Ken Waller, Robby Robinson und Mike Mentzer

Die drei ungekrönten Mr. Olympia Gewinner

Einmal im Leben den Mr. Olympia zu gewinnen, ist der Traum vieler Bodybuilder und in wenigen Tagen wird sich der ein oder andere Profi diesen Wunsch zum ersten Mal im Leben erfüllen können. Neben einem inzwischen stattlichen Preisgeld warten fraglos Ruhm, Anerkennung und möglicherweise auch der ein oder andere Sponsorenvertrag auf die zukünftigen Sieger. Doch so war es nicht schon immer gewesen. Genau genommen gibt es drei Menschen, die den Mr. Olympia gewannen und dennoch nicht zum Sieger gekrönt wurden: Ken Waller, Robby Robinson und Mike Mentzer.


Ein Blick in die Geschichte des Mr. Olympia


Der Mr. Olympia wurde 1965 von den Joe Weider ins Leben gerufen und richtete sich zunächst an Bodybuilder, die den Mr. Universe Titel gewonnen hätten. Dazu muss gesagt werden, dass der durch die damals bereits existierende IFBB ausgetragene Mr. Universe gemeint ist. Neben der IFBB gab es eine Reihe weiterer Verbände, die über die Jahrzehnte gesehen „ihren“ Mr. Universe kürten, wobei die bekannteste Organisation die NABBA sein sollte, die als Bodybuildingverband seit 1948 den besten Athleten in ihren Reihen suchte.

Die IFBB trug den gleichnamigen Wettbewerb erst seit 1959 aus, wobei Sieger wie Eddie Slyvestre, Chuck Sipes oder George Eifermann aus den ersten Jahren heutzutage vermutlich niemandem mehr etwas sagen. Die Regelung, dass die Teilnehmer am Mr. Olympia ursprünglich den Mr. Universe bei der IFBB gewonnen haben mussten, ist auch die Grund dafür, dass das Teilnehmerfeld in den ersten Jahren sehr überschaubar ausfiel. Erst 1972, als der Mr. Olympia somit bereits zum achten Mal ausgetragen wurde, standen mindestens fünf Teilnehmer auf der Bühne.

Ein Jahr zuvor, 1971, war Arnold Schwarzenegger sogar ohne jegliche Konkurrenz. Grund hierfür war die Einführung der Regel, dass die Teilnehmer des Mr. Olympia nicht bei anderen Verbänden an den Start gehen durften. Arnolds mögliche Konkurrenz war dadurch für das Jahr 1971 gesperrt und Sergio Olivia, der Arnold 1969 auf der Bühne schlug und ein Jahr später den zweiten Platz hinter Arnold erreichte, konnte erst 1972 wieder gegen den Österreicher auf der Mr. Olympia Bühne antreten.

In der Zeit von 1974 bis 1979 wurde erstmals zwischen zwei Gewichtsklasse unterschieden. Doch während wir heutzutage die 212er-Klasse beim Mr. Olympia kennen, die aus der 2009 eingeführten 202-Klasse entstand, betrug das Gewichtslimit im Leichtgewicht in den 70er gerade einmal 200 Pfund. Anders jedoch als heutzutage traten die Gewinner der unterschiedlichen Gewichtsklasse zu einem Gesamtsiegerstechen an und nur der Gesamtsieger wurde offiziell zum Mr. Olympia ernannnt.

Während der kürzlich verstorbene Franco Columbu in den Jahren 1974 und 1975 das Leichtgewicht gewann, sich beim Gesamtsiegerstechen jedoch seinem Freund Arnold Schwarzenegger geschlagen geben musste, konnte er im darauffolgenden Jahr in Abwesenheit der steirischen Eiche das Gesamtsiegerstechen für sich entscheiden. Damit begann die Zeit der ungekrönten Könige.

Die erste Amtszeit: Ken Waller 1976


Während Franco Columbu 1976 das Leichtgewicht unter anderem gegen Frank Zane gewinnen konnte, erlangte Ken Waller den Sieg in der offenen Klasse. Während Ken damit heutzutage in einer Reihe mit Ronnie Coleman, Dorian Yates oder Phil Heath stehen würde, wurde ihm diese Ehre nicht zu Teil, da Franco Columbu nach zwei Niederlagen gegen Arnold schließlich im dritten Anlauf den Gesamtsieg holte.

Sein unterlegender Kontrahent Ken Waller wird vielen Bodybuildingfans jedoch aus dem Film Pumping Iron bekannt sein. Ken gelang nur ein Jahr zuvor der Sieg beim Mr. Universe, was ihn nicht nur zum letzten Titelträger der IFBB machte, sondern auch zu einem Rookie in der Profi-Bodybuildingszene. Dennoch sollte ihm nie wieder eine so gute Platzierung beim Mr. Olympia vergönnt sein. Bereits im darauffolgenden Jahr musste Ken sich dem zweiten ungekrönten König zu schlagen geben.


