleichbarkeit

In einer Studie in Süddeutschland wurden 1802 Fragebögen in 113 Fitnesscentern ausgeteilt, wobei es einen Rücklauf von 621 Bögen gab. 13,5% der Befragten (3,9% der Frauen; 19,2% der Männer) gaben dabei zu, bereits einmal Medikamente missbraucht zu haben. – Mehr dazu in der Zusammenfassung von Studie IV.

Doch leider ist die Vergleichbarkeit dieser Studie z.B. mit der zuerst genannte nur schwer möglich. Der Frauenanteil unter den Befragten entspricht oftmals nicht denen der Trainierenden. Zudem haben die verschiedenen Studios unterschiedliche Klientels. Ein Hardcore-Bodybuildingstudio wird zweifellos mehr AAS-Nutzer aufweisen, als ein Rückenschule-Fitness-Tempel. Einzelne Autoren gehen von Anteilen zwischen 0 und fast 50% aus.

Multicenter-Studie

Die bereits als erstes genannten Lübeck-Studie hatte dabei zumindest erster Einschränkungen (z.B. die Trainingszeit) gemacht, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erhalten. Die Studie wurde nach einer ausführlichen Diskussion 1999 mit finanzieller Unterstützung des Niedersächsischen Innenministeriums und des Bundesinstitutes für Sportwissenschaft auf verschiedene Städte im Bundesgebiet zu einer Multicenter-Studie erweitert. Der Rücklauf der 807 Fragebögen lag diesmal nur bei 24,7%. Da das Design jedoch der Ursprungsstudio entsprach, wurden die Ergebnisse mit denen der Lübeck-Studie zusammengefasst.

Die Zahl der Medikamentenmissbraucher dieser Multicenter-Studie lag damit bei 19% (22% der Männer; 8% der Frauen) von 454 Befragten. Im Gegensatz zur Lübeck-Studie sind nun zwei Altersgipfel nachweisbar. Sowohl im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, als auch im Alter über 30 Jahren. Andere Studien im europäischen Ausland ergaben sogar gleichmäßige Alterverteilungen, so dass Müller-Platz und Kollegen zu dem Ergebnis kommen, dass das Alter keine Präferenzen im Bezug auf den AAS-Missbrauch hervorruft.

Sowohl die Multicenter-Studie als auch die Süddeutschlandstudie konnten dabei nachweisen, dass der Zuwachs von Muskelmasse der Hauptgrund für die Nutzung von Steroiden ist. 78% der Nutzer trainierten dabei bereits länger als 36 Monate und auch bei der Multicenter-Studie war der Bildungsabschluss bei AAS-Nutzern geringer als bei natural Trainierenden.

Fazit Dr. Andro

Der Gesundheitsbericht des Bundes ist eine ausführliche Darstellung rund um das Thema Doping und mögliche Konsequenzen, wobei das Thema Doping und Bodybuilding lediglich ein kleines Teilgebiet ist. Dennoch wiesen auch Müller-Platz und Kollegen darauf hin, dass in diesem Bereich durchaus mehr Befragungen durchgeführt werden müssten, um den Erkenntnisstand weiter zu verbessern.

Insgesamt brachte aber auch der Bereicht keine neuen Erkenntnisse im Bezug auf das Thema Doping und Bodybuilding in deutschen Fitnessstudios. Inwieweit das Zusammenlegen der Erkenntnisse aus der Lübeck-Studie mit der drei Jahre später durchgeführten zweiten Erhebung zur Multicenter-Studie sinnvoll ist, sei an dieser Stelle dahingestellt und soll nicht weiter diskutiert werden.

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Studie IV

Striegel et al.: Anabolic ergogenic substance users in fitness-sports: A distinct group supported by the health care system. Drug and Alcohol Dependence 81 (2006) 11–19.

Im zuvor beschriebenen Bericht wurde von einer Süddeutschlandstudie gesprochen. Diese von Striegel und Kollegen durchgeführte Studie soll nun, aufgrund mangelnden Materials in Deutschland, noch einmal genauer betrachtet werden.

Zusammenfassung der Autoren

"Background:: Anabolic ergogenic substance use, in particular the use of anabolic androgenic steroids, is a serious problem in general. Nevertheless, it is subject to debate whether ergogenic substance users exhibit similar features as multiple substance users or whether they constitute a discrete group.
Methods:: One thousand eight hundred and two standardized, anonymous questionnaires were distributed among visitors of 113 fitness centers. Questions were asked concerning biometric parameters, social indicators, physical fitness, use of natural stimulants, general illicit drugs and ergogenic substances. With logistic regression analysis, multivariate odds ratios were estimated to investigate the association of anabolic ergogenic substance or general illicit drug use with other parameters.
Results:: 13.5% of all participants confessed to having used anabolic ergogenic substances at some point in time. Anabolic ergogenic substance use was positively related with cocaine use, training years, training frequency, negatively related to the level of education, alcohol intake and less frequently used by Germans than by non-Germans. General illicit drug use, however, was positively related with alcohol intake, smoking and a university degree and negatively with having children. In addition, anabolic ergogenic substance use was significantly related with the use of general illicit drugs based on the strong relation with the use of cocaine, which is an ergogenic substance itself. The health care system supplies 48.1% of the anaolic ergogenic substance users with their substances and 32.1% are even monitored by a physician.
Conclusions:: The results of this study strengthen the notion that anabolic ergogenic substance users constitute a specific body-oriented substance user group. Uncommon for general illicit drug use, the health care system is a major sponsor of anabolic ergogenic substance users. These findings suggest the need for alternative approaches for successful prevention and intervention programs."
(Striegel et al. 2006: 11)

