No Brain - No Gain Med #3/2011

Epicondylitis humeri radialis

********

Disclaimer - Hinweis zu Gesundheitsthemen
Jeder Körper ist individuell und daher erfordert jede Therapie eine vorausgegangene Diagnostik durch entsprechend ausgebildetes medizinisches Fachpersonal. Die Darstellungen von Krankheitsbildern und mögliche Therapieansätze sind immer als allgemeine Darstellung zu verstehen, welche individuelle Abweichungen nicht berücksichtigen kann. Entsprechende Beiträge auf Team-Andro.com dienen rein der Information und haben nicht die Intention, eine medizinische Untersuchung zu ersetzen.

********

Logo


Definition

Unter der Bezeichnung Epicondylitis humeri radialis versteht man eine schmerzhafte Sehnen-Ansatzreizung (auch Insertionstendopathie genannt) der Handgelenk- und Fingergelenkextensoren am radialen Epicondylus (Knochenvorsprung oberhalb des Gelenkknorrens) des distalen Teils des Oberarmes. Somit gehört die Epicondylitis humeri radialis zu den Enthesiopathien (Sehnenansatzerkrankungen). Landläufig wird diese Erkrankung auch als Tennisellenbogen bezeichnet.

Epic


Anders als der Name erwarten lässt (die Wortendung –itis bezeichnet in der Medizin in der Regel eine Entzündung), handelt es sich bei der Epicondylitis humeri radialis um eine primär degenerative Veränderung des Sehnenansatzes. Die Schmerzen entstehen hierbei durch kleine Risse (Mikrotraumata) im Sehnenansatz.

Epic


Anatomisch betrachtet ist anzumerken, dass alle Extensoren der Muskulatur von Finger- und Handgelenk einem gemeinsamen Ursprung, den Epicondylus humer radialis, welcher am lateralen Anteil des Ellenbogens liegt. Somit konzentrieren sich viele Muskelursprünge auf eine kleine Fläche, was die Entstehung einer mechanischen Überlastung begünstigt.

Ursachen

In der Regel sind monotone, feinmotorische Tätigkeiten, welche bei gleichzeitiger Dauerbelastung der Extensoren des Handgelenkes die Ursache für eine Überbelastung der Ansatzsehnen. Typische Bewegungen sind Tennis (vor allem bei falscher Schlagtechnik), Tippen an einer Computertastatur, Wand streichen, intensives Schrauben drehen. Gerade andauernde extensive Belastungen sind für die Mikrotraumata verantwortlich. Durch die andauernde Belastung hat das betroffene Gewebe kaum Zeit zu regenerieren. Aus den Mikrotraumata entstehen mit der Zeit oft eine Entzündung, welche einerseits die Schmerzen verstärkt, andererseits auch die Entstehung weiterer Mikrotraumata begünstigt. Betroffen sind in aller Regel die Sehnenansätze von M. extensor carpi radialis brevis und M. extensor digitorum communis.

Diagnose

Die Symptome einer Epicondylitis humeri radialis sind deutlich spürbar, im Sinne von äußerst schmerzhaft, auch im Ruhezustand. Die Schmerzen konzentrieren sich meist auf den Sehnenansatzbereich, können jedoch über den Unterarm bis in die Finger und über den Oberarm bis hin zur Halswirbelsäule ausstrahlen. Die Schmerzen werden oft als stechend beschrieben und gehen oft mit einer teils deutlichen Muskelschwäche einher.

Die ärztliche Diagnose erfolgt primär über die Anamnese, wobei häufig ein Röntgenbild erstellt wird, um knöcherne Begleitverletzungen auszuschließen. Seltener kommen weitere bildgebende Methoden zum Einsatz (MRT), die Schädigungen der Weichteile dokumentieren können. Selten kommt es zu Rötungen und Schwellungen im Bereich des Ellenbogens, was als weiteres Indiz herangezogen werden kann.

Therapie

In aller Regel wird eine Epicondylitis humeri radialis konservativ behandelt. Zunächst erfolgt in aller Regel eine Ruhigstellung des betroffenen Armes. Je nach Schwere der Symptome kann auch eine Gipsschiene oder eine Epicondylitis-Spange verordnet werden.