Die zweite Amtszeit: Robby Robinson 1977 und 1978


Robby Robinson ist vielleicht noch heute einigen Lesern ein Begriff. Obwohl der Black Prince, wie sein Spitzname lautet, bereits 1946 geboren wurde, postet der inzwischen über 70-jährige auch im Jahr 2019 noch regelmäßig auf Instagram und zeigt nicht nur Bilder aus seiner goldenen Ära, sondern präsentiert sich auch regelmäßig in beeindruckender Form. Diese hatte er fraglos auch im Jahr 1977, als ihm der Sieg in der offenen Klasse beim Mr. Olympia gelang und er den Vorjahressieger Ken Waller vom obersten Treppchen verdrängte. Dennoch konnte auch Robby Robinson sich nicht im Gesamtsiegerstechen durchsetzen.

In Abwesenheit von Franco Columbu sicherte sich Frank Zane den Sieg im Leichtgewicht und gewann im Anschluss auch das Gesamtsiegerstechen. Der noch heute vielen aufgrund seiner ausgeglichenen Physique bekannte Zane war mit knapp 84 Kilogramm auf 1,75 Metern somit der bis heute leichteste Mr. Olympia Sieger und sollte seinem ersten Triumpf zwei weitere folgen lassen. So ließ er 1978 nicht nur erneut Robby Robinson hinter sich, sondern sorgte auch dafür, dass ein dritter Sieger der Schwergewichtsklasse heute nicht offiziell als Mr. Olympia geführt wird.


Die dritte Amtszeit: Mike Mentzer 1979


Mike Mentzer war ebenso wie sein Bruder Ray Mentzer erfolgreicher Profi-Bodybuilder und wird vielen Trainierenden vermutlich durch sein Heavy Duty Training auch heute noch bekannt sein. Mike gewann ein Jahr zuvor die Weltmeisterschaft des IFBB in der Schwergewichtsklasse, die seit 1976 den Mr. Universe als Wettkampf im IFBB-Kalender abgelöst hatte. Im Mittelgewicht setzte sich damals niemand Geringeres als ein gewisser Tom Platz durch.

Wie schon Ken Waller, der seine Klasse beim Mr. Olympia im ersten Profi-Jahr gewinnen konnte, gelang auch Mike nie wieder dieses Kunststück. Im Gegenteil kam es 1980 sogar zum Eklat: Nachdem er sich fünf Jahre zuvor von der Wettkampfbühne verabschiedet hatte und in den letzten Jahren als Offizieller beim Mr. Olympia tätig war und eine erfolgreiche Schauspielkarriere gestartet hatte, kehrte Arnold Schwarzenegger erneut auf die Bühne des Mr. Olympia zurück. Arnold gewann vor Chris Dickerson und Mike Mentzer musste sich gemeinsam mit Frank Zane mit einem geteilten vierten Platz zufriedengeben. Gewichtsklassen gab es inzwischen nicht mehr.

Bis heute gilt Arnolds letzter Sieg als strittig. Es soll die schlechteste Wettkampfform gewesen sein, die der Österreicher auf der großen Bodybuildingbühne jemals präsentiert hatte und insbesondere Mike Mentzer fühlte sich von den Kampfrichtern betrogen. Während solche Äußerungen auch heutzutage immer wieder von Athleten getätigt werden, zog Mike seine Konsequenzen: Er trat vom Wettkampfbodybuilding zurück und blieb dem Sport insbesondere als Autor treu, bevor er und sein Bruder im Jahr 2001 verstarben.


Weitere ungekrönte Könige?


Es gibt fraglos eine größere Zahl an erfolgreichen Wettkampfbodybuildern, die niemals den Mr. Olympia Titel für sich erlangen konnten. Flex Wheeler, Kevin Levrone, Nasser El Sonbaty oder Kai Greene fallen vielen Fans sicherlich als Namen ein, wenn es um Athleten geht, denen der Sieg beim Mr. Olympia trotz beeindruckender Form immer wieder verwehrt blieb.

Doch keinem von ihnen gelang es alle Kontrahenten der eigenen Klasse hinter sich zu lassen. So gesehen, kann die Geschichte des Mr. Olympia nur auf drei ungekrönte Könige zurückblicken, die in der Darstellung oftmals zu Unrecht vergessen werden. Ken Waller, Robby Robinson und Mike Mentzer: die Mr. Olympia Sieger, die diesen Titel niemals tragen sollten.

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