No Brain - No Gain Med #1/2012

Epicondylitis humeri ulnaris

Definition

Unter der Bezeichnung Epicondylitis humeri ulnaris versteht man eine schmerzhafte Sehnen-Ansatzreizung (auch Insertionstendopathie genannt) der Handgelenk- und Fingergelenkflexoren am ulnaren Epicondylus des Oberarmes. Somit gehört die Epicondylitis humeri radialis zu den Enthesiopathien (Sehnenansatzerkrankungen), wie auch zu den Myotendinosen (Erkrankungen von Sehnen und Muskeln). Landläufig wird diese Erkrankung auch als Golferellenbogen bezeichnet.
Epicondylitis

Wie auch bei der Epicondylitis humeri radialis handelt es sich bei der Epicondylitis humeri ulnaris um eine primär degenerative Veränderung des Sehnenansatzes. Die Schmerzen entstehen hierbei durch kleine Risse (Mikrotraumata) im Sehnenansatz.

Ursachen

Die genauen Ursachen dieser chronischen Entzündung sind unklar. Man geht heute von einer andauernden Überanspruchung der betroffenen Strukturen in Beruf oder Freizeit hier als mechanischer Auslöser zu sehen sind. Entgegen der landläufigen Bezeichnung als "Golferellenbogen" sind sportliche Aktivitäten eher selten der Auslöser dieser Erkrankung; wenn zumeist als Folge einer mangelhaften Technik. Weit häufiger dürften chronische mechanische Überbelastungen die Ursache sein, welche häufig bei Handwerkern, aber auch bei einer unphysiologischen Nutzung von Tastatur und Maus auftreten. Weiterhin können Erkrankungen wie Fibromyalgie Auslöser sein. Besonders bei älteren Menschen tritt diese Erkrankung häufig auf, fast immer in Verbindung mit teils massiven degenerativen Veränderungen im Ellenbogengelenk, welche zumeist auf Athrose zurückgeführt werden können.

Diagnose

Aufgrund der teils massiven Schmerzen, schon bei einfachen Alltagsbewegungen und Ausstrahlungen in den Unterarm, suchen Betroffene meist von selbst einen Arzt auf. Weitere typische Indikatoren sind eine Kraftminderung beim Schließen der Faust und eine gefühlte Steifigkeit im Ellenbogen. Funktionsdiagnostisch wird zumeist zu Beginn der Untersuchung getestet, wie die betroffene Region auf Druckbelastung reagiert. Eine starke schmerzhafte Reaktion, meist als stechend beschrieben, wäre hier ein Anzeichen für eine vorliegende Epicondylitis humeri ulnaris. Weiterhin sind in der Regel Bewegungseinschränkungen aufzufinden, welche (mit der Ausnahme der oben beschriebenen Patientengruppe) in aller Regel nicht auf degenerative Veränderungen, sondern auf den Schmerzzustand zurückzuführen sind. Der in der Regel folgende Widerstandstest soll lokale neurologische Schädigungen oder ein Zervikalsyndrom als Ursache der Schmerzen ausschließen. Hierbei macht der Patient eine Faust und muss nun versuchen diese gegen Widerstand nach oben zu drücken. Bei einer vorliegenden Epicondylitis humeri ulnaris tritt hierbei eine Intensivierung der Schmerzen auftreten, oft begleitet durch Gefühlsstörungen, welche bei den anderen genannten Krankheitsbildern untypisch sind.

Bei der Einbeziehung bildgebender Maßnahmen ist die Ultraschalluntersuchung zumeist Mittel der Wahl. Hier zeigt sich im Falle einer Erkrankung eine Schwellung der Sehnenansätze. Erst im fortgeschrittenen chronischen Stadium kann man auf einem Röntgenbild Verkalkungsherde feststellen.

Im nächsten Schritt muss eine Unterscheidung von der Epicondylitis humeri radialis vollzogen werden, was sich recht einfach über funktionsdiagnostische Tests vollziehen lässt: Während bei der Epicondylitis humeri radialis vor allem handgelenk- und fingerstreckende Bewegungen schmerzauslösend sind, sind es bei der Epicondylitis humeri ulnaris primär handgelenkbeugende Bewegungen.

