Der Team Andro-Athlet im Fokus

Athletenportrait Enrico Hoffmann

New York im Mai 2019: Enrico Hoffmann überzeugt bei der New York Pro in der 212 mit einer super Form, wird aber nur in den zweiten Vergleich gerufen. Es kommt zu einem folgenschweren Missverständnis und einem Shitstorm in sozialen Netzwerken. Doch Enrico stünde nicht dort, wo er heute steht, wenn er sich von derartigen Rückschlägen aus der Bahn werfen lassen würde. Der TEAM-ANDRO-Athlet im Portrait.


Enricos Vorstellung als neuer Team Andro-Athlet im Jahr 2018.


Der Junge aus Weida

Enrico wächst im ostthüringischen Weida auf. Neben der Schule und seiner Ausbildung zum Elektriker hat er zu dieser Zeit vielfältige Hobbies wie Taek-Won-Do und dem Basteln und Schrauben an Computern, Fahrrädern, später auch Mopeds und Autos. 2004, im Alter von 16 Jahren, kam er erstmals in Kontakt mit Bodybuilding und seitdem nicht mehr davon los.

Enrico beschreibt sich als ehrgeizig, zielstrebig, teils sogar etwas verbissen.

Aus dem Hinterhof auf die Bühne

Enrico war 14 Jahre alt, als er in Begleitung eines Bekannten seiner Mutter erstmals ein Gym betrat. „Das war ein kleines privates Hinterhofstudio“, erinnert er sich. Obwohl sein Feuer gleich entflammt war, dauerte es bis zu seinem 16. Geburtstag, bis ihm seine Eltern das Training endlich erlaubten. Schon recht früh wuchs die Begeisterung für Wettkämpfe.

„Mein bester Freund trainierte schon zwei Jahre länger und hatte schon Wettkämpfe bestritten. Wir verbrachten sehr viel Zeit zusammen, tauschten uns aus und wuchsen sozusagen gemeinsam in den Sport herein.“


Keine halben Sachen

Mit zunehmender Begeisterung für den Sport schwand der Platz für weitere Hobbies. 2012, im Zuge seiner ersten Vorbereitung, gab Enrico dann das Autoschrauben auf, um sich komplett auf Bodybuilding konzentrieren zu können.

„Entweder mache ich mehrere Sachen halbherzig oder fokussiere mich auf eine Sache und gebe dort 100 Prozent.“


Sich selbst beschreibt Enrico als ehrgeizig, zielstrebig, teils sogar verbissen. Sein Antrieb sei vor allem auch, „es denen zu beweisen, die nie an mich geglaubt haben“.

Enrico auf seiner ersten „Deutschen“ im Jahr 2012.

Die erste Vorbereitung

Mit Enricos Ehrgeiz geht der Wunsch einher, seine Wettbewerbsfähigkeit zu testen, zu sehen, „ob ich mit den Besten der Welt“ mithalten kann. „Ich will mein mühsam erarbeitetes Paket zeigen und bewerten lassen.“

Die Vorbereitung auf seinen ersten Wettkampf, die Ostdeutsche Meisterschaft des DBFV 2012 beschreibt Enrico im Vergleich zu seinen aktuellen Vorbereitungen als „sehr einfach gestrickt“.

„Kaum Abwechslung, nicht viel Mühe in der Gestaltung des Essens, nicht komplett überdachte Nährwertaufteilungen.“


Dennoch reichte es für Enrico, den damals schon Jens Schneider als „garantierten Finalisten“ auf der Internationalen Deutschen Meisterschaft bezeichnete, bei seinem ersten Wettkampf zur Qualifikation eben dieser Meisterschaft, wo er aber in einem sensationellen Feld in der Elimination ausschied.

2013 wurde Enrico in Bochum Dritter auf der Internationalen Deutschen Meisterschaft.