Studiendesign

Die Autoren der Studie stellten eine Liste von 113 Fitnessstudios mit insgesamt 90.100 Mitgliedern zusammen, die das gesamte Spektrum in Deutschland repräsentierten. Die Besitzer jedes Studios wurden gebeten Fragebögen an 2% ihrer Mitglieder zu verteilen, wobei diese 2% jeweils repräsentativ für das gesamte Studio sein sollten. Insgesamt wurden so 1802 Personen befragt, wobei letztendlich 621 Bögen eingesandt wurden und 537 Bögen ausgewertet werden konnten.

Den Interviewten wurden zu fünf Grundthemenblöcken Fragen gestellt, die da waren: Körperdaten, soziale Indikatoren, physische Fitness, Drogen und leistungssteigernde Substanzen.

Ergebnise

Insgesamt 84 (13,5%) der 537 Befragten gaben den Missbrauch von leistungssteigernden Substanzen zu. Wobei der Großteil mit 75 davon männlich war. Interessanterweise waren diese 75 Nutzer nicht reine Hardcorebodybuilder. Die Autoren unterteilten die Befragten in drei Gruppen: Fitness (trainiert in erster Linie für die Gesundheit), Kraftsport (trainiert in erster Linie zur Leistungssteigerung) und Bodybuilding (trainiert in erster Linie für ein Muskelwachstum). Die Aufteilung der Medikamente-Nutzer war dabei in dieser Untersuchung 36 (F), 8 (K), 40 (BB), wobei damit 52,6% der Personen, die Bodybuilding betrieben, zu leistungssteigernden Mitteln griffen.

Wie auch bereits in der Lübecker-Studie hatten die Medikamente-Nutzer ein fast durchgehend hohes Gewicht und wiesen zu 75% eine Trainingsdauer von über 6 Jahren vor. Zudem fanden Striegel und Kollegen eine positive Korrelation zum Kokainnutzen und der Trainingsfrequenz heraus und eine negative Korrelation zum Alkoholkonsum, hohen Bildungsgrad und der deutschen Staatsbürgerschaft.

86,5% der Medikamentenutzer gaben an, dies auch zum Zeitpunkt der Erhebung zu tun, wobei 51,5% aller Nutzer injezierbare und orale Medikamente nutzen, 35,3% nur orale und 13,2% nur injezierbare.

Fazit Dr. Andro

Striegel und Kollegen kamen im süddeutschen Raum zu ähnlichen Ergebnissen wie Boos und Kollegen bereits ein paar Jahre zuvor in Lübeck und Umgebung.

Interessant wäre eine genauere Aufschlüsselung des Alters der Befragten gewesen, was die Autoren zumindest in der vorliegenden Veröffentlichung nicht weiter getan werden. So lassen sich leider keine Vergleiche zur Lübeck-Studie oder zur Multicenter-Studie ziehen, was diesen Punkt betrifft.

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Fazit

Medikamentemissbrauch und Bodybuilding stehen in einem unverkennbaren Zusammenhang, soviel ist klar. Zudem lässt die Tatsache, dass ein Großteil der Nichtnutzer als Grund mögliche Nebenwirkungen angab, nur darüber spekulieren wie groß der mögliche Anteil an Steroidnutzern unter Fitnessstudiobesuchern bei geringeren Nebenwirkungen wäre.

Dabei ist der Wunsch nach mehr Leistung keinesfalls ein Phänomen unserer Gesellschaft. Bereits die alten Griechen versuchten mit allerlei wundersamen Mitteln wie Stierhoden oder Giftpilzen Wettbewerbsvorteile zu erreichen. Im Spitzenleistungssport ist zudem, realistisch betrachtet, laut Moosburger von einem flächendeckenden Missbrauch auszugehen.

Wer sich über erlaubte und nicht erlaubte Substanzen informieren möchte, findet auf der Website der NADA eine ausführliche Datenbank LINK.

Dem Leser sollte mit der Auflistung der Studien ein kleiner Einblick in den aktuellen Forschungsstand gegeben werden. In Zukunft wären weitere Untersuchungen zur Motivation des AAS-Missbrauchs in Deutschland sicherlich interessant, um auch eine mögliche Präventionsarbeit unter jungen Sportanfängern leisten zu können.

Quellen:

  • Boos et al.: Medikamentenmissbrauch beim Freizeitsportler im Fitnessbereich. Dt Ärztebl 1998; 95: A-953–957.
  • Moorburger 2008: Doping. LINK.
  • Müller-Platz et al.: Doping beim Freizeit- und Breitensport. Gesundheitsberichtserstattung des Bundes 2006., Heft 34 LINK
  • Striegel et al.: Anabolic ergogenic substance users in fitness-sports: A distinct group supported by the health care system. Drug and Alcohol Dependence 81 (2006) 11–19.
  • Wanjek et al.: Doping, Drugs and Drug Abuse among Adolescents in the State of Thuringia (Germany): Prevalence, Knowledge and Attitudes. Int J Sports Med 2007; 28: 346–353.

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