Ein österreichisches Multitalent

Fabian Mayr: die österreichische Olympia-Hoffnung

Nach Arnold Schwarzenegger ist es lange Zeit ruhig geworden im österreichischen Bodybuilding. Doch mit Fabian Mayr hat sich in den letzten Jahren ein junger Mann aus Steyr an der Spitze des Sports etabliert. Und Fabian Mayr hat noch mehr zu bieten als eine herausragende Genetik: gebildet, sozial engagiert und verdammt sympathisch – das perfekte Aushängeschild unseres geschätzten Nachbarlandes.

Foto: Instagram Fabian Mayr

Fabian Mayrs Weg zum Bodybuilding


Fabian Mayr wurde 1990 im österreichischen Steyr geboren. Als Kind und Jugendlicher spielte er Fußball. Mit 15 begann er nebenher, Gewichte zu stemmen. Sein schwacher Rumpf hatte schon im frühen Alter zu Rückenschmerzen und Bewegungsdefiziten geführt.

Schnell stellte der Österreicher fest, dass er trotz suboptimalem Vorgehen im Kraftraum große Fortschritte machen konnte. Der Ausstieg aus dem Teamsport verlief schleichend, doch irgendwann entschied Fabian Mayr, sich voll und ganz dem Bodybuilding zu widmen. Doch auch dann sollte es noch fast acht Jahre dauern, bis sich der damals 22-Jährige an seine ersten Wettkämpfe wagte.

Von der Krebsdiagnose in Arnolds Fußstapfen


Als Amateur startete Fabian Mayer zunächst in der offenen Klasse. Seine Karriere wurde in ihrer Frühphase von einer Schockdiagnose überschattet: 2014 wurde bei ihm Hodenkrebs diagnostiziert. Zweieinhalb Wochen vor dem Mr. Universe unterzog er sich einer OP und belegte danach als einer der jüngsten Teilnehmer einen hervorragenden dritten Platz. Der Krebs trat danach nicht wieder auf.

Im Jahr 2016 gewann Fabian Mayr als erst dritter Österreicher den Mr. Universe im britischen Birmingham und tat es damit seinem berühmten Landsmann Arnold Schwarzenegger gleich. Der prestigeträchtige Titel brachte dem Steyr in seiner Heimat einen für Bodybuilder ungewöhnlichen Promistatus ein. Eine Zeit lang trat er gar in seiner eigenen Kochshow „Koch dich fit mit Mr. Universe“ im österreichischen Fernsehen auf und wurde zum Juror bei der Wahl zum Mister Oberösterreich ernannt.

Der Weg zum IFBB-Pro


Nach dem Durchbruch in Birmingham ging es erfolgreich weiter. 2017 wurde Fabian Mayr in Russland Weltmeister bei der NABBA. Nach einer dreijährigen Wettkampfpause wechselte der ehemalige Open Bodybuilder in die Classic Physique des IFBB. 2020 versetzte er die Szene in Erstaunen, als er sich in einem mit 32 Startern außergewöhnlich dicht besetztem Feld den Klassen- und Gesamtsieg auf der Arnold Classic Amateur in Ohio sicherte. Selten wurde eine IFBB Pro Card derart verdient vergeben – und das auch noch inmitten der Wirrungen der Corona-Pandemie.

Fabian Mayr auf Kurs zum Mr. Olympia


Bei seinem Profidebüt auf der Mr. Big Evolution Pro 2021 reichte es für einen fünften Platz. Schnell zeigte sich, dass der mit 1,89 Meter hoch gewachsene Athlet mit den Topleuten der Profiliga problemlos mithalten kann. Fabian Mayrs schöne Linie und Symmetrie würde schon bald für einen Sieg und damit einhergehend für die Mr. Olympia-Qualifikation reichen.

Auf der Europa Pro in Alicante sicherte sich Mayr mit seinem ersten Profisieg die direkte Qualifikation für den Mr. Olympia. Hier belegte er auf Anhieb einen starken achten Rang.

Auch 2022 wird Fabian Mayr beim Mr. Olympia starten. Auf der Empro Classic Pro im Juli gewann er mit seinem bislang stärksten Paket überlegen einen weiteren Profiwettkampf. Die DACH-Region erwartet gespannt, was im Dezember in Las Vegas auf der Bühne gezaubert werden wird – und vor allem, wie das Duell mit Fabian Mayrs unmittelbaren Konkurrenten Urs Kalecinski ausgehen wird.

Mehr als nur ein Bodybuilder


Fabian Mayrs Vita hat mehr zu bieten als das Vollzeitbodybuilding, dem er mittlerweile nachgeht. Nach der Matura leistete er seinen Zivildienst in einem Kinderheim, studierte dann Jura und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der rechtswissenschaftlichen Fakultät. 2020 machte er in seinem Heimatland Schlagzeilen, als er zur Hochzeit der Pandemie freiwillig einen Dienst in einem Pflegeheim leistete.


Mittlerweile widmet sich der ESN- und Vayu-Athlet wieder voll seinen sportlichen Aufgaben. Er betreibt einen Supplement-Onlineshop und eine Bekleidungslinie. Privat ist er glücklich mit der Schweizer IFBB-Pro Athletin Rahel Cucchia liiert.

Wie es auf den Bühnen der Welt für den Juristen weitergeht, ist offen. Starcoach Stefan Kienzl, mit dem der Classic Physique Athlet seit 2013 zusammenarbeitet, sähe ihn gern in die offene Klasse zurückkehren. Ob der ehemalige Krebspatient für die damit einhergehenden gesundheitlichen Risiken auf sich zu nehmen bereit wäre, ist fraglich. Ohnehin sind sich Fans und Kenner einig: Derzeit verkörpert kaum ein Athlet die Ästhetik der Classic Physique so perfekt wie Fabian Mayr.

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