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Die elende Frage nach der Motivation

Ich liebe es, wenn Influencer und Fitnessblogger auf Instagram in ihren Stories Fragerunden starten und mindestens jedes zweite Mal die Frage nach der Motivation gestellt wird: "Wie kannst du jeden Tag so motiviert sein ins Training zu gehen?" Und jedes Mal hört man als Antwort: "Ich muss mich nicht motivieren. Für mich gehört es zum Alltag, so wie Zähneputzen. Ich liebe es einfach ins Training zu gehen." Ich frage mich dann immer: Hat das den Leuten jetzt wirklich geholfen? Denkt die Person, die sich das soeben angesehen hat, im nächsten Moment "Ohhh jaa! Jetzt liebe ich es auch und werde bis an mein Lebensende immer motiviert sein fürs Training!"?

Tu die Dinge so, wie sie dir wirklich Spaß machen


Ja, ich weiß, es klingt sehr einfach. Und ja, ich weiß auch, dass es das gar nicht unbedingt ist. Jeder Anfänger und eine Vielzahl der Fortgeschrittenen informieren sich beispielsweise im Internet über das Thema Training. Jeder sagt etwas Anderes und jeder denkt, dass seine Strategien bzw. Übungen die zielführendsten sind.

Foto: Andreas Volmari

Sätze wie „Die Kniebeuge darf in einem ordentlichen Training nicht fehlen. Sie ist ein Muss für massive Beine“ hört der Mensch nicht gerne. Vor allem nicht der, der solche Aussagen für voll nimmt. Und vor allem nicht der, der die Kniebeuge gar nicht mag. Denn kein Mensch mag es im Hinterkopf zu haben, dass er etwas muss. Beim „Müssen“ geht der Spaß an der Sache verloren.

Zum Glück geht mittlerweile der Trend immer mehr weg von der Annahme, dass ganz bestimmte Übungen für Erfolge im Training Bestandteil dessen sein müssen. Stattdessen bewegen wir uns glücklicherweise immer mehr hin zu der Philosophie, dass viele Wege nach Rom führen. Aber zurück zum eigentlichen Thema.
Hast du schon mal zwei Fitnessblogger/innen gesehen, die beide einen echt schönen Body haben und die exakt gleich trainieren? Mit dem gleichen Trainingsplan, der gleichen Satz- und Wiederholungszahl? Nein? Ich auch nicht.
Und das aus dem ganz einfachen Grund, dass auch sie sich ihr Training so aussuchen wie es ihnen am meisten Spaß macht. Sie haben verstanden, dass es nicht den perfekten Plan zum perfekten Body gibt. Das gilt es zu verstehen und sich dann ins Gym zu begeben und einfach auszuprobieren was dir taugt und was dir Spaß macht.

Du wirst sehen, wenn du dir aus Übungen und all den Trainingsvariablen (Pausenzeiten, Intensitätstechniken, ...) einen Plan erstellst, so wie du es wirklich magst, wirst du dich viel seltener aktiv fürs Training motivieren müssen. Wenn du dann wirklich anfangen konntest, das Trainieren zu lieben, und auch den Willen entwickelt hast, besser und stärker zu werden, dann kann das Training immer noch optimiert werden.

Und du wirst sehen, dass es auch hier unzählige Möglichkeiten gibt, wovon dir an diesem Stadium des Mindsets mit Sicherheit auch mindestens eine zur fortbestehenden Motivation und Lust verhelfen kann.

Habe Geduld und mache Vergleichsbilder


Geduld ist nicht unbedingt eine Tugend vieler Menschen heutzutage noch. Dennoch hast du dir mit dem Kraftsport eine Sportart ausgesucht, die einfach Geduld erfordert und da führt auch kein Weg dran vorbei. Während Anfänger etwas weniger Geduld in Sachen Gewichte steigern und sichtbaren körperlichen Veränderungen aufbringen müssen, haben Fortgeschrittene und vor allem Profis häufig wirklich monatelang mit merklicher Progression zu kämpfen.

Wie du dir das mit der elenden Geduld aber vor allem hinsichtlich der äußerlichen Veränderungen am Körper etwas leichter machen könntest, wäre durch Vergleichsbilder. Oftmals passieren kleinste Veränderungen an unserer Physique, die wir im Alltag beim morgendlichen Blick in den Spiegel nicht wahrnehmen würden. Immerhin sehen wir uns Tag für Tag, da fallen Kleinigkeiten einfach nicht auf.

Trotzdem können auch diese Kleinigkeiten unheimlich motivierend sein, weshalb es immer und für jeden Sinn macht, alle paar Wochen mal ein Vergleichsbild von sich selbst zu schießen. Auch hier gilt: Anfänger werden bei angemessenem Training meist schon wochenweise Veränderungen auf diesen Bildern feststellen können. Fortgeschrittene hingegen müssen auf größere Abstände bauen. Pauschal ist der Wochenabstand hier aber schwer zu beurteilen.

Probiert es mit einem Abstand von zwei bis drei Wochen aus. Sollte dies nicht ausreichen, dann vergrößert den Abstand etwas. Ich glaube jedoch, dass dieser Artikel hauptsächlich für Anfänger mit fehlender Motivation interessant ist, die ihre Erfolge getrost wöchentlich dokumentieren können.

Nimm nichts für voll – alles kann, nichts muss


Vor allem als Anfänger, wenn du noch dabei bist den für dich angestrebten Weg ausfindig zu machen, solltest du dir da relativ wenig reinreden lassen. Du musst nicht Bodybuilding machen. Du musst nicht Powerlifting machen. Du musst nicht fünfmal die Woche trainieren und du musst auch nicht auf die Sekunde genau eine Minute Pause zwischen den Sätzen machen.