Epic


Weiterhin wird eine entzündungshemmende Therapie angewendet. Hier finden sowohl Kältebehandlungen als auch eine medikamentöse Therapie Anwendung. Bei der medikamentösen Behandlung kommen vor allem NSARs wie Diclofenac in Form von Salben oder Tabletten zum Einsatz. Weiterhin kann im Rahmen einer Infiltrationstherapie mit Cortisoninjektionen gearbeitet werden, welche die Entzündung zumeist zuverlässig hemmen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Therapie ist das rehabilitative Training, welches aus einer sinnvoll abgestimmten Kombination von Dehn- und Kräftigungsübungen besteht. Weiterhin versucht man, die Stoffwechsellage günstig zu beeinflussen, was durch Wechselbehandlungen mit Wärme und Kälte, Elektrotherapie und Ultraschall erfolgen kann. Teilweise kann die Ursache auch in Blockaden der Wirbelsäule zu finden sein, welche im Rahmen einer physiotherapeutischen Therapie gelöst werden können.

Hat die konservative Therapie keinen Erfolg und halten die Schmerzen über einen langen Zeitraum an, wird zum Teil eine invasive Behandlung in Betracht gezogen. Hierbei gibt es zwei Standardverfahren: Die Denervierung nach Wilhelm und die Sehneneinkerbung nach Hohmann.
  • Denervierung nach Wilhelm: Hierbei wird der Bereich um den Epicondylus geöffnet und die angrenzenden Nervenäste werden durch einen Elektrokauter verödet, was die Schmerzweiterleitung durch dir Schmerzrezeptoren verhindert.
  • Sehneneinkerbung nach Hohmann: Hierbei erfolgt eine Einkerbung der betroffenen Sehnen nach distal, was zu einer mechanischen Entlastung des Epikondylus führen soll. Weiterhin werden defekte Anteile der Sehnen entfernt und alles neu vernäht.
Zumeist ist eine operative Behandlung jedoch nicht notwendig. Bei etwa 90% der Betroffenen führt die konservative Therapie zu einer weitgehend vollständigen Heilung. Beim Rest kann in aller Regel eine operative Behandlung Heilung verschaffen, nur etwa 2% der Betroffenen kann auch hiermit nicht geholfen werden. Eine Studie aus dem Jahr 2002 belegt, dass eine Behandlung mit Cortison kurzfristig die größten Erfolge verspricht, langfristig jedoch der physiotherapeutischen Behandlung deutlich unterlegen ist. (Link zur Studie)

Komplikationen

Bei der operativen Therapie sind die üblichen Gefahren eines invasiven Eingriffes zu beachten. Entscheidend für den Erfolg der konservativen Therapie ist ein sofortiges Unterlassen aller intensiven Belastungen, insbesondere intensives Krafttraining ist kontraindiziert.

Rehabilitatives Training

Das primäre Ziel des rehabilitativen Trainings ist die Stoffwechselaktivierung von Muskel- und Sehnenstrukturen. Dies und die Tatsache, dass schwere Belastungen kontraindiziert sind, hat zur Folge, dass das Training sich im Kräftigungsbereich zumeist auf rein bradytrophes Training beschränkt. Alle Übungen sollten nur bis zur Schmerzgrenze absolviert werden.

Indikationsspezifische Übungen sind unter anderem:
  • Langhantel- oder Kurzhantelcurls mit proniertem Griff (Obergriff)
  • Handgelenksextension mit Kurz- oder Langhantel, wobei der Unterarm auf einer Bank oder einer anderen Unterlage fixiert wird
  • Seilwickeln im Obergriff
  • Radialabduktion mit Kurzhanteln oder Bändern
  • Fingerextension und –abduktion mit Bändern
  • Vorsichtiges Dehnen von Handgelenkextensoren und –flexoren, wobei das Ellenbogengelenk gestreckt ist

Prävention

Präventiv kann versucht werden, durch gezielte Kräftigung der Unterarmmuskulatur einer Epicondylitis humeri radialis vorzubeugen. Weiterhin sollten symptomauslösende Bewegungen reduziert werden, bzw. wenn dies nicht möglich ist, für einen ausreichenden Ausgleich gesorgt werden.

Hinweis des Autors: Gerne bieten wir auch eine individuell auf euch zugeschnittene Betreuung an. Alle Informationen hierzu findet ihr unter www.ironhealth.de! Ihr habt Fragen? Dann kontaktiert uns doch einfach unter info@ironhealth.de!

Nach oben