Zukünftiger Mr. O Teilnehmer?

Emir Omeragic – Deutschlands neue Hoffnung im Schwergewicht?

Lange Zeit sah es düster aus mit dem deutschen Nachwuchs im Schwergewichts-Bodybuilding. Doch in jüngster Vergangenheit sind einige Talente nachgerückt, die hoffnungsfroh stimmen. Zu ihnen zählt zweifelsfrei Emir Omeragic, der sich mit seiner brachialen Masse bereits mit Anfang 20 unter den Profis zu behaupten weiß.

Omeragic: Vom Kriegsgebiet nach Nordrhein-Westfalen


Emir Omeragic wurde am 23. Oktober 1998 in Bosnien geboren. Seine Familie floh vor dem Krieg nach Montenegro, wo er seine frühe Kindheit verbrachte. Als Siebenjähriger zog Omeragic nach Minden, da sein Vater dort ein gutes Jobangebot erhalten hatte. Bis heute ist er in Nordrhein-Westfalen wohnhaft. Auf Wettkämpfen vertrat er auch schon seine erste Wahlheimat Montenegro, tritt aber mittlerweile nur noch unter deutscher Flagge an.


Emir Omeragics Einstieg ins Wettkampf-Bodybuilding


Nachdem die ersten Sprachbarrieren überwunden wurden, lebte sich Omeragic schnell in der neuen Umgebung ein und trat einem Fußballverein bei. Hier spielte er fünf Jahre aktiv, stellte aber irgendwann fest, dass ihm Teamsportarten nicht wirklich Freude bereiten.

Mit 15 meldete Emir sich mit ein paar Freunden im Fitnessstudio an. Nach eigenen Aussagen trainierte er im ersten halben Jahr ausschließlich seinen Bizeps. Erst nach und nach integrierte er auch andere Muskelpartien in seinen Plan und selbstverständlich fanden die Beine hier ganz zuletzt ihren Eingang. Den Rückstand hat er inzwischen bekanntlich mehr als aufgeholt.

Bereits zwei Jahre nach dem etwas stümperhaften Trainingsstart stand er das erste Mal auf der Bühne. Unter seinem damaligen Betreuer Daniel Gildner wurde der mittlerweile 17-Jährige im Naturalverband GNBF auf Anhieb Deutscher Juniorenmeister und Zweiter bei den Männern. Nach diesem gelungenen Einstand beschloss er, die Herausforderung zukünftig im IFBB zu suchen.

Einer der jüngsten IFBB-Profis aller Zeiten


Nach dem Realschulabschluss absolvierte Omeragic eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei einer Möbelhauskette, doch weil er früh alles auf die Karte Bodybuilding setzen wollte, arbeitete er nach dem Abschluss nie in seinem Lehrberuf. Mit einem Aushilfsjob in einer Kfz-Werkstatt sowie seinem ersten Sponsoring durch Peak finanzierte er seinen neuen Lifestyle.

Omeragic begeisterte sich zwar für die Ästhetik der Classic Physique, doch seine naturgegebene Masse prädestinierte ihn für die offene Klasse. Nachdem die Entscheidung für das Leben als Vollzeitsportler gefallen war, machte er schnell gewaltige Leistungssprünge von bis zu 20 Kilogramm Zunahme pro Jahr. Er trainierte an sechs bis sieben Tagen pro Woche, aß alle zwei Stunden und verbrachte den Rest der Zeit überwiegend schlafend.

So erzielte Omeragic auch im IFBB schnell beachtliche Resultate. Zum Beispiel ein Juniorengesamtsieg und ein zweiter Platz bei den Männern auf der Scitec World Show 2019 oder ein dritter Platz auf der Mr. Olympia Amateur 2019 im spanischen Alicante, einer der hochkarätigsten Amateurwettkämpfe überhaupt.

Dabei widerstand der gebürtige Bosnier nach Absprache mit seinem Coach der Versuchung, sich die IFBB-Pro Card als jüngster Bodybuilder aller Zeiten zu sichern. Er investierte lieber einige weitere Monate in den Aufbau und sicherte sich die begehrte Profilizenz schließlich als Sieger des Big Evolution Pro Qualifier 2021 in Portugal, mit immer noch blutjungen 21 Jahren. Bei seinem Profi-Debüt auf der renommierten EVSL Prague Pro wurde er sofort sehr guter Siebter.

Der erste deutsche Mr. Olympia?


Mittlerweile bringt Emir Omeragic in der Offseason 130 Kilogramm und in Bühnenform immer noch fast120 Kilogramm auf die Waage. So fällt er selbst unter den Profis durch seine erstaunliche Masse auf. Gute Ergebnisse wie der fünfte Platz auf der Arnold Classic South America oder der vierte beim Romania Muscle Fest Pro 2021 zeigen, dass ihm die Pro-Card völlig zurecht verliehen wurde.

Nach mehreren Trainerwechseln wird er derzeit von dem Amerikaner Chris Aceto betreut, der schon Superstars wie Jay Cutler oder Shawn Rhoden zu ihren ganz großen Siegen begleitet hat. Die Trainerwahl deutet an, welches Ziel sich Omeragic gesteckt hat: Nichts Geringeres als den Sieg in der offenen Klasse des Mr. Olympia.

Zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine Qualifikation bereits ein sehr positives Signal für das nicht grade erfolgsverwöhnte deutsche Bodybuilding. Die hat Omeragic zuletzt mit dem zweiten Platz beim Bigman Weekend 2021 knapp verpasst. Die Fan- und Fachwelt ist sich aber sicher: Eine Teilnahme und vielleicht sogar Finalplatzierung Omeragics ist schon in sehr naher Zukunft absolut realistisch.

Emir Omeragic in den Sozialen Medien


Nach dem Sponsorenwechsel zu GN und einigen weiteren Kooperation kann sich Omeragic mit finanziell freiem Rücken seinen großen Plänen widmen. Auf Instagram hat er rund 32k Follower, seinen kleinen YouTube-Channel haben knapp 9,5k Nutzer abonniert. Der praktizierende Muslim ist, trotz gelegentlicher öffentlicher Auseinandersetzungen z.B. mit Patrick Moore oder Matthias Botthof, bei den Bodybuilding-Fans aufgrund seiner besonnenen Art sehr populär. Seine „Freak-Genetik“ hat ihm sogar einen Auftritt in einem Musikvideo der Rapper Kollegah und Farid Bang verschafft.

Omeragics Zukunft scheint golden. Beobachtern bereitet jedoch bisweilen das schwere und recht unsaubere Training des Megatalents Sorgen. Es bleibt zu hoffen, dass der genetisch so Gesegnete sein Pulver nicht schon in jungen Jahren verschießt und uns langfristig auf den Profiveranstaltungen des IFBB begeistern wird – vielleicht sogar eines Tages mit der Sandow in der Hand.

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