Der Weg an die Spitze

Sich von solchen Rückschlägen entmutigen zu lassen, liegt nicht in Enricos Natur, sodass er ein Jahr später wieder auf der Bühne der Internationalen Deutschen Meisterschaft stand und sich einen starken dritten Platz in der Klasse bis 90 Kilogramm holte. Nachdem er 2014 eine Wettkampfpause einlegte, holte sich Enrico im Mai 2015 in einem hart umkämpften Feld den lang ersehnten Titel des Deutschen Meisters.

Im dritten Anlauf holte sich Enrico 2015 den Titel des Deutschen Meisters.

In Prag zur Pro Card

Nachdem Enrico auf nationaler Ebene alles erreicht hatte, standen internationale Starts auf dem Programm, denn Enrico wollte sich ja „mit den Besten der Welt“ messen. 2017 hatte er bei der EVLS Prague Pro die Gelegenheit dazu. Und diese nutzte er!

Mit dem Gesamtsieg der Amateure auf der EVLS Prague Pro 2017 holte sich Enrico die Pro Card.

Nach einem überzeugenden und klaren Klassensieg in der Klasse bis 90 Kilogramm traf er im Gesamtsiegerstechen unter anderem auf den sehr starken Ukrainer Olek Kryvyi aus der Klasse bis 100 Kilogramm und Michal Križánek, der zuvor Adolf Burkhard in der Klasse über 100 Kilogramm besiegt hatte – und holte sich den Gesamtsieg und damit die Pro Card.

„Natürlich habe ich mich sehr über diesen Triumph gefreut, aber es brauchte dann doch ein paar Tage, bis ich das wirklich realisiert habe.“


Der erste Profiwettkampf

Enrico war nun also seinem Vorbild zu Anfangszeiten, Ronnie Coleman, in die IFBB Pro League gefolgt. Nach über einem Jahr der Vorbereitung stand dann mit der Indy Pro 2019 der erste Profiwettkampf auf dem Plan. Und dieser endete mit einem vollen Erfolg: Hinter Noel Adame und Aaron Polites wurde Enrico Dritter.

Platz 3 bei Profidebüt von Enrico auf der Indy Pro 2019.

Auch wenn diese Platzierung ein mehr als achtbares Ergebnis für das Profidebüt war, wäre Enrico nicht Enrico, wenn er dennoch nicht ganz zufrieden war, denn „ab dem zweiten Platz ist schon verloren“.

Die NYC-Story

Wenige Wochen später stand die New York Pro auf dem Plan, einer der renommiertesten Wettkämpfe überhaupt. Entsprechend stark war das Teilnehmerfeld.

Auch auf der New York Pro 2019 zeigte Enrico eine starke Form.

So kam es, dass Enrico trotz einer bestechenden Form nur in den zweiten Vergleich gerufen wurde. Für ihn war daher nach dem Prejudging klar, dass der Wettkampf für ihn gelaufen war. Durch ein Missverständnis blieb Enrico daher dem Finale fern und wurde disqualifiziert. Was genau vorgefallen ist, wie Enrico seinen Fehler einschätzt, dazu wurde alles gesagt.


Spotlight – die große Team Andro-Doku zu Enricos Start in New York.


Zusammenarbeit mit Manuel Bauer

Nachdem die erste Enttäuschung über die Vorkommnisse in New York abgeklungen war, begann Enrico zusammen mit seinem Coach Manuel Bauer die Planung für die nächsten Wettkämpfe.

„Manuel und mich verbinden sehr viele gleiche Denkweisen und Einstellungen in vielen Hinsichten. Wir beide kennen unsere Körper über die Jahre genau und ergänzen uns wirklich sehr gut, was ihm die Zusammenarbeit mit mir ziemlich vereinfacht. Ich bringe Ideen ein, er bringt Ideen ein und das gibt meist richtig tolle Ergebnisse und neue Erfahrungswerte.“


Dabei haben die beiden in der Offseason eher selten Kontakt, da Enrico eine Art „Selbstläufer“ ist. In Wettkampfvorbereitungen jedoch gibt es dann doch wöchentlichen Kontakt.

Enrico mit seinem Coach Manuel Bauer.