Therapie

In erster Linie kommt bei diesem Krankheitsbild eine konservative Therapie in Frage. Hierbei gibt es vielfältige Möglichkeiten:
  • Ruhigstellung der betroffenen Partie durch einen Gips oder eine Armschlinge: Diese Methode kommt heute nur noch sehr selten zum Einsatz, da die betroffenen Strukturen zwar geschont werden, aufgrund der Immobilisation jedoch auch zu Versteifungen neigen, was muskuläre Verkürzungen nach sich ziehen kann.
  • Krankengymnastik: Die Querfriktion gilt heute als sehr erfolgversprechende Behandlungsmethode. Hierbei wird durch Druck mit den Fingerkuppen ein Dehnungsreiz quer zur betroffenen Sehne gesetzt. Diese Art der Massage ist zwar durchaus schmerzhaft, in vielen Fällen aber auch sehr erfolgreich und kann oftmals, nach entsprechender Instruktion durch den Therapeuten, vom Patienten selbst vorgenommen werden. Weiterhin kann durch chiropraktische Manipulationstechniken eine Verbesserung der Gelenkfunktion erzielt werden.
  • Akkupunktur: Durch die Akkupunktur kann häufig der Schmerz gelindert, teils auch die Entzündung gestoppt werden.
  • Physikalische Therapieansätze: Hier sind vor allem verschiedene Wärme- und Kälteanwendungen zu nennen, welche einerseits schmerlindernd, andererseits stoffwechselaktivierend wirken. Beispielhaft seien an dieser Stelle die Anwendung eines Lasers, die Ultraschallanwendung und die Elektrotherapie genannt, weiterhin eine Bestrahlung mit Röntgenstrahlen und eine extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT), welche häufig Erfolg versprechen.
  • Medikamentöse Therapie: Bei der Wahl der richtigen medikamentösen Therapie ist der Fortschritt und Stärkegrad der Krankheit entscheidend. Leichte Formen werden zumeist mit Salbenumschlägen, teils auch mit NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) wie Voltaren oder Ibuprofen behandelt. Bei schwereren Formen kommen häufig infiltrierende Medikamentengaben zum Einsatz. Hierbei werden zumeist Lokalanästhetika und Cortison injiziert um unter Ausschluss des Schmerzzustandes eine Dehnung der betroffenen Sehnen zu vollziehen. Eine langfristige Anwendung von Cortison ist jedoch umstritten, da die Gefahr einer Schädigung der Sehnen und Knochen bestehen kann.
  • Veränderung der auslösenden Bewegungsmuster: Hierbei geht es vor allem darum, speziell bei leichteren Formen, Bewegungsmuster, die krankheitsauslösend sind, auszuschalten. Im Sport kann dies durch eine Technikschulung erfolgen, bzw. wenn dies ohne Erfolg bleibt, der Vermeidung dieser Sportart. Da dies bei den primär auslösenden Bewegungsmustern im beruflichen Umfeld kaum möglich ist, kommen hier häufig ergotherapeutische Methoden zum Einsatz. Hier sind vor allem entsprechend ergonomisch geformte Tastaturen und Computermäuse interessant, bei Handwerkern die Verwendung von elektrischen Schraubenziehern.
Wie eingangs erwähnt, sind konservative Behandlungsansätze zumeist Mittel der Wahl und in der Regel auch sehr erfolgsversprechend. Sollte es dennoch langfristig nicht zu einer Verbesserung oder gar zu einer Verschlechterung kommen, kann ein operativer Eingriff unumgänglich sein. Hierbei wird der entsprechende Sehnenansatz freigelegt und vom Knochen gelöst, was zu einer Verminderung des Muskeltonus führt. Teils werden auch schmerzleitende Nerven durchtrennt.

Postoperativ wird der Ellenbogen zumeist bis zu zwei Wochen lang geschont, wobei in Absprache mit dem Operateur verschiedene konservative Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen können um den Heilprozess zu beschleunigen.

Auch wenn es keine verlässlichen Studien über den Erfolg der operativen Behandlung gibt, gelten die Aussichten als sehr positiv.

Komplikationen

Bei der operativen Therapie sind die üblichen Gefahren eines invasiven Eingriffes zu beachten. Entscheidend für den Erfolg der konservativen Therapie ist ein sofortiges Unterlassen aller intensiven Belastungen, insbesondere intensives Krafttraining ist kontraindiziert.

Rehabilitatives Training

Das primäre Ziel des rehabilitativen Trainings ist die Stoffwechselaktivierung von Muskel- und Sehnenstrukturen. Langfristig ist die vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit als oberstes Therapieziel anzusehen. Dies und die Tatsache, dass schwere Belastungen kontraindiziert sind, hat zur Folge, dass das Training sich im Kräftigungsbereich zumeist auf rein bradytrophes Training beschränkt. Alle Übungen sollten nur bis zur Schmerzgrenze absolviert werden.

Indikationsspezifische Übungen sind unter anderem:
  • Langhantel- oder Kurzhantelcurls im Untergriff
  • Handgelenksflexion mit einer Kurzhantel, wobei der Unterarm auf einer Bank fixiert wird
  • Seilwickeln im Untergriff
  • Ulnarabduktion mit dem Theraband
  • Faustschlussübungen mit einem Schaumstoffball
  • Vorsichtiges Dehnen von Handgelenkextensoren und –flexoren, wobei das Ellenbogengelenk gestreckt ist

Prävention

Präventiv kann versucht werden, durch gezielte Kräftigung der Unterarmmuskulatur einer Epicondylitis humeri ulnaris vorzubeugen. Weiterhin sollten symptomauslösende Bewegungen reduziert werden, was primär durch die Anschaffung entsprechender Arbeitsutensilien möglich ist. Weiterhin sollte im Sport auf eine korrekte Technik geachtet werden. Weiterhin kann eine Epicondylitisspange oder eine entsprechende Bandage den Muskelansatz am Ellenbogen entlasten.

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