Dieser Tipp überschneidet sich etwas mit Tipp 1, jedoch liegt er mir sehr am Herzen, weshalb ich ihn nochmals gesondert ausführen möchte. Du wirst merken, es gibt zwei Typen von Tippgebern in deinem Studio: Die, die dir Tipps geben wollen, weil sie für ihr Training brennen und sich genau damit auch gut auskennen. Und dann sind da noch die, die denken sie hätten die Oberahnung, während sich bei ihrem Geschwafel der ein oder andere verstorbene ehemalige Kraftsportler im Grab umdrehen würde.

Egal ob Ahnung oder nicht, eines haben sie gemeinsam: Es macht ihnen Spaß und ist ihre Leidenschaft, aber dabei vergessen sie meist, dass ihre Ambitionen nicht die Ambitionen eines jeden sind. Hol dir anfangs Tipps hinsichtlich der Ausführung der Übungen, die du gerne machen möchtest.

Ob du davon aber 3 oder 5 Sätze, 8 oder 15 Wiederholungen und dazwischen 45 oder 90 Sekunden Pause machst, das überlasse zunächst mit gutem Gewissen deiner Intuition. Solange die Technik stimmt, gibt es für einen Anfänger, der ohne klar definiertes Ziel sich zunächst nur mal Motivation und Lust abholen möchte, nicht viel Richtig oder Falsch. Nimm also nicht alles für voll, was dir erzählt wird. Fang an zu hinterfragen, dich in den unzähligen zur Verfügung gestellten Informationsquellen einzulesen und das für Dich angestrebte primäre Ziel herauszufinden.

Suche dir ein motivierendes Umfeld


Wenn deine engsten Freunde „dieses ganze stumpfe Gepumpe“ sowieso nur komisch und lächerlich finden, ist klar, dass du selbst es wahrscheinlich ziemlich zeitig auch in Frage stellen wirst. Das heißt nicht, dass du denen gleich mal die Freundschaft kündigen sollst. Nein.

Das heißt aber, dass du dir ein (zusätzliches) Umfeld schaffen solltest, das motivierend auf dich wirkt. Oftmals sind die Leute im Gym, die teilweise böse aussehen, einfach nur aufs Training fokussiert aber in einer kleinen Konversation in einer Satzpause oft sehr handzahm. Halte dich an die Leute, die so trainieren, wie du es auch gerne mal tun würdest. Die, bei denen dir schon das Zuschauen Spaß bereitet.

Frag sie beispielsweise nach Tipps zu Übungsausführungen und komme langsam mit ihnen ins Gespräch. Natürlich soll das Ganze nicht in einem Kaffeeklatsch ausarten, der das Training ersetzt. Hat man aber mal das richtige Maß zwischen Socializing durch Gespräche im Studio und effektivem Training gefunden, kann jeder Fitnessstudiobesuch zu einem Tageshighlight werden. Und ich kann versprechen: An wenigen Plätzen ist es so einfach so viele komplett unterschiedliche Persönlichkeiten kennenzulernen, wie im Fitnessstudio.

Foto: Matthias Busse

Nutze die Medien


Dabei geht es sowohl um soziale Netzwerke als auch um Dinge wie Spotify. Die richtige Musik im Training kann dich meinen Erfahrungen nach in eine andere Welt katapultieren. Bei mir selbst sorgen die passenden Klänge nicht selten dafür, dass ich super im Fokus bin, die Welt um mich rum vor allem während des Satzes abschalte und einfach das Training genieße.

Oftmals tut die Musik, die man auch beim Duschen hören würde, dabei richtig gut. Es gibt aber auch einige Personen, die genau die Musik beim Training brauchen, die sie im sonstigen Alltag nicht hören würde, weil sie sie beispielsweise leicht aggressiv macht. Genau das ist aber für viele eine erstrebenswerte Emotion während des Trainings.

Probiere aus, was dir taugt! In der Sparte „soziale Netzwerke“ geht es vor allem um Instagram und Youtube. Suche dir Accounts, die dich motivieren, dir Input geben, dich gut fühlen lassen in dem wer du bist und was du machst und solche, die am besten auch noch korrekte Informationen über die Basics oder gerne auch über Tiefergehendes vermitteln.

Weg mit denjenigen Accounts, die Werbung über Werbung posten. Accounts, Leute beeinflussen; deren Posts mit Worten wie „müssen“ oder „nicht dürfen“ durchsetzt sind und ebenso weg mit denen, die dich Tag für Tag schlechter fühlen und an dir und deinem Körper zweifeln lassen.

Auch sehr motivierend: Menschen, die den ganzen Prozess vom Trainingsanfänger bis heute teilen, wobei es oftmals am psychologisch wertvollsten ist, wenn du dir unter diesen Accounts genau diese raussuchst, die mal genau da gestartet sind, wo du heute bist. Das bedeutet, bist du übergewichtig, dann suche dir Blogger, die ebenfalls übergewichtig sind oder es waren.

Kleines Schlusswort zur richtigen Motivation


Stell dir selbst mal folgende Fragen: Kann ich mich mit der ganzen Sache wirklich identifizieren? Bin das wirklich ich bzw. will ich wirklich diese Person sein? Diese Fragen sollte man sich meiner Meinung nach vor jeder größeren Entscheidung im Leben stellen.

Ob es dabei um das Studium oder die Arbeit, um die Entscheidung Wettkampfsport versus Hobbysport, oder auch um die Entscheidung über die Sportart an sich geht – sobald etwas wirklich Teil deines Alltags werden soll, solltest du dich auch damit identifizieren können. Denn ohne Identifikation kein Spaß und ohne Spaß kein Durchhaltevermögen und keine Erfüllung. Da bringen dann leider selbst die besten Tipps, wie man Lust auf etwas entwickeln könnte, nichts.

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