Die Lehren aus vielen Jahren Bodybuilding

Über die Jahre hat Enrico sich natürlich einen enormen Wissensschatz angeeignet. Sein Training heute ist reicher an Alternativen als früher. Enrico variiert häufig die Intensitäten und Übungen.

„Mit den Jahren lernt man seinen Körper immer besser kennen und kann die Übungen besser dem eigenen Körper anpassen. Fakt ist, schwer ist nicht immer richtig.“


Auch seine Ernährung hat sich in den Jahren weiterentwickelt.

„Ich esse abwechslungsreicher, esse viel Rindfleisch, lege viel Wert auf die Qualität der Proteinquellen, Kohlenhydratquellen und die Aufteilung der Nährwerte.“


Darüber hinaus setzt er auf wichtige Vitamine und Gesundheitssupplemente, gelenkschützende Supplemente, hochwertige Whey Proteine und EAA.

Da Enrico selbst bereits viel Erfahrung mitbringt, ist Manuel im Grunde für das Feintuning zuständig.

Enricos Form kurz vor dem Diätabbruch im Februar 2020.

Neue Ziele

Aktuell kommt Enrico auf rund 114 Kilogramm Körpergewicht bei einer moderaten Diät. Zum Vergleich: 2019 war sein Höchstgewicht in der Offeseason 112 Kilogramm, auf die Bühne brachte er 95,2 Kilogramm. 2020 waren es dann 116 Kilogramm in der Offseason und vier Wochen vor Wettkampf, als dessen Absage bekannt wurde, 102,8 Kilogramm. In diesem Jahr erreichte Enrico 121 Kilogramm und plant, mit 104 bis 107 Kilogramm auf die Bühne zu steigen. Mit seinen Fortschritten ist er durchaus zufrieden, auch wenn natürlich ständig und stetig an Schwachstellen gearbeitet wird. Dazu zählt er neben dem Quadrizepsschwung, dem Beinbeuger und dem langen Trizepskopf vor allem das Posing. Ein Anziehen der Diät ist erst geplant, wenn die angedachten Europawettkämpfe wirklich sicher sind. Denn eine Vorbereitung in Coronazeiten ist alles andere als planbar.

„Es ist eine reine Katastrophe. Wettkämpfe in den USA braucht man gar nicht planen, denn sofern es nicht die Mr. Olympia ist, zu der man möchte, sieht das amerikanische Konsulat Wettkampf-Bodybuilding als keinen triftigen Grund in die USA einzureisen. Also bleibt aktuell nur die Hoffnung, uns auf die Europawettkämpfe fokussieren zu können.“


Trotz der widrigen Umstände will sich Enrico nicht beklagen, denn als Profisportler ist es ihm weiterhin gestattet, zu trainieren.


Stefan Kienzl nimmt Enrico Anfang 2021 unter die Lupe.


Ob es dann wirklich möglich sein wird, in 2021 Wettkämpfe zu bestreiten, steht selbstverständlich in den Sternen. Dennoch hält Enrico an seinem Traum, einmal am Mr. Olympia teilzunehmen, fest.

„Ich stecke mir gern Etappenziele, was kurzfristig die Qualifikation zur Mr. Olympia ist, danach kommt die Teilnahme bei der Mr. Olympia mit dem Ziel einer Top10 Platzierung.“


Dabei peilt Enrico einen Start in der offenen Klasse an.

„Wir haben in der Vorbereitung 2020 schon gemerkt, dass ich bereits vier Wochen vor der geplanten ersten Show mit 102,8Kg noch viel zu schwer für die 212 war und das bei schon fast fertiger Form. Wir hätten also mit Glück und Gewicht drücken das Gewichtslimit geschafft.“


Langfristig wünscht sich Enrico „ein paar sehr erfolgreiche Jahre als Profi. Nebenbei will er etwas für die Zukunft, die Zeit nach der Profikarriere aufbauen, um irgendwann „das Leben noch etwas zu genießen, was aktuell oft hintenangestellt werden muss.“ Dazu zählt neben dem Reisen und dem Motorradfahren vor allem Nachwuchs.

Enrico gemeinsam mit Steve Benthin nach der New York Pro 2019.

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